Frühzeitige Planungssicherheit

Die Woche:

  • Unaufgefordert und selbst, wenn es um ganz andere Spiele ging, zogen reihenweise „Experten“ die letzten Tage über den Club her. Unterirdisch sei dessen Leistung. Die erinnere fast an Tasmania Berlin. Grund war der Auftritt im Pokal beim HSV. Ein bisschen merkwürdig ist allerdings, dass sich genau jene „Experten“ sonst kaum für den FCN interessieren. Scheint so, als ob es sie auch etwas verängstigt, wenn ein Verein trotz eines schlechten Tabellenstandes Investitionsverweigerung betreibt.
  • Zum Pokalspiel: Jetzt wissen wir auch, dass es selbst in der 2. Liga nicht reichen würde, wenn unsere Mannschaft nur „spielerische“ Lösungen versucht. Ohne kämpferischen Einsatz, ohne Konzentration und Motivation, ohne ein „Über-die-Grenzen-Gehen“ würde selbst da nichts laufen. Dass es daran in Hamburg fehlen würde, war allerdings schon im Vorfeld klar, schließlich hatte Köllner seine Prioritäten eindeutig auf die Bundesliga gelegt.

Das Spiel:

Wieder mal ließ sich besagter Trainer was einfallen. Wieder mal präsentierte er eine ungewohnte Startelf. Diesmal mit drei Neuen. Simon Rhein, der saß zuletzt nicht mal auf der Bank saß, durfte ran. Vorne ließ Köllner Zrelak und Knöll als Doppelsturm auflaufen. Eduard Löwen hingegen war überraschenderweise gar nicht im Kader.

Schnell wieder weg war dann auch Simon Rhein. Übermotiviert muss er nach einem rüden Einsteigen gegen Korb bereits in der 11. Minute mit Rot runter. Klar, war vertretbar, aber nicht zwingend. Der Club stellt auf 4-3-2 um und hält zunächst trotz Unterzahl mit. Das liegt allerdings auch daran, dass Hannover 96 nicht den Eindruck vermittelt, zu Unrecht ganz unten zu stehen. Der Club hatte sogar die besseren Chancen, während 96 wenig zustande bringt.

Wegen diverser Verletzungsunterbrechungen ließ Schiedsrichter Welz allerdings fünf Minuten nachspielen. Offensichtlich war die Clubabwehr geistig schon ein paar Sekunden früher in der Kabine. Sie ließ Nicolai Müller im Strafraum völlig allein stehen, der sagt Danke und nickt zum 1:0 ein.

In der zweiten Hälfte mühte sich der Club weiter vergeblich. Einsatz und Wille waren zwar da. Aber wirklich gefährlich waren die Bemühungen alle nicht. Auch ein – bezeichnenderweise von Mathenia einberufener – Spielerkreis half da nichts. So war es erneut Müller, der dann den Deckel drauf machte. Unterschiedsspieler Müller ist übrigens ein in der Winterpause verpflichteter Leihspieler. Die Club-Winterverpflichtung Ilicevic hingegen ist erst in ein paar Wochen einsatzfähig.

Da ist es dann auch egal. Wenn schon gegen einen schwachen Gegner wie Hannover nichts geht, wo soll dann noch was herausspringen?

Immerhin hat der Club jetzt – anders als der Schicksalsspielgegner, der in der ersten Liga ebenfalls nichts verloren hat – frühzeitig Planungssicherheit. Trainer Köllner wird in der Restsaison das machen, was er am liebsten macht: Nachwuchskräften Spielerfahrung vermitteln, vielleicht ein paar Transfererlöse erzielen und ein bisschen taktisch experimentieren.

Genau das war gegen Hannover leider das falsche Rezept. Da hätte es erfahrene Spieler gebraucht, die wenigstens nicht die Nerven verlieren. Da hätte auch ein Alexander Fuchs nicht als erste Wechseloption herhalten und ein Mikael Ishak nicht erst zwei Minuten vor Schluss eingewechselt werden dürfen. Aber Köllner ist eben doch eher Nachwuchs- als Bundesligatrainer.

Ein Letztes:

Manche Situationen kann man nur mit Humor ertragen. Wenn es schon nicht zu „El Classico“ langt, dann wenigstens zu dessem Gegenteil: „El Kackico“. Dazu gibt es unter anderem einen Trailer, einen Hashtag  (auch mit „K“ am Schluss) und sogar eine „Hymne“…und einen, der es voll verkackt hat.

Nürnberg ist für Bader kein gutes Pflaster

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Nach den jüngsten Siegen kehrte beim Club wieder Euphorie ein. Trotzdem war noch nicht so ganz klar, ob wir uns nach oben oder eher nach unten orientieren müssen. Die letzten Gegner waren nicht unbdeingt die Top-Teams der 2.Liga. Anders war das bei Hannover 96. Der mittlerweile vom Ex-Club-Sportdirektor Martin Bader gemanagte Bundesligaabsteiger ist – zumindest vom Namen und vom finanziellen Bachground her – eine andere Nummer als beispielsweise der KSC.

Doch dann dauerte es gerade einmal vier Minuten und der FCN zeigte, wer hier Herr im Haus ist. Möhwald passte auf Kempe. Dessen Schuss konnte der beim Club ausgebildete 96-Keeper Sahin-Radlinger nur nach vorne abklatschen. Matavz sagte danke und schob den Ball zur frühen Führung ins Netz. 96 drängte dann auf den Ausgleich. Aber das sah alles ziemlich Bader-like aus. Blutleeres Blenden und eher behäbig in der Birne. Der Club ging die 96er schon im Mittelfeld an und schnappte sich ein ums andere Mal die doch sehr durchsichtig angesetzten Pässe. Etwa in der 21. Minute als Petrak an der Mittellinie den Ball eroberte zu Matavz spielte, der schickte Möhwald, dessen Flanke dann Burgstaller zum 2:0 einköpfen konnte.

Danach konnte es der Club noch ein bisschen lockerer angehen lassen. Hannover hatte zwar weiterhin ein optisches Übergewicht. Aber richtig gefährlich wurde es vor dem Kasten von Kirschbaum kaum. Der Club spielte durchaus clever und lie0 kaum etwas anbrennen.

In der 2. Hälfte musste die neue Nummer 1 im Clubtor allerdings mehrfach zeigen, was sie drauf hat. Hannover verstärkte den Druck noch weiter. Die größte Chance zum Anschlusstreffer bot sich in der 72. Minute, als Schiedsrichter Jöllenbeck auf den Elfmeterpunkt zeigte. Brecko hatte Klaus gefoult. Doch wie schon gegen den KSC erwies sich Kirschbaum als Elfmeterkiller.

Bei ihm (allerdings – das müssen wir selbstkritisch konstatieren – auch bei Trainer Alois Schwartz) zeigt sich allmählich, dass sich Geduld auszahlt. Der vielgeschmähte und zeitweise sogar auf die Tribüne verbannte Clubtorwart ist mittlerweile ein echter Stabilitätsfaktor. Dass er seinerzeit noch von Martin Bader eingekauft wurde, belegt, dass der nicht immer verkehrt gelegen ist. Andererseits belegt Bader auch, dass man in Nürnberg manchmal schon zu viel Gedlud gehabt hat.

Versöhnung in der Nachspielzeit

Unangenehm möchte der Club spielen, es dem Gegner schwer machen. Doch genau das kann Hannover schon länger und mindestens genauso gut. Die haben nur eine andere Methode, unangenehm zu sein. Die lassen die anderen spielen. Lassen sie ruhig ein bisschen Überlegensheitsgefühl aufbauen. Spieler, die sich damit nicht auskennen, macht sowas nämlich überheblich und leichtsinnig. Genauso war es dann auch im neuerdings nach meinem alten Transistorradio benannten Nürnberger Stadion.

Der Club entfache eine halbe Stunde lang Druck, hatte das Heft in der Hand. Aber es kam nichts rum dabei. Tomas Pekhart ist im Strafraum halt gerade mal so gefährlich, dass ihn die andere Mannschaft nicht völlig frei stehen lassen kann. Dagegen hatten die 96er gleich drei Stürmer aufgestellt, bei denen es sich durchaus empfiehlt, sie nicht aus den Augen zu verlieren. Drei Stück! Da verliert mancher Clubabwehrrecke schon mal die Übersicht. So konnte dann der Mittelfeldakteur Huszti (was, der ist auch noch da?) ziemlich ungestört durch die Mitte marschieren und das – zumindest nach den Spielanteilen – überraschende 1:0 machen.

Schon war es vorbei mit der Clubsouveränität. Anscheinend braucht die Mannschaft aber den Druck, um Energien freizusetzen. Dass dann ausgerechnet Timm Klose den Ausgleich machte und dafür eine Standardsituation nötig war, ist freilich bezeichnend. Aber egal! Bezeichnend ist auch, dass diejenigen, die sich vorne auszeichnen, dann hinten patzen. Anstatt jetzt weiter und den Sack zu zu machen, schenkte die Clubabwehr Hannover praktisch die erneute Führung.

Gott sei Dank markierte der eingewechselte Sebastian Polter in der Nachspielzeit noch den Ausgleich. Sonst hätten wir hier eine Abhandlung über die Dummheit schreiben dürfen.

Der späte Ausgleich versöhnt. Trotzdem: Da wäre heute mit ein wenig mehr Konzentration und mit mehr planvollen Spiel nach vorne (bitte mal Flanken üben!) locker ein Dreier drin gewesen.

Club von Nutzfahrzeug überfahren

Eigentlich könnten wir hier den Beitrag über das Frankfurt-Spiel wiederholen. Wieder einmal tönte alles großspurig von Auswärtssieg und Sprung auf den 3. Platz. Die Parallelen zwischen Club und Hannover wurden rausgestellt. Es wurde darauf verwiesen, dass sich die Trainer Hecking und Slomka bestens verstehen und auf Augenhöhe begegnen. Doch dann war es halt wieder nichts.

Nur, gegen Frankfurt gab es wenigstens noch ein Aufbäumen, spielerische Akzente, positive Ansätze. Das fehlte in Hannover gänzlich.

Dabei spielten die 96er im Gegensatz zur Eintracht keineswegs überragend. Denen reichte eine durchschnittliche Leistung um den Club abzufertigen. Noch nicht mal zu Fehlern zwingen mussten sie unsere indisponierte Truppe. Die machte das schon freiwillig selber. Peer Nilsson ragte da besonders negativ heraus. Dass dann Twitterer, die Astrid Lindgren gelesen haben, schreiben: „Herr Nilsson macht sich zum Affen“, das ist dann halt eine neue Dimension bei den Wortspielen. Da hätten wir viel lieber was von „Holterdipolter“ gelesen.

Aber auch ohne den unglücklichen Nilsson bekam der FCN noch eins eingeschenkt. Eigentlich erreichte nur Raphael Schäfer in Hannover halbwegs Normalform.

Warum das so war?

Möglicherweise liegts am Biorhythmus der Spieler. Vielleicht können die so spät abends keine Topleistungen mehr abrufen. Vielleicht lag es aber auch am Jetlag. Die Clubmannschaft traf erst am späten Nachmittag mit dem Flieger in Hannover ein. Eigentlich wollte sie am Vortag anreisen, bekam aber keine Hotelzimmer mehr in Hannover. Dort findet nämlich gerade eine Nutzfahrzeugmesse statt.

Tja, in Hannover hilft halt alles mit, um die eigene Mannschaft zu unterstützen. In Nürnberg bauen sie dagegen Hotels ohne Ende, damit es den Gegnern gut geht und sie ausgeruht den Club wegfegen können.

Apropos wegfegen. Am Samstag kommt mit dem VfB Stuttgart ein ebenfalls Weggefegter nach Nürnberg. Mal sehen, wer da wem Aufbauhilfe leistet. Wir machen jedenfalls nicht in Euphorie, langsam wissen wir, wohin das führt.

Schwacher Auftritt in Hannover

Auch in Hannover wurde der Club wieder mal seiner Rolle als Samariter des deutschen Profifußballs gerecht. Einem weiteren Not leidenden Gegner half man wieder auf die Beine. 96 Tage waren die 96er ohne Sieg. Da kommt schon mal Mitleid auf. Da will man doch helfen

Mitleid kam aber auch mit dem Club auf. Unter den vielen schlechten ersten Hälften, die der 1.FCN in letzter Zeit ablieferte, war das wohl eine der schlechtesten. Da lief überhaupt nichts zusammen. Hinten keine Ordnung, möglicherweise noch falsches Schuhwerk (Hlousek), im Mittelfeld kam kaum ein Ball an (Didavi) und wenn mal vorne einer einen ergatterte, dann versuchte der (Eigler) den irgendwie nur loszuwerden. Zielstrebigkeit: Null, Torgefahr: Fehlanzeige. weiter lesen

Süffig, aber im Abgang etwas mau

Die Luft war ohnehin raus im letzten Saisonspiel in Hannover. Unbelastetes Ausklingenlassen war angesagt. Insofern war es richtig von Trainer Dieter Hecking mit Plattenhardt und Wießmeier zwei Youngsters ranzulassen. Da war dann doch eher noch Motivation zu erwarten als von den Etablierten.

Genau eine halbe Stunde ging dieser Plan auch auf. Der Club führte. Ausgerechnet Julian Wießmeier traf bei seinem ersten Bundesligaspiel. Ein Supereinstand. Doch dann gings doch dahin. Hannover, mit Mainz im Nacken, musste was bringen und der Club spielte dann irgendwie normal. Hinten fehleranfällig, im Mittelfeld ideenlos und vorne weitgehend ohne Chancen. Dass dann Marek Mintal noch mal zu einem Einsatz kam, der leider wieder nicht durch ein Tor gekrönt wurde, war noch eine nette Randerscheinung.

Der Club schließt die Saison trotz des mauen Endes und der 3:1-Niederlage in Hannover als Sechster ab. Das hätte niemand erwartet. Sieht man allerdings, dass Mainz Fünfter, Kaiserslautern Siebter und Freiburg Neunter ist, dann ist zumindest das Umfeld gar nicht mal so überraschend. Verwunderlich nur, dass diese Mannschaften im Mittelfeld und nicht unten zu finden waren.

Also, Schwamm drüber! War eh egal! Supersaison!

Fröhliche Weihnachten!

413050399Ja, is den heut schon Weihnachten? Da muss selbst der Clubfreund mal den Adidas-Außenposten Beckenbauer zitieren. 22 Punkte hat der Club jetzt und überwintert auf Platz 11. Gegen Hannover war er klar überlegen. Nur der Schiri (wenn einer schon Winkmann heißt) hat die Sache nochmal spannend machen wollen, hatte aber letztlich keine Chance. Sogar bei den Standards waren die FCN-Spieler diesmal eminent gefährlich. Was will man mehr?

Allerdings waren die Voraussetzungen diesmal auch glücklich. Beim Club war Javier Pinola nach der Spucksperre wieder dabei und sorgte nicht bloß für mehr Sicherheit in der Abwehr, sondern auch für mehr Druck nach vorne. Auf der anderen Seite fehlte der für Hannover wohl noch wichtigere Ya Konan. Insofern kann man das sicher relativieren. Uns soll es egal sein. Die Saison läuft bisher besser als wir das je erwartet haben. Und die Einwechslung von Okotie kurz vor Schluss demonstrierte zudem noch, dass es sogar noch zusätzliche Optionen gibt, noch was draufzulegen. Weihnachten kann also kommen. Fast! Am Dienstag muss aber noch Pokalgegner Offenbach dran glauben.

Nach drei Spielen herrscht schon Ratlosigkeit

01_rausch_dpaAlso, nochmal: Der Club wird in der ersten Liga gegen den Abstieg kämpfen. Manche haben sich bei der ersten Heimpleite noch damit getröstet, dass Schalke ein Meisterschafgtsanwärter ist, gegen den man durchaus auch verlieren kann. Von Hannover 96 kann das gewiss keiner behaupten. Doch gegen die Hannoveraner lief es noch schlechter als gegen Schalke. Im Prinzip ging vorne und hinten nichts zusammen. Einzig Torwart Raphael Schäfer scheint über jeden Zweifel erhaben.

Das Sturmproblem hat sich längst ins Mittelfeld verlagert. Wenn von dort nichts kommt, kann vorne auch keiner was versieben. Und eine in der zweiten Liga sattelfeste Abwehr ist nicht automatisch in der ersten genauso sattelfest. Dass jetzt Schäfer und Charisteas an der Taktik herumkritteln und damit Trainer Michael Oenning eins mitgeben, kann man positiv so interpretieren: Da machen sich Füherungsspieler auch Führungsgedanken. Wenn man archaische Autoritätsvorstellungen besitzt, dann wäre sowas aber der Anfang vom Ende einer Traineranstellung. Bei Michael A. Roth hätte man schon Oennings Tage zählen können. Aber der ist nicht mehr am Ruder.

Vielleicht kann Oenning, was die Taktik angeht (viel zu sehr auf den – zugebenermaßen verdienten – Marek Mintal abgestimmt) über seinen Schatten springen – Autorität hin oder her. Schön wäre allerdings auch, wenn endlich was gegen die Unfähigkeit der Mannschaft bei Standards getan würde.

Doch das wäre alles wurscht, wenn – wie in der vorvorletzten Saison drei Mal – gegen Stuttgart ein Sieg eingefahren würde. Nach dem heutigen Auftrit können wir uns das allerdings nur schwer vorstellen.