Alois will seinen Stammtisch zurück

31.08.2016 --- Fussball --- 2. Fussball-Bundesliga --- Saison 2016 2017 --- 1. FC Nürnberg Nuernberg FCN --- Training --- Foto: Sport-/Pressefoto Wolfgang Zink / JüRa --- Alois Schwartz (Trainer 1.FC Nürnberg / FCN ) mit Trainingsgerät
Mein Clubfreund Stefan hat ganz schön einstecken müssen, als er bereits nach dem zweiten Spiel die Frage stellte, ob Alois Schwartz der Richtige ist. Danach folgte ein mühsames Weiterkommen bei einem Regionalligisten im DFB-Pokal und ein peinliches 1:6 in Braunschweig. Also nichts, was als Gegenargument hätte taugen können.

Auch abseits des Rasens gerät man als Clubfreund trainermäßig mittlerweile ins Zweifeln, um nicht zu sagen: ins Verzweifeln. Denn, was „unser Trainer“ da so von sich gibt, klingt doch reichlich aus der Zeit gefallen. Gegenüber dem TV-Sender Sky beklagte sich Schwartz vor dem Spiel gegen 1860 München, dass über seine Leistung und die seiner Mannschaft nicht mehr ehrlich und „normal“ am Stammtisch diskutiert wird. Stattdessen gebe es dieses neumodische Zeug wie Twitter oder Facebook (vielleicht auch Blogs wie dieses), wo nur unfair aus der Hüfte geschossen wird. Schwartz versteigt sich dann sogar zu der Behauptung: „Die sozialen Netzwerke machen den Fußball kaputt.“

Wirklich, Herr Schwartz? Machen nicht vielleicht Retortenvereine wie RB Leipzig oder abgedriftete Konzerne wie der FC Bayern den Fußball kaputt? Auch über Mauertaktiken und den Trend zur stürmerlosen Mannschaft könnte man in diesem Zusammenhang diskutieren. Aber die sozialen Netzwerke?

Vielleicht hatten Sie in Sandhausen eine schlechte Netzabdeckung. Vielleicht haben dort die Fans auch noch an den Stammtisch gepasst. Aber im halt nur fußballerisch gleichfalls zweitklassigen Nürnberg ist das längst anders. Da dürfte es Ihnen auch nicht gelingen, das Rad zurückzudrehen, um wieder „Normalität“ einkehren zu lassen. Normal wäre da eher (zumindest für einen modernen Trainer ), dass man die sozialen Netzwerke seinerseits nutzt, um seinen Standpunkt zu erklären.

Mit dem BVB in einem Boot

Hin und wieder schauen wir auch iin der Welt herum, was andere Vereine so treiben, warum sie erfolgreicher sind als wir und ob wir vielleicht was finden, das wir den Club-Schnarchnasen (wobei sich die neuen Aufsichtsräte als solche erst noch profilieren müssen) vor den Latz knallen könnten. Und da sind wir jetzt beim gegenwärtigen Tabellenführer fündig geworden. Dessen Geschäftsführer, er heißt Hans-Joachim Watzke, hat nämlich den Vorschlag gemacht, andere Kriterien bei der gegenwärtig zur Neuregelung anstehenden Vergabe der Fernsehgeldern einzuführen. Nach dem „holländisches Modell“) sollten auch Beliebtheit, Tradion oder Zahl der Fans berücksichtigt werden. Dann, so meint Watzke, bekämen die „richtigen“ Vereine, wie etwa sein BVB, erheblich mehr, während Vereine wie Leverkusen, Wolfsburg oder Hoffenheim, die ohnehin genug Geld von ihren Eigentümern bekommen, schlechter dastünden.

An sich keine ganz abwegige Idee, zumal wenn man sich anschaut, wie etwa der Bazahlsender Sky versucht, die Dortmund-Fans mit BVB-Trikots und Spezialangeboten zu umgarnen. In Dortmund lohnt sich sowas, in Hoffenheim nicht. In Nürnberg würde sich das auch eher rentieren (wobei Sky sich da wohl denkt: Wer will schon ein Areva-Trikot geschenkt bekommen?).

Jedenfalls macht Sky – Spezialangebote hin oder her – mit Vereinen, die mehr Fans haben, auch mehr Geld und dieses Geld landet dann wieder beim Liga-Verband zum Verteilen. Also ist es doch logisch, dass die stärkeren Einnahmebringer auch stärker berücksichtigt werden.

Aber was macht unser Club? Nichts! Und was macht eine – angeblich dem Club wohlgesonnene – Lokalzeitung? Sie druckt (leider nicht online) einen SID-Kommentar ab, in dem Watzke als Witzbold dargestellt wird.

Klar, man kann auch vor lauter langweiligen Korrektheit zum Permanenzgast im Fahrstuhl werden und dort als missverstandener Musterschüler mit der Welt hadern. Wenn es aber nach mir ginge, dann sollten Traditionsvereine sehr wohl mehr vom Fernsehkuchen abbekommen. Der Obertraditionsverein ist schließlich der FCN.

Warnung: Sky kann dein Sexualleben ruinieren

Dass wir uns richtig verstehen: Wir sind Fußballfans (und das sind wir vielleicht noch ein bisschen mehr als Clubfans). Insofern haben wir nichts dagegen, wenn wir außerhalb nerviger Sommer- oder Winterpausen Fußball satt präsentiert bekommen. Deswegen sitzen wir – schließlich schauen auch wir die meisten Spiele nicht live sonden im Fernsehen an – eigentlich in einem Boot mit jenen Sendern, die die Spiele möglichst breit über die Woche streuen, um so möglichst viel Sendezeit ausfüllen und Werbeplätze zur Verfügung stellen zu können.
Der neue Bundesliga-Spielplan geht jetzt hier noch einen Schritt weiter. Neben dem Freitagspiel und den Sonntagspielen, wird auch noch eine besonders attraktive Paarung auf den Samstagabend gelegt. Wer Sky (vormals Premiere) hat, braucht also keine Familie mehr. Und wenn man´s so betrachtet sind die 32,90 monatlich für das Sky-Bundesliga-Paket vergleichsweise billig. Eine Familie kostet auf jeden Fall mehr.
Nachdem die nicht so fußballbegeisterte (dafür aber meist besser aussehende) Hälfte dieser Welt wahrscheinlich noch gar nicht weiß, was die – sich sonst gern familienfreundlich gebenden – Spielplan-Verantwortlichen da ausgeheckt haben, wollen wir die mal informieren – damit es im August kein unsanftes Erwachen, massenhaft schiefe Haussegen und in der Folge Scheidungen, Beischlafverweigerungen und rapide Bevölkerungsrückgänge gibt. Daran ist uns nämlich nicht gelegen (schließlich sind wir auch noch Menschen – und das noch ein bisschen mehr als Fußballfans).

Also sollten irgendwelche Partner von Fußballfans das hier zufällig lesen: Lasst Gnade walten und beschwert Euch lieber bei denen, die die Schuld an diesem geldgierigen Gschmarri tragen: bei der DFL.

Was uns angeht, hätten wir nämlich lieber die Spannung der Gleichzeitigkeit, die etwa eine Sendung wie „Heute im Stadion“ zum Kult gemacht hat.

Vergangen, vorbei, up, up in the SKY

YouTube Preview Image

(….da fliegt nämlich der Robin hin, wenn er das dauernd glotzt)