Die Mutter aller Abstiege

Man muss die Vorgeschichte kennen, um die gesamte Blödheit dieses Bundesligaabstiegs erfassen zu können. Fangen wir mit dem 2. Dezember 1967 an. Damals schlug der Club in einem legendären Spiel den FC Bayern mit 7:3 (Bomber Gerd Müller hatte vor dem Spiel noch groß getönt, man werde dem Club „drei einschenken“, was immerhin stimmte, allerdings traf allein „Goldköpfchen“ Franz Brungs fünf Mal). Am Ende der Saison wurde der Club Meister (hier ein kurzes Video von der Sportstudiosendung mit Harry Valerien).

Doch dann wollte Trainer Max Merkel die „Bauernkapelle“ in ein „Symphonieorchester“ umwandeln, kaufte groß ein und ließ Leistungsträger wie Ferschl, Starek und Brungs unter teilweise merkwürdigen Umständen gehen. Noch merkwürdiger war allerdings der Verlauf der Saison 68/69. Die Neueinkäufe brachten es nicht, es reihte sich Niederlage an Niederlage. Schließlich wurde Max Merkel entlassen („aus gesundheitlichen Gründen“) und zunächst durch den (überforderten) Co-Trainer Robert Körner und dann durch Kuno Klötzer ersetzt. Doch als sich der Club wieder gerappelt hatte, siegte die Konkurrenz plötzlich auch. Irgendetwas schien sich gegen den FCN verschworen zu haben.

abstieg.JPGEine ganz undurchsichtige Rolle spielte Club-Torwart Jürgen Rynio, der schon einen Vertrag mit Dortmund unterzeichnet hatte und vielleicht deshalb im Schicksalsspiel gegen den BVB – nicht ganz uneigennützig – daneben gelangt hat. Als am letzten Spieltag der Abstieg durch ein 0:3 in Köln besiegelt war, schlichen die Clubspieler heulend vom Platz. Nur einer soll grinsend im Hintergrund gestanden haben: Torwart Rynio.

Zum ersten und einzigen Mal war ein amtierender Deutscher Meister abgestiegen. Für viele war dieser Abstieg die Mutter aller FCN-Tiefpunkte, der Anfang des Clubdeppentums, die Weichenstellung von der Spitzenmannschaft zum Rekordabsteiger.

Zusammen mit dem Club verabschiedete sich damals übrigens Kickers Offenbach aus der Bundesliga. Zwei Jahre später stand der Mitabsteiger im Mittelpunkt des größten Bundesligaskandals bislang. Was Schmiergeldzahlungen beim Club anging, gab es auch etliche Andeutungen, ans Licht gekommen ist aber nichts.

TIEFPUNKT 6