Nicht schlecht, aber zu harmlos

Bis vor wenigen Wochen wäre da jede Menge Zündstoff drin gewesen. Inzwischen sind unser Ex-Manager und unser Ex-Chefscout bei ihrem neuen Verein auch abserviert worden. Dazu geht für den Club nach oben nichts mehr und nach unten nicht mehr viel. Insofern wra das eine gute Gelegenheit für den aktuellen Clubcoach Michael Köllner, beim Spiel in Hannover seine taktischen Umstellungen einzustudieren.

Wobei sich die diesmal in 4-3-2-1 auflaufende Mannschaft mittlerweile schon fast von selbst aufstellte. Zehn Ausfälle sind zu beklagen. So musste dann sogar der angeblich kranke Dave Bulthuis ran. Nicht verwunderlich also, dass einem zu Beginn des Spiels angst und bange werden musste um unseren Club. Hannover legte furios los und hatte eine Torchance nach der anderen. Doch nach gut zehn Minuten hatte sich die Notelf gefunden und der Elan der 96er verpuffte. Plötzlich versuchte es die von ihrem Hörgerätehersteller zum Aufstieg verdonnerte Mannschaft mit weiten, aus der Verzweiflung geborenen Pässen. Auf der anderen Seite schaffte es der Club aber leider auch nicht, offensiv etwas zu reißen. Folgerichtig ging es mit einem 0:0 in die Pause. weiter lesen

Leidenschaftslos in die 2. Liga

Es war ja schon vorher erstaunlich, wo die geduldigen und treuen Fans vor dem letzten Heimspiel nochmal die Hoffnung herauskramten. Es war ja nur Hannover, das da im Frankenstadion auflief. Für die ging es um nichts mehr. Viel gerossen hatten die in dieser Saison auch nicht. Aber letztlich waren selbst die eine Nummer zu groß für diese leblose, blutleere und desorientierte Mannschaft (bezeichnend für deren Fehleinschätzung der Lage und der eigenen Fähigkeiten war ja auch, wie die sich blauäugig nach dem Spiel bei den Fans ihre Abfuhr abholten). Die Spieler ließen in keiner Minute erkennen, dass es um irgendwas ging. Hatten sich offensichtlich schon längst aufgegeben und waren in keiner Phase in der Lage, die Chancen, die sie auf dem eigenen und auf fremden Plätzen immer wieder geboten bekamen (Hamburg und Braunschweig verloren ebenfalls) zu nutzen.

Der Trainerwechsel hatte jedenfalls null Effekt. Das Gefasel Baders „wir müssen in den Endspielmodus kommen und Impulse setzen“ wurde grandios konterkariert. Impulse setzte Ersatztrainer Roger Prinzen dann bloß durch Verzweiflungswechsel. Da ließ er Pachonik und Colak auflaufen. Nachwuchskräfte, die angebliche Leistungsträger ersetzten. Wobei weder Kiyotake noch Pekhart in den letzten Monaten irgendwie den Eindruck vermittelten, Leistungsträger sein zu können.

Die, aber auch die anderen Clubkicker machten eher den Eindruck von Fußballbeamten, die Dienst nach Vorschrift schieben. Nicht unangenehm auffallen. Ein bisschen auf Betriebstemperatur geraten und schauen, dass man bei der Kickerbenotung nicht auf eine 6 kommt. Mehr? Ach wozu? Dann müsste man ja Überstunden machen. Eventuell sogar gegen Fürth.

Dass diese Mannschaft jetzt immer noch eine Chance hat, ist eigentlich der größte Witz an der Geschichte. Dass beim Saisonabschluss in Gelsenkirchen Pinola, Plattenhardt und Chandler gelbgesperrt fehlen, hätten wir früher als Schwächung empfunden. Jetzt tun wir nicht einmal das. Wer auch immer auf Schalke aufläuft, schlechter als die, die heute gegen Hannover sang- und klanglos die drei Punkte verschenkt haben, können sie es eigentlich auch nicht machen.

Der Club schlittert also weiter in die 2. Liga. Wie es dort weiter gehen soll? Mit dieser Mannschaft dürfte es – schon von der Einstellung her – für die 2. Liga nicht reichen, zumal etlöiche „Leistungsträger“ ohnehin weg sind. Eigentlich bleiben jetzt nur noch die Nachwuchsspieler als Hoffnungsträger übrig. Nicht mal in den Bereich das Absurden verweisen möchte man in dieser Situation den Vorschlag einiger twitternder Clubfans, Gertjan Verbeek wiederzuholen, Bader zu entlassen und den Alttrainer eine Mannschaft zusammenstellen lassen, die zu ihm passt. Der Club ist jedenfalls – wieder mal – am Nullpunkt angelangt. Da sind nur noch unermüdliche Fans und eine leere Hülle, die nichts, aber auch gar nichts in der ersten Liga verloren hat.

Wir können alles, außer gewinnen

Das Schlimme am Club ist, dass es immer noch schlimmer geht. Das muss man erst einmal bringen, auch in fast aussichtsloser Situation noch ein Unentschieden zu erreichen. Der Club bringt das. Nur der Club schafft es auch, dass wir Fans selbst nach einer 3:0 zittern. Und mit was? Mit Recht, wie sich in Hannover gezeigt hat.

Der Club ist wieder mal der Depp. Inzwischen ist er vielleicht ein schönspielender Depp. Aber Depp bleibt Depp.

Es reicht halt nicht, nur 15 Minuten vor der Halbzeit aufzudrehen und die Fans zu begeistern, wenn dann hinterher alles wieder eingerissen wird. Bloß zeigen, dass man es kann, ist halt nicht genug. Ich würde mal sagen, mit einem Simons hätten wir den Vorsprung über die Zeit gerettet. Und einen Simons haben wir halt in dieser Saison nicht. Niemand, der Ruhe in die Aktionen bringt, der mal Nervosität rausnimmt.

Das Blöde ist: Langsam wird es pathologisch. Der Club hat jetzt nicht bloß ein Spieler-, sondern ein Psychoproblem. Hannover hat vor dem Spiel einen Mentaltrainer engagiert. Da holt man offenbar auch Unentschieden, wenn man schwächer ist und aussichtslos zurückliegt. Beim Club müsste jetzt einer mit Antideppen-Keulen anrücken. Ein Sechser allein reicht jedenfalls nur bedingt.

Ach so: Das zweite Tor war aus Abseits erzielt (Bild). Kann man sich drüber aufregen. Aber es hilft halt nichts. Auch ein beschissener Depp bleibt ein Depp. Genauso wie ein liebenswerter Depp…

Der seltsame Tabellenführer und die früheren Club-Stars

Nach zwei Spieltagen liegt der FSV Mainz 05 vorne in der Bundesliga-Tabelle. Ein seltsamer Spitzenreiter. Ein Underdog, der für Furore sorgt, erlebt ja oft im Jahr danach ein böses Erwachen. Die Mainzer und auch Hannover halten sich bisher nicht an diese Regel und legten einen Sechs-Punkte-Start hin. Mal gucken, wie lang die Euphorie noch anhält. Den Mainzer Sieg in Freiburg machten übrigens zwei Ex-Cluberer perfekt: Marcel Risse und Eric-Maxim Choupo-Moting steuerten je ein Tor bei, Risse bereitete zudem Choupo-Motings Treffer vor und avancierte zum Spieler des  Spiels. Schon schade, dass der Club im Jahr 2010 die beiden damaligen Leihspieler nicht halten konnte. Vor allem der dynamische Risse stünde dem offensiven Club-Mittelfeld gut zu Gesicht.

Club wieder auf dem Boden der Realitäten

Das Schöne am Fußball ist doch, dass das, was gerade gesagt wurde, schon am nächsten Spieltag widerlegt werden kann. Insofern ist der Club – und auch wir Fans – nun wieder auf dem Boden der Realitäten gelandet. Ziemlich unsanft.

Aber Hannover ist halt nicht Hertha. Und, was beim Club offenbar auch in dieser Saison wieder entscheidend ist: Auswärtsspiel ist nicht Heimspiel. Zuhause muss man das Heft in die Hand nehmen, kann man sich nicht hinten rein stellen und erst mal abwarten, um dann – wie in Berlin – irgendwann in der Schlussphase einen lichten Moment zum Siegtreffer auszunutzen. Eine Viertelstunde versuchte der Club nach vorne zu spielen, Hannover unter Druck zu setzen und sich Torchancen zu erarbeiten. Aber Hannover ließ nicht viel zu. Einmal hielt Torhüter Zieler bravourös gegen Klose. Einmal versemmelte Peckhart eine von Esswein super herausgespielte Chance. Hannover wiederum bemühte sich, nicht Torchancen herauszuarbeiten, sondern lieber Tore zu schießen. Denn die zählen und nicht die Chancen. Beim ersten stand der zuvor noch von vielen als Nationalmannschaftskandidat bezeichnete Philipp Wollscheid neben sich und zu weit weg vom Torschützen Abdellaoue. Beim zweiten agierte Raphael Schäfer wieder einmal unglücklich, konzentrierte sich auf den Ball, nicht auf den anstürmenden Gegner und verursachte so einen Elfmeter. Dass er solche Fehler nicht mehr wett machen kann und mal einen Strafstoß hält, ist leider bekannt.

Wie ausgewechselt kam der Club aus der Pause. Vielleicht lag es auch daran, dass Jens Hegeler, wie schon in Berlin, eingewechselt wurde und für die zuvor fehlende Zielstrebigkeit sorgte. Prompt machte Tomas Pekhart auf schöne Chandler-Flanke den Anschlusstreffer. Aber mehr war dann doch nicht drin. Wobei auch noch Pech dazu kam. So verletzte sich Javier Pinola so schwer, dass er nicht mehr weiter spielen konnte. Kurz zuvor hatte Trainer Hecking aber schon das dritte Mal ausgewechselt. So musste der Club am Schluss zu zehnt den Ausgleich erzwingen. Vergeblich!

Es gibt Tage, da läuft halt nichts. Dazu passt dann auch noch das zurückgekehrte Bayer-Dusel. Abputzen! Weitermachen! Immerhin geht´s das nächste Mal wieder in die Fremde. Zwar nach Dortmund. Aber im Augenblick ist das wohl besser als ein Heimspiel.

Die Zeit des Rechnens

Allerspätestens jetzt beginnt sie, die Zeit des Rechnens. Und die Hochrechnungen fallen für den Club unerfreulich aus. Denn ob sie nun wollen oder nicht: Am letzten Spieltag werden die zuletzt chronisch erfolglosen Bochumer und/oder die ähnlich desolaten Hannoveraner punkten, denn VfL und 96 spielen gegeneinander – und schließlich können dann nicht beide verlieren. Das bedeutet: Bei zwei Niederlagen landet der Club auf jeden Fall auf einem Abstiegs- oder Relegationsplatz (angesichts des Schneckenrennens am Tabellenende muss das eigens betont werden).
Vor dem Abstiegsfinale spielt Hannover schon gegen die Gladbacher, für die es um nichts mehr geht und die dieses Spiel deshalb vielleicht abschenken. Und Freiburg tritt bei den in dieser Saison reichlich lustlosen Kölnern an. Die Bochumer wiederum können in München darauf hoffen, dass die Bayern noch vom Europapokal-Finaleinzug   bedröhnt sind.
Fazit: Es wird enorm eng für den Club, der sich in Hamburg traditionell schwer tut. Allerdings empfängt auch der FCN noch die „Geißböcke“. Doch es besteht beim traditionellen Club-Pech die  Sorge, dass ausgerechnet am 34. Spieltag bei Podolski der Knoten platzt…

Der nette Herr Slomka

urn:newsml:dpa.com:20090101:100228-10-11427Manche Trainer haben ja Spitznamen, die sie eine ganze Karriere lang verfolgen. Felix Magath etwa ist wegen seiner Affinität zu Medizinbällen und hügeligen Landschaften, über die er seine Kicker scheuchen kann, als „Quälix“ verschrien. Ralf Rangnick gilt als der „Professor“, seit er einst im ZDF-Sportstudio an einer Tafel darüber dozierte, wie er Underdog Ulm dank revolutionärer Taktik ins Oberhaus beförderte. Ewald Lienen wiederum, der zu seiner aktiven Zeit wegen seiner markanten Frisur und seiner  politischen Einstellung als „Großneffe Lenins“ bezeichnet wurde, gilt als „Zettel-Ewald“ – nur weil er sich während des Spiels Notizen macht, was zu Beginn von Lienens Trainerkarriere offenkundig in Übungsleiter-Kreisen noch absolut unüblich war.

Auch Mirko Slomka hat seit seinem Engagement in Schalke, wo er zwischen 2006 und 2008 Cheftrainer war, einen Stempel, den er nicht mehr loswird: Er gilt wegen seiner sympathischen, uneitlen Art als der „nette Herr Slomka“. Doch nett und menschlich zu sein wird   im Haifischbecken Bundesliga ambivalent bewertet. Vielleicht lag es auch an der fehlenden Härte, die Slomka unterstellt wurde, dass er in Gelsenkirchen trotz passabler sportlicher Bilanz gehen musste und danach fast zwei Jahre  keinen Job mehr bekam – obwohl die Fachblätter ihn  überall dort, wo ein Trainer entlassen wurde, als Kandidat handelten.

Schließlich heuerte er bei Hannover 96 an. Und ist dort ausgesprochen nett – jedenfalls zum Club und den anderen Konkurrenten im Abstiegskampf. Denn er  hat seine ersten sechs Spiele mit den Niedersachsen samt und sonders verloren und damit dem FCN ermöglicht, mühevoll  von Abstiegsplatz 17 auf Relegationsrang 16 hochzukraxeln.
Slomka hat damit im übrigen einen Bundesliga-Negativrekord eingestellt, denn mit mehr als sechs Niederlagen am Stück ist noch kein Trainer bei seinem neuen Verein gestartet. Und in der Geschichte der 1963 gegründeten Bundesliga haben dieses Kunststück vor Slomka auch nur fünf Trainer geschafft: Heinz-Ludwig Schmidt (mit Tasmania Berlin in der Saison  1965/66), Janos Bedl (Wuppertaler SV, 1974/75),  Hans Tilkowski (1. FC Saarbrücken, 1977/78), Reinhard Saftig (ebenfalls Hannover, 1988/89) und zuletzt Klaus-Peter Nemet (FC St. Pauli, 1996/97).

Ganz erstaunlich: Ein Negativrekord mal ganz ohne Nürnberger Beteiligung! Die besagten Vereine sind übrigens allesamt abgestiegen, was für Hannover kein gutes Omen ist. Für den Club indes schon, denn dann wäre ein Abstiegsrang schon mal besetzt. Übrigens glaube ich, dass Mirko Slomka trotz seines missglückten Starts in Hannover ein richtig guter Trainer ist. Aber es reicht ja, wenn er sich mit dem Nachweis noch etwas Zeit lässt und das  erst kommende Saison mit 96 in der Zweiten Liga unter Beweis stellt. Das wäre richtig nett von ihm.

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