Da wird der Palazzo wohl leer bleiben

1. Ja, was denn nun? Angeblich hatte der Club doch einen breiten Kader mit massenhaft Alternativen, die Trainer Michael Köllner jedes Mal vor die Qual der Wahl stellen. Jetzt soll auf einmal alles anders sein: Der 2. Anzug zwickt, Ausfälle und Verletzungen können nicht kompensiert werden. Verletzungen? Da sind Sebastian Kerk und Dennis Lippert dabei, wo der Club bereits bewiesen hat, dass er auch ohne sie zurecht kommt. Enis Alushi und Laszlo Sepsi würden wahrscheinlich eh nicht aufgestellt. Adam Zrelak höchstwahrscheinlich auch nicht. Bleiben der eher indisponierte als verletzte Eduard Löwen und Georg Margreitter. Auch bei jenen Spielern, die angeblich außer Form sind, fragt sich, ob das nicht der Normalzustand ist. Wobei es der „formschwache“ Edgar Salli mit Note 2 beim letzten Mal immerhin in die Kicker-Elf-des-Tages geschafft hat. Später wurde er dann zwar auf eine 4 abgewertet. Eines wird dadurch jedenfalls deutlich: Auch Journalisten haben Formschwächen.

2. Im DFB-Pokal wurde dem Club von Stefan Effenberg ein Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg zugelost. Finanziell gesehen ist das eher mittelgut. Was die Chancen aufs Weiterkommen angeht auch. Seit dem Pokaltriumph vor zehn Jahren war leider regelmäßig Schluss, wenn es gegen einen Erstligisten ging.

3. Dank unserer lokalen Sportberichterstattung wissen wir jetzt, dass Club-Sportvorstand Andreas Bornemann Apfeltaschen von Hildes Backwut isst. Man mag da von Schleichwerbung sprechen. Vielleicht wird auch ein neuer Sponsor aufgebaut. Auf jeden Fall dient der Sportteil mal wieder (wie in der Vorwoche bei der Bahnfahrt von Osnabrück) dazu, in die Realitäten der einfachen Leserschaft einzutauchen. Eine lohnenswerte Aufgabe, um die sich andere Ressorts leider zu wenig kümmern.

4. Ob unseren Trainer der, in Nürnberg regelmäßig im Debakel endende, Größenwahn gepackt hat, oder ob es wieder eine von Journalisten – aus Ermangelung an Berichtenswertem – aufgebauschte Nebenbemerkung war, lassen wir mal dahingestellt. Vielleicht war auch nur die Marketingabteilung am Werkeln. Jedenfalls soll Köllner gesagt haben, der Club werde die Aufstiegsfeier in Alexander Hermanns Palazzo ausrichten. Vielleicht sollten wir einfach erstmal unsere Spiele gewinnen.

Das Spiel:

Dass Montagspartien als „Spitzenspiele“ annonciert werden, erwies sich schon häufiger als Etikettenschwindel. Diesmal galt das ganz besonders. Ein ödes Gekicke, das da im flutlichtbeleuchteten Morlock-Stadion abgeliefert wurde. Wobei die Gäste aus Ingolstadt anfangs noch die Aktiveren waren und den Club mit ihrem frühen Pressing praktisch kaum Zugang in Strafraumnähe ermöglichten. Ein abgefälschter Pass landete dann in der 14. Minute bei Pledl, der den Ex-Nürnberger Kutschke bedient und plötzlich liegt der Club hinten.

Diesem fiel danach weiterhin nicht viel ein, nur dass jetzt auch die Ingolstädter kein Interesse mehr daran hatten, die Partie irgendwie gefälliger zu gestalten. Als wir Fans schon in Depression zu versacken drohten, erbarmte sich Cedric Teuchert doch noch, setzte zu einem unwiderstehlichen Dribbling an, passte zu Kevin Möhwald, der den Ball zum Ausgleich unter die Latte hämmerte. Auf einmal war wieder Selbstvertrauen und Druck in den Clubaktionen. Doch beides blieb dann irgendwo in der Kabine.

Nach der Halbzeit wurde auf der nach unten offenen Ödnessskale ein neuer Tiefpunkt anvisiert. Nichts ging mehr. Lediglich Torwat Thorsten Kirschbaum fiel – übrigens auch zum Unmut seines Trainers – durch wiederholtes Meckern auf. Blöderweise war es dann ebenfalls Kirschbaum, der der zweiten Hälfte doch noch einen Höhepunkt bescherte: Der Torhüter legte sich nach einem harmlosen Rückpass den Ball zu weit vor und grätscht dann den mittlerweile eingewechselten Ingolstädter Stürmer Lezcano um: Elfmeter! Lezcano versenkt diesen in Stop-and-Go-Manier zum Siegtreffer.

Unverdient war das nicht. Trotzdem war das eine saublöde und durch mangelndes Engagement und einen Torwartfehler selbstverschuldete Niederlage.

Ein Letztes:

Ein clubaffines Alphornduo hat auf dem Consumenta-Stand der Greuther Fürther einen musikalischen Derbysieg nachgereicht. Die beiden intonierten dort „Die Legende lebt“. Was man übrigens vom Kleeblatt derzeit nicht unbedingt behaupten kann.

Langsam wird´s professionell

1. Nun gut, es hat ein bisschen gedauert, aber trotzdem ist der Club mit seinem eSports-Einstieg noch relativ weit vorne. Dafür hat er zwei Fifa-Zocker eingekauft, die den 1.FCN jetzt auf dem virtuellen Rasen voranbringen sollen. Um den herum muss zumindest schon mal kein – selbst im Unterhalt sündteures – Stadion gebaut werden.

2. Dass mittel- bis langfristig weiter an einem Stadionneubau festgehalten wird, erklärte Finanzvorstand Michael Meeske auf der Jahrenshauptversammlung. Selber Geld in die Hand nehmen wird der Club allerdings kaum können. Im Gegenteil, der Schuldenberg ist im vergangenen Jahr um weitere 1,9 Millionen auf inzwischen über 20 Millionen Euro angewachsen. Nichts war es also mit der vermuteten schwarzen Null (die aber wenigstens auf dem eigens zu FCN-JHV kreierten Bullshitbingo abgehakt werden konnte). Mit ein Grund war der Wegfall des Sponsors Wöhrl. Auch wenn Meeske angeblich zahlreiche Arbeitsessen mit potenziellen Unterstützern intus hat, zeigt sich hier erneut ein Problem der Region: Zahlungskräftige Firmen fehlen oder engagieren sich lieber beim FC Bayern bzw. in anderen Sportarten. Ansonsten war es eine selten harmonische Veranstaltung (trotz des prognostizierten Zündstoffs), was sich unter anderem auch darin niederschlug, dass die drei „abgelaufenen“ Aufsichtsräte Stefan Müller, Thomas Grethlein, der zuvor schon in der NZ eine ganzseitige „Regierungserklärung“ abgeben durfte. und Günther Koch wiedergewählt wurden. Manch einer machte für diese Harmonie den Derbysieg verantwortlich-

3. Der FC Bayern setzt im deutschen Fußball bekanntlich die Maßstäbe. Jetzt hat er Jupp Heynckes als neuen Trainer verpflichtet. Das führt uns alte Glubberer zu der Frage: Was treibt eigentlich Michael A. Roth?

Das Spiel:

Wegen der Länderspielpause bot sich für die Clubprofis – und damit auch für uns Fans – wieder einmal die Gelegenheit, unbekannte Ortschaften der Umgebung kennenzulernen. Diesmal ging es in das 1169 Einwohner zählende Pfarrdorf Meckenhausen. Das gehört zu Hilpoltstein, was jetzt auch nicht gerade eine Weltstadt ist. Unter solchen Voraussetzungen stellt sich leicht Überheblichkeit ein. Die war jedoch fehl am Platz. Gerade mal zu einem 6:1 langte es für den Club. Aber in diesen Fällen zählen ja nicht Ergebnisse, sondern Erkenntnisse – und da dürften schon angesichts der eingesetzten Nachwuchshoffnungen einige dabei gewesen sein.


Ein Letztes:

Die Kollegen von Clubfans_United haben für die Nachwelt dieses schöne Fazit aus der Jahreshauptversammlung festgehalten:

Englische Woche mit Sternchen

Die Woche:

1. Am 8. Oktober ist Jahreshauptversammlung. Wahrscheinlich eine vergleichsweise unaufgeregte nach dem Derbysieg. Da geht es dann mal offiziell um die Finanzen und nicht nur indirekt im sportlichen Hintergrund. Inzwischen würde es schon als Erfolg gewertet, wenn der Etat wenigstens ausgeglichen wäre. Ach ja und drei Posten im Aufsichtsrat sind auch zu besetzen.

2. Die Trainerfrage stellt sich beim Club aktuell glücklicherweise nicht. Insofern registrieren wird manches gelassen. Zum Beispiel, dass unser Ex bei seinem Folgeverein auch vor die Tür gesetzt wurde.

3. Letzte Woche habe ich hier die gescheiterte Bewerbung Nürnbergs als Spielort für die EM 2024 erwähnt. Mittlerweile stellt sich raus, dass die Stadt damit – wenn auch unfreiwillig – die Grundrechte schützt.

Die Spiele:

Optimale Ausbeute aus der englischen Woche: Erst das 6:1 in Duisburg. Danach gelang gegen den VfL Bochum Historisches. Bisher waren die unser Angstgegner und in der 2. Liga unbezwingbar. Jetzt schickte der FCN die Bochumer mit einem 3:1 nach Hause. Dabei spielten die durchaus gut mit, waren anfangs gar überlegen. Trotzdem gingen sie auf eher kuriose Weise in Führung. Enrico Valentini stellte sich in den Strafraum und hob die Hand, der VfL-Stürmer nahm das Angebot an, kickte den Ball gegen den unnatürlich ausgestreckten Arm und es gab Elfmeter. Gut, es war aus Valentinis Sicht natürlich anders. Er wollte Abseits reklamieren.

In der zweiten Hälfte machte es der Clubverteidiger besser. Der erneut torgefährliche Eduard Löwen hatte zuvor schon den Ausgleich erzielt, da servierte Valentini Clubkapitän Behrens den Ball vor die Stirn und der machte den Führungstreffer. Später gelang Ishak per Elfmeter noch des 3:1. Der Clubstürmer, der monatelang nur durch Ladehemmung auffiel, spielt jetzt sogar um die Torjägerkanone mit.

Im Derby legte der Schwede nämlich gleich noch nach. Bereits in der 9. Minute schloß er auf Pass des diesmal in die Startelf beorderten Cedric Teuchert erfolgreich ab. Allerdings ließ der Club dann die Fürther kommen und verschaffte so dem, trotz der Genesung von Kirschbaum, wieder als Nummer 1 auflaufenden Fabian Bredlow genügend Chancen, warm zu werden. Besser wurde es erst als Köllner den – trotz guter Leistungen – erstmal auf die Bank verbannten Neuzugang Tobias Werner brachte. Fünf Minuten später war es allerdings der überragende Kapitän Hanno Behrens, der mit tollem Pass Teuchert bediente, der dann den scheinbar beruhigenden und angesichts des Fürther Unvermögens auch verdienten Zwei-Tore-Vorsprung herstellte.

Doch gegen die Kicker aus der Nachbarkommune sollten wir uns nie zu früh freuen. Da ist immer irgendein krummes Ding drin. Das lieferte diesmal Schiedsrichter Zwayer. Der schenkte den Fürthern in der 79. Minute einen Elfmeter. Zuvor hatte Bredlow beim Herauslaufen den Fürther Hofmann irgendwie ein bisschen im Gesicht erwischt. Danach hatten die Hausherrn natürlich Oberwasser und Bredlow jede Menge Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Schließlich schenkte ihnen Zwayer auch noch unerklärliche vier Minuten Nachspielzeit. Die nutzte dann allerdings Behrens um nach einer eigentlich eher auf Zeitgewinn gespielten Ecke den Ball zum dritten Mal im Fürther Tor unterzubringen.

So gibt es endlich mal wieder einen Derbysieg zu feiern.

Ein Letztes:

…und damit Außenstehende halbwegs eine Ahnung davon bekommen, was das bedeutet:

Einfach den Spieß umgedreht

Die Woche:

Eigentlich ist die Woche ja eine englische. Das heißt drei Spiele innerhalb von acht Tagen (MSV-Hammer am gestrigen Samstag, Bochum am Donnerstag und das Derby gegen die Fürther am Sonntag). Für uns ist dagegen heute schon Wochenrückblick. Euphorieschübe sollte man nutzen, gerade in der zweiten Liga, wo offenbar jeder jeden schlagen kann und auf jeden Ansatz von Höhenflug prompt der Dämpfer folgt – und umgekehrt.

Einen Dämpfer gab es diese Woche ohnehin schon. Allerdings nicht unbedingt für den FCN. Dort dürften eher die Stadionneubau-Protagonisten Oberwasser bekommen haben. Den Dämpfer erhielten die Stadt Nürnberg und unser Max-Morlock-Stadion. Dort wird es 2024 keine EM-Spiele geben. Ein Grund für das Scheitern war mal wieder die Aschenbahn (andererseits entpuppt sich die vielleicht noch mal als Investition in die Zukunft, wenn sich der Profifußball weiter so selbst demontiert).

Ein alter Bekannter meldete sich jetzt zurück. Ilkay Gündogan lief nicht nur erstmals nach seiner langen Verletzungspause für Manchester City auf, er gab auch dem Zeit-Magazin ein längeres Interview. Darin steht auch Folgendes:

„Seine glücklichste Zeit sei in Nürnberg gewesen, sagt er und sein Blick bekommt etwas Strahlendes. Er kam im Februar 2009 mit 18 neu in die Stadt, besuchte die 11. Klasse des Gymnasiums, stieg von der zweiten in die erste Bundesliga auf, verhinderte mit seinem Tor den Wiederabstieg. Vor allem aber habe er sich aufggehoben gefühlt in einer Clique von Mitspielern, jede Woche seien sie zusammen ins Kino gegangen. Mit manchen aus der Zeit ist er heute noch befreundet.“

Das Spiel:

Manchmal scheint alles so einfach. Nach dem St.Pauli-Spiel gab es nicht nur hier jede Menge Analysen, warum es zu der Niederlage gekommen war. In Duisburg machte dann die Mannschaft das genaue Gegenteil und hatte Erfolg. Statt Ballbesitz und Dominanz ließ man den Gegner spielen, statt den eigenen Torwart beschäftigungslos zu machen und in Konzentrationsprobleme zu stürzen, ließ man ihn sein wahres Können beweisen, statt vorne zu verzweifeln, haute man halt einfach jeden Ball rein, statt Lücken aufzuzeigen, wo dringend Neueinkäufe nötig sind, demonstrierte man staunenswerte Potenziale (Ishak, Löwen), die nun eher die Sorge nähren, da könne uns bald wieder einer weggekauft werden.

Natürlich ist das alles nicht so einfach. Und wahrscheinlich funktioniert dieses Erfolgsrezept schon im nächsten Spiel nicht mehr. Die Bochumer dürften sich wahrscheinlich vor allem hinten rein stellen und dem Club nicht den Gefallen tun, schnelle Konter anzusetzen. Andererseits ist endlich auch Patrick Erras wieder an Bord und mit dem verlieren wir ja bekanntlich nicht.

Genaueres zum Spielverlauf findet ihr hier, hier oder hier.

Ein Letztes:

Der Depp macht uns bescheiden

4134695845Unentschieden zu Hause gegen St. Pauli, ein Mannschaft, die ziemlich von der Rolle war und daher in den Niederungen der 2. Liga herumdümpelte, das ist eigentlich ziemlich bescheiden. Wer den Anspruch hat, sofort wieder aufzusteigen, der muss solche Spiele gewinnen. Zumal dann, wenn der Gegner auf dem Platz deutlich demonstriert, warum er unten steht.

Am Ende waren wir dennoch froh, dass wenigstens ein Punkt heraussprang. Der Depp macht uns bescheiden. Schon nach einer Minute war die Stimmung wieder im Keller. Da war die Abwehr wohl noch geistig in der Kabine und prompt führte der Außenseiter. Richtig aufgewacht ist die Abwehr danach aber auch nicht. Pauli hatte weitere Chancen, machte es aber gnädig und ließ den Club am Leben. In der 20. Minute glich dann – zuvor hatte den Clubspielern offenbar jemand gesagt, dass die Pauliabwehr nur Fehler macht, wenn man sie auch beschäftigt – Sylvestr aus. Der Club hätte danach ebenfalls nachlegen können. Aber da hatte unter anderem Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus was dagegen. Zuerst erkannte sie Abseits, wo kaum eines war. Später verweigerte sie dem Club noch einen Elfer.

Freilich: An Steinhaus lag es nicht, dass der mit hochfliegenden Zielen in die 2. Liga gestartete FCN den Kiezclub nicht vom Platz fegte. Ein qualitativer Unterschied war da nicht zu erkennen. Bei Pauli war sogar noch so etwas wie Taktik und Strategie zu sehen. Während sich nämlich der Club zu Beginn der zweiten Hälfte einlullen und in Mittelfeldgeplänkel hineinziehen ließ, genügte St. Pauli ein billiger Bauerntrick um die erneute Führung zu erzielen. Erst jetzt wachte der Club wieder auf und besann sich, dass die gegnerische Abwehr nur Fehler macht, wenn sie beschäftigt wird. Drei Minuten vor Schluss gelang erneut Sylvestr der Ausgleich. Dem Club sicherte er so einen Punkt, der, so traurig es ist, vielleicht im Abstiegskampf noch einmal wichtig sein kann. Alle anderen Ambitionen darf sich der FCN durchaus abschminken. Zu mehr scheint es derzeit nicht zu reichen.

Irgendeinen Hoffnungsschimmer sehe ich im Augenblick nicht. Da musste man heute nur einmal auf die Auswechselbank schauen. Da saßen ein Torwart, vier Verteidiger und mit Ivan Knezevic und Maximilian Dittgen zwei weitgehend unbekannte Mittelfeldspieler. Stürmer? Fehlanzeige! Leider ist das nur ein Beispiel für die im Verein herrschende Planlosigkeit.

Und wenn wir dann noch richtig gut spielen…

3:0 gegen Schalke, fast jeder Schuss ein Treffer, relaxtes Zuschauen, kein Nervenflattern in der Endphase, was will man als Clubfan mehr. Dabei war das jetzt nicht einmal die Offenbarung, was die Mannschaft da ablieferte. Wie würden solche Spiele erst laufen, wenn wir richtig gut spielen würden, wenn nicht jeder dritte oder vierte Pass ein Fehlpass wäre? Gar nicht auszudenken! Am Ende würde das Nürnberg nach Europa führen. Aber wollen wir da hin?

Andererseits: Die Schalker stellten sich aber vor dem Tor auch selten dämlich an. Bezeichnend die Situation als Draxler vor dem Fast leeren Tor noch in den Ball rutscht und ihn nur an den Pfosten semmelt. Kurz danach macht der Club aus dem Nichts das erste Tor. Dem ging eventuell auch noch ein Handspiel (Hand Gottes?) voraus. Während Schalke noch weitere gute Chancen hatte, besaß der Club in der ersten Halbzeit gerade mal eine halbe, bezeichnenderweise auch durch Markus Feulner, der seinen Fuß nicht mehr ganz an eine Flanke von Timothy Chandler hinbekam.

Ein Tor ist 7,32 breit und 2,44 hoch. Für Schalke war das heute zu klein. Für den Club weitgehend ausreichend (Kiyo scheiterte kurz vor dem Ende allerdings auch noch am Aluminium). Und je mehr sich Schalke am Nürnberger Strafraum abmühte und an der massierten Abwehr und am eigenen Unvermögen scheiterte, desto mehr steigerte sich die Effektivität des Clubs. Erst der wieder glänzend aufgelegte Alexander Esswein mit feinem Solo und strammen Schuss und dann Mike Frantz, der ebenso schön einen Konter abschloß, indem er auch noch Gästekeeper Timo Hildebrandt austanzte.

Der Club ist im Augenblick nicht nur unangenehm, sondern auch effektiv. Das früher fehlende Glück ist auch zurückgekehrt. Ein bisschen müssen wir aber auch unseren Schalker Freunden danken. Die haben es uns nicht allzu schwer gemacht.

Europa, wir kommen nicht!

Der Spielplan meint es gut mit dem Club zurzeit. Letzten Sonntag ging es schon gegen die von der Europa-League scheinbar erschöpften 96er. Diesmal gegen die gleichermaßen müden Stuttgarter. Doch beiden Male langte es nur zu einem Unentschieden. Und beide Male muss man sagen: Es war glücklich.

Gegen Hannover fiel der Ausgleich erst in der Nachspielzeit. In Stuttgart traf Feulner aus dem Nichts und ziemlich überraschend zum 1:1-Endstand. Durch strukturiertes Spiel hatte sich der FCN das jedenfalls nicht verdient. Aber, was soll´s!

Das Spiel war – vor allem in Halbzeit eins – selbst für Fans harte Kost. Dem VfB konnte man zugute halten, dass ihm noch das Spiel gegen Genk zwei Tage zuvor in den Knochen steckte. Doch wovon waren eigentlich die Clubspieler platt? Oder war das Mitgefühl? Solidaritäts-Grottenkicken?

Dann lullten sie sich auch noch selber ein und lagen – wieder einmal unkonzentriert aus der Kabine gekommen – zu Beginn der zweiten Hälfte plötzlich hinten. Nicht unverdient. Korrekterweise hätte es aber kurz danach einen Handelfer für den Club geben müssen. Insofern war der Treffer von Markus Feulner dann doch irgendwie ausgleichende Gerechtigkeit.

Trotzdem festzuhalten bleiben: die Fehlpässe, die Schnitzer hinten (Nilsson), die anhaltende Formschwäche der beiden Außenverteidiger und des für den erstmals seit Beginn spielenden Mu Kanazaki eingewechselten Alexander Esswein. Dazu kommt die Harmlosigkeit des Sturmsolisten (diesmal durfte sich Polter zuerst versuchen und wurde dann durch Pekhart ersetzt)…. Nachdem Timm Klose diesmal verletzt fehlte, war eigentlich nur Raphael Schäfer eine Bank.

Bei den anderen hatten der Zuschauer eher den Eindruck, dass sie dringend eine Pause benötigen. Und dabei sind wir in keinem weiteren Wettbewerb vertreten. Dass das mit der Europa-League wohl nicht klappen wird, ist insofern beruhigend. Immerhin hat sich der Abstand zum Relegationsplatz weiter vergrößert. Gönnen wir uns also den Luxus der Langeweile!

Verdienter Heimsieg

Dieser Heimsieg war aber so was von verdient. Obwohl Hiroshi Kiyotake wegen Grippe fehlte, gab es im Nürnberger Mittelfeld kein Kreativloch. Das füllte diesmal Markus Feulner, der ein Klassespiel machte und das auch noch mit dem zweiten Tor krönte. Allerdings muss man auch zugeben: Fortuna Düsseldorf war schon ziemlich schwach. Wenn da einer ein bisschen zielstrebiger im Clubstrafraum aufgetreten wäre, dann hätten wir ernsthafte Probleme bekommen.

Sehr viel besser war die Chancenverwertung beim FCN allerdings auch nicht. Zur Halbzeit hätte es gut und gerne 5:1 und nicht 1:0 stehen können. Aber es war nicht nur das Unvermögen der Clubspieler, sondern auch der gute Düsseldorfer Keeper Giefer, der zwei Mal fast sichere Tore verhinderte.

In der zweiten Hälfte plätscherte das Spiel zunächst etwas dahin. Der Club wartete wohl darauf, dass die Fortuna auf den Ausgleich drängt. Das tat sie dann nach gut einer Stunde auch und schon setzte das clubfanübliche Nervenflattern ein. Nicht, dass der Ausgleich verdient gewesen wäre. Aber, wir kennen das ja. Ich sage nur „Depp“.

Dafür kam der Club dann in der Schlussphase zu Kontern und prompt gab es dann kurz vor Schluss das verdiente 2:0.

Positiv: Der Club kann auch gegen einen ähnlich spielenden Gegner daheim mittlerweile Siege einfahren.
Gewohnt: Das Zittern bis zum Schluss.
Andererseits: Wenn man sich ansieht, wie langweilig die Bundesliga mittlerweile an der Spitze geworden ist, dann sind wir doch froh dass es bei uns noch ein bisschen Suspense gibt.
Weiter so, Glubb!

Mehr Kopf, weniger Arm

Eigentlich hätte heute der 2. Heimsieg eingefahren und gefeiert werden müssen. Ein ungefährlicherer und schwächerer Gegner wie der VfB Stuttgart wird wohl so schnell nicht mehr im Frankenstadion auftauchen. Dass trotzdem nur ein Punkt herauskam, das macht den Clubfan dann allerdings echt betroffen.

Der Club hatte den VfB voll im Griff. Die Stuttgarter waren praktisch überhaupt nicht im Spiel. Dass sie dann doch zum Ausgleich kamen, hat sie wohl selber am meisten überrascht. Zurück ins Spiel gebracht hat sie Schiedsrichter Markus Wingenbach. Dem scheint offenbar noch niemand gesagt zu haben, dass Fußballer auch Arme haben, die sich nicht in Luft auflösen können. Daran dürfte sich auch nichts ändern, wenn ein Wingenbach seinerseits Kopflosigkeit statt Armlosigkeit demonstriert. Der Elfer war nie und nimmer einer. Doch Wingenbach hatte Glück. Der Mann mit den Armen, Philipp Wollscheid, erzielte nämlich mit jenem Körperteil, mit dem der Schiri so wenig anzufangen wusste, die erneute Führung.

Nach dem Kopfballtreffer machte der Club aber nicht weiter mit dem druckvollen Spiel nach vorne, sondern bettelte geradezu um den Ausgleich. Und so schwach ist der VfB eben auch nicht, dass er Geschenke nicht annimmt. Ob vom Schiedsrichter oder von der wieder nicht ganz sattelfesten Clubabwehr, ist denen da auch egal.

Jetzt geht es gegen die Bayern. Normalerweise dürfte da nichts zu holen sein, zum,al die Verletztenliste nach dem Ausfall von Timm Klose eventuell noch größer werden könnte. Aber vielleicht haben die Bayern auch mal ihren Freigebigen und vielleicht gibt es dort auch einen Schiri, der es mit der Anatomie etwas mehr hat als Herr Wingenbach.

Mut zum miesen Spiel

Als Clubfan musst du Geduld und Stehvermögen haben. Andererseits muss man als Trainer wohl auch den Mut zum miesen Spiel entwickeln. Immerhin sprang gegen die Augsburger der erste Heimsieg seit langem heraus. Wahrscheinlich ging das nur so. Denn der Club kann daheim einfach nicht das Spiel machen. Da fehlt das Potenzial.

Diesmal fiel auch noch Markus Feulner kurz vor Spielbeginn aus. Julian Wießmeier (Bild) durfte dafür von Anfang an ran. Aber ein Kreativbolzen ist er keiner. Auch sonst fehlen die in der Clubmannschaft.

Daher entwickelte sich im Frankenstadion 77 Minuten lang ein Spiel zum Abgewöhnen. Keine Ideen, kaum Torszenen, manchmal peinliches Mittelfeldgestopsel. Hin und wieder durften wir froh sein, dass die Augsburger so schwach agierten und überraschende Abwehrschwächen des Club nicht bestraften. Wenn überhaupt, dann lief beim Club nur etwas über Rechts, über Hegeler und Chandler.

Aber eigentlich waren das 77 Minuten zum Vergessen. Allerdings eben nicht ganz. Denn die Augsburger dachten dann wohl, das läuft immer so weiter. Lief aber nicht. Plötzlich explodierte der eingewechselte Alexander Esswein. Setzte einen Konter über Links (!) und machte das entscheidende Tor. Da sah man, dass der Club halt doch ein paar Lektionen mehr gelernt hat als der FCA.

Fazit: Wichtiger Heimsieg gegen einen Abstiegskonkurrenten. Drei Punkte! In ein paar Tagen fragt keiner mehr, wie sie zustande gekommen sind.