Nicht unser Abend

Tja, es ist leider wieder einmal so, dass uns Mainz zeigt, wie´s geht. Wie man spielt, wenn man eigentlich keine überragenden Spieler hat, weil man sich die nicht leisten kann. Man muss den Gegner ausgucken und dann die Taktik drauf einstellen. Mainz spielte eigentlich nur eine knappe halbe Stunde gut, entfachte da aber so viel Druck, dass der Club kaum noch Luft holen konnte. Entsprechend gab es dann die Fehler. Im Mittelfeld machte der Club kaum einen Stich, ließ sich deshalb stark nach hinten drängen. Beim 1:0 war es noch notwendig, dass sich Plattenhardt ausspielen, Klose den Ball durch die Beine schießen und Rakovsky ihn – obwohl eigentlich haltbar – reingehen ließ. Beim 2:0 reichte dann ein einfacher Doppelpass um die Viererkette auszuspielen. Danach war Mainz zwar nicht platt, musste es aber deutlich ruhiger angehen lassen. Der Club kam wieder. Sogar zum Anschlusstreffer, was ja vor der Pause psychologisch angeblich günstig ist.

Für den Club war es leider nicht günstig. Der kam zwar in der zweiten Halbzeit, machte dann fast genau das, was Mainz in den ersten Spielphase praktizierte: Er dominierte im Mittelfeld schnürte die Mainzer teilweise in der eigenen Hälfte fest. Aber leider kam nichts Zählbares dabei raus. Bezeichnend war der Dreifachwechsel durch Trainer Hecking. Gebhart (diesmal leider wieder der Alte), Esswein (leider immer noch der Alte) und Balitsch (wohl eher aus taktischen Gründen) mussten raus, Frantz, Polter und der rehabilitierte Robert Mak kamen rein. Hecking probierte es also wieder mit zwei Stürmern. Aber die sind in der Saison leider irgendwie gehemmt, weshalb es nichts wurde mit dem Ausgleich.

Freilich lag es auch an den Mainzern und am Schiedsrichter-Gespann, warum am Ende ein konstruktives Spiel etwas schwierig wurde. Aber auch das ist Taktik. Damit muss man umgehen können.

Jetzt hocken wir leider wieder unten drin und der Eindruck drängt sich auf: Das vor dem Wolfsburgspiel war keine Krise, das war der Normalzustand. Aber auch in dem könnte man – an guten Tagen – solche Spiele gewinnen. Doch dann muss alles passen. Hinten darf keiner Fehler machen, vorne muss mal einer glücklich treffen und der Gegner dürfte halt auch nicht jede Chance gleich reinmachen.

Bezeichnend übrigens, dass nach dem 2:0 Twitter schlapp machte und erst kurz vor Schluss wieder korrekt arbeitete. In jeder Beziehung war das heute also nicht unser Abend.

Merke: Der Club zerrt immer an den Nerven

Man sollte nie, nie, nie beim Club denken, dass wird heute ein entspannter Spieltag, heute werden mal sicher und souverän drei Punkte eingefahren. Nicht einmal wenn es zuhause gegen einen in dieser Saison eher bescheiden aufspielenden FSV Mainz 05 geht.

Nach 19 Minuten führte der Club mit 2:0. Mainz wirkte nie so, als hätte es da irgendetwas dagegenzusetzen. Der Club hatte alles im Griff und wir lehnten uns zurück, twitterten „läuft!“ und hakten bereits einen Heimsieg ab.

Aber der Club ist halt der Club. Dazu gehört auch, dass scheinbar problemfreie Mannschaftsteile wie die Innenverteidigung plötzlich ins Schwimmen geraten, blöde Fehler machen und einen schon am Boden liegenden Gegner aufbauen. Das 2:1 hätte man ja noch wegstecken und da weiter machen können , wo man zuvor aufgehört hatte. Nicht so der Club. Der war plötzlich völlig von der Rolle, kassierte vor der Pause noch den Ausgleich und wer gedacht hatte, in der Pause werde dann wieder Ruhe einkehren, der sah sich getäuscht. Die Mainzer gingen danach noch in Führung. Der Satz „der Club ist ein Depp“ wurde allerorten wieder ausgemottet – und zwar durchaus nicht unberechtigt. Eigentlich sah es nämlich auch nicht danach aus, als könnte die Nürnberger Mannschaft der drohenden Niederlage irgendetwas entgegen setzen.

Dass Pekhart dann doch noch der Ausgleich gelang, war eher Mainzer Unzulänglichkeiten als einem FCN-Aufbäumen zu verdanken. Trotzdem: Das Tor war enorm wichtig. Der Deppensatz kann weggepackt werden und die Psyche ist nicht völlig im Eimer. Außerdem hat der Club wenigstens einen Konkurrenten um den Abstieg nicht total aufgebaut.

Der seltsame Tabellenführer und die früheren Club-Stars

Nach zwei Spieltagen liegt der FSV Mainz 05 vorne in der Bundesliga-Tabelle. Ein seltsamer Spitzenreiter. Ein Underdog, der für Furore sorgt, erlebt ja oft im Jahr danach ein böses Erwachen. Die Mainzer und auch Hannover halten sich bisher nicht an diese Regel und legten einen Sechs-Punkte-Start hin. Mal gucken, wie lang die Euphorie noch anhält. Den Mainzer Sieg in Freiburg machten übrigens zwei Ex-Cluberer perfekt: Marcel Risse und Eric-Maxim Choupo-Moting steuerten je ein Tor bei, Risse bereitete zudem Choupo-Motings Treffer vor und avancierte zum Spieler des  Spiels. Schon schade, dass der Club im Jahr 2010 die beiden damaligen Leihspieler nicht halten konnte. Vor allem der dynamische Risse stünde dem offensiven Club-Mittelfeld gut zu Gesicht.

Brav spielen reicht nicht

2199527957Klar, man kann beim Tabellenzweiten verlieren. Erst recht, wenn man von allen Fachleuten als Abstiegskandidat Nummer 1 eingestuft wurde. Insofern geht das 3:0 in Mainz in Ordnung. Aber wirklich nur insofern.

Fast 90 Minuten lang war der Club nämlich die bessere Mannschaft, spielte überlegen, arbeitete sich Chancen heraus, hatte das Spiel weitgehend im Griff. Die Mainzer hatten gerade einmal dreieinhalb Möglichkeiten, ein Tor zu machen. Insofern hat die Clubmannschaft sicher die Vorgaben des Trainers gut umgesetzt. Brave Schüler! Machen das, was der Lehrer sagt. Bloß: das wissen auch die Nichtfußballer unter uns: Wer nur das macht, was der Lehrer sagt, der hat schon verloren.

Genauso erging es dann auch dem Club am Bruchweg. Er spielte nett, gar nicht schlecht, aber dann fehlte nicht bloß am Ende die Präzision, sondern auch das, was den Erfolg ausmacht: mal ein origineller Gedanke, mal ein unorthodoxer Spielzug…und der liebe Gott half auch nicht mit, schon gar nicht Schiri Gagelmann.

Ganz anders die Mainzer: Die können auch schlecht spielen. Die können auch einen Gegner kommen und die Musik machen lassen. Die wissen nämlich: Wir können Standards. Denen langt schon eine Ecke, ein Freistoß in der gegnerischen Hälfte und schon brennt es.

Was sagt uns das? Ekici stand zwar in den letzten Spielen eher neben sich, dennoch ist genau er einer, der nicht nur den braven Fußballstreber geben kann, der auch mal selber was Überraschendes anzetteln kann. Dass der zunächst auf der Bank saß, war sicher von Nachteil. Dass der Club mit dem Üben der Standards noch nicht so weit ist, wissen wir schon länger. Dass der Club beim Entleihen von Marcel Risse (bester Mann bei Mainz) einen Fehler gemacht hat: geschenkt! Dass der Club Judt und nicht Allagui von den Fürthern geholt hat, Schwamm drüber! Dass der Club allerdings in der Adventszeit überhaupt antritt und nicht alles tut, um Spiele zu diesem Zeitpunkt ausfallen zu lassen – notfalls muss man halt die Unterschrift der Eltern fälschen – das ist unverzeihlich. Warum? Das erzählen wir euch das nächste mal. Da geht es nämlich gegen den Spitzenreiter Dortmund und da wird man mit nur schön Spielen erst recht nicht punkten.

Selten erlebte Überlegenheit

Nuremberg_20vs_20Mainz_2005__15660148__MBQF-1270305797,templateId=renderScaled,property=Bild,height=349Zunächst wollen wir mal Schiedsrichter Michael Weiner danken. Man muss solche Gelegenheiten nutzen. Jedenfalls schickte Weiner bereits in der 4. Minute den Mainzer Andreas Ivanschitz (Bild) vom Platz. Hätte man nicht unbedingt tun müssen. Aber für uns war das ok, bescherte uns das doch einen relativ relaxten Fußballnachmittag.

Der Club war drückend überlegen. Die Mainzer Konter waren nicht wirklich erschreckend. Was eher nervte war die Chancenauswertung. Eigentlich hätte es auch fünf- oder sechsmal im Mainzer Kasten klingeln können. Aber wir wollen nicht unbescheiden sein. Das 2:0 war jedenfalls mehr als verdient.

Ob diese Überlegenheit auch einen Mainzer mehr vertragen hätte? Man weiß es nicht. Ist auch egal. Hauptsache 3 Punkte. Wichtige 3 Punkte, denn Bochum wurde damit überholt und zu Freiburg wurde der Abstand um 2 Punkte erhöht.

Was an sich auch toll ist, dass die „Jungen“ Mike Frantz, Marcel Risse, Ilkay Gündogan und Eric-Maxim Choupo-Moting Klasse spielten und daher große Hoffnung für die Zukunft machten. Leider dürften wohl höchstens zwei von ihnen beim Club bleiben. Juri Judt, mit dem vergangene Woche der Vertrag verlängert wurde, saß dagegen 85 Minuten auf der Bank, Also, selbst wenn es der Club noch schaffen sollte mit dem Bundesligaerhalt, dann dürfte in der nächsten Saison wieder Abstiegskampf angesagt sein. Da muss man solche seltenen Momente wie gegen Mainz erst recht genießen.

Der Horror geht weiter

„Ich brauch jetzt a Bier“. „Und ich a Zigaretten“. Der Nürnberger Holperkurs verpasst auch dem Gemüt von Teenagern eine Delle. Die enttäuschten Fans der Generation 12 plus suchten nach Ende des Spiels Linderung in Alkohol und Tabakdunst. So richtig schimpfen konnte gestern jedoch keiner.

Gerannt ist die Mannschaft, gekämpft hat sich auch, doch dies langt nicht mal in der 2. Liga. Viel zu umständlich agierte gegen Mainz wieder einmal das Mittelfeld. Deshalb holte sich Boakye seine Bälle oft aus der eigenen Hälfte. Bis er an den Strafraum kam, war er platt. Mintal und Frantz blieben unauffällig, Bunjaku blass. Auf der Bank saß auch kein Goalgetter, in der Winterpause holte man ja lieber einen weiteren Innenverteidiger. Die Zuschauer pfiffen bei Spielschluss nicht, jubelten ebenso wenig. Ein weiteres Jahr in Liga 2 ist jetzt sehr wahrscheinlich. Der Horror geht also weiter.

Zwei Mal Gelb, ist das nicht Rot?

Jetzt ist endlich auch das Video zum Stereo-Gelb von Schiedsrichter Thomas Metzen beim Spiel Mainz gegen St.Pauli online. Da habe ich schon tagelang darauf gewartet. So etwas muss man für die Nachwelt festhalten. Zumal das auch noch Konsequenzen hatte, die über einen DSF-Deppenkommentar hinausgehen. Auch der DFB gab sich gewohnt humorlos und sprach eine Rüge aus. Das übliche Monogelb halt, das beim zweiten Mal zu Rot wird.

YouTube Preview Image

via

Was das mit dem Club zu tun hat? Nix, bzw.: Irgendwie muss man sich ja ablenken.