Wieder nichts, aber…

Die Woche:

  • Verpfiffen fühlten wir uns – wieder mal – nach dem Unentschieden gegen Schalke. Wobei die Frage ist, ob überhaupt gepfiffen wurde, bevor Hanno Behrens den Ball am Schalker Keeper Nübel vorbeispitzelte und das vermeindliche 1:0 erzielte. Schiedsrichter Dr. (so viel Zeit muss sein) Kampka soll schon vor dem Tor gepfiffen haben (was laut Sportschau auch nach intensiven Studiums der O-Ton-Aufzeichnungen aber nicht zu belegen ist). Dann wäre das Spiel unterbrochen gewesen und der Kölner Keller hätte nicht eingreifen dürfen. Dann hätte sich nur die Frage gestellt, warum pfeift der Mann so voreilig?. Andernfalls liegt der Fokus auf den Videoassistenten. Und da muss man aufpassen, nicht in den Verschwörungsmodus zu geraten. Geleitet wurde das Assistententeam nämlich von Sven Jablonski. Das ist zum einen der jüngste Bundesligaschiedsrichter, zum anderen der Sohn von Jörg Jablonski, der 1994 als Linienrichter verantwortlioch dafür war, dass damals das berühmte Phantomtor gegen den Club gegeben wurde. Bei Sven Jablonski müsste jetzt eigentlich verstärktes Laufen im Bremer Bürgerpark angesagt sein.
  • Seiner Heimatzeitung hat Ex-Clubtrainer Michael Köllner jetzt ein Interview gegeben. Demnach drückt er dem Club noch die Daumen. Angeblich habe er auch schon wieder neue Angebote. Trotzdem ist er aber am Sonntag Gast in der Trainer-Verkupplungsshow „Blickpunkt Sport“.
  • Thomas Ziemer, die Älteren erinnern sich, hat sich auch zur Situation beim FCN geäußert. Die sieht er als desolat an und glaubt, dass der Verein näher an der dritten als an der ersten Liga steht. Auch beim NLZ sieht er vieles im Argen liegen.
  • Wer geht, wer bleibt? Offenbar ist Eduard Löwen wohl am Gehen. Er ist schließlich „Jungstar“. Da wundert es nicht, wenn die Russen, neben den Frankfurtern, Interesse haben. Andererseits gingen wir alle auch davon aus, dass Matheus Pereira den Club zu Saisonende verlässt. Doch Neu-Sportvorstand Palikuca scheint da seine Beziehungen spielen zu lassen. Ungewohnter Einsatz, wenn man da an die Bornemannschen Winterpausenaktivitäten denkt.

Das Spiel:

Im Gegensatz zur Köllner-Ära muss man über die Aufstellung nicht viel Worte verlieren. Wenn sich niemand verletzt und keiner gesperrt ist, spielen bei Schommers bekanntlich immer die gleichen. Der Stabilität der Abwehr kommt das auf jeden Fall zugute. Allerdings werden auch die Konter nur mit angezogener Handbremse gefahren. Absicherung nach Hinten ist oberstes Gebot.

Gegen Bayer Leverkusen war dann in der ersten Hälfte vor allem die Abwehr gefragt. Nach etwas zehn Minuten entfachten die Werkskicker Dauerdruck, agierten aber letztlich meistens zu umständlich. Die beste Chance hatte Havertz in der 18. Minute. Mathenia konnte seinen Schuss aber noch gegen das Aluminium lenken.

Der Club hätte allerdings zehn Minuten später ebenfalls in Führung gehen können. Bender stellt sich strafstoßverdächtig Eduard Löwen in den Weg. Aber gut, den Elfer kann man auch nicht geben. Gegen den Club sowieso.

So ging es dann torlos in die Pause.

In der zweiten Halbzeit ging das einseitige Spiel leider weiter. Der Club ließ sich weiterhin hinten rein drängen. Das ging eine Stunde lang gut. Aber dann war es eben doch passiert. Nach der neunten Ecke köpfte Alario den Ball in die lange Ecke, wo Leibold zwar noch artistisch zu klären versucht. Doch die Torlinientechnik bewies, der Ball war deutlich hinter der Linie.

Eigentlich hätte der Club jetzt kommen müssen, doch da offenbarte sich eben auch, dass Leverkusen defensiv sicher stand und den Clubflügelspielern Perreira und dem eingewechselte Misidjan kaum Raum gönnte. Erst in der 83. Minute kam der Club überhaupt zur ersten Ecke. Kurz darauf kann Löwen eine Superkombination des FCN nicht im Kasten versenken. Der Club löste jetzt die Handbremse, was sich prompt rächte. Bauer verlor in der Vorwärtsbewegung den Ball und Volland hatte dann wenig Probleme, den Sack zuzumachen.

Leverkusen tat sich zwar schwer, aber der Sieg geht leider völlig in Ordnung. Ärgerlich, denn so wurde die Chance, auf den Relegationsplatz zu klettern, vergeben. Immerhin hat Stuttgart verloren, so dass sich nächste Woche nochmal eine Chance eröffnet. Dann müssten wir aber gegen die Bayern gewinnen.

Eine Letztes:

Neuer Sportdirektor und dann das. Da macht sich mancher Gedanken.

Jose #Mourinho in #Nürnberg… 😲😳 #Thespecialone

(gesehen bei Erik Engelhardt auf Instagram) pic.twitter.com/RkBtAy1wgn— SteWö (@Flying_Stevie) 15. April 2019

Der Club ist ein Depp, aber kein Arschloch

Fangen wir mit dem Positiven an: Braunschweig und Hamburg haben auch verloren. Insofern ist der Relegationsplatz noch drin. Eigentlich müsste man aber sagen: wäre. Denn so wie der Club sein Heimspiel gegen Leverkusen absolvierte, fragt sich nicht nur der niemals bereuende Liebhaber: Wann und gegen wen sollen wir eigentlich noch gewinnen?

Der Club, daran wurden wir heute wieder überdeutlich erinnert, ist ein Depp. Das ist wohl ein ehernes Gesetz. In dieser Saison taten wir immerhin alles, um kein Arschloch zu sein. Ein bisschen schön spielen, keine Linkereien, nicht einfach fallen lassen oder den Schiri anbrüllen. Nein, wir sind Gentlemen. Solche Mätzchen überlassen wir den Streichs der Liga.

Und genauso sah dann auch das Spiel über weite Strecken aus. Wer nicht wusste, um was es für den Club geht, der hatte den Eindruck, da spielt eine im Mittelfeld der Tabelle stehende Mannschaft um die goldene Ananas. Da versuchte dann ein Marvin Plattenhardt mal der Gareth Bale-Trick und scheiterte an seiner eigenen Lamgsamkeit (aber danach versenkte er immerhin einen Freistoß). Da ließ ein Hiroshi Kiyotake hin und wieder gute Absichten erkennen. Da deutete ein Josip Drmic an, dass er unter anderen Umständen schon mal für ein Tor gut sein könnte. Da rannten die oftmals vom Mittelfeld in die Bredouille gebrachten Abwehrspieler wenigstens noch, wenn schon die Spielintelligenz fehlte. Aber letztlich erschöpften sich diese Bemühungen immer dann, wenn der Gegner einmal das praktizierte, worauf es im Fußball ankommt: den Ball im Netz eintüten. Dann mischte sich in die Bemühungen mitzuspielen Resignation. Dann wählten die Clubspieler den wohlfeielen Weg der Selbstaufgabe: Gewinnen können wir ja schließlich ein anderes Mal, heute ist das zu anstrengend und nervenaufreibend.

Die anderen Male sind allerdings nicht mehr so reich gesät. Genauer gesagt gibt es noch drei Chancen, es anders zu machen. Dass ausgerechnet die genutzt werden sollten, dafür fehlt mir mittlerweile der Glaube.

Lasst die Jungen ran!

Allmählich wird´s langweilig. Das gilt für die Bundesliga im Allgemeinen, aber auch für den Club im Besonderen. Was soll man noch schreiben, was nicht schon gesagt wurde. Nur dass die Zahl der Spiele, in denen vielleicht doch noch gewonnen werden könnte, langsam weniger wird. Auch die Gründe, Hoffnungen zu verbreiten, werden geringer. In Leverkusen war nichts mehr von einem Aufwärtstrend zu sehen. Immerhin dürfte es langsam auch denjenigen, die immer nur von Pech reden, dämmern, da fehlt es eben doch auch an der Klasse. Insofern könnte die Niederlage in Leverkusen mehr bewirken als ein weiteres Unentschieden.

Wenn der Club allerdings nächste Woche auch gegen Mainz verliert – und leider ist das nach der Leverkusener Leistung wirkjlich nicht auszuschließen – dann hat er nicht nur den Sieglosigkeits-Rekord inne. Dann brennt beim Club wieder eimal der Christbaum. Im Augenblick ist es noch ein Lichtlein, das man freilich izunehmend weniger als Lichtlein der Hoffnung ansehen mag.

Doch wo ansetzen? Der Trainer ist schon ausgewechselt. Vielleicht liegt es doch an der Mannschaft. Anders als Verbeek habe ich meine Zweifel, ob deren Fähigkeiten zum Klassenerhalt reichen. Es fehlen nämlich die Typen. Simons war so einer. Der ist weg. Diejenigen, die der Club vor der Saison als Ersatz genannt hat, stehen entweder im Tor oder spielen in der U23. Die anderen machen sicher ganz gut mit, wenn es läuft. Dann spielen sie auf Augenhöhe. Treffen bestenfalls auch mal den Pfosten. Aber im Fußball ist es halt nicht wie beim Boxen. Da werden nicht alle drei Minuten Punkte für Überlegenheit vergeben. Sonst hätte der Club zumindest bis zum 1:0 vielleicht sogar einen kleinen Punktvorteil in Leverkusen gehabt. Aber hätte, hätte, Fahrradkette!

Der Club hat verloren und das verdient. Klar kann man das gegen einen ChampionsLeague-Teilnehmer. Auch wenn der zuvor mit 0:5 untergegangen ist. Business as usual. Die vorhersehbare alte Leier. Aus der Nummer Unentschieden-Niederlage kommt der Club so nicht raus und landet direkt in der 2. Liga.

Vielleicht sollten einfach mal andere, zum Beispiel die Jungen ran. Ist eh schon egal!

Ohne Einsatz weiter erstklassig

Das Positive zuerst: Der Club bleibt in der ersten Bundesliga. Das hat er aber nicht dem eigenen Engagement zu verdanken, sondern der Frankfurter Eintracht, die Düsseldorf schlug, weshalb der Club jetzt rechnerisch nicht mehr absteigen kann.

Freilich, wem soll man dafür gratulieren? Nach den Auftritten der Mannschaft in den letzten vier Spielen, die allesamt verloren gingen, eventuell sogar Dieter Hecking. Die ersten guten Spiele unter Wiesinger/Reutershahn waren vielleicht noch dessen Arbeit zu verdanken.

Könnte man so sehen. Kann aber auch sein, dass einfach die Luft zu früh draußen war und dass die weder Fans noch Trainer wieder reinpumpen konnten. Gegen Leverkusen gab es jedenfalls erneut eine saftlose Vorstellung. Dem Gegner reichte eine mittelmäßige Leistung um gegen den Club einen kaum gefährdeten 2:0-Sieg einzufahren.

Beim Club konnte diesmal wieder die Wunschabwehr auflaufen. Aber spätestens beim 1:0 zeigte sich, sicherer sind die auch nicht als die Notverteidigung von Hoffenheim. Eigentlich dachten wir immer, der Club beherrsche wenigstens Standards. Aber diesmal schliefen sie bei einer Ecke der Leverkusener und schon klapperte es. Auf der anderen Seite haben sie die Standards auch verlernt. Hiroshi Kiyotake, der sich anscheinend für irgendetwas schonen musste, trabte meistens schon aufreizend langsam zur Ausführung, um dann null Gefahr heraufzubeschwören.

Nach der Pause machte der Club dann wenigstens ein bisschen mehr Druck. Das lag vielleicht auch daran, dass die Chemiker schon einen Gang zurückgeschaltet hatten. Aber dann hob Pelle Nilsson einfach mal die Hände. Im Strafraum. Man weiß, wozu das führt. Zum 2:0, womit wir unserem alten Spezi Stefan Kießling immerhin einen weiteren Treffer auf dem Weg zur Torjägerkanone verschafft haben. Danach gab es nochmal Elfer, der landete am Pfosten.

Aber eigentlich war es da schon längst egal. Die Saison ist gelaufen. Wir haben sie am Ende wohl ernster genommen als die Mannschaft. Mit der wir der Club in der nächsten Saison so nicht mehr spielen. Empfohlen hat sich aktuell keiner. Auch das Trainerduo nicht. Vielleicht sind wir da als Fans zu streng. Aber wenn wir der Mannschaft derart egal sind, dann kann man schon mal etwas strenger sein.

Der Parteiische entschied das Spiel

Beim Hoffenheim-Spiel am Mittwoch hatten wir trotz des Sieges noch die Euphoriebremse getreten – etwas zu arg vielleicht. Diesmal ist es umgekehrt. Der Club war in Leverkusen – mal abgesehen von einer Bayer-Druckphase am Schluss – die bessere Mannschaft. Hinten stand die Abwehr weitgehend stabil. Und wenn es nötig war, war Keeper Raphael Schäfer auf dem Posten. Im Mittelfeld war der Club auch überlegen und spielte kontrolliert. Vorne war es wie gegen Hoffenheim: Die sich ergebenden Chancen wurden zu schlecht genutzt.

Aber zu einem Punkt hätte es mindestens reichen müssen und können, wenn da nicht der UnParteiische gewesen wäre: Markus Schmidt aus Stuttgart. Der hatte offensichtlich den Auftrag, die Bundesliga noch ein bisschen spannend zu halten und dazu musste Leverkusen drei Punkte holen. Diese Absicht mag man als Fußballfan verstehen. Warum dann der Club der Leidtragende sein soll, das verstehen wir natürlich überhaupt nicht. Sollen sie doch die Bayern verpfeifen. Aber das trauen sie sich nicht.

Doch zurück zu den Fakten. Das entscheidende Tor von Stefan Kießling wurde aus eindeutiger Abseitsposition erzielt. Dass das Schiri-Gespann zumindest in der Lage war, Abseits zu pfeifen, merkte man dann etwas später als Timo Gebhart durch war, aber – in diesem Fall zu Unrecht – zurück gepfiffen wurde.

Nur schade, dass der Club aus seinen Chancen nichts gemacht hat. Dann hätte ich zumindest sehen mögen, was dem Parteiischen eingefallen wäre, um die Werkself doch noch zum Sieg zu pfeifen.

Deshalb: Weiter so, Glubb! Irgendwann gewinnen wir auch gegen Zwölf!

Der Spirit der Mittelmäßigkeit

Ende schlecht, aber ansonsten alles gut! Wir sollten uns nicht beklagen. Da haben wir schon ganz andere letzte Spieltage erlebt. Diesmal war die Luft praktisch raus. Die kleine Chance auf die Europa-League blitzte nur kurzzeitig auf, als Kaiserslautern in Hannover in Führung ging. Dann war war es aber auch schon wieder vorbei mit dem Last-Minute-Aufsprung auf den Europa-Zug. Am Ende blieb Platz 10. Mehr als wir die Saison über erwarten konnten. Da hatten wir schon ganz andere Zeiten erlebt, wie gesagt.

Klar, in diesen Zeiten herrschte natürich auch mehr Spannung. Da ging es um was, da zitterten wir und waren oft mit den Nerven fix und fertig. Diesmal nicht. Und das passt durchaus so.

Wir kommen von unten, da ist ein gesicherter Platz 10 ein Fortschritt. Bei den punktgleichen Bremern sieht das schon anders aus. Da hatten die Fans das Transparent entrollt: „Feel the Spirit – Mittelmaß, wir kommen!“ Tja, die müssen wohl auch erst mal längerfristig Abstiegsangst spüren, um einen Mittelfeldplatz genießen zu können. Wir fühlen jedenfalls den Mittelmaß-Spirit und sind bester Dinge. So ist das!

Das Ergebnis im letzten Spiel war so eigentlich fast egal. 1:4 klingt zwar ziemlich happig. Aber mei! Hecking weiß jetzt zumindest, dass er das mit der Abseitsfalle noch mal üben muss. Wir wissen, dass Daniel Didavi auch nicht jedes Mal Bestleistungen abliefert, dass es manchmal empfehlenswert wäre, Spieler beim Club zu halten, damit sie wenigstens nicht gegen ihn treffen, wie Stefan Kießling diesmal. Aber wir sind halt nicht der FC Bayern. Also müssen wir auch gönnen können. Das kann man umso leichter, wenn der Stress und die Spannung weg ist.

Alles in allem: eine geile Saison! Und das nächste Mal nehmen wir Platz 9 in Angriff!

Balitsch – nun also doch noch

In der Winterpause 2004/05 zog sich die Personalie Balitsch hin wie ein Kaugummi. Beinahe täglich gab es um den Jahreswechsel herum neue Wasserstandsmeldungen. Zunächst schien die Tendenz dahin zu gehen, dass der Mittelfeldspieler von Bayer Leverkusen zum Club wechselt. Wolfgang Wolf, damals Coach am Valznerweiher, hätte den 23-Jährgen gerne gehabt, der in den Planungen des Leverkusener Kollegen Klaus Augenthaler (Wolfs Vorgänger in Nürnberg) keine Rolle mehr spielte. Dann wollte sich Balitsch in Leverkusen durchsetzen – und wechselte schließlich doch Anfang Januar zum FSV Mainz 05.

Manager Martin Bader war damals schwer enttäuscht. Nun, genau acht Jahre später, konnte er sein damaliges Vorhaben offenkundig umsetzen. Balitsch, inzwischen 31 und nach der Mainzer Station (Rückrunde 2004/05) und fünf Jahren in Hannover (2005-2010) nach Leverkusen zurückgekehrt, wechselt vom Werksklub nach Nürnberg. In Leverkusen war er laut Fachblatt „kicker“ in den vergangenen eineinhalb Jahren ungemein wichtig fürs Teamgefüge, weiter lesen

Der Club wie ausgewechselt

Wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her! Dass das Lichtlein Leverkusen heißt, hat für den Club schon Tradition. Ein echter Aufbaugegner. Diesmal war der Vizemeister wahrscheinlich mit dem Kopf schon bei Barcelona. Nürnberg war da höchstens bei Fürth. Dass das ein echter Vorteil ist und noch Kapazitäten im Kopf frei lässt, sah man am Samstag in der Bay-Arena. Kann auch sein, dass Leverkusen bei manchem Clubspieler auch deshalb Kräfte frei setzt, weil der Pillendreher-Verein für manchen Clubspieler eine Karriereoption darstellt.

Nicht zuletzt lieferte der Club aber auch ein echt souveränes Spiel ab. Trotz der Umstellungen, diesmal spielte Markus Feulner in der Verteidigung, brannte hinten eigentlich kaum etwas an. Dazu trug auch Raphael Schäfer bei. Man hatte das – leider nicht so gewohnte – Gefühl: Der will heute keinen kassieren. Schäfer holte auch ein paar Dinger raus, die schon in die Kategorie Hundertprozentige gehörten.

Super auch Almog Cohen, ein Typ – das haben wir ja schon ein paar mal erwähnt – dem Club in den letzten Spielen gefehlt hat. Nissig und bissig, immer heiß und voll dabei. Womit wir bei Jens Hegeler wären, der eher den gegenteiligen Eindruck vermittelt hat, der sich aber bei seinem „Heimatverein“ wie ausgewechselt präsentierte. Didavi wird auch immer besser und dass Alexander Esswein eine Pause bekommen hatte, Robert Mal und Timothy Chandler ebenfalls fehlten und somit eigentlich kein gelernter Außen auf dem Platz stand, fiel nicht negativ ins Gewicht.

Jetzt noch ein Sieg gegen Fürth am Dienstag und wir können beruhigt Weihnachten feiern.

Wollscheid weg, wer ist der nächste?

Was soll man lamentieren? Dass der Club Spieler, die Gefahr laufen könnten, für die deutsche Nationalmannschaft interessant zu werden, abgeben muss, das ist leider Fakt. Zum einen, weil der FCN Einnahmen aus Spielerverkäufen braucht. Zum anderen, weil ein Jogi Löw wohl niemals einen Clubspieler nominieren wird. Da müsste er sich ja mal eine Partie des FCN anschauen und „easyCredit-Stadion“ in sein Navi eingeben.

Inosofern ist es verständlich, dass sich ein Spieler, der Aufstiegs- und Nationalelf-Ambitionen hat, anderweitig orientiert. Das war bei Stefan Kießling so, bei Dennis Diekmeier, bei Ilkay Gündogan und jetzt halt auch bei Philipp Wollscheid. Der Club muss da schon froh sein, wenn er bei solchen Karriereschüben nicht leer ausgeht. Bei Wollscheid hat man immerhin eine Vertragsverlängerungsoption eingebaut und dürfte jetzt von Bayer Leverkusen wohl um die fünf Millionen (so wird Wollscheids Marktwert derzeit taxiert) rund 7 Millionen Euro erhalten.

Damit lassen sich zumindest die Einnahmeausfälle (geringere Werbeeinnahmen und TV-Gelder) für ein Jahr in der zweiten Liga kompensieren. Und dort wird der Club landen, wenn er es nicht schafft, Spieler, die mehr als nur Bundesligamittelmaß darstellen, zu halten. Wenn man einerseits den Anspruch hat, sich langfristig in der 1.Liga zu etablieren und deshalb sogar ein neues Fußballstadion bauen will, dann passen solche Transfers nicht. Dann geht es dem FCN demnächst wie Bielefeld oder Aachen, die zwar massiv in neue Spielstätten investiert haben, für die aber inzwischen selbst die zweite Liga eine Nummer zu groß ist.

Im übrigen steht nach dem ominösen Nürnberg-Besuch von Felix Magath immer noch ein Wechsel von Timothy Chandler im Raum. Magath hätte mit Sicherheit mehr als Leverkusen für Wollscheid bezahlt. Aber Club-Manager Martin Bader gibt anscheinend gern den billigen Jakob und freut sich halt, wenn seine Verhandlungspartner die „faire und gute Verhandlungsatmosphäre“ loben. Vielleicht bietet Magath wenigstens für Chandler einen Betrag über dem Marktwert. Dann könnte der Club vielleicht auch den sich abzeichnenden Verlust von Sponsorengeldern (wobei wir Areva natürlich keine Träne nachweinen) verschmerzen. Wobei hier anzumerken wäre, dass ein Verein mit längerfristigen Erstligaambitionen solche Dinge nicht an SportFive delegieren sollte. Aber anyway! Es hat sich eh ausambitioniert.

Abstieg, welcher Abstieg?

Clubtrainer Dieter Hecking hat schon vor dem Leverkusen-Spiel die Parole ausgegeben, der FCN habe nichts mehr mit dem Abstieg zu tun. Das schien mir etwas verfrüht. Aber nach dem Spiel gegen Leverkusen will wohl keiner mehr unken.

Die Ewig-Zweiten waren allerdings auch nur auf dem Papier furchteinflößend. Die Clubspieler machten es gegen die großen Namen genau richtig, sie kauften ihnen den Schneid ab. Gegen zusammengewürfelte Millionentruppen muss man so spielen. Denen ist das eigene Wohlbefinden im Zweifelsfall immer wichtiger als der Erfolg des Vereins.

Die erste Halbzeit war, wie in letzter Zeit häufiger, eher arm an Torchancen, dafür reich an Fouls und Nickligkeiten. Wir Clubfans kennen das schon und wissen: Unsere Leute kommen in Hälfte zwei. Wer dann nach der Pause das Highlight setzt, ist aber immer wieder eine Überraschung. Diesmal war es Christian Eigler. Der traf – und hier möchten wir schon mal einen Vorschlag zum Clubwort des Jahres anbringen – mit einem sehenswerten Hammer in die Gambel – wie Julian Schieber vor zwei Wochen in Freiburg. Die Gambel, für die Zugereisten unter euch, ist das obere Tordreieck.

Über Eigler haben wir hier nicht immer nur Positives geschrieben. Diesmal hätten wir es gerne, leider machte er sein Erfolgsergebnis in der Offensive dann durch etwas ungeschicktes Defensivverhalten zunichte und flog mit Gelb-Rot vom Platz. Dies bescherte uns dann noch das clubübliche Zittern am Ende. Aber die Abwehr hielt. Andi Wolf wurde eigentlich die ganzen 90 Minuten nicht vermisst, was beweist: Beim Club kann man mittlerweile auch Spielerausfälle wegstecken.

Und wenn man mal 15 Minuten wegen der drei Punkte zittern muss, ist das schließlich Luxus. Normalerweise zittern wir bis zum zweiten Relegationsspiel – und zwar um den Klassenerhalt.