Der Club sollte Äsop verpflichten

Humanistische Bildung dürfte beim Club kaum zu finden sein. Daher hier ein Ausflug in die alte griechische Fabel, zu Äsop, der einmal von einem Fünfkämpfer erzählte, der permanent damit prahlte, wie weit er bei Wettkämpfen in Rhodos gesprungen sei.

Wahrscheinlich gab es damals auch schon Leute, die meinten, diesen hervorragenden Athleten unbedingt unter Vertrag nehmen und ein paar Millionen Ablöse zahlen zu müssen. Wer aber Äsop kennt, weiß: Die einzig richtige Reaktion ist der bekannte Satz: Hic Rhodus, hic salta! Also: Hier ist das Frankenstadion, hier zeige, was du kannst. Weil man aber am Valznerweiher Äsop nicht kennt, konnten Leute wie Engelhardt („In Karlsruhe habe ich mal ein grandioses Spiel abgeliefert“), Masmanidis („Ich kann nur mit Thomas von Heesen“) oder Charisteas („Das Tor treffe ich nur im Nationaltrikot“) dauernd von der Angabe leben. Bezeichnenderweise sind zwei der drei Griechen. Das legt nahe, dass sie durch ihr Verhalten vielleicht den Clubverantwortlichen vor Augen führen wollten, wie sehr es ihnen an klassischer Bildung gebricht. Erfolg hatte das allerdings nicht: Nach Engelhardt ist nun auch Masmanidis weg und Angelos Charisteas dürfte der nächste sein (wahrscheinlich geht der auch gleich nach Rhodos).

Kommt jetzt Neururer?

Hypothese: Ein Fan von Real Madrid verirrt sich ins eacycredit Stadion und wird Zeuge der Paarung Club gegen FSV Frankfurt. Was geht in dessem Kopf vor, wenn er einen Spieler wie Ioannis Masmanidis beobachtet? 9 von 10 Pässen des „Mittelfeldmotors“ erreichen nicht mal einen Gegenspieler. Oder wenn er den Stürmern Charisteas und Eigler zusieht. Das Sturmduo rennt wild durcheinander, eine Absprache der Laufwege scheint nie stattgefunden zu haben. Ob der Real Anhänger erkennt, dass er hier einem Fußballspiel beiwohnt? Sogar einem, an dem 22 Profis mitwirken? Ähnlich schwach wie seine Kicker zeigte sich leider auch Trainer Oenning. Als in der 52 Minute Goncalves wegen Schiedsrichterbeleidigung vom Platz gestellt wird, würdigt er den Portugiesen keines Blickes. Beleidigung bedeutet hier das Berühren der Stirn. Goncalves ist einer der wenigen Clubberer ist, der mit Herzblut zur Sache geht. Dann wechselt Oenning Boakye aus, den einzigen Stürmer der bisher in Hälfte 2 eine gute Szene hatte. Masmanidis darf jedoch noch weiter herumstümpern, Eigler ebenso. Noch kurz zum Konzept: es gibt keines. Vor allem das Mittelfeld ist nicht als solches zu erkennen. Und das bei diesem Gegner. Klandt, Hickl, Mehic, Cenci: Kicker, die selbst der Experte kaum kennt. Unbekannt ist natürlich nicht gleich schlecht, doch FSV Frankfurt war wirklich miserabel. Trotzdem kamen fast 38.000 Zuschauer. Doch ich traue mich zu wetten, außer gegen Fürth wird der Club demnachst vor nicht einmal 20.000 Leuten antreten müssen. Ob sich die Fans solche Leistungen noch lange gefallen lassen, wage ich zu bezweifeln. Vielleicht hilft doch nur noch Peter Neururer.