Die Luft ist draußen

  • Der Club steht am Tabellenende. Die Punkteausbeute ist historisch schlecht. Dennoch behauptet der Aufsichtsratsvorsitzende, der Verein sei „attraktiver“ geworden. Woran er das festmacht? An der Zahl der Bewerbungen für die Nachfolge von Andreas Bornemann. Möglicherweise liegt das aber nicht an der Attraktivität des FCN, sondern daran, dass inzwischen die Zahl arbeitsloser Bewerber größer geworden ist.
  • Für Adam Zrelak ist die Saison gelaufen. Im Training zog er sich einen Kreuzbandriss zu. Wir wünschen gute Besserung.
  • Punkte sind im Fußball nicht alles. Für Toleranz, Offenheit und Fairness im Sport hat der 1. FCN jetzt den „Makkabäer 2019“ erhalten.
  • Sie lernen es einfach nicht: Auch wenn sich kaum noch einer an den letzten Sieg erinnern kann, wird vor jedem Spiel auf Zuversicht gemacht. Irgendwo wird noch ein Aspekt herbeigezerrt, der einen möglichen Sieg begründen könnte. Nach dem Motto: Wenn der Samstag auf einen Montag fällt und alle 150 Prozent geben, dann holen wir die drei Punkte. Wie wäre es damit: Einfach den Mund halten und erstmal auf dem Platz dafür sorgen, dass man medial wieder glaubwürdig wird.
  • Der Club präsentiert sich mit einem eigenen Stand auf der Freizeitmesse. Unter anderem werden dort derzeit eher schlecht verkäufliche Trikots mit Rabatt verhökert. Es werden aber auch Gespräche mit Fans geführt. Mancher Zuspruch und manches Lob ist dabei eher zweischneidig. Zum Beispiel, wenn sich Bayern-Fans dafür bedanken, dass der FCN dem Meisterschaftskonkurrenten aus Dortmund zwei Punkte abgenommen hat.

Das Spiel:

Notgedrungen lief diesmal eine auf drei Positionen veränderte Clubmannschaft auf. Ishak ersetzte der verletzten Zrelak, Kerk lief für den gesperrten Pereira und Erras für Petrak auf. Der Club kam zunächst gut ins Spiel. Diesmal schien sich auch das nötige Glück einzustellen. In der 9. Minute ließ Konate am Strafraum das Bein stehen, Leibold fiel drüber, Schiedsrichter Schlager entschied zunächst auf Freistoß und Gelb, via VAR wurde jedoch auf Elfmeter nachgebessert. Behrens tritt an, verlädt Gästekeeper Gulacsi, doch der Ball knallt an die Latte.

Der Club spielt zwar weiter gut mit, aber mehr und mehr übernimmt Leipzig das Kommando. Anders als gegen Dortmund reichte es aber nicht, durch Hintenreistellen die Null zu sichern. Zunächst konnte sich Mathenia noch mehrfach auszeichnen. Nach einem Eckball kommt Klostermann aber in der 40. Minute völlig freistehend an den Ball und hämmert diesen durch die im Torraum versammelte Abwehr am diesmal machtlosen Mathenia in die Maschen. Der Club hätte eigentlich führen müssen. Jetzt liegt er wieder hinten.

In der zweiten Hälfte muss Leipzig nicht mehr mit vollem Einsatz agieren. Beim Club überwiegt allerdings die Angst, sich einen der gefürchteten schnellen Konter zu fangen. Deswegen geht nach vorne nicht viel. Für Aufregung muss da eben der Kölner Keller sorgen. In der 58. Minute bekommt Konate nach einem Foul an Ishak erneut die gelbe Karte vors Gesicht gehalten. Der muss runter, dachten alle. Aber nichts da. Wie sich – erst jetzt – herausstellte, hatten die Kölner die erste Gelbe wegen der Nachbesserung auf Elfmeter zurückgenommen. Kann man machen, allerdings versteht der Zuschauer, vor allem wenn er im Stadion sitzt, zunehmend weniger, was sich auf dem Rasen abspielt.

Ob der Club gegen zehn Leipziger ein Tor gemacht hätte, ist eh fraglich. Diesmal ging nach vorne nicht viel zusammen. Das lag auch daran, dass Kerk und Kubo blaß blieben und der Club inzwischen leider auch was den läuferischen und kämpferischen Einsatz angeht nicht den Eindruck erweckte, als würde er sich mit aller Kraft gegen den Abstieg aufbäumen.

Immerhin gab es diesmal keine Klatsche und das ist ja auch schon was.

Ein Letztes:

Matheus Pereira hat für seine Tätlichkeit im Düsseldorf-Spiel einiges einstecken müssen und sich jetzt entschuldigt. Erinnert sei in diesem Zusammenhang daran, dass beim Club schon mal ein Leihspieler aus Südamerika zunächst durch mangelnde Disziplin auf dem Platz aufgefallen ist, um sich dann zu einem Publikumsliebling zu entwickeln. Einem, für den sich jetzt, da Bornemann weg ist, vielleicht sogar wieder eine Tür öffnen könnte.

Wollte mich nur entschuldigen. In dieser schwierigen Moment ich sage
Entschuldigung liebe Fans und @1_fc_nuernberg ein sehr großer Fehler gemacht ,mehr niemals aufgeben pic.twitter.com/OmptpxFghM— Matheus Pereira (@MatheusPereira) 27. Februar 2019

Ärgerliche Pleite in Braunschweig

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Man hat schon Pferde vor der Apotheke kotzen sehen. In Nürnberg machen sie das sogar besonders gerne. Deswegen konnte dem Club-Freund etwas unwohl werden, als es nach dem 6:2 gegen Berlin allerorten hieß, der 1.FC Nürnberg habe die Relegation sicher. Wenigstens Kollege vip baute noch eine kleine löbliche Einschränkung ein: „So gut wie“, schrieb er. Da erkennt man den treuen Fan, der spätestens seit dem Abstiegsinferno anno 1999 weiß, dass gerade beim Ruhmreichen Theorie nicht immer grau sein muss. St. Pauli hätte ja in den letzten drei Spielen nur dreimal 6:0 gewinnen und der 1.FC Nürnberg drei Pleiten kassieren müssen (zweimal 0:1, einmal 0:2) – und schon wären die Hamburger vorbeigezogen. Wer die Club-Historie nur lange genug verfolgt, dem kommen solche Szenarien alles andere als unwahrscheinlich vor… Doch seit diesem Wochenende sind die bösen Deppen-Gespenster verjagt. St. Pauli hat durch das 0:2 gegen energisch um den Klassenverbleib kämpfende Münchner „Löwen“ die letzte theoretische Restchance auf Rang drei verspielt, Trainer Rene Weiler und seine Schützlinge werden am Ende mindestens „Bronze“ holen. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: In Braunschweig gab es eine bittere 1:3-Niederlage.

Dabei schien die Ausgangslage so günstig: Weil die Bielefelder Arminia, für die es eigentlich um nichts mehr geht, den Nürnbergern vielleicht aus einer gewissen Rekordabsteiger-Solidarität heraus Schützenhilfe leistete und RB Leipzig ein 1:1 abtrotzte, erschien vor dem Spiel in Niedersachsen sogar Rang zwei und der direkte Aufstieg wieder in Reichweite. Mit einem „Dreier“ gegen die ebenfalls nur noch um die goldene Ananas kickende Eintracht hätte der Club den Abstand auf den Brauseklub auf zwei Punkte verkürzt. Leider nahm Braunschweig das Duell der beiden Absteiger von 2014 sehr ernst und machte diese Planspiele der Nürnberger zunichte. Kurz vor der Pause brachte Khelifi die Braunschweiger in Führung (43.), nachdem zuvor die Gäste die Mehrzahl an Tormöglichkeiten verzeichnet hatten. Aber Rurik Gislason verfehlte bei seinen beiden Kopfballchancen (15./24.) ebenso das gegnerische Gehäuse wie später Niclas Füllkrug per Freistoß (33.). Von einem Rückstand haben sich die Nürnberger in dieser Spielzeit zwar selten verunsichern lassen, aber diesmal lief es auch in der zweiten Hälfte nicht besser für die gegenüber dem Berlin-Spiel mit unveränderter Formation aufgelaufenen Weiler-Schützlinge. Reichel per Abstauber (60.) und der sträflich freistehende Sauer (67.) erhöhten auf 3:0 für den Deutschen Meister von 1967. Guido Burgstaller traf zwar aus der Drehung ins kurze Eck (78.), aber dieser Anschlusstreffer kam zu spät. Nun dürfte es schwierig werden, Leipzig noch abzufangen.

Während der Tabellenführer SC Freiburg (69 Punkte, mit dem Ex-Cluberer Frantz) die sofortige Rückkehr ins Oberhaus durch ein 2:1 in Paderborn perfekt machte, brauchen die derzeit ins Trudeln geratenen Leipziger (64) noch zwei Punkte, um Platz zwei sicherzustellen. Sie spielen nächste Woche gegen Karlsruhe und zum Schluss in Duisburg. Der 1.FCN (59) hat zwar die bessere Tordifferenz, aber bei fünf Punkten Rückstand sind die Aussichten trübe. Der Club braucht für den direkten Aufstieg zwei Siege gegen St. Pauli sowie Paderborn – und noch ein paar Pferde, die vor die Apotheke kotzen.

So sehen Aufsteiger aus!

2821547782Die Prämissen waren eher schlecht. Ausgerechnet beim Spitzenspiel fehlten nicht nur Raphael Schäfer und der gelb-gesperrte Abräumer Dave Bulthuis, sondern auch der verletzte Patrick Erras. Dabei hielten wir ihn doch für die personifizierte Serie. Mit Erras hat der FCN nicht verloren. Überhaupt gab es die letzte Niederlage in der Vorsaison gegen RB Leipzig. Und diesmal liefen wieder die Roten Bullen als Gegner auf.

Wer aber dachte, der Club würde vor den Dosen klein beigeben und die durchaus vorhandenen Ausreden mitnehmen, der sah sich getäuscht. Es ging munter los in Richtung Dosentor. Der Club hatte eindeutige Spielvorteile und hielt die Leipziger weitgehend vom Strafraum fern, so dass es gar keine Rolle spielte, dass da hinten mit den „Neuen“ Hovland und Petrak eine umformierte Abwehr stand. Nicht nur das: In der 40. Minuten hätte es eigentlich einen Elfer für den Club geben müssen. Denn der Leipziger Halstenberg verschätzt sich und bringt Sebsatian Kerk zu Fall. Aber Schiri Zwayer, der schon zuvor eher dosenfreundlich gepfiffen hat, entschied sich, den Tabellenführer zu schonen.

Kerk hatte auch mit einem super getretenen Freistoß in der ersten Hälfte eine der besten Clubchancen zu verzeichnen. Mit dem Halbzeitstand 0:0 war RB also durchaus gut bedient.

In der zweiten Hälfte ging es zunächst so weiter. Der Club drückte und von Leipzig ging kaum Gefahr aus. Bis zur 52. Minute. Da war die Clubabwehr auf einmal unsortiert. Forsberg passt auf Poulsen, die Clubabwehr spekuliert fälschlicherweise auf Abseits und der Millioneneinkauf Selke macht das – völlig unverdiente – 1:0.

Lange musste man sich dann mit der traurigen Erkenntnis anfreunden, dass eben Geld doch Tore schießt und zum Geld dann oft noch Glück und Referee dazukommen. Sogar über die zwischenzeitliche Führung der Fürther in Bochum mussten wir uns freuen. Hielten die uns wenigstens den ärgsten Verfolger um den Relegationsplatz vom Leib.

Bis zur 70. Minute. Dann gelang ausgerechnet Erras-Vertreter Petrak nach einer Ecke der Ausgleich. Und nicht nur das: Fünf Minuten später drehte Füllkrug mit seinem Tor das Spiel, womit dann auch das Ergebnis wieder zum Match passte. Dass die Leipziger zwar eine Dosen-, aber keine Gurkentruppe sind, stellten sie danach unter Beweis. Minutenlang wurde der Club im eigenen Strafraum eingeschnürt. Aber die Abwehr hielt. In der Nachspielzeit konnte Guido Burgstaller seine Klasseleistung sogar noch mit dem 3:1 belohnen.

Der Club scheint im Augenblick offenbar jeden schlagen zu können. Deswegen schauen wir mal nach oben: Zu Leipzig sind es nur noch drei Punkte und zu Freiburg (die spielen allerdings am Montag noch gegen den KSC) haben wir nach Punkten sogar aufgeschlossen.

Das war nicht der Tag der Dose

redbDa prallten heute zwei Welten aufeinander. Die alte gegen eine neue, die eigentlich kein Fußballfan will. Tradition gegen Kommerz. Fränkisches Bier gegen Plastikbrause. Schon im Vorfeld wurden damit die Fans ins Stadion gelockt (Bild).

Zum ersten Mal musste unser „Ruhmreicher“ gegen den Newcomer-Club RB Leipzig antreten. Einen Verein, der in der 2.Liga vorne mitspielt, während der FCN…. Aber lassen wir das. Zum ersten Mal sollte in Nürnberg die Dose zum Einsatz kommen. Nein, ich rede diesmal nicht von Red Bull, sondern vom Freistoßspray. Aber so weit kam es dann nicht. Drees ließ die Dose an der Hose. Es war also nicht der Tag der Dose.

So unterschiedlich die Voraussetzungen aber zunächst erschienen, so ununterschiedlich präsentierten sich die Mannschaften auf dem Platz. Beide praktizierten frühes Pressing. Beide suchten gleich den Weg nach vorne. Beide liefen, was das Zeug hält. Und beide standen in der Abwehr relativ sicher, so dass sich zunächst kaum Torchancen ergaben.

Erst in der 74. Minute platzte dann der Knoten. Der grö0ere Druck in der 2. Hälfte zahlte sich aus. Dazu kam eine gute Kombination zwischen Füllkrug und Schöpf, der dann den Ball überlegt im rechten Eck eintütete. Danach hatte der Club sogar noch zwei Mal die Möglichkeit nachzulegen und uns das ewige Gezittere am Spielende zu ersparen. Das war uns leider nicht vergönnt.

Doch egal: Drei Punkte für den Club. Drei Punkte für das Selbstbewusstsein. Drei Punkte gegen den Abstieg. Drei Punkte für den Fußball.