Die Zeit des Rechnens

Allerspätestens jetzt beginnt sie, die Zeit des Rechnens. Und die Hochrechnungen fallen für den Club unerfreulich aus. Denn ob sie nun wollen oder nicht: Am letzten Spieltag werden die zuletzt chronisch erfolglosen Bochumer und/oder die ähnlich desolaten Hannoveraner punkten, denn VfL und 96 spielen gegeneinander – und schließlich können dann nicht beide verlieren. Das bedeutet: Bei zwei Niederlagen landet der Club auf jeden Fall auf einem Abstiegs- oder Relegationsplatz (angesichts des Schneckenrennens am Tabellenende muss das eigens betont werden).
Vor dem Abstiegsfinale spielt Hannover schon gegen die Gladbacher, für die es um nichts mehr geht und die dieses Spiel deshalb vielleicht abschenken. Und Freiburg tritt bei den in dieser Saison reichlich lustlosen Kölnern an. Die Bochumer wiederum können in München darauf hoffen, dass die Bayern noch vom Europapokal-Finaleinzug   bedröhnt sind.
Fazit: Es wird enorm eng für den Club, der sich in Hamburg traditionell schwer tut. Allerdings empfängt auch der FCN noch die „Geißböcke“. Doch es besteht beim traditionellen Club-Pech die  Sorge, dass ausgerechnet am 34. Spieltag bei Podolski der Knoten platzt…

Gleich sechs Punkte verloren

sc-freiburg--1--fc-nuernberg,templateId=renderScaled,property=Bild,height=349Manchmal fehlen einem einfach nur die Worte. Wie der Club vor allem in der ersten Hälfte in Freiburg auftrat, da dachte man: Da geht es um nichts, das ist ein Freundschaftskick, bei dem man sich für den Ernstfall schont. Dabei war das – für jeden ersichtlich – ein sogenanntes Sechs-Punkte-Spiel. Ein Sieg hätte nicht nur dem Club Luft im Abstieg verschafft, sondern auch einen Mitkonkurrenten tiefer in den Keller befördert. Aber, wie so oft beim Club, war die Stimmung im Vorfeldruhig und gelassen. Bloß keine Aufregung, bloß keinen Druck verbreiten. Die sensiblen, jungen Spieler könnten ja sonst verkrampfen, übermotiviert einsteigen und ihre Leistung nicht optimal abrufen. Dass sie, was die Leistung angeht, besser als die Freiburger Spieler sind, das wurde einfach einmal unterstellt.

Aber dann lief es wieder wie im Hinspiel. Die Freiburger waren präsenter auf dem Platz, überrollten einen pomadig aufspielenden Club bereits in der Anfangsphase und dann waren die Sensibelchen erst recht von der Rolle. In der ersten Halbzeit gab es überhaupt nur einmal eine Situation, die man mit gutem Willen als Torchance bezeichnen konnte. In der zweiten Halbzeit kam der Club wohl nur deshalb stärker auf, weil sich Freiburg mehr zurückfallen ließ. Von einem Aufbäumen war eigentlich auch nichts zu sehen. Auch in den Zweikämpfen war nicht zu erkennen, dass beim Club die qualitativ besseren Spieler sind. Dass Eigentorschütze Maroh dann immerhin noch ins richtige Tor traf, gönnen wir ihm. Da hat er seinen Fehler wenigstens wieder gut gemacht. Leider machte ihm das Andreas Wolf, auf dessen Kappe das zweite Freiburger Tor ging, nicht in gleicher Weise nach.

Der achte Bundesligaabstieg ist jetzt leider wieder in greifbare Nähe gerückt. Und wenn man dann als Clubfreund auch noch dem FC Bayern am Abend die Daumen drücken müssen, damit die wenigstens Abstiegskonkurrent Hannover schlagen, dann weiß man, was wir im Augenblick wieder zu leiden haben. Als Clubfan steht einem eigentlich Schmerzensgeld zu.

Nachtrag: Jetzt müssen wir uns dann auch noch bedanken, dass die Bayern Hannover 96 sieben Dinger eingeschenkt und denen das eventuell noch wichtige Torverhältnis ruiniert haben. So weit sind wir schon gesunken.

Etwas Beschäftigung mit dem Gegner ist nie verkehrt

jpeg-1476F800CA0F32E0-20091128-img_23130530.onlineBildGut, im Nachhinein ist leicht Klugscheißen. Dennoch: Wenn ich der Robin Dutt wäre, gerade 0:6 verloren hätte und dann zu einem Mitkonkurrenten um den Abstieg müsste, der gerade gegen den amtierenden Meister gewonnen hat, was würde ich tun? Erst (um es in der Pokersprache auszudrücken) All-in und dann vorsichtig weiter spielen. Warum? Bei einer Mannschaft wie dem Club, die sich schon seit Jahren hart damit tut, das Spiel zu machen und mit überraschenden Aktionen einen mit Mann und Maus verteidigenden Gegner auszuhebeln, hast du praktisch keine andere Möglichkeit. Die Chancen, dass diese Rechnung aufgeht, steigen natürlich noch, wenn der Gegner einem den Gefallen tut und es aufgrund eines gewissen Überlegenheitsgefühls erst einmal locker angehen lässt.

Dass da nun die Kommentatoren beim Freiburger Spiel von einer taktischen Meisterleistung sprechen, ist mehr als nur eine Übertreibung. Wenn man in Nürnberg antritt, muss man kein Trainerfuchs sein, da ergibt sich die Taktik fast von selbst. Was sonst hätten die Freiburger wohl tun sollen? Wenn man sich in den Gegner hineinversetzt, dann hätte man da als Nürnberger Trainer problemlos draufkommen und entsprechend reagieren können. Aber zum In-den-Gegner-Hineinversetzen gehört halt neben Souveränität auch ein bisschen geistige Frische. Die fehlt leider nicht nur auf dem Platz, sondern auch bei denen, die für die Taktik verantwortlich sind. Und dass der Club heute die besten Chancen in der Schlussphase hatte, als man längst alle taktischen Zwänge über Bord geworfen hatte, ist da bestimmt kein Gegenargument.

So sehen (Uhren-)Gewinner aus

Nach monatelangem Warten auf freudige Momente kommt es jetzt für manche Clubfans knüppeldick. Nicht nur, dass der FCN am Montag in Freiburg gewonnen hat (falls jemand was zu den Ultras absondern will, kann er das bei der Gelegenheit gerne tun, uns fällt dazu nichts ein), nun kommt für sie auch noch eine Clubuhr hinterher. Und alles nur, weil sie einen kleinen Kommentar hier bei uns im Clubfreundeblog platziert haben. So einfach geht Gewinnen.
Die Gewinnermannschaftsaufstellung lautet:

Carsten Cerny
Jens Bernsdorf, Jörg Hußnätter, Walter Schindler, Frank Janschersky,
Michael Hoppe, Christian Kohl, Wolfgang Rupprecht,
Friedbert Nitsche, Jürgen Wälzlein.

Die Uhren werden in den nächsten Tagen zugestellt. Vielen Dank fürs Mitmachen!

Nachtrag (siehe Kommentar): die Mannschaft wurde noch einmal umgestellt. Sie sieht jetzt wie folgt aus:

Carsten Cerny
Jens Bernsdorf, Marco Knapp, Walter Schindler, Frank Janschersky,
Michael Hoppe, Christian Kohl, Jörg Hußnätter, Wolfgang Rupprecht,
Friedbert Nitsche, Jürgen Wälzlein.

Vidosic? Kenn ich nicht!

Na da hat der brave DSF-Fernsehmann doch mal Mut zur Wissenslücke bewiesen und erklärt, dass er den Namen unseres Siegtorschützen noch nie gehört habe und auch nicht einmal wisse, wie man den ausspreche. Nun ist mir derlei offen zur schau gestellt Ahnungslosigkeit eigentlich sympathisch. Aber lesen denn die DSF-Leute nicht vor Saisonbeginn eifrig die einschlägigen Fußball-Sonderhefte mit allen Mannschaften? Oder werfen sie als Vorbereitung vor so einem Spiel nicht mal kurz einen Blick auf die Kader der beteiligten Teams?

Zugegeben, sportlich hat Dario Vidosic bisher wenig auf sich aufmerksam gemacht, aber im „kicker“ war sein Name im Winter häufig zu lesen, denn eigentlich sollte der Australier abgegeben werden. Wenn der Transfer geklappt hätte, wäre eines der letzten Relikte aus der Ära Hans Meyers weg gewesen. Meyer hat zwischen Ende 2005 und Anfang 2008 nämlich 23 Spieler geholt. Davon sind neben Vidosic nur noch Peer Kluge, Matthew Spiranovic und Lukas Kling übrig. Ob der DSF-Mann die kennt?

Clubsieg mit Twittern verschönert

So kann es weiter gehen: 1:0-Sieg beim fast schon enteilten Zweitliga-Spitzenreiter Freiburg. Die Clubfreunde haben dieses Spiel erstmals bei Twitter begleitet und müssen sagen: Geil! Wenn man sich da neben den Ballduellen am Fernseher, Verbalduelle auf dem Monitor liefert, dann kriegt man eine Ahnung davon, was einem bislang beim Bloßglotzen (und eventuell Bier und Fritten Hineinstürzen) gefehlt hat.

Hier nochmal für die (Noch-)Nichttwitterer die entscheidenden Momente auf der Twitter-Timeline:

Ein paar Zeilen Ernüchterung

Gerade haben wir den Aufstieg abgehakt, haben trostspendende Uhren verlost (ihr könnt übrigens noch mitmachen), da scheint für manche auf einmal alles ganz anders zu sein. 4:0, das Phantom trifft wieder: Jetzt wird alles gut, wir steigen doch noch auf…

Hoffnung ist zwar wichtig, aber macht doch mal langsam! Gegen Ahlen zu Hause gewinnen, das musst du schon, um den Abstieg zu verhindern. Wer aufsteigen will, der muss Freiburg in Freiburg schlagen. Und selbst wenn das passieren sollte, heißt das noch nichts.