Der Club siegt im Deppenduell

2642404264Dass man selbst nach einem Sieg den Begriff „Depp“ erwähnen muss, das schafft auch nur unser Club. Klar gilt der alte Trainserspruch, am Ende zählt nur das Ergebnis. Wie es zustande gekommen ist, danach fragt in ein paar Tagen keiner mehr. Aber das Spiel in Aalen braucht für das Sackenlassen vielleicht doch ein bisschen länger.

Zunächst startete das Spiel schwach und gemächlich und ließ dann im Laufe der 90 Minuten noch zunehmend nach. Einziger Aufreger war ein Pfostenkullerer des VfR. Dann ging das langweilige Gegurke auch noch in die Verlängerung. Jetzt zeigte sich beim Club, dass auch sinnfreies Herumgerenne Kräfte zehren kann. Jedenfalls hatte man nie den Eindruck, da könnte noch einer mal das Tor treffen. Die waren ganz offensichtlich platt.

Zudem hatten beide Mannschaften auch noch den Sinn des Spiels aus den Augen verloren. Nicht einmal vom Elfmeterpunkt wollten die Spieler treffen. Lediglich drei der zehn Elfer gingen ins Tor. Schöpf und Kutschke trafen. Möglicherweise aus Versehen. Aber das reichte. Was das Toreschießen angeht, ist das fast das Minimalste, was man sich denken kann. Freilich, eine cleverere Mannschaft hätte so etwas weniger zeitaufwändig gestaltet. Auch den doch ziemlich strapazierten Fans hätte das gefallen.

Aber seis drum. Der Club hat mal wieder die erste Pokalrunde überstanden. Jetzt klingelt die Marie. Und wenn dann das Konditionstraining etwas härter wird und die Elfmeterschützen bald mit Pumaschuhen anlaufen, dann erleben wir vielleicht mal Spiele mit etwas mehr Würze.

Pokal ist für den Club nur einmal im Jahr

MSV Duisburg - 1. FC NürnbergEs war die 22. Minute, als alle Blicke auf Mlapa gerichtet waren. Die Gladbach-Leihe glänzte aber nicht mit einer Szene im Sturm, sondern kniete am Boden und wurstelte nervös an ihrem Schuh herum. Es dauerte. Doch die Schnürsenkel wollten einfach nicht so, wie Mlapa es gerne gehabt hätte. Da der Ball ruhte, wurde es in der Schauinsland-Reisen-Arena in Duisburg langsam unruhig. Nach einer gefühlten Ewigkeit ging es dann weiter. Eine Szene, die symptomatisch für den Auftritt des 1. FC Nürnberg am Freitagabend war.

Ok, mit dem Pokal hat es der Club nicht so, das hat sich spätestens seit dem Sandhausen-Gate herumgesprochen – und das nicht nur in der dritten Liga. Natürlich war das peinliche Erstrunden-Aus bei den Fans vor der Partie Thema, man ging die Angelegenheit eben fränkisch-pessimistisch an. Allerdings: Ein Großteil der Spieler, die in der Startformation standen, wussten davon höchstens vom Hörensagen, sie waren ja letztes Jahr nicht dabei. Mit Sandhausen konnte das Spiel in der ersten Halbzeit also allenfalls marginal etwas zu tun haben. Einigen wir uns darauf: Wie an allem ist Fürth schuld, in dem Fall die krachende 5:1-Derbyniederlage von Montag. Der Stachel saß offensichtlich noch tief. So verunsichert wie Mlapa beim Schuhebinden agierte, so indisponiert und fehleranfällig präsentierte sich der 1. FC Nürnberg in Durchgang eins.

Bereits nach zehn Minuten geriet die Ismael-Truppe in Rückstand. Fast wie beim 0:2 in Fürth, durch einen Elfmeter. Angha stocherte herum, bekam keinen Zugriff auf Jancic, Stark rauschte heran und fällte Jancic, Schiedsrichter Dingert zeigte auf den Punkt. Der Gefoulte schoss selbst – und es stand 1:0. Da war er wieder, der Geist von Sandhausen. Nur wenige Minuten später rettete Schäfer, der ordentlich spielte, in letzter Sekunde auf der Linie, sonst wäre es da schon zappenduster gewesen. Auch wenn der Club mehr Spielanteile hatte, auf dem Feld passierte sonst nicht viel vor der Pause. Als nennenswerte Chance könnte man vielleicht noch eine Aktion von Petrak bezeichnen, der den Ball zumindest einmal überhaupt in Richtung MSV-Gehäuse gebracht hatte.

Nach der Halbzeitpause lief es dann aus FCN-Sicht etwas besser, Duisburg besann sich aufs Verteidigen und lauerte auf Konter. Nürnberg kämpfte jetzt, doch sah das Spiel weiterhin ideenlos aus. Es mangelte an Kreativität, ein klares Konzept war nicht erkennbar. Der Ausgleich wäre zumindest vom Spielverlauf her verdient gewesen, doch hätte der Zweitligist sich dafür erst einmal eine klare Chance erarbeiten müssen. Aber das gelang nicht. Insofern muss man leider auch festhalten: Schlecht gespielt, verdient verloren. Havelse, Sandhausen, Duisburg: Pokal ist für den Club eben nur einmal im Jahr.

Letztes Jahr brannte es nach dem Pokal-Aus bereits lichterloh am Valznerweiher, Trainer Wiesinger stand unter Druck. Und auch Ismael wird sich jetzt der Kritik stellen müssen. Wir Fans sind immerhin einiges gewöhnt.

„Poschi“, der Chancentod

Dass das Pokalaus für den Club bitter war, ist keine Frage. Dass die Mannschaft super gefightet hat und auf Schalke teilweise tollen Fußball gespielt hat, da sind wir uns wahrscheinlich auch einig. Insofern hat der FCN auch die Chance genutzt, endlich einmal zu bester Sendezeit im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu zeigen, dass in Nürnberg eine gute Bundesligatruppe zuhause ist. Der Club hat dem ZDF dabei 120 Minuten Hochspannung beschert und die Leute abgehalten, aufs Dschungel-Camp umzuschalten. Nur leider: Das ZDF hat es ihm nicht gedankt.

poschNatürlich nicht das gesamte ZDF, sondern dessen Sportreporter Wolf-Dieter „Poschi“ Poschmann. Für den ist der Club offenbar nur eine niederklassige Mannschaft, die – weil sie sich von den Großen Spieler ausleiht – irrtümlicherweise oben mitspielen darf. Das genaue Gegenteil zu Schalke 04, das völlig zu Unrecht nicht an der Spitze steht und das deswegen unbedingt in einem europäischen Wettbewerb vertreten sein muss. Da behauptet Poschmann zum Beispiel, der Club habe den schlechtesten Torwart der Liga, lässt todsichere Chancen, wie die von Eigler kurz nach dem 1:0, praktisch unkommentiert, feuert einfach mal die Blauen an („ja, mach es!“) oder bemerkt zu einem Foul an Julian Schieber: wenn man Schieber heiße, müsse man damit rechnen, ab und zu geschoben zu werden.
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Holpriger Auftakt gegen Trier

341413677Überzeugend war er zwar nicht, der erste ernsthafte Kick in der neuen Saison. Aber solche Pokalspiele gegen Viertligisten sind eh nicht wirklich dankbar. Da kann man eigentlich nur schlecht aussehen. Insofern ist das Ergebnis in Trier in Ordnung.

Aufschlüsse für die Saison gab es nicht wirklich. In der Abwehr sah man die bekannten Aussetzer. Im Sturm ging es etwas effektiver zu als in der vergangenen Saison (im Bild das schöne Tor durch Bunjaku). Aber das muss auch noch nichts heißen.

Hecking ließ wieder die Trainingsweltmeister auflaufen. Eigler und Mintal waren also dabei, wurden dann aber – viel zu sehen war von den beiden nicht – ausgewechselt. Der eingewechselte Ekici machte dagegen deutlich, dass er das nächste Mal von Anfang an auflaufen möchte. Der will zu den Bayern. So scheinen also Motivationen auszusehen.

Aber, wie gesagt, das war kein echter Gegner, das war aber auch noch keine eingespielte Clubmannschaft. Auch andere Bundesligisten sahen am Wochenende nicht besser aus. Runde weiter, abgehakt!

Wer ist schlimmer, Bayern oder Fürth?

Wen einem das Schicksal (wobei es in dem Fall wohl eher Naivität oder Unerfahrenheit war) übel mitspielt, dann ist Ablenkung gefragt. Wenden wir uns also mal zwei anderen Vereinen zu. Aus – wie immer – gegebenem Anlass.

Im Pokal treffen nämlich die Münchner Bayern auf den Verein aus der Nachbarstadt, auf Greuther Fürth. Nun stehen diese beiden Vereine bei den Clubfans auf der Unbeliebtheitsskala ganz weit oben. Da dreht mancher die Hand nicht um.

Auch wir sind uns uneinig, wen wir hier auf Platz eins und wen auf Platz 2 setzen sollen. Daher wollen wir das gerne durch eine Befragung klären. Wem sollen wir im Viertelfinale, das am 9. und 10 Februar 2010 augetragen wird, die Daumen drücken, den Bayern oder den Fürthern? Stimmt fleißig ab!

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Souveräner Pokalauftakt

Das hatte man schon anders in Erinnerung. Da schlitterte der Club im Pokal, gerade im Osten und gegen unterklassige Vereine, manchmal volle Kanne in die Blanage. Nichts dergleichen heute gegen Dynamo Dresden. Der Club machte schnell alles klar, ließ nichts anbrennen und zeigte den Dresdnern, dass der Klassenunterschied nicht nur auf dem Papier besteht. Die wiederum bewiesen, dass sie auch im Umgang mit auswärtigen Fans noch dazulernen sollten. Manche Clubfans haben nämlich nur die zweite Halbzeit sehen dürfen und da war der Käse längst gegessen (merkt jemand, wie ich hier diese gelutschte Dropskacke umschiffe?).

Am nächsten Samstag kommt allerdings Schalke – da gibt es auf jeden Fall ein dickeres Brett zu bohren. Ein bisschen Zuversicht dürfen wir aber nach dem Dresden-Spiel schon haben.

Auf geht´s, erste Liga, wir kommen!

Mit dem Turban gegen den Club

Weil die Berliner Hertha derzeit nach vielen Enttäuschungen endlich mal wieder richtig gut dasteht, war ihr Manager Dieter Hoeneß am Wochenende ein gefragter Interviewpartner. Am Samstag gastierte er zum Beispiel im Aktuellen Sportstudio, wo der frühere Stürmer des FC Bayern München prompt auf sein vielleicht berühmtestes Tor angesprochen wurde. Jenen Kopfballtreffer, den er mit blutdurchtränktem Turban erzielte.
Und wer musste dieses Tor einstecken? Richtig geraten, Leidtragender war wieder mal der unglückliche 1.FC Nürnberg.
26 Jahre ist das nun her. Am 1. Mai 1982 hämmerte Hoeneß den Ball zum 4:2-Endstand gegen den Club ins Netz. Und zwar mit seinem Schädel, mit dem er schon nach 13 Minuten gegen den des FCN-Verteidigers Alois Reinhardt (der Vater des heutigen Club-Außenverteidigers Dominik) gerasselt war, so dass er nur mit einem dicken Kopfverband weiterspielen konnte. Und der verfärbte sich zunehmend rot. Alles vielleicht noch kein Grund, diese Geschichte in unsere Serie der Tiefpunkte einzureihen. Aber immerhin handelte es sich um das Endspiel des DFB-Pokalwettbewerbs!
Und lange sah es so aus, als könnten die vom inzwischen verstorbenen Udo Klug trainierten Nürnberger die Partie für sich entscheiden. Reinhold Hintermaier mit einem herrlichen Schuss aus über 40 Metern und Werner Dreßel hatten dem FCN einen soliden 2:0-Vorsprung verschafft. Die Fans wähnten sich schon als Pokalsieger, doch die ungeliebten Bayern drehten das Spiel noch um. Karl-Heinz Rummenigge verkürzte, Wolfgang Kraus glich aus und ließ sich dann bühnenreif fallen. Paul Breitner verwandelte den Elfmeter zum 3:2 für den Favoriten. Hoeneß, der mit seinem Turban auch die Treffer von Rummenigge und Kraus vorbereitet hatte, setzte den Schlusspunkt.
Das Magazin „Elf Freunde“ hat dieses Spiel im Februar 2007 auf Rang 43 in seine Hitliste der 100 besten Spiele aller Zeiten aufgenommen, und Turban-Hoeneß zierte das Titelbild der entsprechenden Ausgabe. Im Nürnberger Lager dauerte es indes lange, die Enttäuschung zu verkraften. Immerhin hatte man die Bayern am Rande einer Niederlage. Und dass die Münchner damals nicht unschlagbar waren, bewies die Bundesliga-Saison 1981/82, in der sie nur auf Rang drei landeten. Die stärkste deutsche Mannschaft stellte in jener Zeit der Hamburger SV, Meister 1982 und 1983 sowie Europacup-Sieger 1983. Und den HSV hatte der Club im Halbfinale aus dem Wettbewerb befördert. Doch mit dem Pokalsieg wurde es trotzdem nichts. Es sollte weitere 25 Jahre dauern, bis der Club-Anhang endlich mal wieder einen Titel bejubeln durfte…
Das Pokalfinale von 1982 mit dem Turban-Tor des Dieter Hoeneß – unser Kandidat Nummer zehn für die Wahl zum ultimativen Club-Tiefpunkt.

TIEFPUNKT 10