Jetzt ist sogar noch Europa drin

Von wegen Sommerfussball! Von wegen locker auslaufen lassen! Der Club hängte sich in Sinsheim richtig rein und holte sich verdient die drei Punkte ab. Dabei ging es für die SAPler noch um was. Die hätten sich nämlich noch für einen Europaleague-Platz qualifizieren können.

Ging es nur für die Hoffenheimer um was? Nein! Theoretisch könnte sich jetzt sogar der Club noch für Europa qualifizieren. Hannover auf Platz 7 liegt nur noch drei Punkte vor dem Club. Allerdings spielen die am letzten Spieltag zuhause gegen den Tabellenletzten aus Kaiserslautern. Der Club muss gegen Leverkusen ran. Aber trotzdem: Es ist noch was drin. Wer hätte das gedacht?

Unabh#ängig davon gibt es freilich genügend Gründe, lieber nicht in der Europaleague mitzuspielen und sich lieber nur ein paar Fernsehgelder mehr durch einen guten Mittelfeldplatz abzuholen. Vielleicht war das auch die Motivation, die den Club gegen Hoffenheim zum Sieg verholfen hat.

Nicht zu vergessen auch, abermals!, Daniel Didavi, der wieder einmal den Unterschied ausmachte. Er brachte auch Tomas Pekhart so ins Spiel, dass der seine Torjägerqualitäten wieder fand. Gute Leistung verbunden mit Altruismus, das macht große Spieler aus!

Bezeichnend jedenfalls, dass die Partie in Hoffenheim an diesem kompletten Spieltag wohl anfangs als das belangloseste eingestuft wurde. Am Ende war sie aber trotz der Hitze eine der besten. Und das war bestimmt nicht den Hoffenheimern geschuldet.

Bitte etwas mehr Respekt!

Wo bleibt denn der Respekt vor dem Alter? Wo die Ehrfurcht vor herausragenden Lebensleistungen? Verabschiedet man so ein Phantom? Einen Marek Mintal?

Ich meine da noch nicht einmal das lasche Gegurke der Mannschaftskollegen. Nein, auch die Hoffenheimer hätten doch wissen müssen, dass man in so einer Situation nicht normal spielt, dass man da die Choreographie zu beachten hat. Deswegen haben wir doch extra massenhaft Konfetti gestreut und ein Mords-Bohai abgezogen.

Habt ihr da nicht aufgepasst? Hättet ihr mal kurz weggeguckt als der Marek den Ball hatte, ihr wärt in die Geschichte eingegangen, wärt mit drauf auf den meist geklicktesten Fußballvideos. Aber was macht ihr? Ihr nehmt dem Phantom den Ball weg und hindert seine Mannschaftskameraden, ihm ein Tor aufzulegen.

Zur Strafe werde ich nie mehr ein SAP-Produkt kaufen und auch in meinem Bekanntenkreis und an meinem Arbeitsplatz alles dafür tun, um SAP als das zu bezeichnen, was es ist. Das habt ihr jetzt davon.

Doch nun zum Club. Was war denn los? Geistig schon in der Sommerpause? Bei Ilkay Gündogan hatte man auf jeden Fall das Gefühl, dass der gedanklich bereits weit weg war. Philipp Wollscheid träumte dagegen offenbar davon, in Mintals Fußstapfen zu wandeln und konzentrierte sich lieber aufs Tore schießen als aufs abwehren.

Aber das kennen wir leider schon, dass der FCN gern geplante Partys verpatzt und die Feierlaune trübt.

Und noch was: Nicht mal auf Twitter haben es die Fans geschafft, den einzigen Bundesligatorschützenkönig des FCN zum Trending Topic zu machen. Dabei hätte das angesichts der massenhaften Erwähnungen problemlos klappen können. Man hätte sich halt nur auf ein einheitliches Hashtag einigen müssen. Wenn der eine #Marek, der andere #Mintal, der dritte #Phantom und der vierte #MarekMintalPhantom twittert, kann das natürlich nichts werden. Aber egal! Wir sind jedenfalls auch nächste Saison wieder oben dabei und wenn wir da alle ein paar Prozent zulegen, dann feiern wir dann richtig.

Eigler, einer für die wichtigen Tore

20101211 Hoffenheim - FCNLeute, das war wichtig! Manchen Spielen sieht man ihre Bedeutung gar nicht an. Zum Beispiel dem in Sinsheim, bei den SAPlern. Da sorgte der Club in der ersten Hälfte für die angekündigte Unansehnlichkeit. Die SAPler wiederum bewiesen, dass sie zurecht nicht ganz oben dabei sind. Andere Mannschaften hätten die zahlreichen Chancen sicher genutzt.

Doch das wäre eigentlich egal gewesen. Denn wie das so ist beim FCN im Jahr 2010: Man kann zwar Tore verhindern, aber keine Standards (jetzt haben wir das S-Wort doch gebraucht). Und da ist es dann meistens irgendwann vorbei. Während beim Gegner der ruhende Ball für mehr Präzision und Konzentration sorgt, verursacht er beim Club Fracksausen. Aber, auch das war egal, denn einer, den wir schon alle kaum noch auf dem Zettel hatten, schon gar nicht als Goalgetter, machte dann doch noch den Ausgleich: der Christian Eigler. Wir gönnen es ihm. Wir gönnen es dem Club. Wir gönnen es auch irgendwie SAP) aber das hat andere, fußballfremde Gründe, auf die wir deshalb hier nicht eingehen wollen.

Ein enorm wichtiges Tor. Nicht nur, weil es dem Club einen Punkt gegen den Abstieg bescherte, sondern weil es sonst wahrscheinlich doch wieder zu gesteigertem Krisengerede und der am Valznerweiher dann gerne einsetzenden Panik gekommen wäre.

Der Spieler, ein Sammelsurium von Daten

Jeder, der schon einmal ein Fußballmanagerspiel gespielt hat, weiß das: Ohne eine Datenbank ist man verratzt. Ich habe mir beispielsweise immer einen mit Einfluss 20 gesucht, als Mannschaftskapitän. Einen der bei Technik und Standardsituationen mindestens 19 hatte, für die Freistösse und die Ecken. Einen Kreativen fürs offensive Mittelfeld und zwei gute Manndecker um gegnerische Spielmacher auszuschalten.

Mit dieser Strategie spiele ich jetzt mit dem Club schon das dritte Mal hintereinander in der Championsleague mit und kämpfe aktuell (bin aber schon in der Saison 2010/2011) mit Union Berlin um die erneute deutsche Meisterschaft. Der Rest hat keine Chance mehr.

Warum ich so etwas erzähle? Mit logischem Denken und guten Datenmaterial kann man ganz offenbar Erfolge erzielen. Deswegen ist es wohl kein Zufall, dass der Verein von SAP-Chef Dietmar Hopp noch an der Spitze der Bundesliga steht, und dass nun besagter Hopp (bzw. einer seiner Mitarbeiter) beim DFB ein Stück seines Erfolgsrezeptes offenbart und der Nationalmannschaft zur Verfügung stellt: Eine Datenbank, in der die deutschen Fußballer mit Leistungsmerkmalen, Gesundheitswerten und Spielstatistiken aufgeführt sind. Nichts mehr mit Zufall oder Bauchgefühl des Trainers.

Am interessantesten an dieser Meldung finde ich aber, dass sich diesmal nicht die Computergames bemühen noch näher an die Realität ran zu kommen, sondern umgekehrt die Realität bestrebt ist, ein bisschen mehr zum PC-Spiel zu werden.