Abstieg, welcher Abstieg?

Clubtrainer Dieter Hecking hat schon vor dem Leverkusen-Spiel die Parole ausgegeben, der FCN habe nichts mehr mit dem Abstieg zu tun. Das schien mir etwas verfrüht. Aber nach dem Spiel gegen Leverkusen will wohl keiner mehr unken.

Die Ewig-Zweiten waren allerdings auch nur auf dem Papier furchteinflößend. Die Clubspieler machten es gegen die großen Namen genau richtig, sie kauften ihnen den Schneid ab. Gegen zusammengewürfelte Millionentruppen muss man so spielen. Denen ist das eigene Wohlbefinden im Zweifelsfall immer wichtiger als der Erfolg des Vereins.

Die erste Halbzeit war, wie in letzter Zeit häufiger, eher arm an Torchancen, dafür reich an Fouls und Nickligkeiten. Wir Clubfans kennen das schon und wissen: Unsere Leute kommen in Hälfte zwei. Wer dann nach der Pause das Highlight setzt, ist aber immer wieder eine Überraschung. Diesmal war es Christian Eigler. Der traf – und hier möchten wir schon mal einen Vorschlag zum Clubwort des Jahres anbringen – mit einem sehenswerten Hammer in die Gambel – wie Julian Schieber vor zwei Wochen in Freiburg. Die Gambel, für die Zugereisten unter euch, ist das obere Tordreieck.

Über Eigler haben wir hier nicht immer nur Positives geschrieben. Diesmal hätten wir es gerne, leider machte er sein Erfolgsergebnis in der Offensive dann durch etwas ungeschicktes Defensivverhalten zunichte und flog mit Gelb-Rot vom Platz. Dies bescherte uns dann noch das clubübliche Zittern am Ende. Aber die Abwehr hielt. Andi Wolf wurde eigentlich die ganzen 90 Minuten nicht vermisst, was beweist: Beim Club kann man mittlerweile auch Spielerausfälle wegstecken.

Und wenn man mal 15 Minuten wegen der drei Punkte zittern muss, ist das schließlich Luxus. Normalerweise zittern wir bis zum zweiten Relegationsspiel – und zwar um den Klassenerhalt.

Sicherheitsfußball beim Angstgegner

581027905Dass der Club das letzte Mal in Freiburg gewonnen hat, ist schon eine Weile her. Diesmal waren die Vorzeichen gut, den Angstgegner zu bezwingen. Die Freiburger hatten enorme Verletztenprobleme. Cisse, der fast alle ihre Tore gemacht hat, fehlte. Angeblich hatte der SCF 12 Ausfälle.

Dass SC-Trainer Robin Dutt dem FCN da die Favoritenrolle zuschob und auf die Drüse drückte, beweist: Der Mann weiß, wie man den Club zu nehmen hat. Wenn der nämlich eines nicht kann, dann ist das: mit der Favoritenrolle umgehen. Kein Wunder, dass Dieter Hecking da in die Fäkalsprache abglitt („der soll nicht so viel Scheiße labern“). Der kennt seine Leute halt auch und genau so spielten sie dann auch. Ein bisschen zu überheblich, ein bisschen zu siegessicher, ein bisschen zu sehr unterhalb des Limits. Vielleicht wollten sich da einige schon für das Pokalspiel auf Schalke schonen. Auf jeden Fall schien aber der Trainer trotzdem die Devise ausgegeben zu haben, hinten sicher zu stehen und kein Risiko einzugehen.Schön konnte man das bei Juri Judt beobachten, der bei seinen Vorstößen über rechts offenbar nur den Ball weghaben wollte und scheinbar gar kein Interesse an einem Torerfolg hatte. Julian Schieber wiederum schaute in den seltenen Momenten, in denen er an den Ball kam, schon gar nicht mehr nach eventuellen Mitspielern. Vorne war er eh alleine.

Aber wie das immer so ist. Die anderen mögen vielleicht weniger vom Spiel haben, aber vor dem Tor sind sie zielstrebiger. Und in der Clubabwehr, aber das hatten wir ja schon zur Genüge, ist immer jemand für einen Aussetzer gut. So führte Freiburg dann zur Halbzeit zwar glücklich, stürzte aber uns Clubfans wieder mal in tiefe Depression. Das Szenario: Abstieg bei gleichzeitigem Pokalsieg war da noch eine der optimistischeren Prognosen.

Umso wichtiger war dann der Ausgleich durch das fulminante Schieber-Tor (Hammer in die Gambel). Kurz zuvor waren Ruben Okotie und Timothy Chandler eingewechselt worden. Prompt war vorne viel mehr Betrieb. Prompt hatte der Club Torchancen (Eigler traf kurz danach noch die Latte). Mancher fragte sich: Warum nicht gleich so! Doch kurz danach versackte auch die umgebaute Clubelf wieder im alten Trott. Safety first!

Angesichts dessen, was los gewesen wäre, wenn der Club nach der unglücklichen Heimniederlage gegen Gladbach nun auch in Freiburg leer ausgegangen wäre, können wir dagegen aber noch nicht einmal etwas sagen. Am Dienstag ist Schalke im Pokal dran und da kann eh nicht auf Unentschieden gespielt werden.