FCN-Update: Rückblicke und Abgänge

Die Clubspieler hatten das Jahr zumeist in wärmeren Regionen ausklingen lassen. Heute mussten sie zum Trainingsauftakt ins stürmische Franken. Einer war – wenig überraschend – leider nicht dabei: Cedric Teuchert. Bereits im alten Jahr hatte die Bild-Zeitung schon vom bevorstehenden Wechsel zu Schalke 04 erfahren. Jetzt wurde die Meldung vom FCN selber und dann auch den „Nordbayern“ bestätigt, nachdem zuvor noch Hoffnungsvolles verbreitet wurde.

Schade! Und wie schon bei früheren Transfers zu den Schalkern bekommt auch die schöne Fanromantik wieder einen Knacks. Für die königsblauen Chefs sind wir eben doch bloß der Ausbildungsverein. Der wiederum kann die knappe Million, die der Transfer bringen soll, freilich gut brauchen. Nun ja. Wenigstens wechselt Teuchert nicht zu den Bayern.

Was die Wintertransfers angeht könnte es durchaus noch schlimmer kommen. Da droht dann nicht bloß der Verlust eines Jokers, sondern der echter Leistungsträger.

Natürlich gab es sie auch wieder, die mehr oder weniger besinnlichen Jahresrückblicke. Verquickt mit einer aufkommenden Köllner-Mania. So ist das halt, wenn sich der Club in einer Aufwärtsbewegung befindet. Neben Atmosphärischem wurden uns aber auch harte Zahlen und Fakts serviert.

Vielleicht rafft sich ja auch noch einer meiner Kollegen zu einem Rückblick auf. Ansonsten melde ich mich hier mit aktuellen Updates wieder. Hoffentlich sind da keine unerfreulichen dabei.

Da wird der Palazzo wohl leer bleiben

1. Ja, was denn nun? Angeblich hatte der Club doch einen breiten Kader mit massenhaft Alternativen, die Trainer Michael Köllner jedes Mal vor die Qual der Wahl stellen. Jetzt soll auf einmal alles anders sein: Der 2. Anzug zwickt, Ausfälle und Verletzungen können nicht kompensiert werden. Verletzungen? Da sind Sebastian Kerk und Dennis Lippert dabei, wo der Club bereits bewiesen hat, dass er auch ohne sie zurecht kommt. Enis Alushi und Laszlo Sepsi würden wahrscheinlich eh nicht aufgestellt. Adam Zrelak höchstwahrscheinlich auch nicht. Bleiben der eher indisponierte als verletzte Eduard Löwen und Georg Margreitter. Auch bei jenen Spielern, die angeblich außer Form sind, fragt sich, ob das nicht der Normalzustand ist. Wobei es der „formschwache“ Edgar Salli mit Note 2 beim letzten Mal immerhin in die Kicker-Elf-des-Tages geschafft hat. Später wurde er dann zwar auf eine 4 abgewertet. Eines wird dadurch jedenfalls deutlich: Auch Journalisten haben Formschwächen.

2. Im DFB-Pokal wurde dem Club von Stefan Effenberg ein Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg zugelost. Finanziell gesehen ist das eher mittelgut. Was die Chancen aufs Weiterkommen angeht auch. Seit dem Pokaltriumph vor zehn Jahren war leider regelmäßig Schluss, wenn es gegen einen Erstligisten ging.

3. Dank unserer lokalen Sportberichterstattung wissen wir jetzt, dass Club-Sportvorstand Andreas Bornemann Apfeltaschen von Hildes Backwut isst. Man mag da von Schleichwerbung sprechen. Vielleicht wird auch ein neuer Sponsor aufgebaut. Auf jeden Fall dient der Sportteil mal wieder (wie in der Vorwoche bei der Bahnfahrt von Osnabrück) dazu, in die Realitäten der einfachen Leserschaft einzutauchen. Eine lohnenswerte Aufgabe, um die sich andere Ressorts leider zu wenig kümmern.

4. Ob unseren Trainer der, in Nürnberg regelmäßig im Debakel endende, Größenwahn gepackt hat, oder ob es wieder eine von Journalisten – aus Ermangelung an Berichtenswertem – aufgebauschte Nebenbemerkung war, lassen wir mal dahingestellt. Vielleicht war auch nur die Marketingabteilung am Werkeln. Jedenfalls soll Köllner gesagt haben, der Club werde die Aufstiegsfeier in Alexander Hermanns Palazzo ausrichten. Vielleicht sollten wir einfach erstmal unsere Spiele gewinnen.

Das Spiel:

Dass Montagspartien als „Spitzenspiele“ annonciert werden, erwies sich schon häufiger als Etikettenschwindel. Diesmal galt das ganz besonders. Ein ödes Gekicke, das da im flutlichtbeleuchteten Morlock-Stadion abgeliefert wurde. Wobei die Gäste aus Ingolstadt anfangs noch die Aktiveren waren und den Club mit ihrem frühen Pressing praktisch kaum Zugang in Strafraumnähe ermöglichten. Ein abgefälschter Pass landete dann in der 14. Minute bei Pledl, der den Ex-Nürnberger Kutschke bedient und plötzlich liegt der Club hinten.

Diesem fiel danach weiterhin nicht viel ein, nur dass jetzt auch die Ingolstädter kein Interesse mehr daran hatten, die Partie irgendwie gefälliger zu gestalten. Als wir Fans schon in Depression zu versacken drohten, erbarmte sich Cedric Teuchert doch noch, setzte zu einem unwiderstehlichen Dribbling an, passte zu Kevin Möhwald, der den Ball zum Ausgleich unter die Latte hämmerte. Auf einmal war wieder Selbstvertrauen und Druck in den Clubaktionen. Doch beides blieb dann irgendwo in der Kabine.

Nach der Halbzeit wurde auf der nach unten offenen Ödnessskale ein neuer Tiefpunkt anvisiert. Nichts ging mehr. Lediglich Torwat Thorsten Kirschbaum fiel – übrigens auch zum Unmut seines Trainers – durch wiederholtes Meckern auf. Blöderweise war es dann ebenfalls Kirschbaum, der der zweiten Hälfte doch noch einen Höhepunkt bescherte: Der Torhüter legte sich nach einem harmlosen Rückpass den Ball zu weit vor und grätscht dann den mittlerweile eingewechselten Ingolstädter Stürmer Lezcano um: Elfmeter! Lezcano versenkt diesen in Stop-and-Go-Manier zum Siegtreffer.

Unverdient war das nicht. Trotzdem war das eine saublöde und durch mangelndes Engagement und einen Torwartfehler selbstverschuldete Niederlage.

Ein Letztes:

Ein clubaffines Alphornduo hat auf dem Consumenta-Stand der Greuther Fürther einen musikalischen Derbysieg nachgereicht. Die beiden intonierten dort „Die Legende lebt“. Was man übrigens vom Kleeblatt derzeit nicht unbedingt behaupten kann.

Der Club bleibt zweitklassig

Nach dem gefühlten Auswärtsspiel in Nürnberg am vergangenen Wochenende, für das über 15.000 Gäste-Fans aus Stuttgart sowie ein Stimmungs-Boykott der FCN-Ultras gesorgt hatten, ließ der Club am Samstag in Sandhausen ein gefühltes Heimspiel folgen. Dafür reichten rund 3000 stimmgewaltige mitgereiste Rot-Schwarze, die im Stadion am Hardtwald beinahe über die kompletten 90 Minuten die Atmosphäre dominierten. Insgesamt hatten sich 8408 Fußballfans eingefunden, um ihre Teams dabei zu unterstützen, die letzten nötigen Punkte für den Klassenerhalt in der zweiten Liga zu sammeln. Wenn man bedenkt, dass die im nordwestlichen Baden-Württemberg liegende Gemeinde Sandhausen gerade einmal 14.902 Einwohner zählt, ist das doch eine ganz stattliche Quote.
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Endlich wird wieder Fußball gespielt


Zuletzt spielten sich beim Club die Ereignisse außerhalb des Platzes ab. Trainer Alois Schwartz musste nach der Derby-Pleite gehen und Interims(?)-Coach Michael Källner durfte übernehmen. Bereits im Vorfeld demonstrierte er einen neuen Stil. Während bei Schwartz das Glas meistens halbleer und die Klage über verletzte Spieler laut war, sprach Köllner von der Qual der Wahl. Mutig voran ging er auch bei der Aufstellung. Da feierte der 20-Jährige Eduard Löwen gleich mal sein Startelfdebüt. Insgesamt änderte Köllner gegenüber dem Fürth-Spiel auf sechs Positionen. Dass er dabei nicht bloß auf die Jugend setzte, war notgedrungen. Kirschbaum hatte sich im Training verletzt, also durfte Raphael Schäfer wieder einmal ran.

In der ersten Halbzeit hatte der Routinier aber praktisch keine Ballkontakte. Da sahen er und wir plötzlich einen ganz anderen Club. Der ließ hinten kaum etwas zu und erarbeitete sich nicht nur ein deutliches Übergewicht, sondern auch eine um die andere Chance. Bereits nach wenigen Minuten verzeichnete der FCN mehr Torszenen als im Derby während des gesamten Spiels. In der 15. Minute hätte es beinahe schon geklappert, aber Margreitters Kopfball traf nur den Pfosten. Nach 20 Minuten hätte sich die Überlegenheit eigentlich auch numerisch niederschlagen müssen. Behrendt, Bielefelds letzter Mann, foulte den durchgeeilten Möhwald, bekam aber von Schiri Koslowski lediglich die gelbe Karte serviert (Koslowski haben wir schon in unguter Erinnerung vom 5:4 in Bochum, so dass zumindest die Verwunderung klein blieb). Eine Viertelstunde später belohnte sich der Club dann endlich für den Druck, den er inszenierte. Der agile Salli passte schön zu Petrak, der den Ball rechts unten versenkte. Zur Pause war die Führung mehr als verdient und mancher der die zuletzt so blutleeren Vorstellungen unserer Mannschaft noch in Erinnerung hatte, rieb sich erstaunt die Augen.

Das sollte sich in der zweiten Halbzeit leider ändern. Da gab der FCN plötzlich das Heft aus der Hand. Der Tabellenletzte aus Bielefeld kam stärker auf, belegte aber auch, warum er die schlechteste Auswärtsmannschaft ist und unten im Keller festhängt. Trotzdem bekam Schäfer dann noch zwei Mal Gelegenheit, sich auszuzeichnen und den Sieg sicherzustellen.

Eine Gelegenheit erhielt auch Dominic Baumann, der in der 83. Minute den ziemlich glücklosen Winterneuzugang Mikael Ishak im Sturm ersetzen durfte. Er fiel dann aber, auch mangels entsprechender Zuspiele, vor allem durch seine Frisur auf. Immerhin bewies Köllner mit seinem Einsatz abermals Mut.

Uns Fans bescherte das zu Ende der Spielzeit doch wieder auftretende Betteln um ein Gegentor das schon bekannt Nervenflattern. Insofern ist nicht alles neu nach dem Trainerwechsel. Zudem war Bielefeld auch zu limitiert, um dem Club die Schwachstellen aufzuzeigen. Aber immerhin gab es mal wieder ein Tor und einen Heimsieg zu bejubeln. Der war auch deshalb wichtig, um wieder etwas Luft zum Tabellenende zu erhalten.

Dem Club fehlt ein Lodda


Wir könnten eigentlich zufrieden darüber sein, dass unsere Kritik an Alois Schwartz erhört wurde. Sind wir aber nicht. Die Gründe, dass ein offensichtlich nicht zum Club passender Trainer nicht nur verpflichtet, sondern auch noch teuer eingekauft wurde, bestehen leider weiter. Bei der Analyse dieser Gründe hilft das Traditionsvereins-Geschwurbel eher bedingt weiter. Nur insofern, als dahinter das Bewusstein steckt: Früher war mehr Ramba-Zamba.

Heute gibt es stattdessen „Seriosität“ und „Professionalität“.

Beim Club klopft man sich dafür gerne auf die Schulter. Auf diese Weise kehre der Club aus dem Dunkel der Bader/Woy-Jahre zurück ins Licht.

Dass die Finanzen seriös verwaltet und Eskapaden auf dem Transfermarkt vermieden würden, dagegen hat keiner etwas einzuwenden. Das ist eigentlich selbstverständlich. Beim Finanziellen erwarten wir keine Unterhaltungswerte. Auf dem Platz hingegen schon. Und von einem Trainer eventuell auch. Das jedoch haben die Bornemanns und Meeskes im FCN offenbar nicht so auf dem Schirm. Vielleicht ist auch die Club-Familie zu derartigen Differenzierungen nicht in der Lage. Paradigmenwechsel funktionieren eben oft nur, wenn sie nicht allzu komplex daher kommen. Gediegene Finanzverwaltung geht dann aber mit gediegener Spielverwaltung einher. Das Resultat ist Langeweile und Ödnis.

Das Folgen sieht der Clubfan seit Monaten. Einerseits auf dem Platz, andererseits auf den Rängen. Die werden immer leerer und das liegt beileibe nicht bloß an der mediokren Tabellensituation.

Dass hinter dem Wunsch nach derartiger „Seriosität“ auch handfeste Eigeninteressen stecken, wird übrigens auch an der von den Vereinen betriebenen eigenen medialen Vermarktung deutlich. Da werden Printreporter gerade noch akzeptiert, weil man noch keine eigene Tageszeitung produzieren kann. Die anderen versucht man gefügig zu machen oder auszugrenzen und anzuschwärzen. Der Club bildet da keine Ausnahme.

Abwaschbare Berichterstattung, lobhudelnde Tweets, blutleere Mannschaftsauftritte, streberhafte Trainerplattitüden: all das passt nicht zum FCN. Dass wir vor diesem Hintergrund einmal (wobei wir Michael Köllner derzeit die Befähigung zum Traineramt nicht absprechen wollen) Lothar Matthäus näher treten würden, hätten wir nie gedacht. Jetzt tun wirs! Lodda üernimm! Bring endlich Pep in den Laden, bevor wir vollends abschlaffen!

Wenn ihr der gleichen Meinung seid, dann unterzeichnet doch bitte diese Petition.