Die Luft ist draußen

  • Der Club steht am Tabellenende. Die Punkteausbeute ist historisch schlecht. Dennoch behauptet der Aufsichtsratsvorsitzende, der Verein sei „attraktiver“ geworden. Woran er das festmacht? An der Zahl der Bewerbungen für die Nachfolge von Andreas Bornemann. Möglicherweise liegt das aber nicht an der Attraktivität des FCN, sondern daran, dass inzwischen die Zahl arbeitsloser Bewerber größer geworden ist.
  • Für Adam Zrelak ist die Saison gelaufen. Im Training zog er sich einen Kreuzbandriss zu. Wir wünschen gute Besserung.
  • Punkte sind im Fußball nicht alles. Für Toleranz, Offenheit und Fairness im Sport hat der FCN jetzt den „Makkabäer 2019“ erhalten.
  • Sie lernen es einfach nicht: Auch wenn sich kaum noch einer an den letzten Sieg erinnern kann, wird vor jedem Spiel auf Zuversicht gemacht. Irgendwo wird noch ein Aspekt herbeigezerrt, der einen möglichen Sieg begründen könnte. Nach dem Motto: Wenn der Samstag auf einen Montag fällt und alle 150 Prozent geben, dann holen wir die drei Punkte. Wie wäre es damit: Einfach den Mund halten und erstmal auf dem Platz dafür sorgen, dass man medial wieder glaubwürdig wird.
  • Der Club präsentiert sich mit einem eigenen Stand auf der Freizeitmesse. Unter anderem werden dort derzeit eher schlecht verkäufliche Trikots mit Rabatt verhökert. Es werden aber auch Gespräche mit Fans geführt. Mancher Zuspruch und manches Lob ist dabei eher zweischneidig. Zum Beispiel, wenn sich Bayern-Fans dafür bedanken, dass der FCN dem Meisterschaftskonkurrenten aus Dortmund zwei Punkte abgenommen hat.

Das Spiel:

Notgedrungen lief diesmal eine auf drei Positionen veränderte Clubmannschaft auf. Ishak ersetzte der verletzten Zrelak, Kerk lief für den gesperrten Pereira und Erras für Petrak auf. Der Club kam zunächst gut ins Spiel. Diesmal schien sich auch das nötige Glück einzustellen. In der 9. Minute ließ Konate am Strafraum das Bein stehen, Leibold fiel drüber, Schiedsrichter Schlager entschied zunächst auf Freistoß und Gelb, via VAR wurde jedoch auf Elfmeter nachgebessert. Behrens tritt an, verlädt Gästekeeper Gulacsi, doch der Ball knallt an die Latte.

Der Club spielt zwar weiter gut mit, aber mehr und mehr übernimmt Leipzig das Kommando. Anders als gegen Dortmund reichte es aber nicht, durch Hintenreistellen die Null zu sichern. Zunächst konnte sich Mathenia noch mehrfach auszeichnen. Nach einem Eckball kommt Klostermann aber in der 40. Minute völlig freistehend an den Ball und hämmert diesen durch die im Torraum versammelte Abwehr am diesmal machtlosen Mathenia in die Maschen. Der Club hätte eigentlich führen müssen. Jetzt liegt er wieder hinten.

In der zweiten Hälfte muss Leipzig nicht mehr mit vollem Einsatz agieren. Beim Club überwiegt allerdings die Angst, sich einen der gefürchteten schnellen Konter zu fangen. Deswegen geht nach vorne nicht viel. Für Aufregung muss da eben der Kölner Keller sorgen. In der 58. Minute bekommt Konate nach einem Foul an Ishak erneut die gelbe Karte vors Gesicht gehalten. Der muss runter, dachten alle. Aber nichts da. Wie sich – erst jetzt – herausstellte, hatten die Kölner die erste Gelbe wegen der Nachbesserung auf Elfmeter zurückgenommen. Kann man machen, allerdings versteht der Zuschauer, vor allem wenn er im Stadion sitzt, zunehmend weniger, was sich auf dem Rasen abspielt.

Ob der Club gegen zehn Leipziger ein Tor gemacht hätte, ist eh fraglich. Diesmal ging nach vorne nicht viel zusammen. Das lag auch daran, dass Kerk und Kubo blaß blieben und der Club inzwischen leider auch was den läuferischen und kämpferischen Einsatz angeht nicht den Eindruck erweckte, als würde er sich mit aller Kraft gegen den Abstieg aufbäumen.

Immerhin gab es diesmal keine Klatsche und das ist ja auch schon was.

Ein Letztes:

Matheus Pereira hat für seine Tätlichkeit im Düsseldorf-Spiel einiges einstecken müssen und sich jetzt entschuldigt. Erinnert sei in diesem Zusammenhang daran, dass beim Club schon mal ein Leihspieler aus Südamerika zunächst durch mangelnde Disziplin auf dem Platz aufgefallen ist, um sich dann zu einem Publikumsliebling zu entwickeln. Einem, für den sich jetzt, da Bornemann weg ist, vielleicht sogar wieder eine Tür öffnen könnte.

Wollte mich nur entschuldigen. In dieser schwierigen Moment ich sage
Entschuldigung liebe Fans und @1_fc_nuernberg ein sehr großer Fehler gemacht ,mehr niemals aufgeben pic.twitter.com/OmptpxFghM— Matheus Pereira (@MatheusPereira) 27. Februar 2019

Rückkehr zum Bewährten

Die Woche:

  • Vordringlich muss – offiziell zumindest – ein neuer Sportvorstand gefunden werden; und zwar ziemlich schnell, sollen die aufgrund der Unfähigkeit der Abstiegskonkurrenz noch existierenden Chancen auf den Klassenerhalt genutzt werden. In der Gerüchteküche wird neben Bader-Spezi Christian Möckel, Olaf Rebbe, dem Holländer Stan Valckx und Ex-Clubspieler Per Nilsson auch der Name Felix Magath gehandelt. Der ist zumindest schon mal gut vernetzt.
  • Vernetzung wird – wie es aussieht – im Bundesligafußball aber wohl überbewertet. Auch ohne Sportvorstand und eigenes Zutun stehen beim Club die Trainer auf der Matte. Da ist Bundesligaerfahrung genauso dabei, wie regionaler Bezug , die in einem Fall sogar noch mit einer gewissen Weltläufigkeit gepaart ist. Und das ist ja nur die Spitze des Eisbergs. Wenn sich die Trainerfindung als genauso easy erweist wie das Einkaufen im Baumarkt, dann könnte sich Klein-Grethe eventuell überlegen, das Geld für einen Sportvorstand ganz einzusparen.
  • Via Facebook hat sich jetzt auch Michael Köllner zur Wort gemeldet. Er werde sich erst einmal der „Erholung und Aufarbeitung“ widmen. Trotzdem wurde er zusammen mit dem gleichfalls entlassenen Sportvorstand Andreas Bornemann beim Spiel unserer U19-Mannschaft gesichtet.

Das Spiel:

Schon wieder ein Montagspiel in Nürnberg. Mit Stinkefingern und der Ankündigung, die Ligabosse „in der Pfeife rauchen“ zu wollen, protestierten die organisierten Fans. Berechtigt! Später gabs dann leider auch noch Tennisbällchen und schwarzen Rauch.

Doch eigentlich interessanter war, was sich im Spiel eins nach Köllner/Bornemann geändert hatte. Da standen mit Kubo und Löwen zwei Spieler in der Startelf, die zuletzt kaum berücksichtigt wurden. Dagegen saß Mikael Ishak wieder nur auf der Bank.

Auffällig auch die Art, wie sich die Mannschaft gegen den Tabellführer reinschmiss. Hinten wurde Beton angerührt, was dazu führte, dass der Club kaum in die gegnerische Hälfte und bei den Ballbesitzwerten zunächst gerade mal auf 20 Prozent kam.

Die Dortmunder rannten sich meistens in der vielbeinigen Clubabwehr fest und wenn es doch einmal brenzlig wurde, war Mathenia auf dem Posten. Kurzzeitig gab der Club dann aber doch die Zurückhaltung auf. Nach einer knappen halben Stunde hatte Kapitän Hanno Behrens sogar zwei Großchancen und Pech. Kurz darauf hatte der Club wiederum Glück. Sancho fiel nach einem Zweikampf mit Leibold im Strafraum um. Da hätte es auch Elfmeter und einen Einspruch aus Köln geben können (aber vlt. arbeiten die montags nicht). So ging es dann torlos in die Pause. Einen Eckball für die Dortmunder ließ der aus Hannover stammende Schiedsrichter zuvor übrigens nicht mehr ausführen, wohl um sich ein weiteres Bälletheater zu ersparen.

Nicht schön, aber was das Unterbinden des Dortmunder Spielflusses anging erfolgreich, ging es in der zweiten Hälfte weiter. Über weite Strecken mit Mann und Maus hielt die Clubabwehr die Gäste vom Tor fern. Neben Mathenia verdienten sich dabei besonders Ewerton und Behrens Bestnoten.

Dem BVB fiel gegen die aufopferungsvoll abwehrende Clubelf nicht mehr viel ein. Auch Joker Alcacer stach nicht. Ishak, der – ungewohnt – bereits nach einer guten Stunde eingewechselt wurde, allerdings auch nicht.

Am Ende rettete der Club die Null ins Ziel. Mit einer bewährten Taktik. Also völlig unköllnerlike.

Ein Letztes:

Kaum hissen wir das Deppen-Fähnchen, schon ist der Club in der deutschen Fußballwelt wieder Thema. So wundert sich beispielsweise Arnd Zeigler, warum Trainer und Sportvorstand gehen mussten, obwohl die Mannschaft doch eine Galavorstellung nach der anderen abgeliefert hat.

Hurra, der Depp ist zurück

Die Süddeutsche hatte nach der Niederlage in Hannover den „Deppen“ -Begriff aus der Versenkung geholt. Da wollte halt wieder ein Wichtigtuer demonstrieren, wie sehr diese Zeitung Dinge gegen den Strich bürsten kann, dachten wir da noch. Denn trotz der sportlichen Misere hatten es Bornemann und Köllner immerhin geschafft, den Club aus der Deppenecke zu hieven. Das lag aber wohl auch daran, dass der Aufsichtsrat bis zum Wochenende den Mund hielt und die beiden machen ließ.

Jetzt wollte besagter Aufsichtsrat dann doch gerne seines Amtes walten und wieder mal einen Trainer feuern und das, obwohl AR-Vorsitzender Grethlein auf der Pressekonferenz zugab, von Trainern keine Ahnung zu haben und deswegen eine Neuverpflichtung lieber dem Sportvorstand zu überlassen.

Den Sportvorstand muss man sich jetzt allerdings ebenfalls erst suchen, denn Bornemann wurde mitentlassen, weil er an Köllner festhielt und nur der Sportvorstand eine Trainerentlassung vornehmen kann.

Hat der AR wenigstens die Kompetenz, einen geeigneten Sportvorstand zu finden? Zweifel sind erlaubt. Zunächst hat dieses Laiengremium jedenfalls keinen in der Hinterhand. Die Entlassung Bornemanns war nicht geplant. Man werde sich Zeit lassen, versuchte Grethlein wenigstens etwas Vertrauen aufzubauen, und man werde auf eine einschlägige Ausbildung achten.

Angesichts der Freiheit und Machtfülle, die ein Sportvorstand beim Club genießt, müsste da aber schon ein Tausendsassa gefunden werden. Und solche gibt es selten. Und wenn, dann gehen sie nicht zum Club.

Wahrscheiunlicher ist also, dass der Club sowohl auf dieser Position als auch beim Traineramt weiter mit Defiziten zurecht kommen muss. Bei Michael Köllner war das die fehlende Bundesligaerfahrung. Das hat er in einem lichten Moment sogar selber angesprochen. In der allgemeinen Aufstiegseuphorie wurde das jedoch niedergebügelt. Auch seitens des Aufsichtsrats wurde nichts unternommen, da irgendwo ein Korrektiv zu installieren. Beim FCN scheint der AR aber halt nur zu handeln, wenn es um das Auswechseln von Führungspersonal geht.

Michael Köllner kann andererseits nicht bloß den Aufstieg auf der Habenseite verbuchen. Aus dem Nachwuchs hat er etliche Talente zumindest auf Zweitliganiveau gehievt. Die werden ihm dankbar sein und langfristig verbunden bleiben. Sollte er also irgendwann bei Regensburg, Ingolstadt oder sonst einem Verein, bei dem er sich verständlich machen kann, anheuern, dann dürfte ihm vielleicht der eine oder andere folgen. Blöderweise sind es jedoch genau diese Spieler, die dem Club Hoffnung machen, wenigstens in der 2. Liga erfolgreich zu sein.

Wir wünschen Köllner und Bornemann trotzdem alls Gute. Natürlich auch Boris Schommers und Marek Mintal, die ja nichts dafür können, wenn dieser Aufsichtsrat Hoffnungen in sie setzt.

Ein Letztes:

Kann ich den bringen: Treffen sich ein Philosoph, ein Bürgermeister, ein Radioreporter, ein Hockeyspieler und paar Marketingmenschen und spielen Bundesligamanager. #fcn ?— Commander Francesco Padrone 😡 (@thelastsifflord) 12. Februar 2019


Frühzeitige Planungssicherheit

Die Woche:

  • Unaufgefordert und selbst, wenn es um ganz andere Spiele ging, zogen reihenweise „Experten“ die letzten Tage über den Club her. Unterirdisch sei dessen Leistung. Die erinnere fast an Tasmania Berlin. Grund war der Auftritt im Pokal beim HSV. Ein bisschen merkwürdig ist allerdings, dass sich genau jene „Experten“ sonst kaum für den FCN interessieren. Scheint so, als ob es sie auch etwas verängstigt, wenn ein Verein trotz eines schlechten Tabellenstandes Investitionsverweigerung betreibt.
  • Zum Pokalspiel: Jetzt wissen wir auch, dass es selbst in der 2. Liga nicht reichen würde, wenn unsere Mannschaft nur „spielerische“ Lösungen versucht. Ohne kämpferischen Einsatz, ohne Konzentration und Motivation, ohne ein „Über-die-Grenzen-Gehen“ würde selbst da nichts laufen. Dass es daran in Hamburg fehlen würde, war allerdings schon im Vorfeld klar, schließlich hatte Köllner seine Prioritäten eindeutig auf die Bundesliga gelegt.

Das Spiel:

Wieder mal ließ sich besagter Trainer was einfallen. Wieder mal präsentierte er eine ungewohnte Startelf. Diesmal mit drei Neuen. Simon Rhein, der saß zuletzt nicht mal auf der Bank saß, durfte ran. Vorne ließ Köllner Zrelak und Knöll als Doppelsturm auflaufen. Eduard Löwen hingegen war überraschenderweise gar nicht im Kader.

Schnell wieder weg war dann auch Simon Rhein. Übermotiviert muss er nach einem rüden Einsteigen gegen Korb bereits in der 11. Minute mit Rot runter. Klar, war vertretbar, aber nicht zwingend. Der Club stellt auf 4-3-2 um und hält zunächst trotz Unterzahl mit. Das liegt allerdings auch daran, dass Hannover 96 nicht den Eindruck vermittelt, zu Unrecht ganz unten zu stehen. Der Club hatte sogar die besseren Chancen, während 96 wenig zustande bringt.

Wegen diverser Verletzungsunterbrechungen ließ Schiedsrichter Welz allerdings fünf Minuten nachspielen. Offensichtlich war die Clubabwehr geistig schon ein paar Sekunden früher in der Kabine. Sie ließ Nicolai Müller im Strafraum völlig allein stehen, der sagt Danke und nickt zum 1:0 ein.

In der zweiten Hälfte mühte sich der Club weiter vergeblich. Einsatz und Wille waren zwar da. Aber wirklich gefährlich waren die Bemühungen alle nicht. Auch ein – bezeichnenderweise von Mathenia einberufener – Spielerkreis half da nichts. So war es erneut Müller, der dann den Deckel drauf machte. Unterschiedsspieler Müller ist übrigens ein in der Winterpause verpflichteter Leihspieler. Die Club-Winterverpflichtung Ilicevic hingegen ist erst in ein paar Wochen einsatzfähig.

Da ist es dann auch egal. Wenn schon gegen einen schwachen Gegner wie Hannover nichts geht, wo soll dann noch was herausspringen?

Immerhin hat der Club jetzt – anders als der Schicksalsspielgegner, der in der ersten Liga ebenfalls nichts verloren hat – frühzeitig Planungssicherheit. Trainer Köllner wird in der Restsaison das machen, was er am liebsten macht: Nachwuchskräften Spielerfahrung vermitteln, vielleicht ein paar Transfererlöse erzielen und ein bisschen taktisch experimentieren.

Genau das war gegen Hannover leider das falsche Rezept. Da hätte es erfahrene Spieler gebraucht, die wenigstens nicht die Nerven verlieren. Da hätte auch ein Alexander Fuchs nicht als erste Wechseloption herhalten und ein Mikael Ishak nicht erst zwei Minuten vor Schluss eingewechselt werden dürfen. Aber Köllner ist eben doch eher Nachwuchs- als Bundesligatrainer.

Ein Letztes:

Manche Situationen kann man nur mit Humor ertragen. Wenn es schon nicht zu „El Classico“ langt, dann wenigstens zu dessem Gegenteil: „El Kackico“. Dazu gibt es unter anderem einen Trailer, einen Hashtag  (auch mit „K“ am Schluss) und sogar eine „Hymne“…und einen, der es voll verkackt hat.

Es reicht vorne und (vor allem) hinten nicht

Die Woche:

  • Er möchte gerne einen Bundesligaverein trainieren, hatte David Wagner bei seinem Abschied in Huddersfield gesagt. Huddersfield? Spielt da nicht das im Unfrieden vom Club geflüchtete Talent Abdelhamid Sabiri? Nun ja, vielleicht erwägt Wagner ja, sich mal die gute Nachwuchsarbeit bei Sabiris Ex-Verein aus nächster Nähe und in verantwortlicher Position anzuschauen.
  • Was die angekündigten Neuverpflichtungen angeht, steht der Club bislang bloß am Schaufenster und drückt sich die Nase platt, während die anderen zuschlagen. Kingsley Schindler, der beim FCN auf der Wunschliste stand, geht zum 1. FC Köln. Dort hat er wahrscheinlich eine bessere Perspektive, verdient mehr Geld und kennt auch den Trainer. Unser Trainer dagegen kennt halt… Fuchsmühl.
  • Ebenfalls nach Köln wechselt Florian Kainz.  Auch der bisher bei Werder Bremen spielende Stürmer war beim Club im Gespräch.
  • Obwohl eigentlich gerade niemand zum Feiern zumute ist („Gruselstimmung„), wenn der Sponsor zufrieden gestellt werden muss, schmeißt man sich eben doch in Schale und nimmt ein paar Häppchen zu sich. Beim Neujahrsempfang des FCN ging es aber nicht nur darum, die Nürnberger Versicherung bei der Stange zu halten, auch Schiedsrichter waren eingeladen. Hilfe kann man schließlich auch von dieser Seite gebrauchen.
  • Bei dieser Gelegenheit tauchte auch Meeske-Nachfolger Niels Russow aus der Versenkung auf. Weil schöne Worte allein nichts zählen, präsentierte er dabei  einen Vorschlag: eine eigene Clubbude auf dem Christkindlesmarkt. Vielleicht könnte man da gleich die löchrige Clubabwehr reinstellen. „Jeder Schuss ein Treffer!“
  • Lothar Matthäus ist gleichfalls wieder aufgetaucht. Als „Orakel“ bei Sport-Bild. Er tippt den BVB als Meister und den Club als ersten Absteiger. Hoffen wir, dass die Fußballrealität nicht so öde ist, wie ihre „Experten“.

Das Spiel:

Keine Neuzugänge in der Winterpause. Trotzdem liefen im vereisten Morlock-Stadion ein paar (gefühlte) Neuzugänge auf. Die verletzungsbedingt länger ausgefallenen Ewerton, Valentini, Löwen und Mathenia konnten wieder eingreifen und verhindern, dass Clubtrainer Köllner mit irgendeiner Aufstellungsüberraschung aufwarten musste. Trotzdem änderte sich auch mit der mutmaßlich besten Elf wenig am Gesamtauftritt. Der Club werkelte bemüht im Mittelfeld, doch alles war viel zu umständlich angelegt und letztlich zu unpräzise, um wirklich Gefahr für das Hertha-Tor heraufzubeschwören. Hinten lief es dann leider auch wie immer. In der 15. Minute hebelten Selke und Ibisevic mit einem einfachen Doppelpass unsere Viererkette aus und der Club lag mal wieder hinten.

Dass es nicht bei diesem Rückstand blieb, hatten wir dann aber doch einem schmerzlich Vermissten zu verdanken. Eduard Löwen ging nach einer Ecke Risiko drosch den Ball scharf in Richtung langes Hertha-Eck, wo Kapitän Hanno Behrens eindrücken konnte: 1:1. Der Club hatte endlich mal wieder ein Tor erzielt. War das die Wende?

Leider nein! Schon nach fünf Minuten in Hälfte zwei gingen die Berliner wieder in Front. Wieder aus dem nichts und wieder war es viel zu einfach, wie da der Torschütze (Duda) freigespielt wurde.  Immerhin musste sich der Club nicht vorwerfen lassen, sich aufzugeben oder hängenzulassen. Mit Herz und Leidenschaft, aber leider halt nicht mit Ideen und Zielstrebigkeit, ging es weiter nach vorne. Dazu half dann auch der Schiedsrichter nicht mit. Zwei Mal hätte Winkmann durchaus Elfmeter geben können, aber so ist das eben, wenn man unten drin steht, dann wird die absurde Handregel plötzlich mal nachvollziehbar ausgelegt (keine Absicht von Stark).

Und während unsere Elf sich weiter wacker aber erfolglos abrackerte, klapperte es abermals in Mathenias Kasten. Wieder war Duda sträflich frei und erhöhte auf 3:1. Danach war die Luft natürlich raus. Bei dem Aufwand, der beim Club für ein Tor betrieben werden muss, glaubten nicht mal Vereins-Euphoriker mehr an eine Wende. Schließlich war es dann vor allem Mathenia zu verdanken, dass es bei den drei Toren für die Hertha blieb.

Inzwischen kann man allerdings nicht mehr sagen, der Club habe Lehrgeld gezahlt. Neue Lehren waren da nicht dabei. Nur die Erkenntnis, dass es entweder nicht reicht oder dass aus den alten Lehren nicht die nötigen Konsequenzen gezogen wurden.

 

Ein Letztes:

Warum Köllner das Lachen noch nicht verlernt hat (mehr dazu auf Twitter):

Wenn du Salli Fußball spielen siehst. #fcn pic.twitter.com/5peHyw4nAx— Hob Hammkowski (@Harry_Hammer84) 17. Januar 2019

„Aber Peter Laudenklos ist doch der Chef des NLZ?“ #fcn pic.twitter.com/lddJhyjbW1
— SchoensteKind (@SchoensteKind) 17. Januar 2019

Plan- und mittellos im Oberhaus

Die Woche:

1. Wie lange dürfen Lernphasen dauern? Ab wann sollten die Schüler ins harte Leben entlassen werden? Diese Frage darf sich der Club inzwischen ruhig stellen. Wobei Sportvorstand Andreas Bornemann da erst einmal nur die Führungsspieler gefordert sieht. Welche Führungsspieler? Das fargen wir uns da allerdings.

2. Am 12.Spieltag in der Saison 2013/2014 stand der Club zum letzten Mal am Tabellenende der Fußballbundesliga. Danach nistete sich die Braunschweiger Eintracht dort ein. Abgestiegen ist der Club trotzdem. In Braunschweig wäre man inzwischen allerdings froh über eine solche Platzierung.

3. „Noch bei der Musik dabei“. Damait versuchte der Kicker vor der Niederlage gegen die Freiburger zu trösten. Inzwischen ist die Musik kaum noch in Hörweite.

Das Spiel:

Von Endspiel war die Rede. Man werde alles geben, hieß es. Auf dem Platz lief es dann aber erstmal wie immer. Der Club stand meistens zu weit weg und ließ den Freiburgern viele Freiräume. Die gaben dem Club aber trotzdem das Gefühl, er mache das Spiel. Inzwischen hat es sich in der Bundesliga herumgesprochen, dass kaum Zählbares dabei rauskommt. Vor allem, wenn man über eine einigermaßen stabile Abwehr und einen bundesligatauglichen Torwart verfügt. Dem SC Freiburg kam dann auch noch das Glück zuhilfe. In der 19. Minute zirkelt Günter einen Freistoß in den Strafraum. Der Ball springt auf und an Bredlow vorbei ins lange Eck. Unglücklich, deppert, aber eben leider auch clublike. Danach begann der Club endlich Dampf zu machen. Das führte zu zahlreichen Ecken und Freistößen. Die wurden meistens von Sebastian Kerk getreten, der jedoch noch längst nicht der Alte ist. Torgefahr entwickelte sich aus diesen Standards durch die Bank nicht. So ging es dann mit dem Rückstand und unüberhörbaren Pfiffen in die Pause.

In der zweiten Halbzeit drängte der Club weiter. Aber, wie gesagt, drängen bedeutet beim FCN nichts. Da springen eben höchstens Ecken oder Freistöße raus. Die aber selbst dann verpuffen, wenn da nicht Kerk anläuft. Der wurde nämlich schnell durch Kubo ersetzt. Schließlich kam auch noch Ishak als Joker. Allerdings für Misidjan, der eigentlich noch einer der Aktivposten war.

Es half aber alles nichts. Der Club spielt zwar jedesmal wacker mit, versagt jedoch dort, wo es in der Bundesliga drauf ankommt: vor dem Tor. Da fehlen einfach die zündenden Ideen, irgendein Überraschungsmoment, der letzte Durchsetzungswille, die richtige, weil nicht erwartete Entscheidung… Heute hätte der Club wieder mal stundenlang weiterspielen können ohne was Zählbares zu erreichen.

Jetzt, wo wir auch noch ganz unten stehen, kommt zusätzlich Verunsicherung und der Verlust des eh schon geringen Selbstvertrauens hinzu. Wenn der Trainer vor dem Spiel dann auch noch so tut, als wäre der SC Freiburg eine Übermannschaft, steuert er dem zumindest nicht entgegen. Andererseits merkt man inzwischen überdeutlich, dass – inklusive Trainer – beim Club praktisch keiner Bundesligaerfahrung besitzt (und kommt mir bitte nicht mit Robert Bauer).

Ob man sich diese Erfahrung in der Winterpause zukaufen kann? Ich weiß es nicht. Zumal sich Köllner wohl kaum von einem neu verpflichteten Spieler erklären lassen dürfte, wo es lang geht.

Ein Letztes:

Wenn der Club nicht gewinnt, verschärfen sich auch die Drogenprobleme:

Ein Punkt beim Montags-Wasserball

Die Woche:

1. Was Gehälter angeht, ist der Club der Billigheimer der Liga. Sogar der SC Freiburg und Fortuna Düsseldorf zahlen besser. Unter den untersuchten Proficlubs liegt der Bundesligaaufsteiger mit seinem durchschnittlichen Jahresgehalt von 360.00 Euro international auf Rang 263 bei 349 gelisteten Vereinen. Das belegt vielleicht, warum alles andere als der Abstieg schon ein großer Erfolg wäre. Andererseits sind 360.000 Euro Jahresgehalt jetzt nicht gerade ein Hungerlohn.

2. Der Club plant bereits für den Abstiegsfall. Mit Michael Köllner.

3. Obwohl sich Christian Mathenia gegen Schalke verletzt hat, ist die Torwartposition offenbar die einzige, auf der der Club keine Probleme hat. Meint zumindest der Kicker, der seine Clubbilanz mit der Überschrift versieht: „FCN offenbart Defizite in Defensive und Offensive„. Also eigentlich fast überall.

4. Unser alter „Spezi“ Martin Bader hat mal wieder einen Trainer entlassen. Bei Michael Frontzeck zelebriert er das bereits zum zweiten Mal. Gut, dass wir das als unbeteiligte Zuschauer beobachten dürfen.

5. Einer, an den wir uns ungleich lieber erinnern, ist unser langjähriger Linksverteidiger Javier Pinola. Mit seinem derzeitigen Verein River Plate hat er es ins Finale der Copa Libertadores geschafft. Wegen Fanausschreitungen konnte das Endspiel nicht in Buenos Aires stattfinden. „Eine Schande“, meint der Kicker. Ob „Ersatzstandort“ Madrid zum Zuge kommt, ist auch zweifelhaft. Wie so vieles bei diesem Theater.

Das Spiel:

Erstes Montagspiel in der Bundesliga: Zunächst ging es ruhig los. Das lag auch am angekündigten Stimmungsboykott, wobei ohnehin nur 32.000 Zuschauer da waren (womit bewiesen wäre, dass solche Montagsspiele auch finanzielle Nachteile bringen). Dazu kam, dass kaum ein geordnetes Spiel möglich war. Die heftigen Regenfälle hatten den Rasen in eine Wasserlandschaft verwandelt. Flache Bälle blieben sofort liegen. Sicheren Stand hatten die Spieler selten. Aber dennoch: Der Club blieb sich auch unter diesen widrigen Umständen treu. Zwischen der 20. und 30.Minute lässt jedesmal die Konzentration nach und dann klappert´s. Da können die Leverkusener nach einer halben Stunde einen Pass des ansonsten durchaus überzeugenden Startelfneulings Kevin Goden abfangen. Den von Brandt in den Strafraum geschlagenen Ball kann Bredlow nur zur Mitte abwehren, wo ihn Havertz ganz cool ins rechte Toreck lupft. Solche Aktionen funktionieren eben auch, wenn der Platz unter Wasser steht. Leider ging dem Club diese witterungsangepasste Spielweise ab. Zunächst.

In der Kabine muss dann wohl der eine oder andere Tipp vermittelt worden sein. Beim Club wurde jedenfalls plötzlich schnörkellos das Mittelfeld überbrückt und der Gegner besser vom eigenen Sechzehner ferngehalten. In der 56. Minute war es dann soweit. Der Club machte Druck, kam zu seinen ersten Ecken. Die zweite konnten diesmal die Leverkusener nur zur Mitte klären, wo Georg Margreitter aus dem Rückraum den Ball halbhoch ins Tor zimmerte. Danach verstärkten beide Trainer die Offensive. Mit dem Punkt wollten sie sich nicht zufrieden geben. Letztlich nutzte das jedoch nichts. Wobei dabei wohl auch die immer ungünstiger werdenden Platzverhältnisse eine Rolle und – ehrlicherweise muss das gesagt werden – mehr dem Club in die Karten spielten.

Alles in allem geht das Unentschieden aber in Ordnung. Der Club hat sich den Punkt durch eine engagierte Leistung in der zweitem Hälfte verdient, während er in der ersten wieder mal viel zu harmlos agierte.

Ein Letztes:

Absurditäten gibt es im modernen Profifußball reichlich. Jetzt kommt eine neue hinzu. Die wird wohl dazu führen, dass viele Bundesligavereine am Ende lieber auf Platz 15 landen als auf Platz 7.

Voll dabei im Abstiegsrennen

Die Woche:

1. Manchmal fällt den Kollegen ein Wortspiel ein, das sie lustig finden. Dann müssen sie meist flugs einen Beitrag draus zimmern. Realität hin oder her! Das war beim hier bereits erwähnten Abfang-Jäger so und das steckt wohl auch hinter der Kubo-Krise. Wobei bei der Kuba-Krise damals die ganze Welt den Atem anhielt. Dass FCN-Neuzugang Yuya Kubo in der Kicker-Benotung erst eine 2 und dann nur noch 4er und 5er bekam, lässt jetzt nicht einmal Hardcore-Fans den Atem stocken.

2. Von Stefan Kuntz nominiert zu werden, ist jetzt nicht unbedingt der Ritterschlag. Schließlich hat der Trainer der U21-Nationalmannschaft auch Abdelhamid Sabiri in sein Team geholt. Trotzdem gratulieren wir Clubstürmer Törles Knöll natürlch zu diesem Karriereschritt.

3. Im DFB-Pokal muss der Club Anfang Februar gegen der HSV ran. Der ist inzwischen Spitzenreiter in der 2. Liga, kann also einen Dämpfer vertragen.

4. Nach Michael Wimmer und Reiner Geyer droht dem Nachwuchsleistungszentrum der FCN ein weiterer Verlust. Clublegede Marek Mintal, der die U17 des FCN betreut, hat die Gerüchte um seinen Weggang jedenfalls nur mit den Worten kommentiert: Davon habe er auch schon gehört. Ein Dementi sieht anders aus.

Die Woche:

Wer dachte, der als Tabellenletzter angereiste VfB würde sich hinten reinstellen, sah sich getäuscht. Die Stuttgarter ließen es durchaus offensiv angehen, so dass sich zumindest 15 Minuten lang ein munterer Kick entwickelte, ohne dass es allerdings zu zwingende Gelegenheiten vor dem Tor kam. Danach zog sich der Club zurück, verlor dabei aber immer mehr den Zugriff auf das Spiel. Schließlich kam er kaum noch aus der eigenen Hälfte heraus und konnte von Glück sagen, dass der VfB in der Verwertung seiner Chancen deutlich machte, warum er in der Tabelle unten drin hängt.

Getäuscht sahen sich dann aber auch diejenigen, die auf einen neuerlichen Pausenweckruf gehofft hatten. In der zweiten Halbzeit ging es genauso weiter. Der VfB drängte aufs Clubtor. Zwar deutete sich für den FCN der eine oder andere Konter an, aber irgendwie klemmte das Offensivspiel. Zum einen lag das am Gegner, der früh Druck machte und unsere Mannschaft daher kaum zu einem geordneten Spielaufbau kommen ließ. Zum anderen machte sich auch das Fehlen von Mikael Ishak bemerkbar, der offenbar der einzige ist, der vorne mal einen Ball sichern kann. Die Hoffnung ruhte nun darauf, der Clubtrainer könnte wieder einen Matchwinner einwechseln. Palacios, derfür Kerk kam, war das allerdings schon mal nicht. Dann wollte Köllner Petrak für Behrens einwechseln. Kurz vorher hatte der VfB aber eine seiner vielen Ecken. Die wehrte Robert Bauer genau zu Baumgartl ab, der die Einladung dann dankend annahm.

Danach folgte auch schon die nächste Enttäuschung: Ein Aufbäumen in diesem Schlüsselspiel war nicht zu erkennen. Fahrig und lethargisch ging es auf FCN-Seite weiter. Schon zarte Ansätze von Offensivbemühungen scheiterten an den nun auch selbstbewussteren Stuttgartern und an eigenem Unvermögen. So war dann das 2:0 durch den eingewechselten Thommy – übrigens wieder nach einer Ecke – die logische Folge. Zuvor hatte Mathenia noch zwei Mal bravourös einen weiteren Treffer verhindert.

Gut, der VfB – das wusste jeder – ist nicht so schwach, wie das die Tabelle ausweist. Andererseits kam vom Club einfach zu wenig, um die Verunsicherung auszunutzen. Auch das Konzept, den Gegner kommen zu lassen und dann Konter zu setzen, ging in die Hose. Der Club, das muss leider gesagt werden, präsentierte sich heute als Top-Abstiegskandidat. Bedauerlicherweise wird das auch noch durch die Faktenlage belegt. Denn nicht nur Stuttgart machte auf uns Boden gut, auch Hannover und Düsseldorf konnten gewinnen. Insofern: ein Spieltag zum Vergessen.

Ein Letztes:

Selbst wenn es mit dem Klassenerhalt dann doch nicht klappen sollte, für seinen Heimatort hat sich Clubtrainer Köllner mit Hilfe der beiden Torschützen von Augsburg nachhaltig verdient gemacht.

Notelf mausert sich und holt einen Punkt

Die Woche:

1. Unser Fanfreund Schalke 04 steckt in der Krise. Dass für die Einordnung der Lage aber das Argument „sogar schlechter als der 1. FC Nürnberg“ verwendet wird, sollte zu denken geben.

2. Manchmal lohnt ein Blick in andere Vereins-Interna. Nach Mainz zum Beispiel. Das dortige Amtsgericht hat jetzt damit gedroht, Mainz 05 aus dem Vereinsregister zu streichen, wenn die Profiabteilung nicht ausgegliedert wird. Die Vereinsführung der Mainzer verweist nun darauf, dass dies auch Konsequenzen für andere Vereine habe. Zum Beispiel den 1. FC Nürnberg.

3. Da haben wir den Salat, genauer gesagt, diejenigen, die dachten für ihre Sky-Euros den Club live verfolgen zu können. Das heutige Mittags-Spiel war nur über Eurosport zu empfangen. Das kostet bekanntlich extra. Allerdings: Bei Eurosport bekommt der Clubfan erheblich mehr geboten als bei Sky.

Das Spiel:

Trainer Michael Köllner musste sich einiges einfallen lassen. Neben Ishak verletzten sich kurzfristig auch noch Löwen, Petrak und Valentini. Dafür konnte der wiedergenesene Sebastian Kerk von Anfang an auflaufen. Daneben zauberte Köllner den U21-Spieler Sinon Rhein aus dem Hut, von dem nicht mal die Webseite des FCN alle Daten parat hat. Demgegenüber kam der Gegner, die Frankfurter Eintracht, auf einer Erfolgswelle nach Nürnberg geschwebt. Die Erwartungshaltung war also eher gedämpft. Vielleicht dachte auch bei der Eintracht der eine oder andere, da müsse er nicht die vollen 100 Prozent abrufen.

Wie auch immer, der Club begann überraschend couragiert und erarbeitete sich mehrfach gute Chancen. Bereits in der 4. Minute ging Kapitän Hanno Behrens mit (fast) gutem Beispiel voran: Sein Weitschuss strich leider knapp am Tor vorbei. In der 18. Minute traf dann Ishak-Ersatz Törles Knöll nur den Pfosten. Bis zur Pause war der Club die bessere Mannschaft. Aber das war im letzten Heimspiel gegen Hoffenheim auch so und dann ging es in der zweiten Hälfte dahin.

Diesmal war das anders. Der Club spielte weiter forsch nach vorne und ließ die Frankfurter kaum einmal gefährlich vors eigene Tor kommen. Die Abwehr stand stabil und eng beim Gegner. Vor allem Mühl und Newcomer Rhein machten einen guten Eindruck. Eintrachttrainer Hütter sah sich demzufolge gezwungen, frischen Wind von der Bank zu bringen und wechselte Allan und Haller ein. Beim Club kamen kurz danach Palacios und Zrelak für Kerk und Knöll. Nicht einmal zwei Minuten nach seiner Einwechslung markierte Adam Zrelak das 1:0 nach schöner Hereingabe von Misidjan. Der Joker stach. Leider dann auch der auf der anderen Seite. Als wir uns alle schon über den Dreier freuten, bugsierte Haller in der 92. Minute eine Flanke von Da Costa doch noch ins Clubgehäuse. Schade! Und eigentlich nicht ganz verdient. Das Unentschieden hätten wir aber vor Spielbeginn angesichts der unterschiedlichen Ausgangslage sofort unterschrieben.

Ein Letztes:

Man kann auch bei Niederlagen Fans gewinnen. Das postete der elfjährige Junge, der das Max-Morlock-Stadion mit Legosteinen nachgebildet hat, nach der Hoffenheim-Pleite:

Noch zu brav fürs Oberhaus

Die Woche:

1. Nicht nur der „Kicker“ war down, auch unser Blog war nicht erreichbar. Das fiel natürlich vergleichsweise wenigen Leuten auf. Genau wie der Ausfall all der anderen Seiten, die vom, im Fürth beheimateten Provider ODN gehostet werden. Dass der Kicker ausgerechnet zum gestrigen Bundesligaauftakt in die Knie ging, zog hingegen Kreise. Auf Twitter schoß der Hashtag #kickerdown nach oben. Zunächst wurden ruchlose Hacker verantwortlich gemacht. Dann stellte sich allerdings heraus, dass wiederholte DDos-Attacken die Server zerschossen hatten. Übrigens ncht zum ersten Mal.

2. Sollen wir uns angesprochen fühlen? Unter der Überschrift „Die Legende bleibt“ wenden sich Clubfans gegen Schwarzmalerei und Grantlertum und fordern geschlossene Unterstützung der Mannschaft. Die hat sie natürlich verdient, zumal ihr zu Beginn der letzten Saison auch keiner den Aufstieg zugetraut hat. Andererseits hat Granteln im Zusammenhang mit dem Club schon etwas von Traditionspflege. Diese Tradition hat Gründe. Fast jedesmal, wenn man beim Club mit dem Weißmalen anfing, gab es ein jähes Erwachen. Insofern ist es eigentlich ein positives Signal, wenn uns alle nur als Absteiger auf der Rechnung haben.

3. Auch bei der „Zeit“ sieht man den Club eher als Lachnummer. Da passte dann das Zitat von Neuzugang Yuya Kubo gut ins Konzept. „Ich hatte keine andere Möglichkeit. Ich habe nur von diesem Club ein Angebot bekommen“, soll der japanische Nationalspieler gesagt haben. Das, beeilte man sich beim Club richtigzustellen, sei aber nur ein Übersetzungsfehler gewesen. Nun ja, auch wenn es anders gewesen wäre: Wichtig ist die Leistung auf dem Platz.

4. Auch organisatorisch hat der Aufstieg Weiterungen. Eine größere Zahl von Ordnern soll Staus an den Eingängen verhindern helfen. Außerdem wird die Trennung Männer- und Fraueneingänge aufgehoben, stattdessen wird – und der Satz hat es uns dann doch angetan – „das weibliche Ordnerpersonal in voller Breite postiert“.

Das Spiel:

Was wurde im Vorfeld alles geschrieben: Der Club sei erster Anwärter auf den Abstieg, der Kader sei nicht bundesligatauglich… In Berlin sei für diese Mannschaft jedenfalls nichts zu holen. Doch dann spielte der Club zwar kontrolliert und eher auf Absicherung bedacht, jedoch keineswegs unterlegen und durchaus ansehnlich. Lediglich nach vorne ging nicht viel zusammen. Dafür ließ die Clubabwehr wenig anbrennen. Gut, bei einer Hertha-Ecke flog Bredlow am Ball vorbei. Aber sonst? Doch dann kam die 27. Minute. Da spielte Lazaro auf Außen Leibold aus. Währenddessen foult sich Ibisevic (allerdings nach VAR nicht ahndungswürdig) an der Strafraumgrenze frei. Prompt ist die Ordnung in der Clubabwehr dahin und besagter Ibisevic steht mutterseelenallein im Torraum und braucht den Flankenball nur noch einzuschieben. Da merkte man bereits fehlende Erfahrung und Cleverness. Übrigens auch bei der ersten Clubecke als Behrens für den Schiri nicht sichtbar weggedrückt wurde.

In der zweiten Hälfte machte der Club mehr auf, wobei zunächst die Berliner weitere Chancen generierten. Doch dann kam der Club, in Gestalt von Neuzugang Kubo. Der tankte sich sehenswert auf der linken Seite durch, scheiterte aber an Keeper Jarstein. Dieser bekam dann im Verlauf der Partie mehr zu tun. Richtig ernst wird es für ihn aber erst in Minute 85. Per Videobeweis wird dem Club ein Handelfmeter (Rekik fährt seine Linke aus) zugesprochen. Mikael Ishak (Hanno Behrens, der sonst die Elfer schießt, war schon ausgewchselt worden) legt sich den Ball zurecht, zielt halbhoch auf die linke Ecke, aber der Hertha-Keeper kann parieren. Da war sie, die Ausgleichschance. In der Bundesliga, das zeigte das Spiel in Berlin, dürfte der Club nicht allzuviele bekommen, also muss man die künftig besser nutzen.

Trotz der Niederlage lässt sich aber auf dem Auftaktspiel aufbauen. Der Club war auf Augenhöhe mit der Hertha. Was fehlte war die Cleverness und die Souveränität. Bezeichnend, dass Ondrej Petrak, der als einziger schon mal für den FCN Bundesliga spielte, in unserer Mannschaft den besten Eindruck machte. Auch Kubo könnte durchaus zur Belebung beitragen. Die anderen müssen halt schnell den Respekt ablegen. Om Augenblick ist der Club jedenfalls nicht zu schlecht für die erste Liga, sondern nur (noch) zu brav.

Ein Letztes:

Als Lokalpatrioten mag einen das freuen, uns erinnert das an das erfolglose Hoeneß-Gastspiel beim FCN und daran, dass derartige Nottransfers selten was bringen.