Brasilianischer Beginn, historisches Ergebnis

clubdepp„Der Club spielt brasilianisch“, höhnte die Netzgemeinde im Sommer 2014 in Anspielung auf das 1:7 der Südamerikaner im WM-Halbfinale gegen Deutschland. Grund des Spotts: Der 1.FC Nürnberg hatte ausgerechnet im Derby beim späteren Beinahe-Absteiger Greuther Fürth mit slapstickhaften Abwehreinlagen aufgewartet und war letztlich 1:5 untergegangen. Zum Saisonstart 2015/16 muss der geneigte Club-Fan nun feststellen, dass die Nürnberger offensichtlich abermals auf die brasilianische Taktik setzen. 3:0 heißt es schon nach 13 Minuten für den Bundesliga-Absteiger SC Freiburg gegen die heillos überforderten Schützlinge von Trainer Rene Weiler, und kurz vor der Pause legt der Ex-Nürnberger Mike Frantz das 4:0 nach (41.). Frantz, 2014 schon mit dem Club abgestiegen und danach gewechselt, nimmt nach dem abermaligen Absturz diesmal die 2. Liga in Kauf – ebenso wie Nils Petersen, Schütze der ersten drei Freiburger Tore (8./11./13.). Der war in der Vorbereitung komplett leer ausgegangen, doch die Wahrheit liegt eben – frei nach Fußball-Philosoph Otto Rehhagel – im Punkt- und nicht im Testspiel.

Zwei der drei Petersen-Treffer resultieren allerdings aus Foulelfmetern, verschuldet von den Club-Neuzugängen Rurik Gislason und Hanno Behrens. Mehr Glück als die beiden und Torwart Thorsten Kirschbaum, der zum Debüt gleich vier Treffer in 41 Minuten schlucken muss, hat ausgerechnet der vierte und letzte Neue in der Startformation, der junge Aushilfs-Rechtsverteidiger Kevin Möhwald. Kurz vor dem Pausenpfiff erzielt er das sehenswerte 1:4 (44.). Und während Gislason zur Pause draußen bleiben muss und durch Kapitän Jan Polak ersetzt wird, kann sich auch Behrens rehabilitieren. Nach einem Eckstoß von Danny Blum gelingt ihm  das 2:4 (47.). Weil dann Alessandro Schöpf mit einem an Guido Burgstaller verschuldeten Elfer zum 3:4 trifft (53.), kommen Spekulationen auf, ob der Club nach dem brasilianischen Start nun einen Eintrag in die Zweitliga-Geschichtsbücher anstrebt. Ein 0:4, weiß der Sport1-Kommentator, hat im Unterhaus nämlich letztmals der FSV Salmrohr aufgeholt, in der Spielzeit 1986/87 beim 5:5 gegen Hannover. Schafft der Club Vergleichbares? Doch dann läuft Spielverderber Maximilian Philipp Möhwald davon und beendet mit dem 5:3 derlei Spekulationen (61.). Auch wenn Weiler noch die Angreifer Jakub Sylvestr und Stefan Kutschke bringt, kann der Club die Freiburger nicht mehr ernsthaft gefährden, zumal Schiedsrichter Stieler gegen Ende seines intensiven Arbeitstages noch Linksverteidiger Dave Bulthuis die Rote Karte zeigt (85.). Der gerade eingewechselte Freiburger Kapitän Julian Schuster tunnelt dann – sträflich freistehend – Torwart Kirschbaum und trifft gegen zehn Nürnberger zum 6:3-Endstand (90.).  Ein bisschen historisch ist das Ergebnis aber trotzdem, weil Nürnberg nach acht Siegen erstmals in der gemeinsamen Zweitligageschichte gegen Freiburg verliert. Der SC, im Frühjahr denkbar unglücklich abgestiegen, übernimmt damit nach Spieltag 1 die Tabellenführung. Der brasilianische Club treibt das Feld dagegen erstmal vor sich her: Platz 18.