Eher Leichtathletik als Fußball

83689366Auf der nach oben offenen Langweileskala hat das Spiel beim Tabellenletzten in Duisburg sicher neue Maßstäbe gesetzt. Völlig von Höhepunkten befreit plätscherte da etwas dahin, was die Bezeichnung Fußballspiel eigentlich kaum verdient hatte. Das war eher Leichtathletik. Vielleicht etwas Neues für die Duisburger. Die sowas mangels Aschenbahn n ihrer Schauinsland-Reisen-Arena nicht geboten. Im Gegensatz zu uns, die wir in unserem Bald-nicht-mehr-Grundig-Stadion Laufwettbewerbe durchaus kennen. Nur sind die zielorientioert. Da rennen die Leute nebeneinander und der Schnellere gewinnt. In Duisburg rannten sie dauernd aufeinander zu. Pressing nennt man das. Damit soll der Gegner zu Fehlern gezwungen werden. Das klappte leider zu gut. Spätestens der zweite Pass landete bei einem Spieler der anderen Mannschaft, der dann wieder angerannt wurde und seinerseits einen Fehlpass produzierte. Wenn zwei limitierte Mannschaften mit so einer Taktik auflaufen, ist das das dröge Ergebnis.

Obsolet sind da auch die Diskussionen im Vorfeld. Zum Beispiel die über den Torhüter. Bei so einem Gegurke ist es völlig egal, ob da ein Kirschbaum oder ein Rakovsky im Tor steht. Da hätte es sogar der verletzte Schäfer getan. Oder die Einwechslungen von Koch und Kutschke. Die wollten sich ursprünglich per Anwalt in die erste Mannschaft klagen. In Duisburg kamen sie ganz ohne Rechtsbeistand zum Einsatz und werden sich jetzt fragen: Wozu das Ganze? Vielleicht sollten wir Fans mal zusammenlegen und einen unterbeschäftigten Juristen anheuern. Da könnte man einiges an Schadenersatz fordern. Nicht bloß für die verlorene Lebenszeit, sondern auch dafür, dass wir angesichts der unchristlichen Anstosszeit bereits ab 13 Uhr gezwungen waren, uns während des traurigen Gekickes anderweitig zu dopen und mit Trinkspielen zu unterhalten.

Auch ohne Fahnen einen Punkt geholt

Ein Unentschieden bei den hochgelobten Frankfurtern, da dürfen wir gerne den Hut ziehen. Trotzdem: Es war mehr drin. Der Club war die bessere Mannschaft, hatte eine ganze Reihe hochkarätiger Chancen. Doch die wurden entweder relativ kläglich vergeben oder vom besten Frankfurter, Torhüter Trapp, zunichte gemacht.

Schade! Eigentlich wäre heute ein Auswärtsdreier fällig gewesen. Dennoch: Das Spiel macht Hoffnung. Unter Michael Wiesinger steht die Mannschaft hinten mindestens genauso sicher, wie unter Vorgänger Dieter Hecking. Nach vorne ist das manchmal schon richtig ansehnlich. Jetzt muss halt bloß noch einer treffen. Leider wirkten da sowohl Pekhart als auch der später eingewechselte Polter eher gehemmt. Dafür scheint der eingewechselte Neuzugang Momo Ildiz die erwartete Verstärkung zu werden. Mit ihm kam zusätzlicher Druck nach vorne. Aber halt ebenfalls kein Tor. Zu erwähnen auch der diesmal couragiert und relativ fehlerfrei auftretende Javier Pinola, der sch auch ein paarmal als Torschütze versuchte.

Wenig Hoffnung macht hingegen das, was da außerhalb des Platzes stattfand. Offenbar wollten die Frankfurter mit Polizeihilfe ihren Spitzenplatz in der Problemfanliga an den FCN abtreten. Gleichzeitig scheint es jetzt wohl im Kampf gegen die Pyrotechnik auch dem Fahnenunwesen an den Kragen zu gehen. Wo kommen wir denn hin, wenn durch völlig unnütze Fahnen den Überwachungskameras der Blick auf die Fans verstellt wird, scheinen einige Ligaverantwortliche zu denken.

Aus Protest gegen die Sicherheitsmaßnahmen und das Vorgehen der Polizei blieb der Gästeblock übrigens 30 Minuten lang leer.

Über das Spiel wird schon bald keiner mehr reden. Über das, was außerhalb des Spielfelds stattfand, wird wahrscheinlich noch länger debattiert. Dem Fußball und der Bundesliga ist das bestimmt nicht zuträglich. Und wenn jetzt jemand allein die Clubfans dafür verantwortlich machen will, dann stimmt das schlicht nicht.

Hier ein Video vom „Hüpfboykott“ vor dem Stadion:
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…und dazu noch ein lesenswerter Bericht über einen Fanausflug nach Frankfurt.