Wo stehen wir? Erstmal ganz oben!

Vorbereitungsspiele sind das eine. Selbst wenn man alle sieben gewinnt, bleibt da eine Unsicherheit: Wo steht die Mannschaft, wenn es ernst wird?

Was den Club angeht lautet die Antwort: erstmal ganz oben. Allerdings: Aussagekräftig ist das zu Beginn der Saison natürlich überhaupt noch nicht, zumal sich mit dem FC Kaiserslautern eine Mannschaft im inzwischen nach Weltmeister Max Morlock benannten Stadion präsentierte, die nicht gerade zu den Favoriten der 2. Liga zählt. Zudem schwächte sich der FCK auch noch selber. Die Pfiffe und Beleidigungen der Fans gegen den eigenen Keeper (Marius Müller kehrte vom ungeliebten RB Leipzig zurück) verfehlten ihre Wirkung nicht. Beim ersten Treffer in der 13. Minute ließ der Lauterer Keeper einen Schuss vom kaum wiederzuerkennenden Mikael Ishak prallen. Der leicht abseitsverdächtige Edgar Salli schiebt den Ball erst zu Sebastian Kerk (spielte gegen seinen Interimsverein als sei er nie weggewesen), der lässt Kapitän Hanno Behrens ran, welcher eiskalt verwandelt. Beim 2:0 (25. Minute) fungierte Müller gar als Torschütze und bugsiert eine Kerk-Ecke ins eigene Netz.

Nur an Müller und am Unvermögen des FCK lag es freilich nicht. Der Club spielte souverän und selbstbewusst auf und ließ außer in der Anfangsphase kaum etwas zu. Pressing im Mittelfeld, ständige Positionswechsel und dauerndes Bemühen um Ballbesitz zeichneten das Clubspiel aus. Der FCK merkte offenbar schnell, dass in Nürnberg nicht viel zu holen ist. Der Club konnte so bereits nach einer halben Stunde einen Gang zurückschalten und abwarten. Weil der Gegner aber nichts zuzusetzen hatte, litt das Spielniveau doch ziemlich deutlich.

Das ging in der zweiten Hälfte zunächst so weiter. Der Club wollte nicht, Kaiserslautern konnte nicht. Bis zur 54. Minute. Da packte Kevin Möhwald ein Pfund raus und hämmerte den Ball aus 22 Metern ins FCK-Gehäuse. Die sichere und angesichts der Harmlosigkeit des Gegners ungefährdete Führung gab Trainer Michael Köllner die Gelegenheit, Neuzugang Adam Zrelak, Rurik Gislason und Cedric Teuchert einzuwechseln.

Ohne große Probleme wurde dann der Auftaktsieg fix gemacht. Aber wie gesagt, wo wir genau stehen, lässt sich bei diesem Gegner noch nicht genau verorten. Auf jeden Fall erstmal weiter vorne als uns das viele Experten zugetraut haben. Und meistens, wenn uns keiner was zutraut…

Mühsamer Jahresabschlusserfolg

Daheim machen sie dich ein. Das gilt beim Club in letzter Zeit leider öfter. Wobei diesmal der FC Kaiserslautern zu Gast war. Bei dem schien die Offensive kein Problem zu sein. Dafür stand die Frage im Raum, ob es gelingt, den Zu-Null-Königen einen reinzuballern. Entsprechend unansehnlich gestaltete sich dann auch die erste Halbzeit. Fehlpässe am laufenden Band, uninspiriertes Angerenne, planloses Rumgekicke bei gefühlter Überlegenheit des 1.FCN. Wobei dem zugute gehalten werden muss, dass ihm Schiedsrichter Markus Schmidt in der 20. Minute ein korrektes Tor wegen angeblicher Abseitsstellung aberkannte. Das war dann aber schon das Highlight der ersten Hälfte im stark unterfüllten Frankenstadion.

In der zweiten Hälfte egalisierte der Club dann doch den bisherigen Rekord der SG Wattenscheid und traf im 38. Zweitligaspiel in Folge ins Tor (Behrens nach Ecke in der 51. Minute). Jetzt aber, dachten wir! Der Bann war schließlich gebrochen und der FCK hatte ja wochenlang kein Tor mehr erzielt. Doch nicht mit dem Club. Der ist bekanntlich ein Samariter. Der hilft jedem aus der Patsche und baut auch hoffnungslose Fälle auf.

Die Mannschaft ließ sich hinten reindrängen, wurde seltsam apathisch. Oft wurde der Club minutenlang in der eigenen Hälfte beschäftigt. In der 62. Minute hätte sich niemand beschweren dürfen, wenn es nach einem Handspiel von Dave Bulthuis Elfer gegeben hätte. Die Warnung verpuffte freilich. Weiter bettelte der Club nach einem Kaiserslauterner Treffer. In der 78. Minute war es dann soweit. Völlig unüberraschend köpfte Zoua nach einer Ecke (das erste Tor nach einer Standardsituation für den FCK) den ziemlich haltbar aussehenden Ball ins Clubnetz.

Jetzt ließen es die Pfälzer wieder ruhiger angehen, ohne dass der Club richtig zwingend zurückkommen konnte. Aber wir haben ja Guido Burgstaller. Noch! Der hatte sich seinen großen Auftritt für die 90. Minute aufgehoben. Von Behrens freigespielt zog er im Strafraum ab und traf zum 2:1.

Am Ende ein versöhnlicher Jahresabschluss. Mit dem bereits bei den vorigen Spielen erwähnten bitteren Beigeschmack, dass der Matchwinner wohl die längste Zeit für den FCN die Kastanien aus dem Feuer geholt hat.

Auf dem Zahnfleisch zum Dreier

548320621Vom Club ist man viel gewöhnt. Aber wenn selbst die scheinbar sicheren Nummern derart an den Nerven zerren, dann weiß unsereins: Als Fan des FCN spielst du in einer anderen Liga. In der Flatter- und Stress-Division und zwar ganz oben.

Dabei schien doch alles so schön angerichtet. Bis zur 22. Minute. Der Club drängte auf eine frühe Führung. Das schien auch angebracht, nachdem schon das Spiel gegen Sandhausen gewisse Verschleiß- und Ermüdungserscheinungen aufzeigte und diesmal noch Brecko und Leibold wegen Gelbsperren fehlten. Nach 19 Minuten war es dann soweit. Wieder einmal war Erras zur Stelle und bugsierte den Ball zur – leider nur scheinbar- beruhigenden Clubführung ins Tornetz. Was sollte da noch schief gehen. Schließlich spielte der Dritte zuhause gegen den Zehnten. Doch die Lauterer schlugen nicht einmal drei Minuten später zurück (die Vorlage kam auch noch vom Ex-Clubberer Antonio Colak). Da kehrte beim Club plötzlich Verunsicherung ein. Es ging kaum noch was zusammen. Der FCK hatte plötzlich Oberwasser und das 1:1 war zur Pause noch nicht einmal unglücklich.

Danach mühte sich der FCN weiter ab, die meistens gefährlicheren Lauterer in Schach zu halten. Im Mittelfeld hatten die zumindest ein Übergewicht. Da ging beim Club wenig zusammen. In der 66. Minute kam es dann ganz dick. Raphael Schäfer verletzte sich und musste durch Patrick Rakovsky ersetzt werden. Trainer Rene Weiler stellte deshalb die bereits geplante Einwechslung von Zoltan Stieber zurück. Zuvor hatte er schließlich schon Blum für Möhwald eingewechselt. Wenig später brachte er Stieber dann trotzdem. Kurz danach prallte Rakovsky mit Vucur zusammen und musste ebenfalls verletzt behandelt werden. Kurz danach holte sich der gerade eingewechselte Stieber wegen eines Ellenbogenchecks die gelbe Karte ab. Das alles schien in der 88. Minute vergessen: FCK-Keeper Müller unterlief eine Flanke und Stieber machte seinen ersten Treffer für den Club. Leider nicht nur das. Aus lauter Freude stülpte er sein Trikot über den Kopf und – wir wissen: es ist Schwachsinn, aber halt die Regel – flog postwendend mit Geld-Rot vom Platz. Platzverweis wegen Torjubels. Erlebt man auch nicht alle Tage.

Dass es dann auch noch sechs Minuten Nachspielzeit gab, dass die Lauterer währenddessen gleich mehrere hochkarätige Chancen hatten und der angeschlagene Rakovsky den Ball einmal bravourös aus dem Winkel holen musste… Ich muss es euch nicht sagen: Da werden acht Minuten zu Lebensjahren. Dass am Ende drei Punkte standen, war es das wert. War schließlich nicht immer so. Die Serie hielt außerdem. Also: platt, aber glücklich.

Per Kopf zum Jubiläumssieg

243381448So richtig anstrengen musste sich der Club für den Jubiläumssieg, den 250. Erfolg in seiner Zweitliga-Geschichte,  nicht – der 1.FC Kaiserslautern präsentierte sich doch arg von der Rolle. Das lag natürlich auch daran, dass die Pfälzer schon ab der 18. Minute in Unterzahl agieren mussten, weil Patrick Ziegler nach einem groben Foulspiel gegen Guido  Burgstaller „Rot“ sah. Damit die Überzahl nicht gleich wieder leichtfertig verspielt wird, brachte Trainer Rene Weiler nach einer halben Stunde Kapitän Jan Polak anstelle des ebenfalls am Rande eines Platzverweises stehenden Tim Leibold (30.). Polak hatte zunächst wieder auf der Bank schmoren müssen, weil Weiler der Anfangself vom Sandhausen-Spiel vertraute.

Kurz vor Schluss der ersten Hälfte gelang dann dem zuletzt arg kritisierten Abwehrchef Even Hovland per Kopf nach einem Eckstoß von Kevin Möhwald das 1:0 für die Gäste aus Nürnberg (41.). Nach dem Seitenwechsel ging es sehr gemächlich weiter, Polak und Co. schoben den Ball hin und her, ohne dass die Heimelf auf dem einst so gefürchteten Betzenberg in irgendeiner Form Druck gemacht hätte. Man hatte den Eindruck der Club macht das, was Kritiker in der Vergangenheit oft Kanzlerin Angela Merkel vorwarfen – er schläferte den Gegner ein.

Vorne wiederum zeigten sich die Nürnberger absolut effizient: Alessandro Schöpf köpfte nach einer feinen Burgstaller-Flanke das 2:0 (56.), und bereits fünf Minuten später erhöhte Burgstaller selbst – wieder nach einem Möhwald-Eckstoß, wieder per Kopf – auf 3:0 (61.). „Was ist denn jetzt kaputt?“ twitterte daraufhin ein Club-Fan, der dem Braten offenbar noch nicht recht trauen wollte. Aber es blieb dabei. 3:0. Sicher kein hoch unterhaltsamer Fußball-Abend, aber immerhin drei Punkte bei einem der heiß gehandelten Aufstiegsanwärter. Wobei die Pfälzer – in den Vorjahren einmal Dritter, zweimal Vierter – in dieser Form kaum eine Chance haben, in die Spitzengruppe der Zweiten Liga zurückzukehren.

Beim Club bekam der zwischenzeitlich in die Reserve verbannte Jakub Sylvestr eine Bewährungschance, Weiler wechselte ihn für Danny Blum ein (65.), und beinahe hätte der Angreifer auch noch ein Kopfballtor beigesteuert, doch der Ball ging knapp vorbei (68.). Ein 4:0 wäre auch des Guten zu viel gewesen und hätte die schöne historische Parallele kaputt gemacht: Der erste der inzwischen 250 Club-Siege in der Zweiten Bundesliga war nämlich auch ein 3:0. Am 10. August 1974 siegte der 1.FCN mit diesem Ergebnis gegen den FSV Mainz 05. Die Torschützen: Rudi Sturz, Slobodan Petrovic und natürlich die Nürnberger Zweitliga-Legende Dieter Nüssing.

 

Abschied von Aufstiegsträumen

1608020460Das Hinspiel bescherte den Club-Fans einen der wenigen Höhepunkte in der kurzen Ära Ismael: Der 1. FC Nürnberg setzte sich gegen den 1. FC Kaiserslautern in einer sehenswerten Partie mit 3:2 durch. Zweifacher Torschütze damals: Alessandro Schöpf, der nach Bank und Sperre in Kaiserslautern wieder in die Startelf zurückkehrte. Zudem brachte Trainer Rene Weiler gegenüber der 0:1-Heimpleite gegen Heidenheim Mössmer, Blum und Koch neu, draußen blieben Polak (gesperrt), Füllkrug (verletzt), Stark und Mlapa (beide Bank).

Für Danny Blum war das Spiel aber verletzungsbedingt schon nach 20 Minuten beendet, Sebastian Kerk ersetzte die verletzte Offensivkraft. Da stand es schon 1:0 für die Lauterer: Orban hatte nach einem Demirbay-Eckstoß zwar per Kopf nur die Latte getroffen, aber Ring stocherte den Ball über die Linie (15.). In der 31. Minute erhöhte Hofmann dann auf 2:0 für die Gastgeber, die als Tabellendritter im Gegensatz zum Club noch voll im Aufstiegsrennen mitmischen. Hofmann staubte nach einem Lattenkracher von Löwe ab. Kaiserslautern hatte das Spiel in der Folgezeit im Griff. Dass Weiler für Rechtsverteidiger Ondrej Celustka mit Peniel Mlapa noch einen Stürmer brachte (68.), half den Gästen zunächst wenig. Doch als die Partie schon gelaufen schien, verkürzte Hinspielheld Schöpf nach einer Kopfballverlängerung von Mlapa auf 1:2. Anschließend musste Kaiserslautern noch zwei Eckstöße des Clubs überstehen, bis die drei Punkte und der 2:1 (2:0)-Sieg unter Dach und Fach waren.

Für jene Anhänger des 1.FC Nürnberg, die doch noch irgendwie von der sofortigen Bundesliga-Rückkehr träumten, dürfte das letzte Fünkchen Hoffnung nun erloschen sein. Da neben Lautern auch die zweitplatzierten Darmstädter gewannen (5:0 gegen Union Berlin), beträgt der Rückstand der Nürnberger auf Relegationsplatz drei und Aufstiegsrang zwei neun Spiele vor Saisonschluss  satte elf Punkte. Dass der Club hier noch einmal herankommt, erscheint unrealistisch.

Es war übrigens erst das vierte Aufeinandertreffen der beiden Traditionsvereine in der Zweiten Bundesliga. Die Pfälzer spielten nach Gründung der Bundesliga 1963 stattliche 33 Jahre ununterbrochen erstklassig, erst 1996 ging es für ein Jahr nach unten. Weil die Nürnberger aber die Saison 1996/97 in der Drittklassigkeit zubrachten und gegen Teams wie Egelsbach oder Ditzingen kickten, begegnete man sich da nicht. Nach dem zweiten Abstieg der Lauterer 2006 hatten sich die Kräfteverhältnisse umgekehrt. Nun spielte der Club meistens oben, Lautern blieb, von einem zweijährigen Intermezzo (2010-2012) abgesehen, zweitklassig. Nur 2008/09 gab es zwei Zweitligaduelle, die jeweils die Gastgeber gewannen (Lautern mit 2:1, der Club mit 3:0). Und auch an diesem Samstag blieben die Punkte bei den Platzherren – wie schon in der Vorrunde, als der Club sich beim eingangs erwähnten 3:2 über einen gelungenen Montagabend freuen durfte.

Erfolgreicher Raketentest vor dem Parteitag

1. FC Nürnberg - 1. FC KaiserslauternVor ein paar Tagen hat Blogger-Kollege „vip“ den Namen „Kim Jong Bader“ aus der Taufe gehoben. Da war Schäfer noch Torwart und noch nicht mundtot gemacht. Der Sportvorstand des 1. FC Nürnberg hatte gerade verkündet, dass er trotz aller Turbulenzen dem Club erhalten bleiben wolle.

Zugegeben: Nordkorea-Vergleiche sind in jedem Zusammenhang grenzwertig. Doch manchmal passen sie einfach wunderbar. Und wenn wir schon dabei sind: Für Bader muss sich der 3:2-Sieg gegen den 1. FC Kaiserslautern im achten Saisonspiel am Vorabend der Jahreshauptversammlung ungefähr so angefühlt haben wie für Kim Jong Un ein im achten Anlauf kurz vor einem Parteitag endlich geglückter Langstreckenraketentest.

Gezündet hat es beim Club am Montagabend allemal. Zumindest in der ersten Hälfte. Von einer „Schöpf-Show“ sprach der Sky-Kommentator – und bekam sich gar nicht mehr ein vor lauter Lobhudelei. Schöpf hatte schließlich das 1:0 vorbereitet, das Candeias zentral stehend machte (24.). Das 2:0 in der 41. Minute besorgte der 20-jährige Youngster höchstselbst nach einem sehenswerten Turbo-Alleingang in bester Andi-Möller-Manier.

Die kompletten ersten 45 Minuten über spielte der Club wider Erwarten erfrischend stark auf. War es tatsächlich die Degradierung Schäfers, die Wirkung zeigte? Oder packte den FCN als Tabellenvorletzter der Mut der Verzweiflung? Man kann nur mutmaßen, doch es ging ein spürbarer Ruck durch die Elf von Coach Ismael. Diesen Schub nahm die Truppe um Interims-Kapitän Mössmer mit in Durchgang zwei, wenn nun auch etwas Gegenwind von den Roten Teufeln auffrischte. In Minute 51 war es wieder Schöpf, der zum Torjubel abdrehen durfte, nachdem er die Kugel irgendwie in die Maschen gedroschen hatte. Die Lauterer kamen vor 25.130 Zuschauern im Grundig-Stadion in Person von Ring (62.) und Löwe (71.) noch einmal auf 2:3 heran. Das große Zittern begann. Zweifler beschworen Übles herauf, schließlich hatte Schiedsrichter Kinhöfer auch das 3:3 in Hannover gepfiffen, wo der Club letzte Saison tragisch eine 3:0-Führung verspielt hatte. Doch es reichte. Am Ende war der Jubel groß.

Vom Aufsichtsratsvorsitzenden Schramm („Wir haben einen Spordlichen Leider, wir haben den Fußballabdeilungsleider, wir haben den Drainer, wir haben die Mannschafd und die müssen die Woche weider arbeiden und dann gehd des weider“) bis zu Trainer Ismael („Wir haben gewonnen, jetzt gibt es keinen Grund mehr, etwas zu ändern“): Am Valznerweiher ist ohne Schäfer wieder Zug drin, das Club-Raumschiff ist auf Kurs. Und wenn am Dienstag nicht der Baiersdorfer Meerrettich-Pate zum Schubumkehrhebel greift, schwebt es einfach weiter, immer weiter. Völlig losgelöst. Bis es abstürzt.

Club schickt den FCK in die zweite Liga

War´s das? So lange bei Club rechnerisch noch ein Abstieg möglich ist, sollten wir nicht feiern. Das wissen wir aus leidvoller Erfahrung. Deswegen fällt auch allen Fußballinteressierten in Deutschland beim Begriff „Depp“ zunächst der 1.FCN ein. Aber dauernd Unken und Bedenken tragen, wer will das schon. Es gibt genug Miesepeter auf der Welt, da müssen wir nicht auch noch dazu gehören. Zumal es Leute gibt, die sehr viel mehr Grund dazu hätten. Zum Beispiel die Fans unseres heutigen Gegners. Der ist praktisch abgestiegen. Denn so wie er sich gegen den Club präsentiert hat, glaubt kein Mensch, dass da noch irgendein Dreier für den FCK drin ist.

Trotzdem war die Konstellation nicht so, dass man sagen konnte: Das war ein Selbstläufer für den Club. Normalerweise verfällt der nämlich in rätselhafte Lässigkeit und Lethargie, wenn alle einen Sieg erwarten, wenn er das Spiel machen muss und wenn ein Gegner fast schon am Boden liegt. Da gibt er gerne mal den Samariter, baut den Schwächeren auf und wundert sich dann über eine blöde Niederlage. Insofern war das also kein selbstverständlicher Dreier.

Dass es dazu kam war auch diesmal wieder Daniel Didavi (links im Bild) zu verdanken. Mit seinem ersten Tor beendete er nicht nur eine Drangperiode des FCK, er ebnete damit auch den Weg zum Sieg. Klar, dass er auch das zweite Tor durch Tomas Pekhart vorbereitete. Blöderweise wurde er so wieder zum „Mann des Spiels“. Blöderweise, weil das dann auch die Stuttgarten mitbekommen und ihn wieder haben wollen.

Insofern herrscht doch noch Spannung. Bleibt er oder geht er? Da wird jetzt Martin Bader zeigen müssen, ob er auch was eintüten kann. Vollstreckerqualitäten sind manchmal auch außerhalb des Platzes gefragt.

Nachtrag: Durch die Niederlage der Kölner in Gladbach kann der Club jetzt nur dann noch auf einen Relegationsplatz abrutschen, wenn er keinen einzigen Punkt mehr holt der 1.FC Köln gleichzeitig die ausstehenden drei Spiele gewinnt und dazu noch 21 Tore gut macht. Ich würde mal sagen, selbst wenn der Club der einzige Verein sein sollte, dem man solche unmöglichen „Aufholjagden“ zutraut: Das Ding ist durch.

Endlich mal wieder ein Heimsieg!

Geht doch! Nach acht sieglosen Spielen holt der Club endlich wieder drei Punkte. Ob das der Durchbruch war, das Ende der Krise? Eher nicht! Der FC Kaiserslautern war einfach schwach. Da fehlen halt die Huntelaars oder Rauls, die mal eine geniale Aktion rauspacken. Gut für uns! Gut auch, dass da endlich mal ein Mitkonkurrent um den Abstieg nicht aufgebaut, sondern selber in Kalamitäten gestürzt wurde.

Den Unterschied machten diesmal vor allem zwei Abwehrspieler aus. Dominic Maroh nutzte seine Chance, sich als erste Wahl für die Abwehrreihe zu empfehlen. Timothy Chandler spielte so, als möchte er demnächst auch für ein paar Millionen zu Leverkusen oder einem anderen solventen Verein wechseln, machte nicht nur hinten dicht, sondern auch viel Druck über seine Seite und noch das entscheidende Tor.

Ansonsten war das eher Hausmannskost. Am ärgerlichsten wieder: Ein Torerfolg scheint beim Club immer einen Bruch auszulösen. Kaum liegt die Mannschaft in Führung beginnt sie nachzulassen, meint, sie könne ein Ergebnis verwalten und hinten die Null halten. Dass das nicht stimmt, haben doch die letzten Spiele gezeigt.

Egal! Es geht ja nicht darum, welche Nervenpein der FCN bei seinen Fans auslöst, sondern darum, was am Ende an Zählbarem rauskommt. Diesmal warens endlich einmal drei Punkte. Und weil es gegen einen Konkurrenten um den Abstieg ging, zählen die sogar noch etwas mehr.

Wer hätte das gedacht?

Wieder ein Dreier! Die Durststrecke, die wohl regelmäßig nach Siegen in Wolfsburg einsetzt, ist vorbei. Am Ende wurde es zwar in Kaiserslautern noch spannend (wobei da auch – wieder mal – der Schiedsrichter Schuld war). Aber sonst hatte der Club alles sicher im Griff. Gab gerade so viel Gas, um den Gegner auf Abstand zu halten. Der musste wohl auch anerkennen, dass der Nürnberger Gast einfach besser war, strukturierter, geordneter und souveräner spielte und nicht zu Unrecht oben dabei ist. Dass wir sowas nochmal erleben dürfen! Hach!

Der Becherwurf auf Ekici war wohl auch ein Symptom dafür, dass man am Betzenberg nicht glaubte, dem Club mit normalen Mitteln beizukommen. Gut, Kaiserslautern kam dann doch noch gefährlicher auf. Aber bisschen Spannung muss ja auch sein 😉 Drei Punkte einfach nur langweilig nach Hause bringen, das will man als Clubfan ja auch nicht. Oder?

Noch was zu den Spielern. Julian Schieber war noch nicht wieder der Alte. Dafür gibt Christian Eigler wieder den Goalgetter. War aber auch Klasse die Vorbereitung von Timothy Chandler. Der eingewechselte Robert Mak machte das beim 2:0 ebenfalls super.

Nun geht den Mainzern wahrscheinlich die Muffe. Wird also eine heiße Nummer am Ostersonntag. Kampf um Europa: Nürnberg gegen Mainz. Wer hätte das gedacht?

Die blöde Favoritenrolle

20100307 Hecking br¸llt energischNein, die Favoritenrolle schmeckt uns nicht. Das war schon im Heimspiel gegen Freiburg so. Das setzte sich letzten Sonntag in München fort und erlebte seinen Höhepunkt heute gegen den FC Kaiserslautern.

Während nämlich bei den Clubspielern und deren Umfeld Begriffe wie „magisches Elfeck“ oder „neuer Jugendstil“ und die Frage, in welcher Nationalmannschaft man demnächst kicken soll. im Kopf herumschwirren, spielen die Gegner Fußball. Und dann lässt der „zuverlässige Rückhalt“ Raphael Schäfer auch noch den Ball ungeschickt abprallen und es heißt 0:1.

Dann denken die wackeren Abwehrrecken der favorisierten Heimmannschaft aber immer noch: Betriebsunfall, wird gleich repariert, schließlich sind wir ja Nationalspieler, z.B. von Australien oder Weißrußland. Wie da wohl das Wetter gerade ist?

Auf einmal heißt es 0:2. Häh, wer ist da auf dem Platz? FCK? Waren das nicht mal die roten Teufel? Die schauen doch ganz harmlos aus mit ihren weißen Hemdchen? Die werden sich doch nicht wehren wollen und meinen, sie hätten hier eine Chance?

Da fällt das dritte Tor.. So was Dummes aber auch! Jetzt müssen wir uns doch noch anstrengen. Ah, da ist ja der Pausenpfiff. Also erst mal entspannen! Der göttliche Schiri ist wenigstens auf unserer Seite und nun wird der Erfolgstrrainer in der Pause die richtigen Worte finden.

Doch „Trainerfuchs“ Dieter Hecking (im Bild) dürfte eher an seinem gescheiterten Experiment zu knabbern gehabt haben. Vidosic, das ewige australische Talent, das eigentlich als Stürmer gilt, rechts hinten als Ersatz für Juri Judt aufgestellt zu haben, war wohl die Hauptursache für den Rückstand. Klassischer Rohrkrepierer. Folgerichtig wurde Vidosic auch noch vor der Pause ausgewechselt.

Viel elanvoller kam der Favorit jedenfalls nicht aus der Kabine. Der FCK war weiterhin die dominante Mannschaft und hätte mehrfach noch auf 4:0 erhöhen können.

Erst die Einwechslung von Robert Mak für die alles andere als geniale Bayern-Leihgabe Ekici brachte dann etwas mehr Schwung. Mak schoss immerhin den Ehrentreffer. Dass es nicht zu weiteren Favoritentoren reichte, war unter anderem Andreas Wolf zu verdanken, der einen Elfer an die Querlatte hämmerte. Der Club hat das Spiel also wegen seiner (umformierten) Abwehr verloren. Wobei man sagen muss: Vorne lief auch nicht viel und im Mittelfeld hatte der FCK ebenfalls meist die Oberhand.

Es scheint so, als kehrte in der Bundesliga Normalität ein: Bayern hat sich gerappelt, Schalke siegt wieder, Fürth ist Vierter und der Club ein Depp.