Club verliert beim neuen Tabellenführer


Eine Phrase vorab: Jede Serie hat einmal ein Ende. Bisher verlor der 1.FC Nürnberg noch nie in der Zweiten Bundesliga gegen Union Berlin, doch nach sechs Siegen und einem Remis ist der Nimbus des Angstgegners perdu. Mit 1:0 setzte sich das Team von Jens Keller an der Alten Försterei durch und übernahm die Tabellenführung vom zuletzt leicht kriselnden VfB Stuttgart.  Dabei sah es lange Zeit so aus, als würde die Partie auf ein 0:0 zusteuern.

Der nach wie vor von vielen Ausfällen gebeutelte Club – diesmal musste er neben den Langzeitverletzten auch die bereits zu ihren Nationalmannschaften einbestellten Hovland und Gislason entbehren – startete mit einer Änderung: Abräumer Behrens kehrte nach abgesessener Sperre wieder zurück, dafür blieb Stürmer Ishak draußen. Insofern ging Trainer Michael Köllner mit einer etwas defensiveren Formation in sein zweites Spiel als Zweitliga-Cheftrainer.

Die wohl beste Chance der Gäste im ersten Abschnitt hatte Salli, dessen Bogenlampe beinahe im linken oberen Toreck gelandet wäre. Unions Keeper Mesenhöhler lenkte den tückischen Ball gerade noch über die Latte (29.). Direkt danach kam dann aber Union Berlin in die Gänge. Polter, in der Saison 2012/13 als Leihspieler für den Club in der Bundesliga aktiv (26 Einsätze/5 Tore), verzog zweimal knapp (30./33.). Dann musste Nürnbergs Torwart-Oldie Schäfer, der wieder den verletzten Kirschbaum vertrat, gegen Skrzybski klären (36.). Damit endete die Drangphase der Berliner wieder.

Zu Beginn der zweiten Hälfte tauchte Löwen gefährlich frei vor Mesenhöhler auf, produzierte aber nur ein Schüsschen, das den Union-Torwart nicht besonders forderte (49.). Anschließend gab es viel Kampf im Mittelfeld, ohne dass beide Mannschaften in der ausgeglichenen Partie besondere Durchschlagskraft erzielt hätten. Eine kuriose Spielunterbrechung – Schiedsrichter Dr. Drees meldete sich für einige Minuten ab (75.) – hatte aber offensichtlich belebende Wirkung für die Heimelf. Jedenfalls entschieden die Berliner nach dem Wiederanpfiff das Spiel für sich. Erst  traf Polter den Pfosten (81.), doch dann machte der eingewechselte Hosiner nach einer tollen Kombination über Trimmel und Skrzybski ernst und traf aus kurzer Distanz zum 1:0 (83.). Schäfer, der noch dran war, verhinderte in der Nachspielzeit gegen Schönheim und (durch zeitiges Herauslaufen) gegen Redondo weitere Gegentreffer.

Während Berlin von der Bundesliga träumen darf, steht der 1.FC Nürnberg als Zehnter im Niemandsland der Tabelle. Neun Punkte Vorsprung vor Rang 16 dürften ein ausreichendes Polster sein, um den Blick wenigstens nicht mehr nach unten richten zu müssen.

Eingeknastet in der Zweiten Liga

Der Club ist schon  als Meister aus der Bundesliga abgestiegen (im Jahr 1969), als Pokalsieger (2008), mit 17 Auswärtsniederlagen (1984), mit einer Hinrunde ohne Sieg (2014) und mit einem Sturz von 12 auf 16 am letzten Spieltag (1999): Für negative Superlative ist der Ruhmreiche also bekannt. Nun aber mal ein positiver Rekord im Jahr 2016: 38 Zweitliga-Spiele in Serie hat der 1.FC Nürnberg stets ein Tor erzielt, das glückte außer der SG Wattenscheid 09 (September 1987 bis Dezember 1988) keinem Verein.
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Der beste Schäfer aller Zeiten

Fuflball 2. Bundesliga 20. Spieltag: TSV 1860 M¸nchen - 1. FC N¸rnberg am 06.02.2016 in der Allianz Arena, M¸nchen (Bayern). Fanbetreuer J¸rgen Bergmann geht nach Spielende vor Torwart Raphael Sch‰fer von N¸rnberg auf die Knie. N¸rnberg siegte mit 1:0. Foto: Andreas Gebert/dpa (Wichtiger Hinweis: Aufgrund der Akkreditierungsbestimmungen der DFL ist die Publikation und Weiterverwertung im Internet und in Online-Medien w‰hrend des Spiels auf insgesamt f¸nfzehn Bilder pro Spiel begrenzt.) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Raphael Schäfer ist in Topform. Und das tut dem 1. FC Nürnberg gut. (c) dpa

Fußball ist ein Mannschaftssport. Was eigentlich ein Satz fürs Phrasenschwein ist, hat der 1. FC Nürnberg am Samstagnachmittag beim 1:0-Erfolg gegen den TSV 1860 München eindrucksvoll untermauert. Schon die komplette Vorbereitung über hatte sich gezeigt: Der FCN kann auch ohne Alessandro Schöpf gewinnen.

Keine Frage: Mit Schöpf hat der Club seinen Dreh- und Angelpunkt verloren. Doch die besten Einzelspieler bringen nichts, wenn die Mannschaft nicht funktioniert. Man denke da nur an die Abstiegssaison nach dem Pokalsieg 2007 zurück. Misimovic, Charisteas, Koller – was nützen diese namhaften Namen, wenn am Ende nur Murks rauskommt?

Nicht dabei war 2007/2008 Keeper Raphael Schäfer. Der spielte damals (erfolglos) in Stuttgart und kam erst nach einem einjährigen Intermezzo wieder zurück an den Valznerweiher. Knapp acht Jahre später sehen wir in Nürnberg den besten Schäfer aller Zeiten. Vergangene Woche erst 37 geworden, avancierte er gegen die Löwen zum Matchwinner. Abermals.

Schäfer wehrte gleich mehrere Großchancen der Weiß-Blauen ab, präsentierte sich in einer herausragenden Form. Vor rund 50.000 Zuschauern rettete der Club dank Schäfers Paraden das sehenswerte 1:0 durch Patrick Erras (23.) über die Zeit – es war der erste Dreier in der Allianz-Arena überhaupt.

Mit Schäfers Rückkehr zwischen die Pfosten schaffte der 1. FC Nürnberg im November die Wende. Und wir legen uns fest: Wenn der 37-Jährige so weitermacht, dann schafft der Club mit Schäfer auch den Aufstieg. Der Abgang von Schöpf ließ sich durch die Mannschaft locker kompensieren. Bei Schäfer sieht das etwas anders aus.

Mit ihm würde der FCN nicht nur einen wichtigen Spieler, sondern auch seine wichtigste Persönlichkeit verlieren. So hat der Club aktuell gar keine andere Wahl: The Schäfer must go on!

2015 – das Jahr der Abschiede

19.12.2015 --- Fussball --- Saison 2015 2016 --- 2. Fussball - Bundesliga --- 19. Spieltag: 1. FC Heidenheim FCH - 1. FC Nürnberg Nuernberg FCN --- Foto: Sport-/Pressefoto Wolfgang Zink / DaMa ---  Jubel nach Tor zum 0:1 - Guido Burgstaller (9, 1.FC Nürnberg / FCN ) Miso Brecko (2, 1. FC Nürnberg / FCN ) Georg Margreitter (33, 1. FC Nürnberg / FCN ) Patrick Erras (29, 1. FC Nürnberg / FCN ) Laszlo Sepsi (6, 1. FC Nürnberg / FCN ) Dave Bulthuis (4, 1.FC Nürnberg / FCN ) Alessandro Schöpf Schoepf (28, 1.FC Nürnberg / FCN ) Tim Leibold (23, 1. FC Nürnberg / FCN ) - Freude / Torjubel - Torschütze: Guido Burgstaller (9, 1.FC Nürnberg / FCN )
Das Jahr nähert sich dem Ende, die Spiele sind gespielt, und die Club-Freunde schauen zurück und ziehen Bilanz. 2015 wird dereinst wohl als das Jahr der Abschiede in die Annalen des 1.FC Nürnberg eingehen. Bereits im Februar war für Finanz-Vorstand Ralf Woy, seit 2006 in führender Funktion beim Club tätig, Schluss. Ende September endete dann auch die elfjährige Ära von Martin Bader. Die Trauer über den Weggang der beiden langjährigen Vereinsbosse hielt sich in der Fan-Gemeinde in Grenzen. Immerhin hatten sich beispielsweise die Fehlentscheidungen von Bader in der Kaderplanung gehäuft, so dass ihm der Aufsichtsrat mit Wolfgang Wolf schon nach dem Abstieg 2014 einen Abteilungsleiter mit Fußball-Sachverstand zur Seite stellte.
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Eineinhalb Schäfer-Stündchen mit Happy End

1. FC Nürnberg - Eintracht BraunschweigKirschbaum-Holz lässt sich wunderbar zu Möbeln verarbeiten. Vielleicht hat Trainer René Weiler auch ein wenig an den Club-Sponsor „Möbel Wolf“ gedacht, als er Keeper Thorsten Kirschbaum vor dem Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig am Montagabend derart absägte, dass dieser nicht einmal mehr im Kader des 1. FC Nürnberg zu finden war. Den durch diese radikale Maßnahme vakanten Torhüter-Posten nahm der nach seiner Wadenverletzung bereits im Vorruhestand gewähnte, überraschend schnell wiedergenesene Leitwolf Raphael Schäfer ein. Am Ende gewann der FCN mit 2:1. Auch dank Schäfer.

Vermutlich wäre die Analyse anders ausgefallen, wenn Braunschweigs Hendrick Zuck in der 36. Minute, beim Stande von 1:0 für den Club, Profit aus einem dicken Schäfer-Patzer Kapital geschlagen hätte. Der Schlussmann hatte einen strammen Schuss von Jan Hochscheidt nach vorne abprallen lassen, direkt vor die Füße des völlig freistehenden Zuck. Doch der senste in Slapstick-Manier über die Kugel – und so waren es die Nürnberger, die nach Spielende das Lachen hatten. Allen voran Raphael Schäfer.

Während die Eintracht-Profis sich fürchterlich aufregten (warum auch immer) und Guido Burgstaller auf die Pelle rückten, war es Schäfer, der den Österreicher lächelnd wegzog, ihn beruhigte. Und kurze Zeit später grinsten sie alle: Weiler, die Mannschaft, die Betreuer. Da war er, der Schäfer-Effekt. Es geht nicht um die Leistung. Man denke da nur an den Gegentreffer in der 53. Minute durch Nik Omladic. Ein Ball, den man nicht halten muss, aber eben kann. Doch die Routine und Abgeklärtheit des 36-jährigen Schäfer, alleine seine Präsenz auf dem Platz tun dem Spiel des 1. FCN in dieser Phase der Saison gut. Verdammt gut.

Jetzt ist es natürlich sehr zugespitzt, den Dreier nur an der neuen alten Nummer eins festzumachen. Schon deshalb, weil die beiden Torschützen Sebastian Kerk (33.) und Burgstaller (84.) ebenfalls ihren Anteil hatten. Auch ein Niklas Füllkrug oder der in der Halbzeitpause eingwechselte Kevin Möhwald machten eine gute Partie. Grund zur Euphorie gibt es längst nicht, mit etwas Pech hätte der Club durchaus auch verlieren können. Das wissen die Jungs aber selbst. „Mit drei Punkten kann man zufrieden sein, mit der Leistung eher nicht so“, resümierte Burgstaller nach dem Spiel im Interview. Und lachte.