Rückkehr zum Bewährten

Die Woche:

  • Vordringlich muss – offiziell zumindest – ein neuer Sportvorstand gefunden werden; und zwar ziemlich schnell, sollen die aufgrund der Unfähigkeit der Abstiegskonkurrenz noch existierenden Chancen auf den Klassenerhalt genutzt werden. In der Gerüchteküche wird neben Bader-Spezi Christian Möckel, Olaf Rebbe, dem Holländer Stan Valckx und Ex-Clubspieler Per Nilsson auch der Name Felix Magath gehandelt. Der ist zumindest schon mal gut vernetzt.
  • Vernetzung wird – wie es aussieht – im Bundesligafußball aber wohl überbewertet. Auch ohne Sportvorstand und eigenes Zutun stehen beim Club die Trainer auf der Matte. Da ist Bundesligaerfahrung genauso dabei, wie regionaler Bezug , die in einem Fall sogar noch mit einer gewissen Weltläufigkeit gepaart ist. Und das ist ja nur die Spitze des Eisbergs. Wenn sich die Trainerfindung als genauso easy erweist wie das Einkaufen im Baumarkt, dann könnte sich Klein-Grethe eventuell überlegen, das Geld für einen Sportvorstand ganz einzusparen.
  • Via Facebook hat sich jetzt auch Michael Köllner zur Wort gemeldet. Er werde sich erst einmal der „Erholung und Aufarbeitung“ widmen. Trotzdem wurde er zusammen mit dem gleichfalls entlassenen Sportvorstand Andreas Bornemann beim Spiel unserer U19-Mannschaft gesichtet.

Das Spiel:

Schon wieder ein Montagspiel in Nürnberg. Mit Stinkefingern und der Ankündigung, die Ligabosse „in der Pfeife rauchen“ zu wollen, protestierten die organisierten Fans. Berechtigt! Später gabs dann leider auch noch Tennisbällchen und schwarzen Rauch.

Doch eigentlich interessanter war, was sich im Spiel eins nach Köllner/Bornemann geändert hatte. Da standen mit Kubo und Löwen zwei Spieler in der Startelf, die zuletzt kaum berücksichtigt wurden. Dagegen saß Mikael Ishak wieder nur auf der Bank.

Auffällig auch die Art, wie sich die Mannschaft gegen den Tabellführer reinschmiss. Hinten wurde Beton angerührt, was dazu führte, dass der Club kaum in die gegnerische Hälfte und bei den Ballbesitzwerten zunächst gerade mal auf 20 Prozent kam.

Die Dortmunder rannten sich meistens in der vielbeinigen Clubabwehr fest und wenn es doch einmal brenzlig wurde, war Mathenia auf dem Posten. Kurzzeitig gab der Club dann aber doch die Zurückhaltung auf. Nach einer knappen halben Stunde hatte Kapitän Hanno Behrens sogar zwei Großchancen und Pech. Kurz darauf hatte der Club wiederum Glück. Sancho fiel nach einem Zweikampf mit Leibold im Strafraum um. Da hätte es auch Elfmeter und einen Einspruch aus Köln geben können (aber vlt. arbeiten die montags nicht). So ging es dann torlos in die Pause. Einen Eckball für die Dortmunder ließ der aus Hannover stammende Schiedsrichter zuvor übrigens nicht mehr ausführen, wohl um sich ein weiteres Bälletheater zu ersparen.

Nicht schön, aber was das Unterbinden des Dortmunder Spielflusses anging erfolgreich, ging es in der zweiten Hälfte weiter. Über weite Strecken mit Mann und Maus hielt die Clubabwehr die Gäste vom Tor fern. Neben Mathenia verdienten sich dabei besonders Ewerton und Behrens Bestnoten.

Dem BVB fiel gegen die aufopferungsvoll abwehrende Clubelf nicht mehr viel ein. Auch Joker Alcacer stach nicht. Ishak, der – ungewohnt – bereits nach einer guten Stunde eingewechselt wurde, allerdings auch nicht.

Am Ende rettete der Club die Null ins Ziel. Mit einer bewährten Taktik. Also völlig unköllnerlike.

Ein Letztes:

Kaum hissen wir das Deppen-Fähnchen, schon ist der Club in der deutschen Fußballwelt wieder Thema. So wundert sich beispielsweise Arnd Zeigler, warum Trainer und Sportvorstand gehen mussten, obwohl die Mannschaft doch eine Galavorstellung nach der anderen abgeliefert hat.

Der Co-Trainer als prominentester Neuzugang

Da meckere noch einer, dass der Club zu sehr auf Routiniers setze. Gut, mit allen Ü30-Spielern, deren Veträge ausliefen (Feulner, Nilsson, Pinola) wurde – zu Recht – verlängert; aber jetzt  ist Mittelfeld-Abräumer Timmy Simons, mit 36 Jahren ältester Feldspieler der Liga, weg. Und als Neuzugänge erschienen zum Trainingsstart keine großen Namen, sondern ein Quartett der Talente (Angha, Ginczek, Stepinski, Weber). Ginczek ist gerade mal 22 und doch der Opa in diesem Kreis.

Geschieht nicht grad häufig, dass der prominenteste Neuzugang ein Co-Trainer ist. Phantom Marek Mintal an der Seitenlinie – hoffentlich gibt das den Nürnbergern einen Schub. Denn irgendwie schwant dem Club-Freund Böses vor dieser Saison. Und auch wenn Trainer Michael Wiesinger die ominöse 40-Punkte-Marke nicht als Ziel ausgeben will, so ist  doch der Klassenverbleib wohl auch in der Saison 2013/14 das Maß aller Dinge.

Allerdings schlummern vielleicht noch einige unerkannte Potenziale im jetzigen Kader. Spieler wie Hlousek oder Ildiz hatten letzte Saison keine oder kaum Gelegenheit, sich zu zeigen, vielleicht schaffen sie heuer den Durchbruch. 

Auf der anderen Seite dürfte es auch angesichts der Konkurrenz schwieriger werden, in der Bundesliga zu bestehen. Hoffenheim wird nicht noch einmal ein solch katastrophales Jahr hinlegen, und die Aufsteiger Braunschweig sowie vor allem Berlin sind vermutlich von ganz anderem  Kaliber als zuletzt Greuther Fürth oder auch Düsseldorf. Nun ja, man soll ja nicht schwarzmalen.  Aber ob es wieder eine ruhige Saison wird? Ich habe meine Zweifel…

Stuhlfauths Ehrennadel und Hannakampfs Frisur


Manchmal wirkt es eindrucksvoller, wenn Vitrinen nur spartanisch bestückt sind: In der Box im Club-Museum, in der an Club-Torwartlegende Heiner Stuhlfauth erinnert wird, finden sich nur eine Autogrammkarte und eine Ehrennadel, die der Meisterkeeper der 1920er Jahre 1966 für 50-jährige Club-Mitgliedschaft bekam.

Die Ehrennadel ist eines von 125 Exponaten, die im neuen Club-Museum im Funktionsgebäude am Valznerweiher zu sehen sind – das inhaltliche Konzept für die Ausstellung stammt von Bernd Siegler, Co-Autor des Buchs „Die Legende vom Club“.

Alleine über die ausgestellten Trikots lassen sich reihenweise  Geschichten erzählen. So ist das Leibchen zu sehen, das der rechte Außenstürmer Wolfgang Schweigert im Jahr 1917 trug – es dürfte das älteste erhaltene Club-Trikot sein. 1973 stürmte Club-Legende Dieter Nüssing in tristen Zweitliga-Jahren mit dem Slogan „AEG“ auf der Brust; der erste Trikotsponsor war gefunden.
1988 bestritt Fan-Idol Dieter Eckstein sein siebtes und letztes Länderspiel für Deutschland, auch dieses Shirt ist ausgestellt – ebenso wie das Trikot, das Rudi Völler für den AS Rom trug, als dieser 1988/89 den Club aus dem Europapokal beförderte. Mittelfeldspieler Martin Schneider hat das Textilstück damals erobert und gab es nun dem Museum.

Doch neben vielen Ausstellungsstücken gibt es auch über Tablet-PCs auch Filme und Fotos aller Mannschaften aus 112 Jahren zu sehen. So kann der geneigte Fan die imposante Frisur von Rudolf Hannakampf, von 1973 bis 1977 in Club-Diensten, bewundern. Oder im Interview mit Edi Schaffer, Torwart der Meisterelf von 1948, erfahren, warum er eine Vorliebe für grüne Trikots hatte.
Ausführliche Informationen gibt es auch zu Christoph Heinz, dem Mann mit dem markanten Schnauzbart, der den eigentlich dritten FCN im Jahr 1900 ins Leben rief. Die beiden 1897 und 1898 gegründeten Vereine lösten sich freilich rasch wieder auf, der anfangs noch 1.F.C.N. geschriebene Club blieb übrig. Das Museum hat ab Mittwoch (19.9.), 9.30 Uhr, für das Publikum geöffnet. Am Eingang werden die Anhänger von lebensgroßen Figuren der vier vielleicht größten Helden aus 112 Jahren rot-schwarzer Geschichte empfangen. Torwart Stuhlfauth, Rekordspieler und Außenstürmer Max Morlock, Weltmeister von 1954, Dieter Eckstein sowie Marek Mintal, der 2005 als bislang einziger Cluberer Torschützenkönig wurde.

Ex-Cluberer hofft auf die EM

Am Samstag bekamen wieder etliche verdiente Spieler ihre Abschiedsgeschenke. Im Vorjahr fiel der Umbruch gravierender aus, Leistungsträger und Fan-Idole gingen oder mussten gehen. Doch den meisten hat der Abschied vom Club wenig Glück gebracht.

Club-Legende Marek Mintal, der in der Hinserie wegen Verletzungspech lange ausfiel, erwies sich in der Rückrunde als relativ treffsicher, an den beiden finalen Spieltagen war er erfolgreich und zuvor hielt er für den FC Hans Rostock etwa mit seinen beiden Toren gegen Duisburg (4:2) die Hoffnung auf den Klassenerhalt am Leben. Allein, letztlich stieg Rostock dennoch als  abgeschlagener Letzter ab – ein missglücktes Jahr für Mintal. Immerhin, mit einem Jahr Verspätung scheint sich nun etwas zu realisieren, was die Club-Freunde schon im Sommer 2011 vorschlugen: Marek Mintal, der im September 35 wird,  soll Leitwolf der Regionalliga-Reserve des Clubs werden.

Ebenso wie Mintal hatten auch einige andere früheren Cluberer kein Glück bei ihren neuen Arbeitgebern: Gut, Julian Schieber trumpfte beim glanzvollen 4:4 des VfB Stuttgart in  Dortmund mit zwei Toren groß auf, aber insgesamt blieb  Anteil des Stürmers an der starken Saison der Stuttgarter – auch verletzungsbedingt – mit drei Toren und 18 Einsätzen bescheiden. Mehmet Ekici (21 Einsätze, 1 Tor) wiederum schaffte in Bremen den Durchbruch bislang nicht. Verteidiger Andreas Wolf, der ebenfalls in Bremen gelandet war, wurde von den Hanseaten bereits nach der Vorrunde an den AS Monaco weitergereicht, wo ihn enormes Verletzungspech ereilte – aber immerhin blieb ihm die schlechteste Rückrunde der Bremer Vereinsgeschichte erspart.

Bei Ilkay Gündogan schien es lange ähnlich unrund zu laufen wie bei seinen Ex-Kollegen – doch dann wendete sich das Blatt. Allein im März 2012 schaffte der Dortmunder vier Nominierungen für die „Elf des Tages“ des „kicker“, nun kam am 34. Spieltag noch eine fünfte hinzu. 28 Einsätze (3 Tore) und ein respektabler „kicker“-Notenschnitt von 3,15 zeigen, dass der Mittelfeldspieler fester Bestandteil des Dortmunder Meisterensembles war – und nun darf er sogar noch auf eine Teilnahme an der EM hoffen, Bundestrainer Joachim Löw berief ihn in sein vorläufiges Aufgebot (im Bild ist Gündogan mit Cacau, einem weiteren früheren Clubspieler, zu sehen).

Wo geht die Legende hin?

Im harten Profigeschäft ist für Sentimentalitäten kein Platz. Oder doch? Der Abschied von Marek Mintal am Samstag ging jedenfalls richtig ans Gemüt. Der Club, nicht gerade ein Vorbild im Umgang mit verdienten Spielern, hat dem einzigen Bundesliga-Torschützenkönig, den der Verein je hatte, einen Abschied in Würde ermöglicht. Dazu gehört nicht nur das Rahmenprogramm am Samstag (ein Beispiel: über die Leinwände flimmerten beim Song „Die Legende lebt“ ausschließlich Mintal-Bilder) , sondern auch die Tatsache, dass Trainer Dieter Hecking für das Fan-Idol in den vergangenen Wochen stets einen Platz im 18er-Kader bereithielt. Einen Mintal setzt man nicht auf die Tribüne.
weiter lesen

Der Unantastbare muss die Tore machen!

20100801 1. FCN - AntalyasporSo, Ende der Funkstille. Der Countdown für die neue Spielzeit läuft und die Club-Freunde sind zurück. Demnächst werden wir noch an dieser Stelle eine Bilanz der personellen Fluktuation ziehen. Aber ein Problem soll vorweg angesprochen werden. Wer schießt bitte 2010/11 die Tore für den Ruhmreichen? Eine Boulevardzeitung verhöhnte den Club kürzlich als „FC Trifftnix“, und so unrecht haben die Kollegen nicht. Wir wollen ja nicht schwarzmalen, aber im Angriff schaut es momentan nicht gut aus.
weiter lesen

So schnell kann es gehen

Siegesserie gerissen, Phantom auf der Tribüne und dann gewinnt auch noch die gesamte Konkurrenz. Dieser Zweitligaspieltag war für den Club eine ziemliche Katastrophe – da braucht man noch gar nicht mal den Namen Fürth erwähnen.

Gerade noch hatte doch Mitclubfreund Thomas eine Hymne auf Phantom Marek Mintal verfasst und schon fliegt er in Frankfurt vom Platz. Dabei fehlt auch noch Boakye wegen eines Platzverweises – und mit Stürmern gesegnet ist der Club ohnehin nicht gerade.

Trotzdem kann beim nächsten Mal schon wieder alles anders sein. Sieht man heute zum Beispiel an den Bayern. Für die schien der Meisterschaftszug schon abgefahren und dann verliert Wolfsburg in Cottbus.

Und wenn wir uns schon so weit in die Niederungen begeben und die Bayern als Quelle der Hoffnung bemühen, dann können wir auch noch die letzte Schwelle überschreiten (clubrelevant wird es übrigens erst ab Minute 2.25):

YouTube Preview Image

Ein paar Zeilen Ernüchterung

Gerade haben wir den Aufstieg abgehakt, haben trostspendende Uhren verlost (ihr könnt übrigens noch mitmachen), da scheint für manche auf einmal alles ganz anders zu sein. 4:0, das Phantom trifft wieder: Jetzt wird alles gut, wir steigen doch noch auf…

Hoffnung ist zwar wichtig, aber macht doch mal langsam! Gegen Ahlen zu Hause gewinnen, das musst du schon, um den Abstieg zu verhindern. Wer aufsteigen will, der muss Freiburg in Freiburg schlagen. Und selbst wenn das passieren sollte, heißt das noch nichts.

Zwischen Fürth und Schlamassel

„Wie Weihnachten“, so freute sich Marek Mintal (hier sagt ers gerade seinen Fans) nach dem 3:0-Sieg über den 1. FC Kaiserslautern. Unsere Sportkollegen wähnen den Club wieder im Aufstiegsrennen. Jetzt läuft sie also wieder an, die Euphorie-Maschine, die unseren FCN nicht selten schon in den Abgrund manövriert hat.

Daher mal zur Ernüchterung: Bis zu den Greuthern auf Platz zwei sind es sechs Punkte, genausoviel wie zu den Sechzigern auf Platz 11. Und die stecken mit ihrem Sponsorendeal derzeit richtig im Schlamassel. Also befindet sich der Club zwischen Fürth und Schlamassel. Kein Grund also, um abzuheben. Plätze an der Sonne schauen anders aus.