Ist Schwartz der Richtige?

12.08.2016 --- Fussball --- Saison 2016 2017 --- 2. Fussball - Bundesliga --- 02. Spieltag: 1. FC Nürnberg Nuernberg FCN Club - 1. FC Heidenheim 1846 FCH --- Foto: Sport-/Pressefoto Wolfgang Zink / WoZi --- Alois Schwartz (Trainer 1.FC Nürnberg / FCN ) enttäuscht / Enttäuschung nach Spielende

Alois Schwartz nach dem 1:1 des FCN gegen Heidenheim: Aufbruchstimmung sieht irgendwie anders aus.  //    Foto: Sport-/Pressefoto Wolfgang Zink

Zwei Punkte aus zwei Spielen gegen vermeintlich schwächere Gegner – das ist für den ambitionierten Club eindeutig zu wenig. Während sich die Vereinsverantwortlichen natürlich hüten, zu einem solch frühen Zeitpunkt bereits den neuen Trainer in Frage zu stellen, muss es für enttäuschte Fans erlaubt sein zu fragen: Passt Alois Schwartz zum 1. FC Nürnberg?

Nach zwei Spielen und den Eindrücken in der Vorbereitung lautet unsere Antwort: Jein. Aber ein Jein ist eben kein Ja. Sicherlich war Schwartz nach der plötzlichen „Flucht“ (Bild-Zeitung) von René Weiler die beste Option, die Sportvorstand Andreas Bornemann in der Kürze der Zeit und mit den begrenzten Mitteln für den Club gewinnen konnte. Die Gedanken hinter dieser Entscheidung sind logisch und gut nachvollziehbar: Schwartz, ein akribischer Trainertyp, hatte bei seinem vorherigen Klub, dem SV Sandhausen, wiederholt unter Beweis gestellt, dass er in der Lage ist, aus wenig viel herauszuholen. Deshalb ist er genau der richtige Mann für einen Verein wie den 1. FC Nürnberg, der sich in finanzieller Schieflage befindet, der aber alleine aufgrund seiner Tradition verpflichtet ist, unbedingt erfolgreichen Fußball zu spielen.

So weit, so gut.

Doch der Club ist nicht Sandhausen und schon gar nicht Rot-Weiß Erfurt, der 1. FC Kaiserslautern II oder Wormatia Worms. Alles frühere Trainerstationen von Alois Schwartz, der übrigens 2006 seine Fußball-Lehrer-Lizenz erhielt und zehn Jahre gebraucht hat, um auf der Karriereleiter bis zum Club hochzuklettern. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Es geht gar nicht um fachliche Kritik an der Arbeit des gebürtigen Nürtingeners, sondern allein um eine Auseinandersetzung mit der Frage: Passt Schwartz zum FCN?

Betrachtet man die jüngere Vergangenheit des 1. FC Nürnberg, waren es vor allem charismatische Trainertypen, die erfolgreich waren: Magath, Meyer, Hecking, Weiler. Wenn man sich dagegen die Körpersprache des neuen Coaches in den Spielen gegen Dresden und Heidenheim so anschaut, fragt man sich, ob der fränkische Altmeister mit seinem hypernervösen, extrem emotionalen Umfeld und der ismaeleske, blasse Arbeiter Schwartz tatsächlich kompatibel sind. So richtig springt der Funke nämlich nicht über. Wo sind der Esprit und der unbedingte Wille eines Mannes, der etwas bewegen will, wenn nötig mit Risiko? Zu spüren ist davon jedenfalls nicht viel.

Ja, man sollte dem 49-Jährigen noch Zeit geben. Aber nicht zu viel. Denn im Gegensatz zu seinem Vorgänger René Weiler fand Schwartz eine gut eingespielte Mannschaft vor, die es nicht erst zu formen gilt. Ja, es war zuletzt auch Pech dabei. Aber das ist es nicht… Es geht ums Gefühl: Passt das mit Alois Schwartz und dem 1. FCN? Und da ist eben nur dieses unentschiedene Jein.

Zu frisch sind die Erinnerungen an das fatale Festhalten an Valerien Ismael und Michael Wiesinger… Beides hervorragende Typen, aber halt keine Charismatiker.

Schieben wir es halt auf den Platz

597891628Mal ehrlich, müssen wir als ehemaliger Rekordmeister, als lebende Legende, als die, die überall nur als „die Ruhmreichen“ bekannt sind und die jeder als „der Club“ kennt, auf so einem Acker spielen? Kann man uns und unseren jungen Stars solche Platzverhältnisse zumuten? Vereine wie Sandhausen, die sich nicht einmal eine gescheite Rasenpflege leisten können, haben doch in einer der Top-Ligen Europas nichts verloren. Und dann wird uns auch noch ein Schiedsrichter zugeteilt, der nicht einmal zwischen letzter und vorletzter Mann unterscheiden kann. Zudem war die Autobahn nach Heilbronn verstopft….

Ja, es war nicht unser Tag! Wie in letzter Zeit fast jeder Spieltag nicht unser Tag war. Irgendwas ist immer, wenn der FCN spielt. Und wenn mal nichts mehr ist, dann spielen wir nicht mehr. Oder zumindest unter Ausschluss der Öffentlichkeit in irgendeiner Amateurliga. Wobei ich nichts gegen Amateure sagen will. Da haben wir auch beim Ruhmreichen genug davon.

Also sollten wir uns nach der Niederlage im Kellerspiel mit den Regelmäßigkeiten beschäftigen. Mit den Konstanten im Desaster. Und eine Konstante ist Valerien Ismael, den das Sandhausenspiel möglicherweise den Job kosten könnte, schon einmal nicht. Saft-, trost- und ideenloses Gekicke und geschlossenes Einbrechen nach Gegentoren, das hatten wir schon unter Michael Wiesinger. Auch die Aussetzer der Abwehr (übrigens die schlechteste der 2. Liga) sind kein Novum. Umgekehrt sind wir dann nur begrenzt in der Lage, ähnliche Aussetzer beim Gegner auszunutzen.

Neu ist allerdings, dass wir „the same procedure as every year“ auf immer niedrigerem Niveau praktizieren. Erst gegen St.Pauli, das in der 2. Liga ganz unten steht, und jetzt gegen Sandhausen, wo schon der Name nach Provinz duftet. Wo dürfen wir das im nächsten Jahr praktizieren? Ganz sicher auf noch niedrigerem Niveau. Dann halt nicht mehr gegen Sandhausen, sondern gegen Großaspach, Regensburg oder Kiel. Zumindest dann, wenn wir unsere Konstanten beibehalten. Leider gehören zu diesen Konstanten auch die bereits sattsam bekannten Rettungsmaßnahmen wie Trainerwechsel und Wintereinkäufe.

Wird Zeit, dass wir uns was anderes überlegen. Nur wer? Dr. Grethlein vielleicht!

Es ist nicht lustig, aber ziemlich hoffnungslos

1943908274Wenn es nicht so ernst wäre, könnte man ja lachen und seine Witze reißen. Aber leider ist es ernst und da müsste man in Trauer verfallen. Freilich, das hilft und ändert ebenfalls nichts. Insofern ist Humor vielleicht ein besseres Rezept um der Lage beim Club zu begegnen. Zumal dann, wenn man eh nichts ändern kann.

Doch wie ändert man was? Mal unterstellt, die Clubspieler sind keine Volldeppen und haben ein bisschen Grips in der Birne (wer zum Beispiel Mike Frantz am Dienstag bei seinen neuen Verein Freiburg beobachtet hat, könnte auf die Idee kommen), dann muss man das wohl genau so machen, wie sie das in Heidenheim gemacht haben. Wie willst du einen Manager, der derart wider alles besseren Wissens von einer einflußreichen Fangruppe unterstützt wird, sonst los werden? Da muss der Karren so weit in die Scheiße manövriert werden, dass wirklich dem letzten, verblendeten Deppen klar wird, dass da Handlungsbedarf besteht.

Ob Platz 16 in Liga 2 reicht, das ist freilich noch die Frage. Zumal ja wieder die Option besteht, den Trainer zu entlassen und so die Schuld erstmal anderweitig loszuwerden. Gut, Ismael ist mit der Situation in Nürnberg überfordert. Der kann einen Schäfer nicht einfach auf die Bank setzen. Der kann sich auch nicht gegen die anderen Mächtigen im Verein wehren. Auch mit seinen Analysen lag er meistens daneben. Zum Beispiel, wenn er uns mit der völlig überraschenden Erkenntnis kam, das sei alles eine Kopfsache und bei der Mannschaft fehlten nur ein paar Prozent. Dass es wesentlich mehr Prozente sind, sah jeder – in Karlsruhe und jetzt in Heidenheim. Im übrigen scheint Ismael auch den Unterschied zwischen Intellekt und Psyche nicht zu kennen. Deshalb ist für ihn der FCN mit Sicherheit ein zu dickes Brett. Nur: Wer will denn inzwischen noch zum Club? Welcher Trainer soll es denn da – bitteschön – richten? Da hast du dann den Bader und seine Ultras, den Marek, den Wolf, ein paar stadtbekannte Profilneurotiker und vielleicht noch ein paar besserwisserische Blogger ;-). Und jeder will dir reinquatschen.

Andererseits bekommst du so auch den Manager nie weg. Insofern hat es jetzt keinen Sinn, Bader einen Nachfolger für Ismael suchen zu lassen. Doch dazu müsste es im Aufsichtsrat erst einmal eine Mehrbheit gegen Bader geben. Da zweifle ich leider dran.

See U in Liga 3! Und das meine ich leider ernst.