Sogar der Schiri hatte Mitleid mit dem Club

Eigentlich war das eine klare Sache. Der KSC kam als Tabellenletzter nach Nürnberg, hatte zahlreiche Ausfälle zu beklagen, ein Spieler war in einen Wettskandal verwickelt, ein anderer (Valentini) möglicherweise mit den Gedanken schon woanders. Was sollte da schon schief gehen?

Bei normalen Mannschaften könnte man so denken. Beim Ckub nicht. Da ging – zumindest eine Stunde lang – so ziemlich alles schief, was schief gehen kann. Kaum ein Pass erreichte den eigenen Mann, Torchancen gab es praktisch überhaupt nicht, Spieler signalisierten, dass sie keine Anspielstation finden und die Fans waren letztlich dankbar für einen Gegner, der das alles nicht auszunutzen in der Lage war. Bis zur 24. Minute. Da zog der Karlsruher Sallahi aus 30 Metern eher alibimäßig in Richtung des wieder von Raphael Schäfer gehüteten Clubtors ab. Der Ball wäre weit vorbei gegangen, wenn er nicht Breckos Oberkörper getroffen hätte und von da ins rechte Toreck abgefälscht worden wäre. Ein Kacktor, das aber zu dem Kackspiel passte, das da im möglicherweise bald nach dem Club-Idol Max Morlock benannten Stadion zusammengestopselt wurde.

Es wurde sogar noch schlimmer. Der KSC konnte sich zurückziehen und der Club musste das zeigen, was er bekanntlich nicht kann: das Spiel machen. Das Ergebnis war an Armseligkeit kaum zu überbieten. Keine Ideen, keine Überraschungsmomente, miemand, der die Initiative übernahm. Ein Wunder fast, dass das Pfeifkonzert zur Halbzeit eher verhalten ausfiel.

Während die Fans sich in der Pause Gedanken machten, wie wohl der geschasste Clubtrainer Alois Schwartz gerade den Nachweis dafür abfeiert, dass es offensichtlich nicht an ihm lag, machte der Club zu Beginn der zweiten Hälfte nicht den Eindruck, irgendwie das Ruder herumreißen zu können. Zwar hatten die Clubspieler mehr Ballbesitz. Vor dem Tor tauchten sie aber kaum auf. Man musste angesichts der FCN-Harmlosigkeit fast schon Mitgefühl haben.

In der 58. Minute gab es dann wenigstens etwas zu berichten. Club-Coach Michael Köllner wechselte den diesmal zunächst auf die Bank verbannten Tobias Kempe ein. Vielleicht wusste er schon, was kommen würde. Denn der aus Stuttgart stammende Schiedsrichter Martin Petersen sollte nun ins Spiel eingreifen. Zunächst tat er das in der 65. Minute. Da erwischte der KSC-Spieler Krebs den dann doch einmal in den Strafraum vorgedrungenen Kevin Möhwald leicht am Knöchel. Elfmeter! Der eingewechselte Kempe haute ihn unten links rein. Gerade einmal fünf Minuten später pfiff Petersen erneut. Diesmal hatte der KSC-Spieler Mehlem den Ball an die Hand bekommen. Wieder tritt Kempe an und haut ihn abermals unten links rein. Der Club hatte das Spiel gedreht

Ohne Hilfe des Schiris musste er dann allerdings noch etliche Ausgleichsbemühungen der Karlsruher überstehen. Wobei Schäfer mehrfach zeigen konnte, dass er es immer noch drauf hat. Am Ende drückt Petersen dann allerdings noch einmal ein Auge gnädig zu, als ein Clubverteidiger elfmeterverdächtig den Ball im 16er mit der Hand erwischte.

Dass sich der KSC verschaukelt fühlte, ist verständlich. Wir können andererseits aber immerhin einwenden, auch schon oft genug benachteiligt worden zu sein.

Nach diesem fast schon peinlichen Dreier zu jubeln oder irgendwas an der heutigen Leistung schön reden zu wollen, ist freilich nicht angebracht und wäre auch ein Fehler. Für diesen Sieg konnte die Mannschaft nichts, den hat man ihr aufgezwungen.

Sallahi 24. Minute

Nur ein paar Knalltüten trüben die Freude

1175463410Gestartet waren sie auf Augenhöhe. Sowohl der Club als auch der KSC hingen mit jeweils 8 Punkten im unteren Mittelfeld der 2. Liga fest. Beide allerdings mit etwas Rückenwind zum Schluss. Im Karlsruher Wildparkstadion hatten die Gäste allerdings von Anfang an mehr vom Spiel. Der Club hatte ein deutliches Übergewicht. Aber was nutzt es, wenn du nur halb so viele Fehlpässe produzierst, wenn der Ball dann letztlich doch irgendwann bei einem blauen Karlsruher landet. So hatten die Beobachter der ersten Halbzeit genug Muße, sich über Verwandschaftsbeziehungen auszulassen. Immerhin war Tobias Kempe für den gesperrten Edgar Salli in die Startelf gerutscht und traf so auf seinen Bruder Dennis, der beim KSC einen Stammplatz hat. Genauso wie Enrico Valentini, dem Bruder der Club-Pressesprecherin.

Da werden dann Spielbeobachter zu Yellow-Press-Kaspern. Aber irgendwie muss man sich ja die Langeweile vertreiben. Dieser Zustand dauerte allerdings nur bis zur 53. Minute: Da zerrte Hovland plötzlich einen Karlsruher im Strafraum zu Boden und Schiri Zwayer entschied auf Elfmeter. Der war sicher berechtigt. Allerdings wäre eine KSC-Führung nach dem bisherigen Spielverlauf völlig unverdient gewesen. Das dachte sich wohl auch Nürnbergs neue Nummer 1 im Kasten, Thorsten Kirschbaum und parierte den vom Bruder der FCN-Pressesprecherin getretenen Strafstoß bravourös.

Und wie das im Fußball so ist: Was man vorne vergeigt, muss man hinten büßen. So war es dann auch für den KSC. Nach einer Stunde scheiterte Behrens erst mit seinem Schuß am KSC-Keeper, aber Club-Torjäger Guido Burgstaller konnte den Abpraller eintüten. Sechs Minuten später war es erneut Burgstaller, der nach einer Ecke das 2:0 drauf setzen konnte. Endlich verpuffte mal ein Clubstandard nicht kläglich in der blauen Abwehr. Zudem setzte sich Burgstaller damit an die Spitze der Zweitliga-Torjäger.
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Nachdem die Karlsruher sich relativ hilflos um eine Wende bemühten, konnten wir eigentlich schon eine Flasche aufmachen und den Sieg feiern. Doch irgendwie scheint beim Club immer einer die Deppenposition besetzen zu wollen (wobei manche dabei die Absicht verfolgen, ein Arschloch zu sein). Wenn sich in der Mannschaft keiner findet, dann springen da ein paar Idioten ein, die vorgeben Clubfans zu sein. Nachdem einige dieser Selbstdarsteller wiederholt Böller gezündet hatten, musste Schiri Zwayer die Partie für sieben Minuten unterbrechen.

Von dieser Idiotenunterbrechung ließ sich die Clubmannschaft gottseidank nicht irritieren. Kurz vor Schluss erhöhte Matavz sogar noch auf 3:0. Der Club fuhr seinen zweiten Auswärtssieg ein. Der Aufwärtstrend wurde bestätigt. Zudem liegen wir mittlerweile vor den Fürthern. Eigentlich läuft es, wäre da nur nicht das Deppenproblem…

Der Club ist von der Rolle

3206769845Dass man auch vermeintlich leichte Gegner ernst nehmen sollte, diese Lektion hätte der Club eigentlich nach der Niederlage gegen den MSV mitnehmen und verinnerlichen können. Stattdessen gab es in Karlsruhe gleich die nächste Niederlage oben drauf. Offenbar wollen da welche eine neue Serie starten. Eine, die allerdings keiner von uns will.

Unverdient war diese Niederlage keineswegs. Auch wenn es anfangs richtig gut aussah. Schon in der 3. Minute ging der Club nach einem abgefälschten Kerk-Freistoß in Führung. Jetzt hätte die Mannschaft aus einer geordneten Abwehr auf Konter spielen können. Dazu passte die ziemlich offensiv ausgerichtete Aufstellung (für Leibold war Blum in die Startelf gerückt) allerdings nicht so richtig. Außerdem nutzt es auch nichts, auf Konter zu spielen, wenn jeder zweite Pass im Mittelfeld beim Gegner landet. Mag sein, dass die Platzverhältnisse in Karlsruhe eher mau waren. So ungenau, lasch und unkonzentriert muss man deswegen aber nicht zu Werke gehen. Trotzdem wäre dann in der 40. Minute beinahe das 2:0 durch Füllkrug fällig gewesen. Doch der trifft nur den Kopüf von KSC-Keeper Vollath. Fast im Gegenzug machte der KSC den Ausgleich, wobei der derzeit indisponierte Guido Burgstaller auch noch die Vorlage lieferte.

Gut, dachte man. Das ist kein Problem, schließlich kommt der Club ja in der letzten halben Stunde immer noch gewaltig. Fast die gesamte zweiten Hälfte mussten wir uns an dieser Hoffnung hochziehen. Denn sonst kam von der seltsam fahrig agierenden Mannschaft kaum irgendetwas, was Hoffnung machen könnte. Letztlich war es nur dem Unvermögen der KSC-Spieler zuzuschreiben, dass der FCN nicht schon längst hinten lag. Erst in der 86. Minute wurde dann das Gebettel der Clubspieler von KSC-Stürmer Torres erhört, indem er den durchaus verdienten Siegtreffer markierte. Für den Club traf der eingewechselte Stieber dann zwar noch den Pfosten. Aber auch der KSC hatte noch hochkarätige Möglichkeiten.

Statt die Niederlage von RB Leipzig auszunutzen, hat der Club nun wohl endgültig den direkten Aufstieg abgehakt. Mag sein, dass den Finanzjongleuren beim Club ein Aufstieg via Relegation ohnehin lieber ist. Mit einer Leistung wie in Karlsruhe dürfte das freilich nicht klappen, so derangiert ist in der ersten Liga niemand.

Jetzt sind die Wunderheiler gefragt

822269039Jaja, der Club hat immer schon schlecht begonnen und kämpfte mit Anpassungsschwierigkeiten, wenn er abgestiegen ist. Diesmal ist das nicht anders. Gegen den KSC mochte man freilich nicht einmal von Anpassungsschwierigkeiten reden. Das war einfach nicht zweitligatauglich, was da abgeliefert wurde. Dabei hatte Trainer Valerien Ismael noch vor dem Spiel getönt, die Mannschaft habe vor allem mental gearbeitet, um ihr Können auch umsetzen zu können.

Leider war davon nichts zu sehen. Der Club spielte wie schon seit mehr als einem Jahr: ohne Zug nach vorne, ohne Durchschlagskraft und versuchte nur Ordnung reinzubringen und keine Fehler zu machen. Genau das passierte dann jedoch. Wer sich nämlich nur auf die Löcher im Käse (dazu später mehr) konzentriert, der wird nicht satt, sondern bekommt nur Blähungen.

So stand es, ehe man sich recht versah, 3:0 für die Karlsruher. Die werden sich auch gewundert haben, wie einfach es ihnen der „Ruhmreiche“ gemacht hat. Insofern hätten sie ruhig noch was für ihr Torverhältnis tun können. Aber in der zweiten Hälfte verwalteten sie das Spiel nur noch und dann hielt Raphael Schäfer sogar noch einen Elfmeter und die Drei fest. Schäfer tat also was für sich. Punkte bringt das, wie beschrieben, leider nicht.

Nichts für sich tun konnte dagegen Timo Gebhart. Bereits nach 30 Minuten holte ihn Trainer Ismael vom Feld. Das wird es für Gebhart wohl gewesen sein. Ein Missverständnis! Für Ismael könnte es das aber ebenfalls gewesen sein. Manager Martin Bader steht massiv unter Druck. Mit Spielen wie gegen den KSC wird im Verein keine Ruhe einkehren. Am 30.9. droht ihm eine Anti-Bader-Mehrheit im Aufsichtsrat. Also wird er was unternehmen. Erstmal Prinzen und Wolf auf die Bank setzen. Die kosten wenigstens nichts extra. Und dann Mirko Slomka holen. Der hat mit dem HSV in der vergangenen Saison immerhin die Klasse gehalten 😉 Oder vielleicht doch den ebenfalls arbeitslosen Felix Magath. Der hat den Club 1997 in einer ähnlichen Situation noch auf einen Aufstiegsplatz befördert. Der könnte es beim Club ja mal mit Käse versuchen. Ansonsten versuchen es die Mitglieder am 30. mit Meerrettich.

Wenn die Schulmedizin versagt, dann müssen halt die Homöopathen ran.

Marco Engelhardt geht

Nun ist es amtlich: Marco Engelhardt verlässt den Club und kehrt zum Karlsruher SC zurück. Der Verlust für den Club hält sich nach den zuletzt (auf der Bank konnte er sich ohnehin nicht beweisen) gezeigten Leistungen doch sehr in Grenzen. Wer mit 28 immer noch als „Talent“ gilt, bei dem man da immer noch wartet, dass endlich einmal der Knoten platzt, da schwindet irgendwann die Hoffnung. Aber vielleicht wird er ja beim KSC erstmal genauso einschlagen wie Joshua Kennedy, um dann dort genauso recht bald auf Clubniveau anzukommen. Ob und wie viel der Club für Engelhardt bekommen hat, ist leider nicht klar. Wahrscheinlich wird der Hauptgewinn durch die Entlastung bei den Gehaltszahlungen entstehen.

Bin übrigens gespannt, wer als nächstes dem Club in der Winterpause Ade sagt.