Schaut gut aus!

Die Woche:

1. Wie schon befürchtet fällt FCN-Torjäger Mikael Ishak wegen der gegen St. Pauli erlittenen Verletzung mehrere Wochen aus. Wir wünschen gute und schnelle Genesung. Schon damit Ishak noch auf den schwedischen WM-Zug aufspringen kann.

2. In dem Zusammenhang mutet es ein bisschen seltsam an, wenn nun die Club-Pressestelle in einem Statement erklärt, es gebe Alternativen zu Ishak. Zum einen seien das Spieler, die der Trainer vorne reinstellen kann, zum anderen hätten auch andere bewiesen, dass sie Tore schießén können. Wären wir jetzt von alleine vielleicht auch drauf gekommen. Aber offenbar gab es da einen Richtigstellungsbedarf.

3. Da spielt der Club vorne um den Aufstieg mit und hat die Chance, einen Konkurrenten auszuschalten, aber die Zuschauer bleiben zuhause. Zumindest teilweise. Clubtrainer Michael Köllner hat sich deswegen ein bisschen mokiert. Wobei man auch sagen muss: Zuschauerandrang und Tabellenplatzierung haben nicht unbedingt etwas miteinander zu tun. Selbst ein Regionalligaspiel kann mehr als 20.000 Zuschauer ins Stadion locken. Zum Beispiel, wenn der Gegner 1860 München heißt. Für den Club wiederum bedeutet das: In der zweiten Mannschaft hast du auch nicht weniger Publikum als in der ersten.

Das Spiel:

Wie gesagt, es war ein bisschen traurig, dass nur gut 23.000 Zuschauer zum einigermaßen wegweisenden Duell gegen die aufstrebenden Duisburger ins Morlock-Stadion kamen. Aber beim Club dachte man sich wohl, bedienen wir die gut, dann erzählen sie es weiter. Ehe sich der MSV an die Nürnberger Atmosphäre gewöhnt hatte, lag er nämlich schon 2:0 hinten. Beide Male war es Kapitän Hanno Behrens. Erst traf er in der 8. Ninute per Elfmeter (Tobias Werner war im Strafraum gefoult worden), dann 15 Minuten später nach Klassevorarbeit von Palacios. Da war der FCN eigentlich schon auf die Siegerstraße eingebogen.

Aber, es ist halt der FCN. Und da sollte man sich nie vorschnell zurücklehnen. Diesmal leistete sich Clubkeeper Fabian Bredlow (gegen Pauli noch Nullgarant) einen Klops und gab bei einem MSV-Angriff den Reservierten. Stoppelkamp sagte Danke und markierte den Anschlusstreffer.

Nach der Pause übnernahm der MSV plötlich das Kommando. Der FCN bekam wenig auf die Reihe. Aber wie das so ist: Nicht der optische Eindruck zählt, sondern wer das Tor macht. Und das war Eduard Löwen mit einem Sonntagsschuss in der 71. Minute. Einen Abwehrversuch der Duisburger nahm er volley und hämmerte ihn via Innenpfosten zum umjubelten 3:1 ins MSV-Tor.

Ein Letztes:

Der Club hat mit dem 3:1 die Tabellenspitze erklommen und kann sich zudem auch noch darüber freuen, dass die Konkurrenz derzeit schwächelt.

Eher Leichtathletik als Fußball

83689366Auf der nach oben offenen Langweileskala hat das Spiel beim Tabellenletzten in Duisburg sicher neue Maßstäbe gesetzt. Völlig von Höhepunkten befreit plätscherte da etwas dahin, was die Bezeichnung Fußballspiel eigentlich kaum verdient hatte. Das war eher Leichtathletik. Vielleicht etwas Neues für die Duisburger. Die sowas mangels Aschenbahn n ihrer Schauinsland-Reisen-Arena nicht geboten. Im Gegensatz zu uns, die wir in unserem Bald-nicht-mehr-Grundig-Stadion Laufwettbewerbe durchaus kennen. Nur sind die zielorientioert. Da rennen die Leute nebeneinander und der Schnellere gewinnt. In Duisburg rannten sie dauernd aufeinander zu. Pressing nennt man das. Damit soll der Gegner zu Fehlern gezwungen werden. Das klappte leider zu gut. Spätestens der zweite Pass landete bei einem Spieler der anderen Mannschaft, der dann wieder angerannt wurde und seinerseits einen Fehlpass produzierte. Wenn zwei limitierte Mannschaften mit so einer Taktik auflaufen, ist das das dröge Ergebnis.

Obsolet sind da auch die Diskussionen im Vorfeld. Zum Beispiel die über den Torhüter. Bei so einem Gegurke ist es völlig egal, ob da ein Kirschbaum oder ein Rakovsky im Tor steht. Da hätte es sogar der verletzte Schäfer getan. Oder die Einwechslungen von Koch und Kutschke. Die wollten sich ursprünglich per Anwalt in die erste Mannschaft klagen. In Duisburg kamen sie ganz ohne Rechtsbeistand zum Einsatz und werden sich jetzt fragen: Wozu das Ganze? Vielleicht sollten wir Fans mal zusammenlegen und einen unterbeschäftigten Juristen anheuern. Da könnte man einiges an Schadenersatz fordern. Nicht bloß für die verlorene Lebenszeit, sondern auch dafür, dass wir angesichts der unchristlichen Anstosszeit bereits ab 13 Uhr gezwungen waren, uns während des traurigen Gekickes anderweitig zu dopen und mit Trinkspielen zu unterhalten.

Peters clevere Strategie

Freiburg schlagen, sagt Kollege vip zu Recht, ist dem Unternehmen Aufstieg zumindest nicht undienlich. Diese Erfahrung hat jüngst auch der MSV Duisburg gemacht, der allerspätestens seit dem 2:0 über den Tabellenführer und der peinlichen Fürther Vorstellung (ätsch) wieder  ganz dick im Aufstiegsgeschäft ist.

Seit Peter Neururer die „Zebras“ trainiert, rollen die das Feld von hinten auf. Neururer scheint ein probates Mittel für die Rückkehr in die Bundesliga gefunden zu haben: Er hat sich dafür entschieden, alle Spiele bis Saisonschluss zu gewinnen oder zumindest nicht zu verlieren. Eine clevere Taktik, die den MSV Platz um Platz nach vorne befördert.

Dass Neururer Mannschaften zumindest zeitweise aus ihrer Lethargie wecken kann, hat er schon in Saarbrücken, Ahlen, Bochum und bei etlichen anderen Stationen bewiesen. Wegen seiner vielen Vereine gilt er allerdings auch als Durchlauferhitzer, der spätestens nach zwei oder drei  Jahren wieder vor die Tür gesetzt wird. Andererseits: Welcher Verein beschäftigt seine Trainer schon länger als drei Jahre? Werder Bremen mit seinen Langzeit-Übungsleitern ist eine der wenigen branchenunüblichen Ausnahmen, und selbst die Hanseaten hatten zwischen Otto Rehhagel (1981-1995) und Thomas Schaaf (seit 1999) einen gehörigen Verschleiß.

Nein, Neururer hat sein schlechtes Image wahrscheinlich eher daher, dass Auftritt und Abgang bei ihm meist etwas geräuschvoller verlaufen als bei anderen Trainern. Dazwischen ist er zumeist sehr erfolgreich. Zudem muss man zu seiner Verteidigung sagen, dass er es auch nicht selten mit größenwahnsinnigen Erwartungen in den jeweiligen Vorstandschaften seiner Klubs zu tun hatte.

Aber mein Plädoyer wird wenig Sinn haben, denn bei den Club-Fans ist Neururer seit seiner sms-Absage 2005 unten durch. Damals sollte er Wolfgang Wolf beerben, doch er gab Martin Bader per Kurzmitteilung einen Korb – offenkundig im Schockzustand, nachdem er einen grauenhaften Club-Auftritt gegen Stuttgart gesehen hatte. Und jetzt vermasselt er dem FCN mit seiner cleveren „Alles-Gewinnen-Strategie“ vielleicht auch noch den Bundesliga-Aufstieg. Neururer und Nürnberg werden keine Freunde mehr.