Karussell statt Kontinuität

13.09.2015 --- Fussball --- Saison 2015 2016 --- 2. Fussball - Bundesliga --- 06. Spieltag: SpVgg Greuther Fürth Fuerth - 1. FC Nürnberg Nuernberg FCN --- Foto: Sport-/Pressefoto Wolfgang Zink / JüRa ---  Benedikt Röcker Roecker (2, SpVgg Greuther Fürth ) gg Alessandro Schöpf Schoepf (28, 1.FC Nürnberg / FCN ) -- Derby Frankenderby -- Und wieder ist einer weg: Stürmer Jakub Sylvestr wechselt auf Leihbasis zum abstiegsgefährdeten SC Paderborn. 28 Spieler umfasste der Kader des 1.FC Nürnberg in der Hinserie, wenn man Nachwuchsstürmer Cedric Teuchert mitzählt. Nun sind es nur noch 24. Sylvestr kam im Sommer 2014  als großer Hoffnungsträger und amtierender Torschützenkönig, er erzielte auch gleich im ersten Zweitligaspiel das „goldene Tor“ gegen seinen alten Verein Erzgebirge Aue. Doch schon in der vergangenen Rückserie tat  er sich schwer, und im Saisonverlauf 2015/16 pendelte der Angreifer zwischen Bank und Tribüne. In der Stürmer-Hierarchie von Trainer Rene Weiler war Sylvestr hinter Burgstaller, Füllkrug, Blum und selbst Nachwuchsmann Hercher nur noch die Nummer 5. Angesichts der geringen Einsatzchancen ist sein Wechsel logisch – nun soll er Paderborn aus dem Keller schießen.

Auch die zuvor abgewanderten Reservisten Willi Evseev (zu Holstein Kiel) und Stefan Kutschke (Dynamo Dresden) standen im bisherigen Saisonverlauf höchst selten (Kutschke) oder gar nicht (Evseev) für die Profis auf dem Platz.

Viel schwerwiegender ist freilich der Abgang von Mittelfeldstratege Alessandro Schöpf Richtung Schalke. Vielleicht hat der Club hier für sechs Millionen Euro den Aufstieg verkauft. Man wird sehen. Schöpf, Kutschke, Evseev, Sylvestr. Da warens nur noch 24.

Aufschlussreich übrigens ein kleiner Rückblick auf die Liste der Spieler, die vor und während der Saison 2014/15 kamen oder von der zweiten Mannschaft in den Profikader befördert wurden: Colak, Mendler, Ramirez, Ott, Özdemir, Candeias, Celustka, Radlinger, Mlapa, Bihr, Nikci, Dittgen, Pachonik, Schöpf, Evseev, Sylvestr – sie alle sind schon wieder weg oder gehören zumindest dem Profikader nicht mehr an.    Übrig geblieben von den damaligen Zugängen sind Bulthuis, Hovland, Blum, Koch, Füllkrug, Polak, Mössmer, Kerk und natürlich Burgstaller, wobei Koch ebenfalls gehen dürfte.

Gut, Schöpf verkaufte der Verein mit einem satten Gewinn, doch von allen anderen Spielern trennte man sich sehr rasch freiwillig wieder. Motto: Karussell statt Kontinuität –  die Transferbilanz der Saison 2014/15 war mehr als durchwachsen. Diejenigen, die sie zu verantworten haben, sind allerdings auch nicht mehr da.

Per Kopf zum Jubiläumssieg

243381448So richtig anstrengen musste sich der Club für den Jubiläumssieg, den 250. Erfolg in seiner Zweitliga-Geschichte,  nicht – der 1.FC Kaiserslautern präsentierte sich doch arg von der Rolle. Das lag natürlich auch daran, dass die Pfälzer schon ab der 18. Minute in Unterzahl agieren mussten, weil Patrick Ziegler nach einem groben Foulspiel gegen Guido  Burgstaller „Rot“ sah. Damit die Überzahl nicht gleich wieder leichtfertig verspielt wird, brachte Trainer Rene Weiler nach einer halben Stunde Kapitän Jan Polak anstelle des ebenfalls am Rande eines Platzverweises stehenden Tim Leibold (30.). Polak hatte zunächst wieder auf der Bank schmoren müssen, weil Weiler der Anfangself vom Sandhausen-Spiel vertraute.

Kurz vor Schluss der ersten Hälfte gelang dann dem zuletzt arg kritisierten Abwehrchef Even Hovland per Kopf nach einem Eckstoß von Kevin Möhwald das 1:0 für die Gäste aus Nürnberg (41.). Nach dem Seitenwechsel ging es sehr gemächlich weiter, Polak und Co. schoben den Ball hin und her, ohne dass die Heimelf auf dem einst so gefürchteten Betzenberg in irgendeiner Form Druck gemacht hätte. Man hatte den Eindruck der Club macht das, was Kritiker in der Vergangenheit oft Kanzlerin Angela Merkel vorwarfen – er schläferte den Gegner ein.

Vorne wiederum zeigten sich die Nürnberger absolut effizient: Alessandro Schöpf köpfte nach einer feinen Burgstaller-Flanke das 2:0 (56.), und bereits fünf Minuten später erhöhte Burgstaller selbst – wieder nach einem Möhwald-Eckstoß, wieder per Kopf – auf 3:0 (61.). „Was ist denn jetzt kaputt?“ twitterte daraufhin ein Club-Fan, der dem Braten offenbar noch nicht recht trauen wollte. Aber es blieb dabei. 3:0. Sicher kein hoch unterhaltsamer Fußball-Abend, aber immerhin drei Punkte bei einem der heiß gehandelten Aufstiegsanwärter. Wobei die Pfälzer – in den Vorjahren einmal Dritter, zweimal Vierter – in dieser Form kaum eine Chance haben, in die Spitzengruppe der Zweiten Liga zurückzukehren.

Beim Club bekam der zwischenzeitlich in die Reserve verbannte Jakub Sylvestr eine Bewährungschance, Weiler wechselte ihn für Danny Blum ein (65.), und beinahe hätte der Angreifer auch noch ein Kopfballtor beigesteuert, doch der Ball ging knapp vorbei (68.). Ein 4:0 wäre auch des Guten zu viel gewesen und hätte die schöne historische Parallele kaputt gemacht: Der erste der inzwischen 250 Club-Siege in der Zweiten Bundesliga war nämlich auch ein 3:0. Am 10. August 1974 siegte der 1.FCN mit diesem Ergebnis gegen den FSV Mainz 05. Die Torschützen: Rudi Sturz, Slobodan Petrovic und natürlich die Nürnberger Zweitliga-Legende Dieter Nüssing.

 

Abschied von Aufstiegsträumen

1608020460Das Hinspiel bescherte den Club-Fans einen der wenigen Höhepunkte in der kurzen Ära Ismael: Der 1. FC Nürnberg setzte sich gegen den 1. FC Kaiserslautern in einer sehenswerten Partie mit 3:2 durch. Zweifacher Torschütze damals: Alessandro Schöpf, der nach Bank und Sperre in Kaiserslautern wieder in die Startelf zurückkehrte. Zudem brachte Trainer Rene Weiler gegenüber der 0:1-Heimpleite gegen Heidenheim Mössmer, Blum und Koch neu, draußen blieben Polak (gesperrt), Füllkrug (verletzt), Stark und Mlapa (beide Bank).

Für Danny Blum war das Spiel aber verletzungsbedingt schon nach 20 Minuten beendet, Sebastian Kerk ersetzte die verletzte Offensivkraft. Da stand es schon 1:0 für die Lauterer: Orban hatte nach einem Demirbay-Eckstoß zwar per Kopf nur die Latte getroffen, aber Ring stocherte den Ball über die Linie (15.). In der 31. Minute erhöhte Hofmann dann auf 2:0 für die Gastgeber, die als Tabellendritter im Gegensatz zum Club noch voll im Aufstiegsrennen mitmischen. Hofmann staubte nach einem Lattenkracher von Löwe ab. Kaiserslautern hatte das Spiel in der Folgezeit im Griff. Dass Weiler für Rechtsverteidiger Ondrej Celustka mit Peniel Mlapa noch einen Stürmer brachte (68.), half den Gästen zunächst wenig. Doch als die Partie schon gelaufen schien, verkürzte Hinspielheld Schöpf nach einer Kopfballverlängerung von Mlapa auf 1:2. Anschließend musste Kaiserslautern noch zwei Eckstöße des Clubs überstehen, bis die drei Punkte und der 2:1 (2:0)-Sieg unter Dach und Fach waren.

Für jene Anhänger des 1.FC Nürnberg, die doch noch irgendwie von der sofortigen Bundesliga-Rückkehr träumten, dürfte das letzte Fünkchen Hoffnung nun erloschen sein. Da neben Lautern auch die zweitplatzierten Darmstädter gewannen (5:0 gegen Union Berlin), beträgt der Rückstand der Nürnberger auf Relegationsplatz drei und Aufstiegsrang zwei neun Spiele vor Saisonschluss  satte elf Punkte. Dass der Club hier noch einmal herankommt, erscheint unrealistisch.

Es war übrigens erst das vierte Aufeinandertreffen der beiden Traditionsvereine in der Zweiten Bundesliga. Die Pfälzer spielten nach Gründung der Bundesliga 1963 stattliche 33 Jahre ununterbrochen erstklassig, erst 1996 ging es für ein Jahr nach unten. Weil die Nürnberger aber die Saison 1996/97 in der Drittklassigkeit zubrachten und gegen Teams wie Egelsbach oder Ditzingen kickten, begegnete man sich da nicht. Nach dem zweiten Abstieg der Lauterer 2006 hatten sich die Kräfteverhältnisse umgekehrt. Nun spielte der Club meistens oben, Lautern blieb, von einem zweijährigen Intermezzo (2010-2012) abgesehen, zweitklassig. Nur 2008/09 gab es zwei Zweitligaduelle, die jeweils die Gastgeber gewannen (Lautern mit 2:1, der Club mit 3:0). Und auch an diesem Samstag blieben die Punkte bei den Platzherren – wie schon in der Vorrunde, als der Club sich beim eingangs erwähnten 3:2 über einen gelungenen Montagabend freuen durfte.