Preisträger lehnt ab: wegen easyCredit

Dass das alte römische Sprichwort „Geld stinkt nicht“ manchmal doch nicht stimmt, musste jetzt die in Nürnberg ansässige Deutsche Akademie für Fußballkultur erleben. Der Träger des Deutscher Fußball-Kulturpreis 2011, die Kaiserslauterner Fangruppe Generation Luzifer, lehnte die Ehrung und das Preisgeld von 3000 Euro nämlich ab. Grund ist der Sponsor der Fußballakademie, der gleichzeitig auch Namensgeber des Frankenstadions ist: easyCredit bzw. die dahinter stehende TeamBank.

In einem offenen Brief teilte die Fangruppierung‚ Generation Luzifer Kaiserslautern 1998 mit, den Preis für die beste Fan-Choreografie des Jahres nicht annehmen zu wollen. Sie begründet dies mit ihrer Ablehnung des Hauptsponsors. Darin heißt es:

Wir erklären uns ausdrücklich solidarisch mit den Fans aus Nürnberg, welche sich seit Jahren mit viel Herzblut dafür einsetzen, dass ihr Stadion den Namen ihres Idoles Max Morlock trägt. Max Morlock ist ebenso wie Fritz Walter ein 54er Held und es wäre weit mehr als ein symbolisches Bekenntnis, wenn der 1. FC Nürnberg im Max-Morlock-Stadion auflaufen würde. Dies wird allerdings seit Jahren durch easyCredit/TeamBank, dem Hauptsponsor und Gründungspartner der Akademie, verhindert.

und weiter:

Es bleibt also festzuhalten, dass sich unsere Kritik ausschließlich gegen die Praktiken der Teambank AG richtet. Wir bedauern, dass die Deutsche Akademie für Fussballkultur in dieser Sache einer der Leidtragenden ist, denn leider werden die durchaus anerkennenswerten Ziele der Fussballakademie durch das Sponsoring von easyCredit/TeamBank ad absurdum geführt.

Das Präsidium der Akademie mit Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly an der Spitze ist natürlich irritiert, sich plötzlich auf der falschen Seite der Bewegung wieder zu finden.

Die Unterstellung, easyCredit unterstütze die Deutsche Akademie für Fußball-Kultur lediglich aus strategischen Gründen und mit ‚Peanuts’ – und Hauptinteresse sei das Namenssponsoring für das Nürnberger Stadion –, liegt für Oberbürgermeister Dr. Maly daneben. Tatsache sei, dass easyCredit die Akademie jährlich mit rund 100.000 € unterstützt, seit 2004 mit einer Gesamtsumme von über 800.000 Euro.

Maly weiter:

„Für die Stadt Nürnberg als Träger der Akademie sind das keine ‚Peanuts’, im Gegenteil: Die Mittel des Hauptsponsors ermöglichen es (zusammen mit der Unterstützung durch den Partner kicker-sportmagazin) der Akademie erst, ihr allseits geschätztes Programm zu realisieren. Dazu zählen seit 2006 die Website www.fussball-kultur.org und der Deutsche Fußball-Kulturpreis, für den easyCredit per anno 50.000 € bereitstellt und zusätzlich Preisgelder für das Fußballbuch des Jahres (5.000 €) und einen wechselnden Fan-Preis (3.000 €, z.B. 2009 für das ‚Beste Fanzine‘ und 2010 das ‚Beste Fan-Video des Jahres‘). Kein Nebenschauplatz, sondern ein zentrales Spielfeld der Akademie sind dabei von Anfang an Veranstaltungen rund um die Interessen und Anliegen der Fans: von Tagungen wie „Fans, Fairplay und Fußballwerte“ im Jahr 2005 bis zur Auszeichnung der besten Fan-Choreografie 2011. Die inhaltliche Freiheit der Akademie war zu jeder Zeit gegeben.“

Überdies habe easyCredit ein Max-Morlock-Stadion in Nürnberg keinesfalls verhindert.

Maly:

„Mit easyCredit und der TeamBank haben sowohl die Akademie wie das Stadion einen Partner, wie man ihn sich nur wünschen kann. An Zuverlässigkeit, Kooperationsbereitschaft und Zahlungsmoral ist er nicht zu übertreffen. Und ohne easyCredit gäbe es die Deutsche Akademie für Fußball-Kultur mit ihrer breiten Aufstellung und dem umfassenden Themenspektrum mit Sicherheit nicht.“

Eine Folge der Ablehnung des Preises begrüßt die Akademie allerdings ausdrücklich: Beim nächsten Heimspiel des 1. FC Kaiserslautern will die ‚Generation Luzifer’ eine Spendenaktion zugunsten dreier Hilfsorganisationen starten, um „dem sozialen Zweck des Preises gerecht zu werden“.

Akademie-Partner easyCredit/TeamBank wird die vorgesehenen 3.000 € Preisgeld einem anderen gemeinnützigen Zweck zukommen lassen.

Hier die Fritz-Walter-Choreographie:

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Relegation: OB Maly im Interview

So wie es aussieht sind zwei Drittel der Stadtspitze am Sonntag in Urlaub. Die beiden SPD-Bürgermeister überlassen es also dem CSU-Mann Klemens Gsell, am Sonntag den Aufstieg (immerhin wäre der Club dann Rekordaufsteiger) mit den Fans und der Mannschaft zu feiern. Ich unterhielt mich heute mit OB Ulrich Maly über das Thema. Einen Tipp für Sonntag gab der Oberbürgermeister bei der Gelegenheit auch gleich ab:

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Den Bürgermeistern fehlt der Glaube

Wer in Nürnberg gewählt werden will, muss Clubfan sein (deswegen stellen wir uns aber trotzdem nicht zur Wahl, keine Angst). Aber natürlich sind Oberbürgermeister Ulrich Maly und Sportbürgermeister Horst Förther (Bild) ausgemachte Fans des FCN. Maly sitzt, wie CSU-Minister Markus Söder (dessen Wirken übrigens in einem lesenswerten Kommentar auf unser letztes Posting beleuchtet wird), im Club-Aufsichtsrat und nutzt auch sonst jede Gelegenheit, – etwa beim Pokalsieg – auf jedweder FCN-Erfolgswelle mitzusurfen.

Sollte der Club allerdings am Sonntag den Aufstieg perfekt machen, dann wären weder Maly noch Förther dabei. Beide sind in Urlaub und haben diesmal – anders als beim Pokalendspiel – auch nichts storniert oder rückgängig gemacht. Nicht einmal die Aussicht, dass dann der ungeliebte CSU-Bürgermeister Klemens Gsell die „Clubparade“ abnehmen dürfte, schreckt die beiden.

Was sagt uns das?

Leider, liebe Mitfans, gibt es da nur eine Antwort:

Die glauben nicht dran, dass es der Club packt!