Schäfer, der letzte

Wenn man sich überlegt, welches Theater wir mit unserer Umfrage zur Roth-Nachfolge hatten. Wie sich da manche reingehängt haben, um den einen Kandidaten hochzuvoten und einen anderen zu verhindern… Und wozu? Für nichts und wieder nichts!

Der Club will nämlich das Präsidententum abschaffen, modern und schlanker werden. Interimspräsident Franz Schäfer wird, wie er selber sagt, wohl der letzte Clubpräsident sein.

Wir könnten jetzt wieder mal anmerken, dass wir dem Präsidentenamt keine Träne nachweinen. Aber das bekommen sicher wieder manche in den falschen Hals. Eine Erfolgsgeschichte ist das Clubpräsidententum dennoch nicht, Roth hin oder her. Insofern kann man auf dieses Amt gern verzichten.

Ergebnis des Clubpräsidenten-Votings

Bevor noch mehr Leute sinnlos Lebenszeit mit Dauerklicken verschwenden oder weiter ihre Klickroboter bemühen müssen, ziehen wir hier jetzt einen Schlussstrich unter unser Clubpräsidenten-Voting.

Für diejenigen, die das Voting nicht dauernd verfolgt und alle Kommentare und Tweets gelesen haben, fassen wir noch einmal kurz zusammen:

Kurz nachdem das Voting online war, hat Ged Schmelzer (Bild) innerhalb von zwei Stunden knapp 150 Stimmen bekommen. Damit lag er natürlich erst einmal meilenweit vorne. Als das die Schmelzer-Gegner – und davon gibt es unter denjenigen Clubberern, die sich noch an dessen Amtszeit erinnern können, sehr viele – mitbekamen, gab es natürlich Protest in den Kommentaren und massenhaft Gegenklicks, die zumeist Andreas Köpke zugute kamen. Inzwischen führt jetzt auich Köpke mit 36 Prozent vor Schmelzer mit 27 Prozent (zieht man dort die 150 ab, wären es allerdings gerade mal 2,5 Prozent).

Hinter diesen beiden mit Vorsicht zu genießenden Klickergebnissen rangieren dann schon ziemlich abgeschlagen Klaus Wübbenhorst (7 Prozent), Hans Meyer (6), Günther Koch (6), Lothar Matthäus und Dieter Eckstein (je 5). Renate Schmidt, Franz Schäfer und Markus Söder kamen jeweils nur auf 2 Prozent.

Interessant ist, welche Namen sonst noch in die Diskussion geworfen wurden. Etwa Jürgen Klinsmann, Günther Beckstein, die Hoeneß-Brüder oder Marc Öchler – aber auch vergleichsweise eher Unbekannte, wie Alexander Bösch, Beder Herzner, Peter Hammer, Konni Winkler, Bruno Weizenkeim oder unser Clubfreund Thomas Susemihl. Auch der Ex-Sportchef der NZ, Dieter Bracke, wurde zwei Mal genannt. Einer schlug „seine Oma“ vor, ein anderer „einen arbeitslosen Clubfan“. Kommentator „kruemmel“ hält seine Frau für hervorragend geeignet: „Sie ist ein Finanzwunder“. Nicht zu vergessen auch noch die Drei-Dieter-Lösung (Eckstein, Lieberwirth, Nüssing).

Wenn also im nächsten Jahr ernsthaft über die Roth/Schäfer-Nachfolge entschieden wird, besteht zumindest kein Mangel an Kandidaten vorhanden. Hoffentlich haben die „Oma“ und das „Finanzwunder“ dann auch die Gelegenheit, sich entsprechend zu präsentieren.

Und noch was: Gerd Schmelzer soll, so erklärte uns ein Kollege, der häufiger mit ihm zu tun hat, überhaupt kein Interesse an einer Kandidatur haben.

Die turbulenten Schmelzer-Jahre

Club-Fans sind hart im Nehmen, aber eine zweite Ära Gerd Schmelzer wollen sie sich offenkundig nicht antun,  wie die Kommentare zu unserer Abstimmung zeigen. Ein kleiner Ausflug in die Club-Historie macht die Bedenken unserer Leser nur allzu verständlich. Gut, unter Schmelzer wurde der Aufstieg 1985 mit einer Garde junger Spieler wie Reuter, Grahammer oder Eckstein geschafft und dieser „goldenen Generation“ glückte 1988 auch der Einzug in den Uefa-Cup.

Aber der nachfolgende Niedergang ist eben auch ganz eng mit dem Namen Schmelzer verbunden: Die jungen Stars wurden verkauft, ohne dass für adäquaten Ersatz gesorgt worden wäre. Trainer Hermann Gerland  musste mit Schmelzers übertriebener Anspruchshaltung leben – der Ligaverbleib mit einer zerkauften Mannschaft in der Spielzeit 1988/89 wurde ihm nicht gedankt. Gerlands launigen Hinweis, dass Schmelzer „seine Glatze nicht so oft in die TV-Kamera halten“ solle, nahm der Präsident als willkommenen Anlass für die Kündigung im Frühjahr 1990. Da hatte Gerland allerdings schon einen Großteil der notwendigen Punkte für den erneuten Klassenverbleib eingefahren; und das, obwohl er sich mit dem Präsidenten monatelang in einer Dauerfehde befunde hatte. 

Als Nachfolger präsentierte Schmelzer den weltläufigen Holländer Arie Haan. Doch in das Team investierte er wieder nur unzureichend.  Die Folge: Abermals Abstiegskampf. Als Schmelzer im Januar 1991 deshalb Haan entlassen wollte, stellten sich seine bisher treu ergebenen Mitstreiter Sven Oberhof und Ingo Böbel (der Professor mit der schwarzen Kasse…) quer. Daraufhin trat Schmelzer zurück. Turbulente Zeiten also. Langweilig würde es wohl nicht werden mit einem Präsidenten Schmelzer…

Punktabzug für Schmelzer

Online-Umfrage sind nicht repräsentativ. Das haben wir jetzt wieder einmal selbst bewiesen bekommen. Innerhalb von einer Stunde erhielt der frühere Club-Präsident Gerd Schmelzer (hier ein Bild aus seiner Präsidentenzeit) bei unserer Umfrage „Wer soll Club-Präsident werden?“ 150 Stimmen. Die Mühe, die sich da jemand gemacht hat, in allen Ehren, dennoch hat das DCS (Drei-Clubfreunde-Schiedsgericht) entschieden: Am Ende der Saison bekommt Schmelzer die 150 Punkte wieder abgezogen.

Wir werden also nicht -wie manche vorgeschlagen haben – die Umfrage noch einmal neu starten. Schließlich wären dann die korrekten User, die bereits abgestimmt haben, auch bestraft worden. Auch auf den Hinweis von Lothar Matthäus auf unserem Twitteraccount werden wir nicht reagieren. Er schrieb uns:

Ich will eng mit einer Mannschaft zusammenarbeiten, nicht Präsident werden. Versuche mit schwierigen Aufgaben mich zu empfehlen.

Ob der Twitter-Matthäus ein Fake ist, spielt für uns hier nicht einmal eine Rolle. Wir werden Matthäus trotzdem weiter im Voting drin lassen. Schließlich soll der neue Präsident erst in eineinhalb Jahren sein Amt antreten. Bis dahin könnte es leicht sein, dass Lodda nicht einmal mehr in Ungarn eine Traineranstellung bekommt.

Wer soll Clubpräsident werden?

Michael A. Roth hat den Präsidentenstuhl beim Club überraschend geräumt. Da Franz Schäfer vorerst als Interimspräsident fungiert, hat der FCN noch Zeit, sich die Nachfolge zu überlegen. Wir eröffnen trotzdem schon einmal die Diskussion darüber, und starten eine Umfrage. Schließlich sollten solche Entscheidungen nicht nur ein paar – oft nicht so sehr im aktuellen Geschehen verhaftete – Aufsichtsräte treffen, auch die Fans müssen hier gehört werden.

Zu unseren Vorschlägen: Wir haben einerseits die Namen, die im Augenblick im Gespräch sind, aufgeführt, wie GfK-Chef Klaus Wübbenhorst oder den früheren Club-Präsidenten Gerd Schmelzer. Dann haben wir verdiente Ex-Spieler dazugenommen, die ebenfalls von einigen gehandelt werden (Andreas Köpke, Dieter Eckstein) und schließlich Leute, die Zeit haben, sich für den Club zu engagieren. Dazu gehören der in solchen Fällen immer gern genannte Lothar Matthäus, der noch in Nürnberg wohnende ehemalige Trainer Hans Meyer, die Reporterlegende Günther Koch sowie die frühere Ministerin Renate Schmidt, mit der endlich auch einmal eine Frau ein solches Amt bekleiden würde. Der Vollständigkeit halber haben wir auch den Interimspräsidenten Franz Schäfer und Markus Söder als Aufsichtsrat aufgeführt. Selbstverständlich besteht die Möglichkeit, auch eigene Vorschläge zu machen.

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Keine Träne für Michael A. Roth

Eines mal vorweg: Wir sind zwar Freunde des Clubs, Freunde von Michael A. Roth waren wir nie. Allerdings räumen wir ein, dass er uns – je mehr er sich zurückgenommen hat – etwas sympathischer geworden ist. Dennoch gibt es auch den Pistolero-Roth, der geistig einer Zeit zu entstammen schien, als es noch Leibeigenschaft und Vasallentum gab.

Jetzt tritt er zurück, will sich mehr ums Privatleben und um seine Teppichfirma kümmern. Das sei ihm gegönnt. Seine Firma hat es angeblich auch nötig, dass sich der Chef mehr darauf konzentriert.

Aber kaum ist Roth weg, schon kursieren die Nachfolgernamen. Allen voran: der frühere Club-Präsident und jetzige Immobilienunternehmer Gerd Schmelzer (ob die Fans das gut finden werden, wagen wir zu bezweifeln).  Auch Klaus Wübbenhorst, Chef der Gesellschaft für Konsumforschung und IHK-Präsident, wird genannt. Wir fügen auch noch Günther Koch hinzu. Der Mann hat zwar kein Geld zum reinpumpen, kann aber reden. Auch Dieter Hoeneß wäre frei – und Hans Meyer.

Beim Club wird es also spannend. Und wer gedacht hat, der steigt einfach auf und wird ein solider Verein, der langfristig plant, der sieht sich wieder einmal eines Besseren belehrt. Der Club bleibt der Club – und ist immer für Überraschungen gut.