Fußball-Spruch: Longlist statt Shortlist

Manchmal ist die Longlist schöner als die Shortlist. So geht es mir beim Deutschen Buchpreis, wo meine Favoriten wie Sten Nadolny (2012) oder Uwe Timm (2013) es zwar noch in den erweiterten Kreis schaffen, dann aber doch regelmäßig von den gestrengen Juroren gestrichen werden.

Und so geht es mir nun auch beim Preis für den besten Fußball-Spruch des Jahres, den die Deutsche Akademie für Fußball-Kultur alljährlich vergibt. Der Sieger erhält für die undotierte Auszeichnung, die am 25.10. in der Tafelhalle gemeinsam mit den anderen Fußball-Kulturpreisen übergeben wird, die vom Bildhauer Robert Scholz gestaltete Figur „Maxx“ (siehe links).   Die Juroren erstellten aus  150 Vorschlägen, die auf der Akademie-Website www.fussball-kultur.org gesammelt worden waren, eine Liste mit zunächst zwölf Sprüchen und vergaben dann Plätze von 5 bis 12.

Über die Reihenfolge der verbliebenen vier darf das Publikum in der Tafelhalle entscheiden. Zur Auswahl stehen: Christian Streich („Der eine holt Kraft aus dem Gebet, der andere aus der Badewanne“), Rudi Völler („Es macht Spaß, unserer Mannschaft zuzuschauen, auch wenn es wehtut“), Patrick Funk („Links ist ähnlich wie rechts, nur auf der anderen Seite“) sowie Norbert Meier („Man macht auch nicht in drei Tagen aus einer Würstchenbude eine Großraumdiskothek“; über Fortuna Düsseldorf).

Aber wie gesagt: Der Blick auf die Longlist lohnt sich. Ich hätte Vorjahressieger Mehmet Scholl etwa den Wiedereinzug in die Finalrunde gewünscht. Im Vorjahr gewann er die Wertung mit seiner Stichelei bezüglich der Laufbereitschaft von Nationalstürmer Mario Gomez. Er habe Angst, dass Gomez  mal gewendet werden müsse, damit er sich nicht wundliegt, bemerkte Scholl und erntete viel Beifall bei den Tafelhallen-Besuchern.

Diesmal reichte es nur zu Rang 6 für den Titelverteidiger  mit seiner Charakterisierung von Ex-Bayern-Coach Louis van Gaal: „Wenn er Postbote wäre, würde er meinen Hund beißen, oder gleich aufessen.“ Schön auch, wie Fortuna-Spieler Oliver Fink die Lage der abstiegsbedrohten „Würstchenbude“ (siehe Norbert Meier) Düsseldorf vor dem letzten Spieltag der vergangenen Saison auf den Punkt brachte: „Sieg oder Sarg!“ Rang 8 für dieses Bonmot. Düsseldorf wird nun übrigens nicht mehr von Finalteilnehmer Meier trainiert, sondern von Mike Büskens, dem in der Bundesligasaison 2012/13 bei der SpVgg Greuther Fürth kein Erfolg mehr beschieden war. Aber dafür ließ er es sprüchetechnisch krachen. „Ich wollte eigentlich Eto’o, aber der Präsident hat wohl Edu verstanden“, sagte er über seinen Neuzugang Edu, der denn auch nur ein halbes Jahr im Ronhof blieb. Damit eroberte Büskens Platz 7.

Um  die alternative Shortlist komplett zu machen, würde ich neben Scholl, Büskens und Fink noch Fifa-Generalsekretär Jerome Valcke hinzunehmen, der mit entwaffnender Ehrlichkeit im Hinblick auf die Weltmeisterschaft 2018 in Russland befand: „Manchmal ist weniger Demokratie bei der Planung einer WM besser.“ Damit kam er in der Akademie-Wertung leider lediglich auf Rang 11. Punktgleich übrigens mit dem ehemaligen Club-Verteidiger Timm Klose, der eine Pausen-Anweisung  des nun inzwischen auch ehemaligen Club-Trainers Michael Wiesinger referierte: „Der Trainer hat gesagt, wir sollen weiter Tore schießen.“  Zu diesem Zeitpunkt lag der 1.FC Nürnberg gegen Düsseldorf 0:1 zurück. Allerdings nach einem Eigentor. Die Spieler befolgten jedenfalls Wiesingers Tipp und schossen weiter Tore, sogar ins richtige Gehäuse, und gewannen 2:1. Um mit Fink zu sprechen – ein Nagel zum Düsseldorfer Sarg.