100 Jahre Einsamkeit

Der Club ist ein Weißt-du-noch?-Verein geworden. Nie war das so deutlich, als vor dem Frankenderby. Angesichts der gegenwärtigen Tristesse wurde da nur noch erinnert. Nicht nur an die erste Meisterschaft vor 100 Jahren , auch die „Legende“ und Heiner Stuhlfauth wurden zitiert. Und wenn das passiert, weiß der Clubfan: Jetzt ist es ernst.

Doch beim Club kann man offenbar nicht mal mehr mit der Historie umgehen. Gegen die Fürther lief die Mannschaft in Weiß auf. In Weiß!

Sportlich gesehen waren die Prämissen eigentlich optimal. Die Fürther hatten nach der Corona-Pause noch nichts gerissen und waren vor dem Derby das schwächste Geister-Team. Zudem konnte sich der Club erholen, während die Greuther unter der Woche noch zum Nachholspiel gegen Dresden ran mussten. Eine Prise Selbstvertrauen dürfte man zudem durch das Unentschieden beim Tabellenführer getankt haben. Wobei da schon wieder der realistische Blick verstellt wurde, denn spätestens das freitägliche Unentschieden von Sandhausen in Bielefeld hätte den Clubverantwortlichen die Augen öffnen müssen, dass die Arminia inzwischen in den Safety-Modus geschaltet hat und das 1:1 in Bielefeld nicht überbewertet werden sollte.

In der ansonsten ziemlich öden ersten Hälfte waren es vor allem zwei energische Balleroberungen durch Valentini und Schleusener, die kurz andeuteten, wie es gehen und der ersehnte Dreier eingefahren werden könnte. Letztlich verpufften allerdings die Angriffsbemühungen. Da auch Fürth sich dem gemütlichen Sommerfußball angepasst hat, hätte man von einem 0:0 ausgehen können, wäre da nicht jene clubeigene Fähigkeit der Selbsteinschläferung. Die führt dann immer zu Konzentrationsmängeln und dazu, dass der Gegner mit relativ bescheidenen Mitteln doch noch zum Torerfolg kommt. Wie Fürth in der 56. Minute durch Raum.

Danach offenbarte sich erst das ganze Dilemma des aktuellen Clubkaders. Da ist keiner, der sich noch aufbäumt, keiner dem mal was Originelles einfällt. Strukturen sind in dieser Mannschaft ohnehin nicht erkennbar. Zudem scheint inzwischen jedem klar zu sein, dass die Einkaufspolitik vor der Saison ein Schuss in den Ofen war. Dovedan saß noch nicht einmal auf der Bank, und Geis wartete dort vergeblich auf die Einwechslung. Sorg soll zudem Konditionsprobleme haben, kam dann aber ebenso wie der formschwache Kerk trotzdem noch als „Retter“ auf den Platz. Zu retten gab es da aber nichts mehr. Es blieb beim 0:1.

Dass ein Derby, und dann auch noch so, verloren wird, hätte uns zu früheren Zeiten noch auf die Palme gebracht. Inzwischen ist vieles anders. Man weiß noch nicht einmal, ob man den drohenden Abstieg beklagen oder herbeiwünschen soll, zumal einem dann solche Derbys erst einmal erspart blieben. Genausowenig weiß man, wen man beim Club als erstes ersetzen soll. Selbst die Trikotverantwortlichen scheinen dort nur noch falsche Entscheidungen zu treffen. Vom Erfolg ist dieser Verein wirklich 100 Jahre entfernt.

Frankenderby zum Abgewöhnen

Dass der fränkische Profifussball auf den Hund gekommen ist, das kann man leider nicht bloß der Tabelle entnehmen. Was da heute in der Würzburger Flyeralarm-Arena von den beiden Mannschaften abgeliefert wurde, hatte mit besagter Sportart nur noch wenig zu tun. Ein Spielfluß war kaum erkennbar. Spielideen und ein Spielplan auch nicht. Wobei man den Würzburgern zumindest attestieren muss, dass sie wohl die Absicht hatten, nach der frühen Führung eher destruktiv ans Werk zu gehen.

Bis zur 10. Minute hatte nämlich der Club noch durchaus ansehnlich agiert, sich eine Überlegenheit erspielt und Druck aufs Würzburger Tor entwickelt. Allerdings ohne dabei richtig gefährlich zu werden. Das gelang den Kickers bei ihrer ersten Chance ungleich besser. Rama wird von Behrens und dem erneut indisponierten Kapitän Brecko nicht attackiert und markiert so das zu diesem Zeitpunkt doch ziemlich überraschende 1:0. Danach verlor der Club völlig den Faden und wurde von den Kickers zeitweise regelrecht vorgeführt. Erst gegen Ende der ersten Hälfte gelingt es, ein paar Chancen zu generieren. weiter lesen

Der Derbydepp verliert zway zu dray

COyLA73WgAEKBWM.jpg_largeSeien wir ehrlich, einen Sieg hätte diese Clubmannschaft nicht verdient. Aber so, wie das Spiel gelaufen ist, kann man die Schuld, dass es auch diesmal nicht zu einem Derbyerfolg für den FCN gereicht hat, auch bei Schiedsrichter Felix Zwayer suchen. Der Ausgleichstreffer zum 1:1 fiel nach einem Freistoß, der keiner war. Der 2:1-Führung der Fürther ging eine klare Abseitsstellung voraus. Insofern könnte man an der Schiedsrichtergilde und am DFB verzweifeln. Vor allem vor dem Hintergrund des abstrusen Elfmeters, den die Bayern gestern geschenkt bekommen haben. Andererseits, die Bayern haben Knete um Schiedsrichter überzeugen zu können. Was aber hat Fürth? Das dürfte selbst für Zwayer nicht reichen.

Die Fürther hatten noch nicht einmal torgefährliche Stürmer. Sonst hätten sie nämlich bereits zur Halbzeit klar führen müssen. Aber entweder verzogen sie oder sie trafen das Außennetz. Auch Thorsten Kirschbaumn war einige Male auf dem Posten bzw. kooperierte mit dem Pfosten.

Und ja, auch der Führungstreffer für den Club kam durchaus glücklich zustande. Der Schuß von Guido Burgstaller wurde unhaltbar von einem Grünen abgefälscht. Danach verließ man sich beim Club leider allzusehr auf das Glück und die Fürther Abschlussschwäche. In der 39. Minute konnte dann Berisha nach besagtem Freistoß doch den Ausgleich erzielen.

In der zweiten Hälfte gelang den Fürthern mit Schirihilfe sogar die Führung. Erst fünf Minuten vor Schluss markierte Schöpf ohne diese Hilfe den Ausgleich. Erst in der Nachspielzeit gab dann der Deppenfaktor den Ausschlag und Freis machte das Siegtor für die anderen, die – und das muss man leider konstatieren – wieder einmal mehr Siegeswillen ausstrahlten.

Für Nichtparteiische war das sicher ein ganz nettes und unterhaltsames Fußballspiel. Für Clubfans war es hingegen ein Schlag in die Magengrube. Umso mehr als das Derby mittlerweile in einer Weise gehypt wird, die solche Niederlagen noch viel peinlicher macht. Wenn man bedenkt, dass da extra Kleiderordnungen erlassen, Autobahnen gesperrt und Zeitungen mit Playstationspielen gefüllt werden, dann tun die null Punkte gleich doppelt weh. Und noch was, eure Ruckreden (Grethlein) oder eure Beförderungen (Sportdirektor Wolf) könnt ihr euch sparen. So kann man nicht in ein Derby gehen. Zwayer hin oder her.

War ich im falschen Stadion?

2__Fubal.JPG„Und wir ziehen wieder in die Bundesliga ein und wir werden wieder“, naja ganz so weit ist es ja noch nicht. Doch ob des souveränen Sieges gegen Hansa Rostock wurden einige Club-Fans gestern Abend etwas übermütig. Doch die Freude ist berechtigt. Der zweikampfstarke Maroh, der ballsichere Mnari, der wuselige Frantz, der laufstarke Eigler und natürlich der stets brandgefährliche Mintal: So überzeugend hat man die Mannschaft lange nicht mehr gesehen.

Befand ich mich überhaupt im richtigen Stadion? Erst als ich im Pressebreich mit der lakonischen Frankenart konfrontiert wurde, war ich mir sicher. Ein Rostocker Journalist im feinen Zwirn wollte eine der „berühmten“ Brezen probieren und bekam die knappe Antwort „homma heut net“. Ein Zweiter wollte Senf, doch Senf „homma a net“. Und selbst die Technik war an diesem Tag nicht auf der Höhe. Nach Spielende versammelten sich wie immer Pressevertreter an den Fernsehern um der Analyse der Trainer zu lauschen. Nur leider war dies nur dem möglich, der etwas vom Lippenlesen verstand: denn Bild war da, Ton nicht.

Der für die Technik verantwortliche Mann zuckte wegen des Fauxpas nur mit der Schulter und kommentierte die Situation mit „und scheinbahr homma a kann Ton“.

Frankenderby: Keep cool!

Am Sonntag steigt wieder einmal ein Frankenderby. Der Club hat es in seiner Blödheit möglich gemacht. Dass er sich dafür so etwas, wie jetzt in einem vor wenigen Tagen hoch geladenen Youtube-Video  ansehen muss, geht allerdings zu weit:

Da würde man gerne dazwischen gehen und deeskalierend wirken. Manche Menschen könnten hier offenbar sogar noch was von den Hühnern lernen:

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Dabei ist der Hass doch völlig unbegründet. Ihr Fürther dürft nicht aufsteigen, wir Nürnberger können nicht aufsteigen, also nehmt doch ein bisschen Luft raus. Man kann sich – wie unsere Kollegen aus der NZ-Sportredaktion beweisen – schließlich auch gepflegt dem Thema nähern.

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Also bitte:  Keep cool!