Seltene Glücksgefühle

Die Woche:

  • Club-Kapitän Hanno Behrens wurde inzwischen nicht mehr bloß von den „ewigen Netz-Nörglern“, sondern auch von der „seriösen Presse“ zum „Gesicht der Krise“ erklärt. Als „Gesicht des Aufstiegs“ galt er eigentlich als sakrosankt. Und deswegen wurde die Kritik an ihm auch nur refereiert und gleich wieder widerlegt (andere haben noch schlechtere Zweikampfquoten u.ä.). Immerhin kaum widerlegbar ist, dass Hanno Behrens zuletzt nie an frühere Leistungen anknüpfen konnte, wahrscheinlich auch deswegen, weil er mit der Rolle als Kapitän überfordert ist. Das dürfte aber möglicherweise daran liegen, dass an diese Rolle inzwischen andere Ansprüche geknüpft werden. Bezeichnend wie ihn Palikuca nach der Niederlage in Bochum vor den versammelten TV-Kameras zur Seite genommen hatte, um ganz offensichtlich mit ihm die Entlassung Canadis zu besprechen. Da wurde der brave Hanno in eine Art Brutus-Rolle gedrängt. Schon mit der Verpflichtung von Palikuca und Canadi hatte der FCN jedoch den von Behrens präferierten Weg des netten, freundlichen Umgangs miteinander verlassen. Die – manchmal vielleicht wirklich nicht leistungsfördernde – Harmonie in der Mannschaft war einigen wohl ein Dorn im Auge. Insofern ist Hanno schlicht der Falsche für die ihm zugedachte Rolle. Den Vorwurf der Undankbarkeit sollte man also, wenn schon, an die richtige Stelle adressieren.
  • Apropos Dankbarkeit. Ein anderer Aufstiegsheld sollte in der Winterpause an den FC Paderborn abgegeben werden: Mikael Ishak. Der hat dem Tabellenletzten der 1. Liga mittlerweile aber abgesagt. Beim Club aufgestellt wird er derzeit dennoch nicht. Keller vermutet, er sei aufgrund seiner Wechselbemühungen nicht voll bei der Sache.
  • „Das Ende ist nah“ lautete die NN-Überschrift vor dem Keller-Duell gegen Dynamo Dresden. Man kann das vielfältig interpretieren. Bestenfalls, dass ein für den „Ruhmreichen“ wenig ruhmreiches Jahr sein Ende findet. So bestünde wenigstens die Hoffnung, es könnte nächstes Jahr wieder besser werden. In diesem Sinne: frohe Weihnachten! Genießt die spielfreie Zeit! Wir haben es uns verdient.

Das Spiel:

Nürnberg gegen Dresden, das ging nicht bloß zum Hinrundenauftakt zu unseren Gunsten aus. Auch bei der Bewerbung um den Kulturhauptstadttitel hieß es letzte Woche: Vorteil Nürnberg. Dresden gehörte dagegen zu den drei Oststädten, die aussortiert wurden.

Auch sonst verbreiteten die Sachsen nicht unbedingt Angst und Schrecken. Vier Stammspieler mussten beim Kellerduell ersetzt werden. Dazu lief Torwart Broll in einem Behelfstrikot mit abgeklebter Rückennummer auf (Schuld daran war allerdings Schiedsrichter Jöllenbeck, der Bedenken hatte, das mitgebrachte grüne Hemd könnte bei Nässe nachgrauen und dann nicht mehr von den grauen Nürnberger Trikots unterscheidbar sein).

Demgegenüber hatte sich Clubstürmer Michael Frey die langen Haare abrasiert. Offenbar sollte ihm die Glatze im Strafraum mehr Respekt verleihen.

Ihr merkt schon: Auf dem Platz passierte erst einmal nicht viel Berichtenswertes. Der Club hatte zwar ein Übergewicht und mehr Ballbesitz. Allerdings ohne daraus irgendwelches Kapital schlagen zu können. Dem Spiel war deutlich anzumerken, dass da zwei der augenblicklich schwächsten Mannschaften der 2. Liga aufeinander trafen.

Trotzdem ging der Club in der 33. Minute in Führung. Der zuletzt arg kritisierte Kapitän Hanno Behrens hatte in den Strafraum geflankt. Dovedan, für den diese bestimmt war, rutschte zusammen mit seinem Gegenspieler weg. Dahinter stand Robin Hack völlig frei, erwischte den Ball aber nicht richtig. Der trudelte dann aber neben dem linken Pfosten ins Tor.

Mit der knappen Führung ging es in die Pause.

Aber was heißt das schon? Schließlich pflegte der Club in der Schlussphase regelmäßig die Punkte zu verspielen. Da half es dem durch solche Erfahrungen pessimistisch gewordenen FCN-Fan auch nicht, dass in der 53. Minute erneut Hack – wieder auf Vorlage von Behrens – auf 2:0 erhöhte.

Allerdings brannte diesmal hinten nichts mehr an. Das lag zum einen daran, dass die Dresdner nach vorne nicht viel zustande brachten, Zum anderen aber auch daran, dass mit Georg Margreitter (für ihn musste Mühl draußen bleiben) mehr Stabilität in die Clubabwehr einkehrte.

So brachte der Club dias 2:0 unfallfrei über die Zeit und kann ein bisschen hoffnungsvoller in die Winterpause gehen. Allerdings wurde uns der Sieg diesmal auch ziemlich leicht gemacht. Anlass, von einer Trendwende zu sprechen, betsht also noch nicht.

Ein Letztes:

Nicht dumm, die Eistiger. Denn wer den Club nicht mehr packt, der wechselt nicht den Verein, der wechselt gleich die Sportart.