Zurück auf dem Boden der Tatsachen

Die Woche:

1. Auf einmal hat der Club die Favoritenrolle im Aufstiegsrennen. Wir werden hier seit Jahren nicht müde, mhier auf die Erwartungsbremse zu drücken. Nicht weil wir Nörgler und Pessimisten sind, sondern weil wir aus Erfahrung wissen, wie das beim Club endet. Immerhin scheint Trainer Michael Köllner (genau wie übrigens auch Sportvorstand Andreas Bornemann) da ebenfalls eine Gefahr zu sehen und dämpft da schon mal verbal: „Wir müssen nicht auf Biegen und Brechen aufsteigen.“

2. Mit Identifikationsfiguren tun sich die meisten Vereine mittlerweile schwer. Spielt einer mal längere Zeit erfolgreich, wird er prompt weggekauft. Nach Max Morlock ging es auch beim Club identifikationsmäßig bergab. Marek Mintal war noch so einer. Deshalb wurde er beim FCN nach seiner aktiven Laufbahn auch weiterbeschäftigt. Bei Raphael Schäfer war das zunächst genauso. Jetzt hat der Club die Zusammenarbeit beendet. Warum, das blieb bislang im Dunklen.

3. Noch einen weiteren Weggang hatte der FCN zu vermelden. Rurik Gislason stürmt in der Rückrunde für den Ligakonkurrenten SV Sandhausen. Dort will sich der Isländer seinem Nationaltrainer empfehlen um doch noch zur WM nach Russland fahren zu können. Der Club kann damit zwar einen Spieler, der noch einen „guten“ Altvertrag besaß, von der Gehaltsliste streichen. Der Deal hat aber auch Deppenpotenzial, denn am vorletzten Spieltag geht es gegen Sandhausen. Nicht auszudenken, aber gerade deshalb wohl typisch Club, wenn da ausgerechnet Rurik…

Das Spiel:

Und wenn es dann erst wird, dann sind die Winterpausendebatten auch schon wieder Makulatur, Zum Beispiel der Köllner-Vergleich mit dem Testspielgegner Heart of Midlothian. Die hat der Club noch mit 5:0 vom Platz gefegt. Aber Jahn Regensburg war halt ein anderes Kaliber. Taktik, in dem Fall hoch pressen, ist da das eine. Aber wo keine Ballsicherheoit vorhanden ist und jeder zweite Ball verloren geht, ist die Taktik eigentlich egal. Diesmal erwischte ausgerechnet der sonst so solide Ewerton einen schwarzen Tag. Dazu kam, dass der gleich zu Beginn auflaufende Neuzugang Marvin Stefaniak und Tim Leibold auf der linken Seite deutliche Abstimmungsprobleme hatten. So schenkte der Jahn dem Club bereits in der 6. Minute den ersten Treffer ein. Immerhin brauchten wir nicht lange für die passende Antwort. Vier Minuten später konnte Kapitän Hanno Behrens abstauben, nachdem der Regensburger Keeper Pentke einen Leibold-Schuss nicht festhalten konnte. Am konfusen Abwehrverhalten änderte das jedoch nichts und so ging Regensburg nach einer knappen halben Stunde erneut in Führung. Danach merkte man den Clubspielern an, dass sie verunsichert waren. Regensburg war einfach besser und raubte unserer Mannschaft mit dem frühen Angreifen den letzten Nerv. Nicht nur wir Fans sehnten daher die Pause herbei in der Hoffnung, dass kein Gegentor mehr fällt.

Nach dem Seitenwechsel kam Mühl für den indisponierten, aber wohl auch verletzten Ewerton. Das Highliight des Spiels durften wir wenig später erleben. In der 49. Minute nach einer Möhwald-Flanke macht ausgerechnet Edgar Salli per Kopfball den Ausgleich. Wo hat Köllner den denn aus dem Hut gezaubert? 😉 Nun ja, schön dass es endlich mal geklappt hat. Wenig später hätte Salli sogar noch den Siegtreffer machen können, brauchte aber einen Tick zu lange für die Ballannahme. Allerdings hatte auch der Jahn durchaus Chancen, den Siegtreffer zu landen.

Köllner wechselte dann noch Erras für den offenbar im Training überzeugenderen Petrak ein und Löwen für den noch nicht eingebundenden Stefaniak. Wobei Löwen leider nicht ganz bei der Sache zu sein scheint. Aus welchen Gründen auch immer.

Wer aufsteigen will, der sollte Heimspiele gegen Mannschaften wie Regensburg eigentlich gewinnen. Angesichts des Spiels und des Auftretens der Gäste müssen wir aber mit dem Punkt zufrieden sein.

Ein Letztes:

Die Schalker kaufen nicht nur gerne beim Club ein, sie unterstützen auch dessen fränkische Konkurrenz. Tröstlich immerhin, dass sie es nicht blicken, wann wir harte Konsonanten nur weich aussprechen und wann sie wirklich weich sind.

Spitzenreiter mit Schwachstellen

Zweite Liga, das ist harter Kampf, viel Arbeit und der eine oder andere lichte Moment, der den Unterschied macht. Beim Club weiß man das inzwischen. Der Aufsteiger Jahn Regensburg hat da wohl noch ein paar Lektionen vor sich. Dabei waren die Regensburger in dem kampfbetonten Match lange Zeit durchaus ebenbürtig. Hüben wie drüben gab es Chancen, allerdings niemanden, der damit etwas anzufangen wusste.

Beim FCN war diesmal Rurik Gislason für Edgar Salli in der Startelf. Doch die Frisur macht es halt nicht. Gislason agierte leider wieder mal plan- und erfolglos und wurde zurecht ausgewechselt. Allerdings gegen eben jenen Salli, der dann auch nur die Argumenten dafür nachlieferte, warum er nicht schon zu Beginn an spielen durfte. Wird Zeit, dass Abdelhamid Sabiri wieder die Kurve kriegt.

Auch Mikael Ishak versackte wieder in alten Verhaltensweisen und brachte vorne kaum etwas zustande. Kein Wunder, dass der Siegtreffer für den Club erst fiel, nachdem Ishak durch Cedric Teuchert ersetzt wurde. Der war dann allerdings lediglich als Störenfried am Treffer beteiligt. Die Supervorabeit von Valentini ließ er in der 78. Minute durchlaufen zu Kevin Möhwald, der dann den Ball zum entscheidenden Treffer im Regensburger Kasten versenkte.

Wie gesagt: Es war der eine lichte Moment, der den Unterschied machte. Insofern gilt nach wie vor, was wir schon nach dem Kaiserslauternspiel gesagt haben: Ob der Club wirklich da oben hingehört (für uns als Fans tut er das natürlich sowieso), muss sich erst noch gegen stärkere Gegner erweisen. Auch gegen Regensburg gab es durchaus Situationen, wo eine abgezocktere Mannschaft den einen oder anderen Treffer erzielt hätte. Da war längst nicht alles so souverän und fehlerfrei, wie es jetzt der Tabellenstand andeutet. Schön ist diese Momentaufnahme freilich allemal und deswegen zelebrieren wir sie halt hier noch ein bisschen.