Feiermodus gegen Abstiegskampf: 2:3

Es war das letzte Heimspiel nach einer Saison, die der Clubfan wohl schnell abhaken dürfte. Dafür war diese Begegnung mit allerlei anderem befrachtet. Mit Abschieden, mit Traditionspflege, mit ungewöhnlichen Witterungs- und Platzverhältnissen. Die Punkte spielten da nicht die allerwichtigste Rolle.

Das merkte man dem Club letztlich auch an. Der Spaß am Spiel stand eher im Vordergrund als lästige Pflichtaufgaben, wie Absichern nach hinten oder Decken bei Standards. Für den Gegner, die Fortuna, ging es hingegen noch darum, den Abstieg zu vermeiden. Da brennt man eben auch noch, wenn der andere schon ans Freibier denkt.

Dabei agierte der Club durchaus gefällig. Etwa in Minute 13: Mit einer schönen Aktion wird Sabiri von Möhwald im Strafraum bedient und versenkt den Ball im Düsseldorfer Kasten. Jetzt spielte der Club noch lockerer auf und zeigte durchaus Ansätze, die für die kommende Saison Hoffnungen keimen lassen. Allerdings wurde er dann nach einer knappen halben Stunde für seine Pflichtvergessenheit mit einem sauberen Konter bestraft. Der frei auf das Clubtor zusteuernde Kiesewetter spielt Raphael Schäfer in dessen letztem Heimspiel problemlos aus und macht den Ausgleich.

Danach verflachte das Spiel. Genauer gesagt soff es ein bisschen ab, denn die Drainage im bald nach Max Morlock benannten Stadion hielt mit dem Starkregen kaum Schritt. Beim Club versuchte man trotzdem schön zu kombinieren, während bei der Fortuna offenbar erst langsam durchsickerte, dass Abstiegsmitkonkurrent Arminia Bielefeld gerade den Aufstiegskandidaten Braunschweig abschlachtet. Zudem hatte auch noch ein Pfütze Erbarmen mit der Fortuna. In der 70. Minute stoppte sie den Ball für die Düsseldorfer. Bebou schnappte sich ihn, passte zu Hennings, der dann (Majestätsbeleidigung im letzten Heimspiel) auch noch Schäfer tunnelt.

Jetzt wachte der Club wieder auf. Schließlich wollte sich keiner auf diese Weise vom Publikum und von der Torwartlegende verabschieden. So war es dann eher Druck als Können, dass der Club zum Ausgleich kam. Löwen passte auf Möhwald, der dann den Ball irgendwie mit der Hüfte zum Ausgleich eintütete.

Jetzt schien dem harmonischen Saisonausklang nichts mehr entgegenzustehen. Die Clubfans durften noch die Einwechslung des seit mehr als einem Jahr verletzungsbedingt fehlenden Patrick Erras feiern. Aber für die Fortuna ging es halt immer noch gegen den Abstieg. In der 88. Minute nutzen die Düsseldorfer dann die fehlende geistige Frische in der Clubabwehr und markierten nach einer Ecke den Siegtreffer. Genauer gesagt half auch Schiedsrichter Rohde mit. Der wollte wohl schnell heim und gab nur eine Minute Nachspielzeit (der Club ist halt nicht der FC Bayern). So fehlte dann die Chance, nochmal zurückzukommen. Aber als Raphael Schäfer sich schließlich von den Fans feiern lassen durfte, war das Ergebnis schnell vergessen. Nur die entgangenen TV-Gelder könnten vielleicht noch mal schmerzen.

Zu zehnt fast noch einen Punkt geholt

1749330276Das einzig Konstante beim Club ist, dass man als Fan fast jedesmal leidet. Beim Wie gibt es dann aber doch immer wieder mal was Neues. Selbst innerhalb von 90 Minuten können da Wechsel eintreten. Insofern dürfen wir aus dem Leipzigspiel zumindest positiv vermelden: Langweilig wird es beim Club nicht. Aber für Kurzweil werden in der 2. Liga halt keine Punkte vergeben.

Doch der Reihe nach. Erst einmal gab es fünf Minuten Geplänkel. Beim Club war wieder die schon aus dem Bielefeldspiel bekannte Pomadigkeit zu erkennen. Und wenn dann der Gegner nicht mitspielt und plötzlich einen Zahn zulegt, vielleicht mal was Unorthodoxes probiert, dann steht der FCN auf dem Schlauch. Bei Leipzig war es diesmal: Einfach irgendwie in den Strafraum kommen und dann auf Elfer spechten. Das gelang bereits in der 6. Minute. Blöderweise gab es nicht nur den Elfmeter, sondern auch noch Rot für den Notbremser Margreitter. Elfer! Ja, diesmal stand Raphael Schäfer mal wieder im Kasten und der hat es bekanntlich nicht so mit dem Elfmetertöten. Auch diesmal nicht. Kacke, dachte man. Jetzt erst einmal sortieren. Doch nichts da. Bereits fünf Minuten später machte der vorher gefoulte Selke aus der nächsten Chance das 2:0. Abermals fünf Minuten später bedankte sich der gleiche Spieler für eine zu kurze Kopfballabwehr von Sepsi mit dem 3:0 .

3:0 nach 16 Minuten und dann auch noch ein Mann weniger, da braucht es schon viel Optimismus um noch an eine Wende zu glauben. Auch das Spiel der Clubmannschaft wirkte nicht so, als würde da noch irgendwas gehen. Dass es zur Halbzeit nur 3:0 stand, war sogar als glücklich zu bezeichnen. Auch nach der Pause ging es im gleichen Stil weiter. Allerdings hatten die Leipziger Brauseballer wohl zu früh einen Gang zurückgeschaltet. Nach einer Stunde kam nämlich der Club – bezeichnenderweise abermals nach einem von Möhwald getretenen Standard – zum Anschlusstreffer durch den eingewechselten Dave Bulthuis. Eine Viertelstunde später traf dann der ebenfalls eingewechselte Füllkrug nach Möhwald-Freistoss zum 2:3. Jetzt ging Leipzig plötzlich die Flatter. Spieler wälzten sich mit Krämpfen am Boden und versuchten Zeit zu schinden. Alt-Keeper Schäfer schmiss sich todesmutig allein auf ihn zukommenden Spielern entgegen. In der Nachspielzeit raste er bei einer Clubecke mit nach vorne. Dann stocherte Füllkrug den Ball sogar noch ins Netz. Leider stand er zuvor im Abseits. Nichts wars also mit dem im letzten Spiel noch gefeierten Happy End.

Ein 3:0 aufzuholen und das auch noch zu Zehnt, das war offenbar eine Nummer zu groß. Vielleicht muss man für solche Aufgaben nicht erst nach einer Stunde aufwachen. Am besten wäre es freilich, weniger bräsig ins Spiel zu gehen. Vielleicht könnte es dazu ganz hilfreich sein, den Gegner nicht erst während des Spiels kennenzulernen und sich schon mal in der Spielvorbereitung auf ihn einzustellen. Aber für sowas reicht wahrscheinlich das Geld nicht…. Das ist zwar frustrierend, aber eben auch kurzweilig.

Schluss mit UPS!

1. FC Nürnberg - Fortuna Düsseldorf18 Neuzugänge, 19 Abgänge: Man dürfte meinen, beim Club hätte sich einiges verändert. Doch dem ist mitnichten so. Das gleiche planlose Gegurke wie seit Monaten, das Einbrechen nach Gegentreffern, die bekannte Ängstlichkeit, fehlende Initiative und am Ende war „die Mannschaft“ schuld. Dabei ist die Mannschaft eine andere. Die Neuen wurden sogar in dem Bewusstsein gekauft, nicht die Fehler der Alten zu machen.

Die machen sie auch nicht, wenn sie kurz genug da sind. Dann sind sie noch nicht infiziert. So wurde in Berlin gewonnen. Allerdings nicht nur deswegen. Ein glücklicher Spielverlauf, ein wohlgesonnener Schiri und ein weiterer Aspekt halfen mit. Trainer Ismael sprach da sogar vom Geburt einer neuen Mannschaft. Aber anstatt die dann beizubehalten, stellte er um. Prompt wurde aus der neugeborenen Mannschaft wieder die bekannte Gurkentruppe.

upsDiese Umstellung ist wider besseren Wissens erfolgt. Es macht mir keiner weis, dass Ersatztorhüter Patrick Rakovsky in einer Art Alleingang dem Kicker ein Interview gibt und dort kritisiert, dass es in der Torhüterfrage gar nicht um Leistung geht. Da dürften ihm noch einige andere angetrieben haben. Doch leider haben die peripheren Beobachter bei der Interview-Lektüre wohl nur wissend gegrinst und sich gedacht, Raphael Schäfer ist halt der Bessere, das musst du halt akzeptieren, du Jungspund. Schließlich stimmt es ja auch: Schäfer rettet oft in prekären Situationen und nicht umsonst haben wir bei fast jedem Spiel in jüngster Zeit mehrfach UPS (für „uff, puh, Schäfer!“) twittern müssen. Wenn sich ein Torwart auszeichnen soll, dann macht die Clubmannschaft eigentlich alles richtig.

Schäfer, das ist offensichtlich, ist ein guter Torwart. Als Kapitän hat er jedoch in der letzten Saison versagt. Genau wie sein Spezi Martin Bader auf Vorstandsebene hat er zielstrebig an der Alleinherrschaft gearbeitet. Die Konkurrenz wurde weggegrätscht. Symbolisch war da die Verletzung von Jan Polak im Aue-Spiel. Aber – weil im Eifer des Gefechts geschehen – ist das natürlich kein Beleg. Den findet man eher in den bis heute nicht aufgeklärten Abgängen von Hanno Balitsch oder Adam Matysek.

Schäfer ist inzwischen zwar nicht mehr Kapitän, aber immer noch der verlängerte Arm von Manager Martin Bader in die Mannschaft und umgekehrt derjenige, der Bader, aber auch befreundeten Journalisten, Mannschaftsinterna hinterträgt, oder auch nicht. Schäfer ist in der FCN-Mannschaft wie Mutti: alternativlos.

Dass das ein Problem ist, hat mancher (die meisten sind schon wieder weg) erkannt. Doch genau wie bei Manager Bader nützt es halt bei machtbewussten Weggrätschern nichts, wenn man ihnen willfährige Hiwis zur Seite stellt. Gegen die dunkle Seite der Macht sind Einzelkämpfer hilflos. Das dürfte auch dem Trainer klar geworden sein, weshalb er die neugeborene Mannschaft gegen Düsseldorf doch umstellte.

Was soll er auch tun, wenn nicht einmal von uns Fans Rückendeckung kommt.

Ich mache mal einen Anfang uns sage: Schluss mit UPS!

Folgenreicher Juwelentritt

schaeferIm Nachhinein dürfte man sagen, dass der Sieg in Wolfsburg teuer erkauft wurde. In der Hitze des Gefechts ließ sich nämlich Raphael Schäfer zu etwas hinreißen, das zwar Frauen zur Abwehr von Sextätern empfohlen wird, das aber nicht zum korrekten Umgang auf dem Fußballplatz gehört: einen Tritt in die „Juwelen“. Leidtragender war Ex-Clubprofi Zvjezdan Misimovic (der aber keine bleibenden Schäden davon getragen hat) .

Unabhängig davon, ob die Strafe von vier Spielen Sperre (immerhin zog der Club seinen Einspruch zurück, weil sonst die Strafe noch heftiger ausgefallen wäre) gerechtfertigt ist, wollen wir jedoch Zweifel daran äußern, ob die Schwächung so groß ist, dass man die vier Spiele gegen Freiburg, Dortmund, Hamburg und Köln gleich abhaken muss. Alexander Stephan, der dann wohl zwischen die Pfiosten muss/darf, hat zwar weder Bundesliga- noch Zweitligaerfahrung. Er ist aber bestimmt kein schlechter. Trainer Oenning hält jedenfalls große Stücke auf ihn. Zudem soll er für seine 22 Jahre schon ziemlich abgeklärt sein. Außerdem legen Abwehrspieler manchmal noch eine Schippe zu, wenn sie wissen, hinten steht einer, der möglicherweise nicht alles rausholt und ausbügelt.

Möglicherweise – aber das wollen wir dem Raphael Schäfer nicht wünschen – geht es dem verdienten Clubkeeper sogar demnächst wie einem anderen verdienten Clubspieler, dem „Phantom“ Marek Mintal: Ohne ihn läuft es sogar besser.

Was sagt uns das: Selbst ausgemachte Lieblinge der Fans haben keine Stammplatzgarantie. Denn mehr noch als bestimmte Spieler liebt schließlich auch der Fan den Erfolg.