Ergebnis des Clubpräsidenten-Votings

Bevor noch mehr Leute sinnlos Lebenszeit mit Dauerklicken verschwenden oder weiter ihre Klickroboter bemühen müssen, ziehen wir hier jetzt einen Schlussstrich unter unser Clubpräsidenten-Voting.

Für diejenigen, die das Voting nicht dauernd verfolgt und alle Kommentare und Tweets gelesen haben, fassen wir noch einmal kurz zusammen:

Kurz nachdem das Voting online war, hat Ged Schmelzer (Bild) innerhalb von zwei Stunden knapp 150 Stimmen bekommen. Damit lag er natürlich erst einmal meilenweit vorne. Als das die Schmelzer-Gegner – und davon gibt es unter denjenigen Clubberern, die sich noch an dessen Amtszeit erinnern können, sehr viele – mitbekamen, gab es natürlich Protest in den Kommentaren und massenhaft Gegenklicks, die zumeist Andreas Köpke zugute kamen. Inzwischen führt jetzt auich Köpke mit 36 Prozent vor Schmelzer mit 27 Prozent (zieht man dort die 150 ab, wären es allerdings gerade mal 2,5 Prozent).

Hinter diesen beiden mit Vorsicht zu genießenden Klickergebnissen rangieren dann schon ziemlich abgeschlagen Klaus Wübbenhorst (7 Prozent), Hans Meyer (6), Günther Koch (6), Lothar Matthäus und Dieter Eckstein (je 5). Renate Schmidt, Franz Schäfer und Markus Söder kamen jeweils nur auf 2 Prozent.

Interessant ist, welche Namen sonst noch in die Diskussion geworfen wurden. Etwa Jürgen Klinsmann, Günther Beckstein, die Hoeneß-Brüder oder Marc Öchler – aber auch vergleichsweise eher Unbekannte, wie Alexander Bösch, Beder Herzner, Peter Hammer, Konni Winkler, Bruno Weizenkeim oder unser Clubfreund Thomas Susemihl. Auch der Ex-Sportchef der NZ, Dieter Bracke, wurde zwei Mal genannt. Einer schlug „seine Oma“ vor, ein anderer „einen arbeitslosen Clubfan“. Kommentator „kruemmel“ hält seine Frau für hervorragend geeignet: „Sie ist ein Finanzwunder“. Nicht zu vergessen auch noch die Drei-Dieter-Lösung (Eckstein, Lieberwirth, Nüssing).

Wenn also im nächsten Jahr ernsthaft über die Roth/Schäfer-Nachfolge entschieden wird, besteht zumindest kein Mangel an Kandidaten vorhanden. Hoffentlich haben die „Oma“ und das „Finanzwunder“ dann auch die Gelegenheit, sich entsprechend zu präsentieren.

Und noch was: Gerd Schmelzer soll, so erklärte uns ein Kollege, der häufiger mit ihm zu tun hat, überhaupt kein Interesse an einer Kandidatur haben.

Die turbulenten Schmelzer-Jahre

Club-Fans sind hart im Nehmen, aber eine zweite Ära Gerd Schmelzer wollen sie sich offenkundig nicht antun,  wie die Kommentare zu unserer Abstimmung zeigen. Ein kleiner Ausflug in die Club-Historie macht die Bedenken unserer Leser nur allzu verständlich. Gut, unter Schmelzer wurde der Aufstieg 1985 mit einer Garde junger Spieler wie Reuter, Grahammer oder Eckstein geschafft und dieser „goldenen Generation“ glückte 1988 auch der Einzug in den Uefa-Cup.

Aber der nachfolgende Niedergang ist eben auch ganz eng mit dem Namen Schmelzer verbunden: Die jungen Stars wurden verkauft, ohne dass für adäquaten Ersatz gesorgt worden wäre. Trainer Hermann Gerland  musste mit Schmelzers übertriebener Anspruchshaltung leben – der Ligaverbleib mit einer zerkauften Mannschaft in der Spielzeit 1988/89 wurde ihm nicht gedankt. Gerlands launigen Hinweis, dass Schmelzer „seine Glatze nicht so oft in die TV-Kamera halten“ solle, nahm der Präsident als willkommenen Anlass für die Kündigung im Frühjahr 1990. Da hatte Gerland allerdings schon einen Großteil der notwendigen Punkte für den erneuten Klassenverbleib eingefahren; und das, obwohl er sich mit dem Präsidenten monatelang in einer Dauerfehde befunde hatte. 

Als Nachfolger präsentierte Schmelzer den weltläufigen Holländer Arie Haan. Doch in das Team investierte er wieder nur unzureichend.  Die Folge: Abermals Abstiegskampf. Als Schmelzer im Januar 1991 deshalb Haan entlassen wollte, stellten sich seine bisher treu ergebenen Mitstreiter Sven Oberhof und Ingo Böbel (der Professor mit der schwarzen Kasse…) quer. Daraufhin trat Schmelzer zurück. Turbulente Zeiten also. Langweilig würde es wohl nicht werden mit einem Präsidenten Schmelzer…

Punktabzug für Schmelzer

Online-Umfrage sind nicht repräsentativ. Das haben wir jetzt wieder einmal selbst bewiesen bekommen. Innerhalb von einer Stunde erhielt der frühere Club-Präsident Gerd Schmelzer (hier ein Bild aus seiner Präsidentenzeit) bei unserer Umfrage „Wer soll Club-Präsident werden?“ 150 Stimmen. Die Mühe, die sich da jemand gemacht hat, in allen Ehren, dennoch hat das DCS (Drei-Clubfreunde-Schiedsgericht) entschieden: Am Ende der Saison bekommt Schmelzer die 150 Punkte wieder abgezogen.

Wir werden also nicht -wie manche vorgeschlagen haben – die Umfrage noch einmal neu starten. Schließlich wären dann die korrekten User, die bereits abgestimmt haben, auch bestraft worden. Auch auf den Hinweis von Lothar Matthäus auf unserem Twitteraccount werden wir nicht reagieren. Er schrieb uns:

Ich will eng mit einer Mannschaft zusammenarbeiten, nicht Präsident werden. Versuche mit schwierigen Aufgaben mich zu empfehlen.

Ob der Twitter-Matthäus ein Fake ist, spielt für uns hier nicht einmal eine Rolle. Wir werden Matthäus trotzdem weiter im Voting drin lassen. Schließlich soll der neue Präsident erst in eineinhalb Jahren sein Amt antreten. Bis dahin könnte es leicht sein, dass Lodda nicht einmal mehr in Ungarn eine Traineranstellung bekommt.

Als die Spieler revoltierten

Auch da war der Club mal wieder Vorreiter: Im Oktober 1984 gab es eine bislang in der deutschen Fußballgeschichte noch unbekannte Spielerrevolte. Mehrere Clubprofis warfen nach einem vom damaligen Trainer Heinz Höher angesetzten Morgentraining (um sechs Uhr, also noch in der Dunkelheit, ließ er die Profis durch den Wald laufen) den Bettel hin. Sie übergaben eine Erklärung an die Nürnberger Tageszeitungen, worin sie ankündigten, nicht mehr unter Höher trainieren zu wollen. Beim nächsten Training waren ganze fünf Spieler anwesend. Der Rest boykottierte.

Präsident Gerd Schmelzer knöpfte sich daraufin jeden einzelnen der Spieler vor und kündigte Udo Horsmann, Stefan Lottermann, Rudi Kargus und Horst Weyerich die Verträge. Später bekamen auch noch Detlef Krella und Manfred Walz die Kündigung. Thomas Brunner der ebenfalls zu den Unterzeichnern der Presseerklärung gehörte, wurde hingegen als reuiger Sünder „begnadigt“ (später kam heraus, dass Höher offenbar absichtlich die Mannschaft provoziert hatte, um etliche Spieler, von denen er nicht überzeugt war, loszuwerden).

Nach den Kündigungen stand ein Spiel in Aachen an. Nur nach Rücksprache mit ihren Anwälten traten die verbliebenen Spieler überhaupt in Aachen an. Man verlor mit 1:2.  Dennoch gilt die Niederlage als Wende und Geburt einer jungen Mannschaft. Mit ihr schaffte der Club nicht nur den Aufstieg in die erste Liga ,  Hans Dorfner, Dieter Eckstein und Stefan Reuter avancierten später sogar zu Nationalspielern.

Insofern war die Spielerrevolte eigentlich eher ein Wendepunkt. Wir verbuchen sie dennoch als unseren:

TIEFPUNKT 12

Geisterfahrer Vlado Kasalo

Eine Million D-Mark kostete Vlado Kasalo (Mitte, mit dem damaligen Clubpräsidenten und jetzigen Immobilienunternehmer Gerd Schmelzer und dem später im Knast gelandeten Schatzmeister Ingo Böbel). Das war eine stattliche Summe in jenen Zeiten.

Man schrieb den Sommer des Jahres 1989, als der Club zur Stärkung seiner Defensive den jugoslawischen Nationalspieler von Dynamo Zagreb an den Valznerweiher lotste.

Den Fans ist Kasalo, mit dem wir unsere Reihe der Tiefpunkte in der FCN-Geschichte fortsetzen, aber weniger als Leistungsträger, sondern eher als Geisterfahrer in Erinnerung geblieben. Mitten im heißen Abstiegskampf der Saison 1990/91 traf der Libero nämlich bei den Spielen gegen Stuttgart (0:1) und in Karlsruhe (0:2) innerhalb einer Woche zweimal ins eigene Netz.

Kasalo geriet in Verdacht: Der Abwehrspieler, der gerne in Spielcasinos verkehrt haben soll, könnte absichtlich auf das falsche Tor gezielt haben, um Wetten zu gewinnen und so seine Schulden abzubauen. Der FCN suspendierte den damals 28-Jährigen und schaffte auch ohne den Abwehrchef knapp die Rettung.

Allerdings konnte Kasalo nie eine Manipulation nachgewiesen werden. Von 1992 bis 1994 spielte er noch in Mainz, damals eine graue Maus in der Zweiten Bundesliga. Dort brachte er es auf 55 Einsätze, zudem traf er fünfmal –  ins richtige Tor wohlgemerkt.

TIEFPUNKT 11