Ungewohnt aktiv

  • Die Saison ist zwar vorbei. Vom Club gibt es – vor allem wegen der Aktivitäten des neuen Sportvorstands – jedoch mehr zu berichten als sonst. Zumal ja die Spielberichte zuletzt ohnehin eher zu Redundanz tendierten. Meinen ursprünglichen Wunsch nach einer Pause (die anderen beiden Clubfreunde pausieren ohnehin schon) habe ich also erstmal zurückgestellt.
  • Die Trainerposition wird jetzt, wie erwartet, von Damir Canadi übernommen. Der 49-jährige Wiener wurde für zwei Jahre verpflichtet. Unmissverständliches Ziel: der Wiederaufstieg. Canadi bringt übrigens mit Eric Orie seinen eigenen Co mit.
  • Die Verpflichtung Canadis sorgte für Verwerfungen bei Palikucas Ex-Verein Fortuna Düsseldorf. Dessen Trainer Friedhelm Funkel sah darin den Beweis, dass Palikuca schon länger Kontakt zu Canadi hatte und ihn eigentlich als seinen Nachfolger bei der Fortuna verpflichten wollte. Das Ganze ist wohl auch Beleg für zunehmende Mimosenhaftigkeit bei den Bundesligatrainern.
  • Lange war unklar, ob er bleibt: Jetzt hat der FCN mit Christian Mathenia sogar einen Fünfjahresvertrag abgeschlossen. Auf der Torhüterposition herrscht also schon mal Klarheit, zumal auch Patrick Klandt und Jonas Weidlinger weiter an den Verein gebunden wurden. Angesichts dessen ist allerdings fraglich, was aus Fabian Bredlow wird. Er hat noch ein Jahr Vertrag.
  • Was den anderen Lichtblick in der Abstiegstruppe angeht, haben sich die Hoffnungen leider zerschlagen. Der von Sporting Lissabon ausgeliehene Matheus Pereira verlässt den Club. Mach´s gut!
  • Auch der teuerste Neuzugang der vergangenen Saison dürfte bald weg sein: Virgil Misidjan hat – und da trug wohl auch Ex-Trainer Boris Schommers mit dazu bei – keine Lust mehr auf Nürnberg
  • Als Neuzugänge stehen bereits Rechtsverteidiger Oliver Sorg vom Hannover 96 und Stürmer Felix Lohkemper vom Zweitligaabsteiger FC Magdeburg fest. Beide kommen ablösefrei. Auch der Darmstädter Marvin Mehlem könnte zum FCN wechseln. Ebenso Marvin Bakalorz. Er war sogar Kapitän beim Mitabsteiger Hannover 96. Scheint so, als würde der FCN mittlerweile besser zahlen als der Kind-Club.-
  • Erstaunlich in diesem Kontext auch, wie problemlos jetzt frühere Publikumslieblinge eingebunden werden. Neben der geplanten Rückholung von Javier Pinola wurde bekannt, dass Tomas Galasek als Jugendtrainer eingestellt werden soll. Entweder hat Palikuca da mehr Mittel zur Verfügung oder er geht anders um mit Leuten, die ihm eventuell reinreden könnten. Vielleicht stimmt auch beides.
  • Trotzdem rechnet man beim Club mit einem Zuschauerrückgang. Daher wird die Südkurve im Morlock-Stadion künftig leer bleiben. Schaut auf jeden Fall traurig und eher drittklassig aus. Kein Wunder, dass der Ruf nach einem Neubau wieder laut wird. Andererseits, wie sollte denn ein neues Stadion dimensioniert sein, damit es für eine Fahrstuhlmannschaft wie den Club längerfristig passt?

Ein Letztes:

Mit neuem Schwung oder mit erfahrenen Legionären?

1. Etliche Clubspieler machen Party auf Mallorca und prompt stellen sich dort ungebetene Gäste ein, die zumindest das Baden schwierig gestalten. Aber vielleicht ist das ein gutes Omen dafür, dass der Club auch in der ersten Liga nicht baden geht.

2. Urlaub machen kann jetzt auch Mikael Ishak. Seine Hoffnung, bei der WM in Russland für Schweden spielen zu können, erfüllte sich nicht. Blöd für den Clubstürmer. Aber noch blöder für die schwedische Nationalmannschaft, bei der nicht unbedingt Kompetenz am Ruder zu sitzen scheint.

3. Nach dem vom HSV kommenden Stürmer Törles Knöll meldet der Club einen weiteren Neuzugang: Kevin Goden vom ebenfalls abgestiegenen 1. FC Köln. Beide sind eher Optionen auf die Zukunft, also sogennannte Perspektivspieler. Ob sich der FCN noch Bundesligaerfahrung einkaufen will oder ob er bewusst lieber auf den Nachwuchs als auf irgendwelche Legionäre setzt, ist bislang unklar.

4. Offenbar hat Andreas Bornemann aber zumindest einen Nachfolger für Kevin Möhwald an der Angel. Es handelt sich um den, hier bereits erwähnten, Kevin Stöger, der zuletzt beim VfL Bochum spielte.

5. Ein anderes beim Club gehandeltes Talent, zieht hingegen den FC Heidenheim vor: Niklas Dorsch, der Kapitän der zweiten Mannschaft des FC Bayern.

Ein Letztes:

Falls jemand später den Grund sucht, warum die deutsche Meisterschaft doch wieder spannend geworden ist:

Langsam darf es wieder losgehen

Die Woche:

So, das Trainingslager in Valencia ist vorbei. Zeit für einen kurzen Zwischenbericht, ehe es nach einem weiteren Test gegen Dukla Prag nächste Woche mit dem Heimspiel gegen Jahn Regensburg wieder ernst wird.

1. Nach dem Weggang von Cedric Teuchert zu Schalke 04 stand erst einmal die Frage im Vordergrund, wer soll beim Club stürmen, wenn Mikael Ishak ausfällt. Verschärft wurde dies dadurch, dass der ein bisschen in Vergessenheit geratene Adam Zrelak sich in Valencia einen Muskelfaserriss zuzog und erst einmal ausfällt. Zusätzlich will Trainer Köllner eventuell verstärkt auf die Dreikette setzen und mit zwei Stürmern antreten. Mit Federico Palacios von RB Leipzig und den vom VfL Wolfsburg ausgeliehenen Marvin Stefaniak bekommt Köllner aber die gewünschten Optionen im Sturm. Wobei bei Palacios schon die ersten „Fans“ Ablehnung signalisierten, weil der sich an die Brause-Heinis verkauft habe. Kann man nur sagen: Leute, lasst den Scheiß! Das ist schon beim FC Kaiserslautern schief gegangen. Außerdem können wir uns doch freuen, wenn verlorene Schäfchen den Weg zurück zur Herde finden.

2. Weiter hinten gab es hingegen nicht den akuten Handlungsbedarf, nachdem Leibold, Möhwald und Kammerbauer (alle haben auslaufende Verträge) signalisiert hatten, sich vorerst beim Club für den Wiederaufstieg zu engagieren. Trotzdem präsentierte der FCN mit Ulisses Garcia von Werder Bremen einen neuen Linksverteidiger, der bei den Testspielen übrigens am ehesten den Eindruck vermittelte, sofort einsetzbar zu sein.

3. Wie das so ist, wenn nicht gespielt wird, da wird dann selber ein bisschen an der Nachrichtenlage geschraubt. So kursierten allerlei Gerüchte über weitere Neuzugänge. Da war etwa der in Metz gescheiterte ehemalige FCN-Verteidiger Philipp Wollscheid, oder unser alter Bekannter Stefan Kießling . Auch Ex-Nationalspieler Marko Marin wurde gehandelt. Und natürlich Pascal Köpke, bei dem sogar dynamische Allerweltsgestern bei Instagram als Fingerzeig für einen Wechsel Richtung Nürnberg gewertet werden.

Die Spiele:

Womit wird bei den Spielen wären. Im ersten Testspiel gegen KAA Gent verlor der Club zwar mit 0:1. Dennoch war der Eindruck eher positiv. Vor allem Torwart Bredlow, der den Kampf um die Nummer 1 gegen Thorsten Kirschbaum auch wegen dessen neuerlicher Verletzung gewonnen haben dürfte, konnte sich auszeichnen. Ondrej Petrak konnte auf der Sechserposition ebenfalls Pluspunkte machen. Gegen die deutlich limitierteren Schotten von Heart of Midlothian hatte die gar nicht einmal bestbesetzte Club-Mannschaft praktisch gar keine Probleme und siegte mit 5:0. Das Spiel bekräftigte den Clubtrainer auch darin, häufiger mal auf die Dreierkette zu setzen.

Ein Letztes:

Zum Testspiel gegen die Schotten präsentierte „Club-TV“ den kindgerechten Sportkommentar. Vielleicht sollte man dafür die Alterskategorie „bis 12“ einführen.

Der Co-Trainer als prominentester Neuzugang

Da meckere noch einer, dass der Club zu sehr auf Routiniers setze. Gut, mit allen Ü30-Spielern, deren Veträge ausliefen (Feulner, Nilsson, Pinola) wurde – zu Recht – verlängert; aber jetzt  ist Mittelfeld-Abräumer Timmy Simons, mit 36 Jahren ältester Feldspieler der Liga, weg. Und als Neuzugänge erschienen zum Trainingsstart keine großen Namen, sondern ein Quartett der Talente (Angha, Ginczek, Stepinski, Weber). Ginczek ist gerade mal 22 und doch der Opa in diesem Kreis.

Geschieht nicht grad häufig, dass der prominenteste Neuzugang ein Co-Trainer ist. Phantom Marek Mintal an der Seitenlinie – hoffentlich gibt das den Nürnbergern einen Schub. Denn irgendwie schwant dem Club-Freund Böses vor dieser Saison. Und auch wenn Trainer Michael Wiesinger die ominöse 40-Punkte-Marke nicht als Ziel ausgeben will, so ist  doch der Klassenverbleib wohl auch in der Saison 2013/14 das Maß aller Dinge.

Allerdings schlummern vielleicht noch einige unerkannte Potenziale im jetzigen Kader. Spieler wie Hlousek oder Ildiz hatten letzte Saison keine oder kaum Gelegenheit, sich zu zeigen, vielleicht schaffen sie heuer den Durchbruch. 

Auf der anderen Seite dürfte es auch angesichts der Konkurrenz schwieriger werden, in der Bundesliga zu bestehen. Hoffenheim wird nicht noch einmal ein solch katastrophales Jahr hinlegen, und die Aufsteiger Braunschweig sowie vor allem Berlin sind vermutlich von ganz anderem  Kaliber als zuletzt Greuther Fürth oder auch Düsseldorf. Nun ja, man soll ja nicht schwarzmalen.  Aber ob es wieder eine ruhige Saison wird? Ich habe meine Zweifel…