Weit entfernte Galaxien

Die Woche:

1. Der FC Bayern schwebe in einer anderen Galaxie, hatte Clubtrainer Michael Köllner vor dem Spiel konstatiert. Das gilt auch für den Rasen. Der ist nämlich auch anders als üblich. Geholfen haben die schlechten Platzverhältnisse diesmal nicht. Auch nicht die in der fernen Galaxie kurzfristig aufgetauchte Phobie vor Wollmützen . Die aber noch im Vorfeld durch gutes Zureden kuriert werden konnte.

2. Gegen Bayer Leverkusen präsentierte sich der Club im Max-Morlock-Schwimmbecken einigermaßen erfolgreich. Das brachte ihm jetzt eine Einladung der Barracudas Nürnberg ein. Die freuten sich sichtlich, dass es noch eine zweite Wasserballmannschaft in Nürnberg gibt. Das Match soll irgendwann im nächsten Jahr stattfinden.

3. Noch kein Weihnachtsgeschenk? Dann kann ich euch die aktuelle Club-Chronik ans Herz legen. Grandiose Erfolge, peinliche Niederlagen, Skandale, Intrigen, menschliche Verwerfungen… Alles drin!

4. Das publizistische Interesse am Clubtrainer ist ungebrochen. Das liegt wohl weniger an den Erfolgen als am Dialekt. Damit kann Michael Köllner immer noch als der große Unbekannte verkauft werden, obwohl bereits im eigenen Blatt mehrfach Portraits abgedruckt waren und regelmäßige Leser eigentlich wissen müssten, dass er aus Fuchsmühl stammt und gelernter Zahnarzthelfer ist. Im neuerlichen SZ-Portrait findet sich immerhin eine Zusatzinformation: Es gebe auch Leute, die Köllner nicht leiden können, heißt es da. Wer hätte das gedacht? Für die FAZ musste gar der NN-Sportchef zur Feder greifen. Wahrscheinlich waren die Sprachbarrieren für die Frankfurter doch zu hoch.

Das Spiel:

In der Allianz-Arena spiegelten die 80 Prozent Ballbesitz der Bayern auch das Kräfteverhältnis wider. Anders als die Mitabstiegsbewerber aus Düsseldorf konnte der Club auch nicht durch schnelle Nadelstiche diese Unterlegenheit wett machen. Die Torgefahr ging gegen Null. Freilich war auch den Bayern anzumerken, dass sie einen neuerlichen Punktverlust gegen einen Underdog tunlichst vermeiden wollten. Vielleicht war das auch der Grund, warum es nicht wie gegen Dortmund oder Leipzig eine Klatsche für den Club gab.

Gefühlt war das aber trotzdem eine Demütigung. Da wurde genau jener galaktische Unterschied, den Köllner schon im Vorfeld erwähnt hatte, deutlich. Zumal nichts von den gleichzeitig geforderten Qualitäten zu sehen war, die nötig gewesen wären, in München irgendwas zu reißen.

Nach vorne ging praktisch gar nichts, so dass der FCB seit langem mal wieder gegentorlos blieb, und hinten ist der Club halt immer für den einen oder anderen Klops gut. Mit dem 3:0 waren wir letztlich noch gut bedient.

Andererseits: Realistisch gesehen müssen die Punkte eh gegen andere Gegner eingefahren werden. Trotzdem ist es halt mit den Bayern wie mit den Fürthern: Gegen Unsympathen würden wir gerne überdurchschnittliches Engagement sehen.

Ein Letztes:

Der zweiterfolgreichste Hashtag zum Münchenspiel lautete übrigens #FreeWollmütze

Die Hoffnung währte 70 Minuten

Es hätte ein ungewöhnliches Spiel werden können. Schließlich hält Kapitän Raphael Schäfer nicht so häufig Elfmeter. Wir erinnern uns: In der Pokalsiegersaison 2006/07 wechselte  Trainer Hans Meyer den etatmäßigen Stammtormann sogar aus, wenn es um das Entschärfen von Strafstößen ging (auch im Finale gegen Stuttgart lief sich Reservekeeper Daniel Klewer in der Verlängerung schon warm, als Kristiansen abzog und mit dem 3:2 eine Elfmeter-Entscheidung unnötig machte). Und von Referee Dingert heißt es, dass er selten welche pfeift. Nun ja, diesmal trat beides ein. Dingert pfiff einen fragwürdigen Strafstoß für den FC Bayern München und gegen den Club, und Alaba scheiterte doch glatt an Schäfer.

So schien es beim 0:0 zur Pause, als hätte der 1.FC Nürnberg vielleicht eine kleine Chance, einen Punkt aus München zu entführen. Trainer Michael Wiesinger hatte Beton angerührt und mit Chandler und Plattenhardt zwei Defensivspieler anstelle von Kiyotake und Mak nominiert.  Eine Rechnung, die aufging – leider nur  70 Minuten lang. Doch dann ging das Geschehen seinen erwarteten Gang. Flanke Lahm, Kopfball Ribery – 1:0. Nochmals Flanke Lahm, und Robben schiebt den Ball ins Gehäuse zum 2:0-Endstand für den haushohen Favoriten.

Der Club, das muss man ehrlich zugeben. war letztlich überfordert, obgleich sich der eingewechselte Kiyotake redlich bemühte, nochmals für neuen Schwung zu sorgen. Die Enttäuschung am Valznerweiher sollte sich in Grenzen halten, auch wenn der letzte Bundesliga-Sieg in München nun schon – um mit BAP  zu sprechen – verdammt lang  her ist. Am 28. März 1992 war das. Der hier schreibende Club-Freund hatte das Glück, damals im Olympiastadion zu weilen, als der 1.FC Nürnberg in München 3:1 gewann.

Auch vor 21 Jahren spielte übrigens ein Elfmeter eine Rolle – beim Stand von 2:1 für den Club hätte Effenberg ausgleichen können, scheiterte aber an Keeper Andreas Köpke. Wenig später machte Sergio Zarate mit seinem zweiten Tor den Sack zu, zuvor hatte bereits Christian Wück für die Gäste getroffen. Die anderen Club-Helden waren Thomas Brunner, Kay Friedmann, Jörg Dittwar, Hans Dorfner, Marc Oechler, Andre Golke, Martin Wagner, der verletzungsbedingt frühzeitig gegen Wück ausgetauschte Dieter Eckstein und (als Libero, den es damals noch gab) Rainer Zietsch.  Als Trainer amtierte der mittlerweile verstorbene Willi Entenmann.

Nun reichts aber mit der Nostalgie. Auch wenn man in München verlieren kann, zwei Punkte aus drei Spielen sind nicht viel, hinzu kommt das peinliche Pokal-Aus.  Der Club braucht ein Erfolgserlebnis. Am besten schon kommende Woche, im nächsten bayerischen Derby gegen den FC Augsburg.

Befallen vom FCB-Syndrom

Wir haben uns hier bereits früher in der medizinischen Diagnostik Fußball-affiner Krankheiten versucht. Zum Beispiel haben wir im Clubfreunde-Blog erstmals das Waldi-Syndrom definiert und so einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Diesmal geht es um das FCB-Syndrom oder FC-Bayern-Syndrom. Das ist zwar schon seit Jahren bekannt, allerdings wurde mit dem Begriff seinerzeit Erfolg bei gleichzeitiger Unbeliebtheit erklärt. Inzwischen hat sich das Krankheitsbild gewandelt. Durch noch mehr Erfolg (Triple) verblasst der Faktor Unbeliebtheit fast völlig. Wenn einer alles gewinnt, sind die anderen generell die Loser, also auch all jene, bei denen man unbeliebt sein könnte. Man muss diese also nicht mehr ernst nehmen.

Die Gründe,die zu einer Infektion führen, liegen vorwiegend im persönlichen Bereich. Den am FCB-Syndrom Leidenden geht es wie den meisten Menschen: Sie gewinnen selten und haben meist nicht den Erfolg, der ihnen zustünde. Anstatt sich damit abzufinden, versuchen sie als Fan des FCB zu demonstrieren, dass sie in Wirklichkeit Siegertypen und zu Höherem geboren sind. Gleichzeitig bietet ihnen dies die Chance, Andersfanige (also zum Beispiel Clubfans) mit herablassendem Blick in die Verliererecke zu stellen und sie so als lästige Konkurrenz im beruflichen Alltag auszuschalten. weiter lesen

…und wir dachten immer, der Club sei der Depp

Beim FC Bayern hat man als Außenstehender oft den Eindruck, die spielen was Management und Vereinsführung angeht, in einer anderen Liga. Dem scheint allerdings nicht so zu sein. Offenbar hat der FC Bayern Probleme mit den Fans und versucht die jetzt mit Methoden zahlenmäßig zu vermehren, die selbst einem Dorfverein zu peinlich wären.

Heute kündigte der FCB auf seiner Webseite und über die üblichen Social-Media-Kanäle an, es werde um 14 Uhr eine Pressekonferenz geben, der FCB werde einen „spektakulären“ neuen Offensivspieler vorstellen. Näheres erfahre man auf der Facebookseite des FCB. Dort sieht man allerdings nur etwas, wenn man Fan wird.

Um 14 Uhr fand dann allerdings keine Pressekonferenz statt, es gab auch keinen neuen Spieler. Nur den Hinweis, es habe sich um einen PR-Gag gehandelt. Etliche Fans, aber auch seriöse Medien, fielen zunächst auf diesen Gag rein. Man erwartet offenbar solche Scherze nicht bei einem Profiverein. weiter lesen

Meister werden wir wohl nicht

Man muss der Wahrheit ins Auge sehen: Der Club wird in dieser Saison wohl nicht mehr Meister. Dazu fehlen ihm einfach Souveränität und Abgeklärtheit. Dazu lassen sich die jungen Spieler von international erfahrenen Gegner zu leicht Angst und Schrecken einjagen. Und mit vollen Hosen kann man halt oben nicht mithalten.

Andererseits: Wollten wir Meister werden? Sind wir da schon reif dafür? Könnten wir das psychisch überhaupt verkraften? Nein – und zwar drei Mal! Insofern war das 0:4 gegen die Bayern halt leider Normalität, die schonungslose Aufdeckung der wirklichen Kräfteverhältnisse.

Die Bayern wollten sich fürs Champions-League-Spiel schonen und daher gleich klar machen, wo es lang geht. Nach zwei Minuten fiel schon das 1:0. Nichts wars mit der Strategie von Trainer Dieter Hecking, möglichst lang die Null halten und dann vielleicht vorne mal einen Konter reinhauen. So versuchen es Hinz und Kunz, wenn sie gegen stärkere Gegner antreten. Und ein Jupp Heynckes weiß das natürlich und stellt seine Leute entsprechend ein. Die konnten dann relativ locker ihr Spiel machen. Die Clubmannschaft lief nur hinterher und hätte sich auch nicht beklagen dürfen wenn es 6:0 oder 7:0 geheißen hätte. Immerhin nach dem 4:0 legten dien FCN-Kicker wenigstens die Angst ab und spielten halbwegs auf Augenhöhe mit. Sogar einige Chancen gab es, auch wenn die für Manuel Neuer keine ernsthafte Gefahr darstellten. Vielleicht sollten Clubtrainer künftig ihren Spielern einreden, es stünde schon 0:4 und es sei eh schon alles egal. Dann könnte vielleicht mal was gehen in München.

Aber, wie gesagt, der Club spielt nicht um die Meisterschaft mit, sondern gegen den Abstieg. Deswegen war es auch richtig, dass sich einige bereits für den nächsten Samstag schonten. Da geht es nämlich gegen den SC Freiburg und gegen den sind die Punkte wichtiger als gegen die Bayern – wenngleich Siege gegen die einfach die schönsten sind.

Bauern bauen auf

Sonst baut der Club ja gerne mal kriselnde Konkurrenten auf. Diesmal warens die Bayern, die die kleine Niederlagenserie des FCN beendeten. Mit gnädiger Mithilfe des Bayerntorwarts Thomas Kraft durfte Christian Eigler dann doch noch den Ausgleich erzielen. Zunächst sah es nicht danach aus. Der Rekordmeister spulte das eher wie ein Trainingsspielchen runter. Lediglich bei manchen Zweikämpfen sah man, dass die Bayern die Clubspieler eher als Sparringspartner betrachteten und pampig wurden, wenn die nicht ehrfürchtig auf Distanz gingen. Bastian Schweinsteiger zum Beispiel, der fehlende Klasse durch Rumjammern und Reklamieren meint ausgleichen zu müssen (oder Arjen Robben, der sich beim bestimmt nicht Clubfreundlichen Schiri die rote Karte wegen Beleidigung abholte).

Bezeichnend auch, dass das frühe Tor durch Thomas Müller wohl auch desweegen fiel, weil Javier Pinola wohl mit den Gedanken eher bei der Wiedergutmachung für die Spuckattacke aus dem Hinspiel gegen Schweinsteiger beschäftigt war, als mit seinem Gegenspieler Arjen Robben. Danach sah das Spiel lange Zeit nach „Einigung am grünen Tisch“ aus. Wir geben euch den Ekici für ein weiteres Jahr, dafür gebt ihr uns die Punkte. So oder ähnlich hätte der Deal lauten können. Auich Schiedsrichter Knut Kircher schien dafür zu sein, dass Ekici weiter beim Club bleibt und die Bayern für den Endspurt in der Bundesliga nicht durch irgendwelche Karten belastet werden.

Doch Thomas Kraft hatte dankenswerterweise etwas dagegen. Er ermöglichte dem ansonsten ziemlich ungefährlichen Christian Eigler ein weiteres Tor. Danach hätte der Club, wenn er etwas energischer zur Sache gegangen wäre, sicher noch den Sack zumachen können. Aber nachdem es bis zum überraschenden Ausgleich doch stark nach Bayernsieg ausgesehen hat, hält sich die Trauer doch in Grenzen.

Und dass die Bauern uns aufbauen, wo es geht, hat doch auch etwas.

Wenn´s zu viel wird, können wir uns dann ja, wie die Sechziger-Fans, mal dagegen wehren 😉

Aufbauhilfe gegen Nichtabstiegshilfe?

148408372Das war halt mehr als nur ein Drei-Punkte-Spiel. Da kommt der Club, seit langem mal wieder in der Tabelle vor den Bayern stehend, nach München, sollte also mal das Selbstbewusstsein besitzen, um dort was zu reißen. Und da sind die Bayern, denen langsam die Meisterschaftsfelle davonzuschwimmen scheinen, die den Sieg unbedingt brauchen. Ein Situation, die den Clubfreund ins Träumen bringt. Drei Punkte in München, den Nervgegner Nummer 1 besiegen, auf Distanz halten, und gleichzeitig dafür sorgen, dass die die Saison praktisch abschreiben können oder mimndestens massiv die Panik bekommen. Es hätte so schön sein können.

Andererseits, die Bayern haben die Punkte gebraucht und dringend ein Erfolgserlebnis. Der Clubfan kann zwar normalerweise die Bayern nicht leiden. Der Clubverantwortliche schon. Immerhin hat der FCB dem Club mit Leihgeschäften aus der Bredouille geholfen. Zwei Ex-Leihspieler waren in München dabei: Andreas Ottl und Breno. Ekici, diesmal eher unauffällig, (noch) beim Club. Unterstellt, in der Bundesliga ist eh alles nur Geschäft, war das Nichtabstiegshilfe gegen Aufbauhilfe. Der Club gab jedenfalls für die keineswegs übermächtigen und durchaus schlagbaren Bayern den Aufbaugegner.

In der ersten Halbzeit schon nachgerade erschreckend harmlos, ließ der FCN den FCB das Spiel machen und hatte praktisch keine einzige Torchance. In der zweiten Hälfte ging es wenigstens ansatzweise nach vorne. Schieber hatte zwei exzellente Torchancen, machte aber nichts draus. Aber das war es auch schon. Irgendwie wirkten die Clubspieler immer so als hätten sie die Handbremse angezogen. Der FCB hatte chancenmäßig ein eindeutiges Übergewicht und hätte, nicht bloß wegen des verschossenen Elfers, durchaus höher gewinnen können. Der Club ermöglichte es Bayern-Trainer van Gaal sogar, seinen Rekonvaleszenten Ribery und Breno wieder Spielpraxis zu geben. Nach dem 3:0 schienen kurzfristig sogar – wie in der vergangenen Saison – wieder alle Dämme zu brechen.

Schade, schade! Es hätte so schön sein können! Hoffen wir mal, dass wir nun für nächste Saison wieder zwei Leihspieler beim FCB gut haben.

Maximal ein Punkt ist drin – für die Bayern!

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Ein seltenes Bild in der Saison 1967/68: Franz Brungs scheitert an Sepp Maier.

26 Mal standen sich der Rekordmeister aus München und der Ex-Rekordmeister aus Nürnberg in der Landeshauptstadt anlässlich eines Bundesliga-Duells gegenüber. 26 Mal 90 Minuten, in denen sich die Bayern eine beeindruckende Bilanz gegen den fränkischen Rivalen erarbeiteten. 19 Siege heimsten die Münchner bei vier Unentschieden und drei Club-Erfolgen ein. Grund genug für den sieben Euro zahlenden Südkurvenbesucher, sich auch am kommenden Sonntag als haushoher Favorit zu fühlen. Ein Trugschluss, dem wir nicht aufsitzen werden.

Blickt man nämlich etwas genauer hin, kommt man nicht daran vorbei, zu erkennen, dass der Club in München fast immer hielt, was er versprach. Stempelte die Tabelle den Ruhmreichen im Vorfeld des Derbys zum Punktelieferanten, gab es an der Isar fast nie etwas zu holen. 23 Mal reiste der 1. FC Nürnberg als die im Klassement schlechter platzierte Mannschaft nach München – mit der atemberaubenden Ausbeute von insgesamt unfassbaren sechs Punkten (nach der 3-Punkte-Regel). Stand der fränkische Gast allerdings zufällig mal in der Tabelle vor den Bayern, konnte die Schickeria stets den Schampus auch nach Spielende im Kühlschrank lassen. Mehr als ein Punkt war für den FCB dann nämlich nie drin.

Zuletzt gab es das seltene Szenario im August 2006. Hans Meyers Traumfabrik begann gerade erst zu produzieren und verschonte den FCB beim 0:0 zumindest halbwegs. Genug für den Club, um auch nach Spieltag drei Spitzenreiter zu bleiben.

Unvergessen der 30. Durchgang der Saison 1991/92, als der weit vor den Münchnern rangierende FCN mit 3:1 im Olympiastadion gewann. Wück und Zarate (2) wurden zu Helden, „Tiger“ Effenberg zum Deppen, weil er beim Stand von 1:2 per Strafstoß an Köpke scheiterte.

Und dann war da noch die Spielzeit 1967/68! Am vorletzten Spieltag hatte der Club die Möglichkeit, mit einem Sieg bei Beckenbauer, Müller und Co. die neunte Meisterschaft einzutüten. Brungs mit seinem sechsten Saisontor gegen Sepp Maier (nach fünf Stück beim 7:3 im Hinspiel) und Strehl sorgten für den 2:0-Erfolg und brachten die Schale mit in die Noris.

Womit wir beim nächsten Punkt, der für den Club spricht, wären. Stand der FCN vor dem Derby in München vor den Bayern, holte der 1. FC Nürnberg am Ende der Saison in mehr als 66 Prozent der Fälle einen Titel (2007 Pokal, 1968 Meisterschaft). Die Bayern dagegen gingen am Schluss immer leer aus. Was soll da noch schief gehen?

Einen Punkt gegen die Bayern erzittert

201002201:1 gegen die von Sieg zu Sieg eilende Übermannschaft FC Bayern München, was will man mehr? Vor dem Spiel hätte ich das auch gesagt. Nachdem ich diese Bayern gesehen habe, meine ich aber: Da war mehr drin. Solche Heimspiele muss man eigentlich gewinnen. Die Bayern waren ohne Ribbery und später auch ohne Robben ideenlos und kein Gegner, wegen dem man sich ins Hemd machen muss. Das tat der Club aber zumindest in der ersten Halbzeit. Da hatten die Spieler viel zu viel Respekt und pennten dann auch noch beim 1:0 durch Thomas Müller.

Dass dann Gündogan den Ausgleich machte, Schäfer ein paarmal bravourös rettete und sich – vor allem – die Bayern ziemlich blöd anstellten, das war wohl das Glück, das man auch mal braucht. Wenn es am Ende der Saison dann ebenfalls heißt: Schlecht gespielt, aber es hat gelangt, dann soll uns das recht sein.

Allerdings: Die Spiele gegen die Bayern hatten schon immer ihre eigenen Gesetze. Schon öfter spielte der Club gegen die Bauern gut und erfolgreich und stieg dann trotzdem ab. Manchmal war ein Erfolg gegen den FCB sogar sowas wie das letzte Aufbäumen vor dem völligen Abkacken. Aber wir wollen nicht unken. Die Welt schaut wieder freundlicher aus – und den doch oft noch ziemlich hochnäsigen Bayern ein bisschen in die Suppe gespuckt zu haben, das ist doch auch was.

Wieder einmal: „Retter“ von den Bayern

breno_DW_Sport_Marb_526427gDas letzte Mal als sich der Club einen Retter von den Bayern holte, ging das bekanntlich in die Hose. Der Club stieg ab, Uli Hoeneß laborierte am Knie und schoss kein einziges Tor.

Auch damals holte man den „Retter“in der Winterpause. Jetzt, 31 Jahre später, holt der Club erneut Rettung von den Bayern, der brasilianische Verteidiger Breno (Bild) soll auf Leihbasis die Abwehr verstärken. Andreas Ottl soll im defensiven Mittelfeld aushelfen. Und dann kursiert – schließlich ist es eh schon egal, ob zwei oder drei Ex-Bayern beim FCN kicken (dann fremdeln die wenigstens nicht) – das Gerücht, Roy Makaay könnte ablösefrei von Feyenoord Rotterdam zum Club wechseln.

Eins scheint auf jeden Fall klar: Der Club wird langsam wieder der alte. Nichts mehr mit Bescheidenheit, Kontinuität, Setzen auf Junge, Verzicht auf so genannte Altstars… Mit Michael Oenning ist diese Absicht, obwohl die auch nicht unbedingt hundertprozentig durchgesetzt wurde, anscheinend zu den Akten gelegt worden. Dieter Hecking scheint eher die bewährten Rezepte zu bevorzugen. Dafür allerdings wurde er wohl auch geholt.

Absichten und gute Vorsätze sind das eine, der Erfolg ioft etwas anderes. Auch schlechte Erfahrungen, zumal wenn sie Jahrzehnte zurück liegen, müssen einen ja nicht ewig belasten. Uns wäre es jedenfalls am liebsten, wir müssten den Namen Hoeneß hier nicht noch einmal erwähnen. Und wenn ein paar Bayern-Exporte dem Club weiterhelfen, warum nicht. Vorurteile sind dazu da, widerlegt zu werden.

Eins ist aber auch klar, diese Zugänge (wie viele auch immer es sein werden) dürften, da sie z.T. nur auf Leihbasis kommen, keine Option auf die Zukunft sein. In der Sommerpause wird es wieder einmal einen Nauaufbau geben müssen. Ganz egal, ob die Rettungsaktion gelingt.