Wer soll Clubpräsident werden?

Michael A. Roth hat den Präsidentenstuhl beim Club überraschend geräumt. Da Franz Schäfer vorerst als Interimspräsident fungiert, hat der FCN noch Zeit, sich die Nachfolge zu überlegen. Wir eröffnen trotzdem schon einmal die Diskussion darüber, und starten eine Umfrage. Schließlich sollten solche Entscheidungen nicht nur ein paar – oft nicht so sehr im aktuellen Geschehen verhaftete – Aufsichtsräte treffen, auch die Fans müssen hier gehört werden.

Zu unseren Vorschlägen: Wir haben einerseits die Namen, die im Augenblick im Gespräch sind, aufgeführt, wie GfK-Chef Klaus Wübbenhorst oder den früheren Club-Präsidenten Gerd Schmelzer. Dann haben wir verdiente Ex-Spieler dazugenommen, die ebenfalls von einigen gehandelt werden (Andreas Köpke, Dieter Eckstein) und schließlich Leute, die Zeit haben, sich für den Club zu engagieren. Dazu gehören der in solchen Fällen immer gern genannte Lothar Matthäus, der noch in Nürnberg wohnende ehemalige Trainer Hans Meyer, die Reporterlegende Günther Koch sowie die frühere Ministerin Renate Schmidt, mit der endlich auch einmal eine Frau ein solches Amt bekleiden würde. Der Vollständigkeit halber haben wir auch den Interimspräsidenten Franz Schäfer und Markus Söder als Aufsichtsrat aufgeführt. Selbstverständlich besteht die Möglichkeit, auch eigene Vorschläge zu machen.

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Keine Träne für Michael A. Roth

Eines mal vorweg: Wir sind zwar Freunde des Clubs, Freunde von Michael A. Roth waren wir nie. Allerdings räumen wir ein, dass er uns – je mehr er sich zurückgenommen hat – etwas sympathischer geworden ist. Dennoch gibt es auch den Pistolero-Roth, der geistig einer Zeit zu entstammen schien, als es noch Leibeigenschaft und Vasallentum gab.

Jetzt tritt er zurück, will sich mehr ums Privatleben und um seine Teppichfirma kümmern. Das sei ihm gegönnt. Seine Firma hat es angeblich auch nötig, dass sich der Chef mehr darauf konzentriert.

Aber kaum ist Roth weg, schon kursieren die Nachfolgernamen. Allen voran: der frühere Club-Präsident und jetzige Immobilienunternehmer Gerd Schmelzer (ob die Fans das gut finden werden, wagen wir zu bezweifeln).  Auch Klaus Wübbenhorst, Chef der Gesellschaft für Konsumforschung und IHK-Präsident, wird genannt. Wir fügen auch noch Günther Koch hinzu. Der Mann hat zwar kein Geld zum reinpumpen, kann aber reden. Auch Dieter Hoeneß wäre frei – und Hans Meyer.

Beim Club wird es also spannend. Und wer gedacht hat, der steigt einfach auf und wird ein solider Verein, der langfristig plant, der sieht sich wieder einmal eines Besseren belehrt. Der Club bleibt der Club – und ist immer für Überraschungen gut.

Die Sponsoren schwächeln

Die Fußballvereine sind heute längst nicht mehr nur vom sportlichen Erfolg abhängig. Auch wenn der Club heute gegen die Mainzer Rumpfmannschaft gewinnen sollte, ziehen für den FCN dunkle Wolken am Finanzhimmel auf.

Der Hauptsponsor Areva ist in den Krisenstrudel geraten und schreit jetzt nach staatlicher Finanzhilfe. Die wird ihm – die französische Regierung hat bekanntlich drei Ohren für die Atomlobby – wahrscheinlich auch gewährt.  Aber meistens sind die zunächst genannten Verlustbeträge nur die halbe Wahrheit, und außerdem ist fraglich in wieweit sich die Regierung einen Einfluß sichert. Da kann man dann darauf warten, dass Nicolas Sarkozy fragt: Was wollt ihr denn mit der Unterstützung dieses Zweitligavereins?

Doch nicht nur Areva steckt in der Krise. Auch das Teppichimperium von Club-Präsident Michael A. Roth ist in Schwierigkeiten geraten. Gestern hat die Süddeutsche Zeitung (leider nicht online verfügbar) das Thema aufgegriffen und folgendes Roth-Zitat übermittelt: „Wer seine Leistung nicht bringt, fliegt.“ Das hat Roth aber nicht zu seinen Kickern gesagt, sondern den Führungskräften bei ARO.

Im vergangenen Geschäftsjahr hat ARO demnach übrigens 20 Filialen geschlossen und mehr als 200 Mitarbeiter entlassen.

Die berühmteste aller ARO-Filialen, die aus dem Roman „Geht in Ordnung – sowieso – genau“  von Eckard Henscheid, war da nicht dabei. Sie war immer nur halbfiktiv und sowas ist wenigstens krisenresistent.

Mehr zu dieser berühmten Filiale kann man hier nachlesen.

Ein Pistolero namens Roth

Es war im Oktober 2003, der Club war wieder einmal zweitklassig. Aber das war – wie auch in dieser Saison – natürlich nur ein Versehen. So tönte Präsident Michael A. Roth damals auch selbstbewusst, der Club sei der „FC Bayern der zweiten Liga“.

Dann stand am 4. Spieltag ein Heimspiel gegen den VfB Lübeck an. Jeder fragte sich nur, wie hoch die Überflieger die Underdogs aus Lübeck schlagen würden. Auch die damals von Wolfgang Wolf trainierten Spieler schienen die drei Punkte geistig schon eingesackt zu haben, zumal der erst im August verpflichtete Oktay den Club auch noch in Führung geschossen hatte. Dummerweise spielten aber die Lübecker nicht mit und ließen es an der nötigen Ehrfurcht fehlen. Sie schenkten dem Club in der zweiten Halbzeit zwei Dinger ein, der haushohe Favorit verlor 1:2.

Das Ergebnis hat unseren auf Feiern und Aufsteigen programmierten Präsidenten ganz offensichtlich auf dem falschen Fuß erwischt. „Ich habe eine Pistole samt Waffenschein und würde einigen am liebsten das Hirn durchpusten“, sagte er nach dem Schlusspfiff, und die Reporter schrieben eifrig mit. Sie erinnerten sich gleich noch an den bereits als Tiefpunkt 9 erwähnten Ausfall Edgar Geenens zwei Jahre vorher. Der Club landete in der Buhmannecke und der nur zwei Monate beim Club aktive Argentinier Martin Mandra legte gleich noch nach. Er sei beim Club mit „rassistischen Beleidigungen“ weggeekelt worden. Fast alle in der Mannschaft seien Rassisten, sagte er.

Letztlich wurde der Club am Ende der Saison dann aber doch noch Erster in der 2. Liga und so war diese Geschichte dann auch relativ schnell vergessen. Trotzdem führen wir sie hier als:

TIEFPUNKT 13

Als der Flankengott nach Nürnberg kam

Und während der Club mühsam, aber beharrlich Stufe um Stufe nach oben kraxelt und nun schon Platz elf einnimmt (nach den Rängen 14, 13 und 12 an den Spieltagen zuvor), wollen wir es uns nicht nehmen lassen, weitere Kandidaten für unsere Wahl zum Ultra-Tiefpunkt der Geschichte des neunfachen Meisters vorzustellen.Kandidat Nummer drei ist die Saison 1983/84. Der Club wollte damals  hoch hinaus. Trainer Udo Klug strebte Tuchfühlung zu den Uefa-Cup-Plätzen an und holte gestandene Bundesligaprofis wie Stefan Lottermann und Werner Habiger. Ganz zu schweigen von zwei prominenten früheren Nationalspielern, die in Nürnberg anheuerten: Rüdiger Abramczik, einst als „Flankengott“ gepriesen, und Manfred Burgsmüller wechselten von Borussia Dortmund an den Valznerweiher.
Doch von wegen Uefa-Cup: Von Anfang an sah der FCN von der Konkurrenz nur die Rücklichter und legte eine absolute Katastrophensaison hin, seine schwächste im Oberhaus.  26 von 34 Spielen gingen verloren, die Auswärtsbilanz von 0:34 Punkten (damals war das Drei-Punkte-System noch in ferner Zukunft) ist bis heute unerreicht. Zudem kassierte der Club seine bis heute höchste Heim- sowie Auswärtsniederlage in dieser Spielzeit, und zwar jeweils gegen den späteren Meister VfB Stuttgart: 0:6 daheim, 0:7 auswärts, deutlicher haben die Nürnberger in ihrer Bundesliga-Geschichte nie verloren.  Vier Trainer durften sich erfolglos probieren (auf Klug folgten Rudi Kröner, Fritz Popp und Heinz Höher), und auch Präsident Michael A. Roth dankte zugunsten von Gerd Schmelzer ab. Eine imposante Negativbilanz, die die Saison 83/84 zu einem heißen Kandidaten in unserer Wahl werden lässt.  Nach dem Abstieg folgte übrigens der radikale Neuaufbau – ohne Abramczik und Burgsmüller, die nur ein kurzes Gastspiel gaben, aber eben doch ein wenig mitschreiben durften an einem der dunkelsten Kapitel in der Club-Geschichte.

TIEFPUNKT 3