Auweh, jetzt haben wir die Favoritenrolle!

Die Woche:

1. Mit Patrick Kammerbauer verließ kurz vor Schließung des Wintertransferfensters ein weiteres Clubtalent den Valznerweiher. Der 20-Jährige kickt ab sofort für den SC Freiburg. In der Bildzeitung kritisierte Kammerbauer mangelnde Wertschätzung beim Club. Es sei immer nur von den auslaufenden Verträgen von Möhwald und Leibold die Rede gewesen, aber nicht von seinem. Dass das vielleicht auch mit den eigenen nicht so konstanten Leistungen zusammenhing, auf die Idee kommt man mit 20 wohl noch nicht Club-Sportvorstand Andreas Bornemann zeigte sich im Interview daher auch leicht angefressen. Nicht nur was Kammerbauer angeht, sondern generell. Für die solventeren Vereine seien solche jungen Spieler kaum ein Risiko, weshalb sich die Situation hinsichtlich des Verbleibs von Möhwald, Leibold oder Löwen (den nannte er ungefragt) leider auch nicht verbessert habe.

2. In diesem Zusammenhang ein kurzer Blick auf die Insel: Dort erinnert der „Examiner“ daran, dass bei Huddersfield seit einigen Monatren ein vielversprechendes Talent, nämlich der aubameyangmäßig vom Club geschiedene Abdelhamid Sabiri mittrainiert, der jetzt langsam mal zeigen könnte, was er drauf hat.

3. Die Haltung von Peter Fischer, Präsident von Eintracht Frankfurt, zieht Kreise. Jetzt geht der 1. FC Nürnberg gegen den Fanclub „Club Warriors“ vor, weil dort ein NPD-Funktionär im Vorstand sitzt.
http://www.nordbayern.de/region/nuernberg/der-1-fc-nurnberg-zeigt-rechten-die-rote-karte-1.7180348?utm_source=feedburner&utm_medium=twitter&utm_campaign=Feed%3A+clubfanspressespiegel+%28Clubfans+United+-+Pressespiegel%29

4. Der Club-Fanshop in der Ludwigstraße schließt. Den FCN-Verantwortlichenn ist das dortige Umfeld nicht gepflegt genug. Außerdem soll eine bessere Lage auch mehr Laufkundschaft anziehen. Wo der neue Shop, der auf jeden Fall kleiner ausfallen dürfte, aufmacht, ist zur Zeit noch unbekannt.

5. Nachdem der Club zuhause nicht immer den Erwartungen der Fans entspricht, sind die auch sensibler, was andere Frustfaktoren angeht. Zum Beispiel die, die von den Tauben ausgehen, die auch gerne ins Stadion pilgern. Vor allem aber wegen der Rasensamen. Die Tauben bekacken derzeit vor allem die Besucher der Gegengerade. Die Beschwerden nehmen laut FCN aber rapide ab, wenn der Club gewinnt.

Das Spiel:

Gegen Erzgebirge Aue hatte der Club in der Hinrunde eine seiner Tiefpunkte und verlor mit 1:3. In der Zwischenzeit ging es beim Gegner kontinuierlich bergab, während der Club nach oben kletterte. Insofern erwartete jeder einen klaren Sieg, auch wenn der Club sich zuhause eher schwer tut.

Eine gute halbe Stunde lang war das eine äußerst zähe Angelegenheit im Morlock-Stadion. Die vernunftbegabteren Fans verwiesen auf das „erwartete Geduldsspiel“, die anderen fingen das Murren an oder gingen Bier holen. Letztere verpassten dann nicht nur den ersten gefährlichen Angriff, sondern auch ein besonders schönes Tor: der diesmal voll überzeugende Neuzugang Federico Palacios legte überlegt auf Kevin Möhwald zurück, der den Ball volle Kanne ins Auer Gehäuse hämmerte. Das war der Dosenöffner. Zumal eine Minute nach dem Wechsel Möhwald erneut auf Zuspiel von Palacios das 2:0 machte.

Beim Gegner ging jetzt nicht mehr viel zusammen. Der Club konnte das Spiel locker verwalten. Bei diesen Verwaltungsbemühungen sprang dann unter anderem jene Ecke heraus, die Valentini in der 71. Minute auf den Kopf von Patrick Erras zirkelte, der sich mit dem 3:0 nach seiner langen Verletzungspause wohl vollends zurückmeldete. Mitten im allgemeinen Jubel verlor Eduard Löwen wieder mal in prekärer Position einen Ball und ermöglichte Soukou so den ebenso überraschenden wie unnötigen Anschlusstreffer. Wenig später stellte der eingewechselte Tobias Werner jedoch mit seinem ersten Ballkontakt – übrigens ging der Assist wieder an Palacios – den alten Abstand wieder her.

Der Sky-Reporter jubelte dann: „So spielt ein Aufsteiger!“ Dennoch: Es kommen mit Sicherheit noch Gegner, bei denen das Bretterbohren um einiges schwerer wird.

Ein Letztes:

Welche Drogen werden eigentlich in den Sportredaktionen konsumiert? Nachdem es beim Cliub gerade ganz gut läuft, macht sich der Fan halt anderweitig Sorgen:

Club wieder auf dem Boden der Realitäten

Das Schöne am Fußball ist doch, dass das, was gerade gesagt wurde, schon am nächsten Spieltag widerlegt werden kann. Insofern ist der Club – und auch wir Fans – nun wieder auf dem Boden der Realitäten gelandet. Ziemlich unsanft.

Aber Hannover ist halt nicht Hertha. Und, was beim Club offenbar auch in dieser Saison wieder entscheidend ist: Auswärtsspiel ist nicht Heimspiel. Zuhause muss man das Heft in die Hand nehmen, kann man sich nicht hinten rein stellen und erst mal abwarten, um dann – wie in Berlin – irgendwann in der Schlussphase einen lichten Moment zum Siegtreffer auszunutzen. Eine Viertelstunde versuchte der Club nach vorne zu spielen, Hannover unter Druck zu setzen und sich Torchancen zu erarbeiten. Aber Hannover ließ nicht viel zu. Einmal hielt Torhüter Zieler bravourös gegen Klose. Einmal versemmelte Peckhart eine von Esswein super herausgespielte Chance. Hannover wiederum bemühte sich, nicht Torchancen herauszuarbeiten, sondern lieber Tore zu schießen. Denn die zählen und nicht die Chancen. Beim ersten stand der zuvor noch von vielen als Nationalmannschaftskandidat bezeichnete Philipp Wollscheid neben sich und zu weit weg vom Torschützen Abdellaoue. Beim zweiten agierte Raphael Schäfer wieder einmal unglücklich, konzentrierte sich auf den Ball, nicht auf den anstürmenden Gegner und verursachte so einen Elfmeter. Dass er solche Fehler nicht mehr wett machen kann und mal einen Strafstoß hält, ist leider bekannt.

Wie ausgewechselt kam der Club aus der Pause. Vielleicht lag es auch daran, dass Jens Hegeler, wie schon in Berlin, eingewechselt wurde und für die zuvor fehlende Zielstrebigkeit sorgte. Prompt machte Tomas Pekhart auf schöne Chandler-Flanke den Anschlusstreffer. Aber mehr war dann doch nicht drin. Wobei auch noch Pech dazu kam. So verletzte sich Javier Pinola so schwer, dass er nicht mehr weiter spielen konnte. Kurz zuvor hatte Trainer Hecking aber schon das dritte Mal ausgewechselt. So musste der Club am Schluss zu zehnt den Ausgleich erzwingen. Vergeblich!

Es gibt Tage, da läuft halt nichts. Dazu passt dann auch noch das zurückgekehrte Bayer-Dusel. Abputzen! Weitermachen! Immerhin geht´s das nächste Mal wieder in die Fremde. Zwar nach Dortmund. Aber im Augenblick ist das wohl besser als ein Heimspiel.