Club von Nutzfahrzeug überfahren

Eigentlich könnten wir hier den Beitrag über das Frankfurt-Spiel wiederholen. Wieder einmal tönte alles großspurig von Auswärtssieg und Sprung auf den 3. Platz. Die Parallelen zwischen Club und Hannover wurden rausgestellt. Es wurde darauf verwiesen, dass sich die Trainer Hecking und Slomka bestens verstehen und auf Augenhöhe begegnen. Doch dann war es halt wieder nichts.

Nur, gegen Frankfurt gab es wenigstens noch ein Aufbäumen, spielerische Akzente, positive Ansätze. Das fehlte in Hannover gänzlich.

Dabei spielten die 96er im Gegensatz zur Eintracht keineswegs überragend. Denen reichte eine durchschnittliche Leistung um den Club abzufertigen. Noch nicht mal zu Fehlern zwingen mussten sie unsere indisponierte Truppe. Die machte das schon freiwillig selber. Peer Nilsson ragte da besonders negativ heraus. Dass dann Twitterer, die Astrid Lindgren gelesen haben, schreiben: „Herr Nilsson macht sich zum Affen“, das ist dann halt eine neue Dimension bei den Wortspielen. Da hätten wir viel lieber was von „Holterdipolter“ gelesen.

Aber auch ohne den unglücklichen Nilsson bekam der FCN noch eins eingeschenkt. Eigentlich erreichte nur Raphael Schäfer in Hannover halbwegs Normalform.

Warum das so war?

Möglicherweise liegts am Biorhythmus der Spieler. Vielleicht können die so spät abends keine Topleistungen mehr abrufen. Vielleicht lag es aber auch am Jetlag. Die Clubmannschaft traf erst am späten Nachmittag mit dem Flieger in Hannover ein. Eigentlich wollte sie am Vortag anreisen, bekam aber keine Hotelzimmer mehr in Hannover. Dort findet nämlich gerade eine Nutzfahrzeugmesse statt.

Tja, in Hannover hilft halt alles mit, um die eigene Mannschaft zu unterstützen. In Nürnberg bauen sie dagegen Hotels ohne Ende, damit es den Gegnern gut geht und sie ausgeruht den Club wegfegen können.

Apropos wegfegen. Am Samstag kommt mit dem VfB Stuttgart ein ebenfalls Weggefegter nach Nürnberg. Mal sehen, wer da wem Aufbauhilfe leistet. Wir machen jedenfalls nicht in Euphorie, langsam wissen wir, wohin das führt.

Der nette Herr Slomka

urn:newsml:dpa.com:20090101:100228-10-11427Manche Trainer haben ja Spitznamen, die sie eine ganze Karriere lang verfolgen. Felix Magath etwa ist wegen seiner Affinität zu Medizinbällen und hügeligen Landschaften, über die er seine Kicker scheuchen kann, als „Quälix“ verschrien. Ralf Rangnick gilt als der „Professor“, seit er einst im ZDF-Sportstudio an einer Tafel darüber dozierte, wie er Underdog Ulm dank revolutionärer Taktik ins Oberhaus beförderte. Ewald Lienen wiederum, der zu seiner aktiven Zeit wegen seiner markanten Frisur und seiner  politischen Einstellung als „Großneffe Lenins“ bezeichnet wurde, gilt als „Zettel-Ewald“ – nur weil er sich während des Spiels Notizen macht, was zu Beginn von Lienens Trainerkarriere offenkundig in Übungsleiter-Kreisen noch absolut unüblich war.

Auch Mirko Slomka hat seit seinem Engagement in Schalke, wo er zwischen 2006 und 2008 Cheftrainer war, einen Stempel, den er nicht mehr loswird: Er gilt wegen seiner sympathischen, uneitlen Art als der „nette Herr Slomka“. Doch nett und menschlich zu sein wird   im Haifischbecken Bundesliga ambivalent bewertet. Vielleicht lag es auch an der fehlenden Härte, die Slomka unterstellt wurde, dass er in Gelsenkirchen trotz passabler sportlicher Bilanz gehen musste und danach fast zwei Jahre  keinen Job mehr bekam – obwohl die Fachblätter ihn  überall dort, wo ein Trainer entlassen wurde, als Kandidat handelten.

Schließlich heuerte er bei Hannover 96 an. Und ist dort ausgesprochen nett – jedenfalls zum Club und den anderen Konkurrenten im Abstiegskampf. Denn er  hat seine ersten sechs Spiele mit den Niedersachsen samt und sonders verloren und damit dem FCN ermöglicht, mühevoll  von Abstiegsplatz 17 auf Relegationsrang 16 hochzukraxeln.
Slomka hat damit im übrigen einen Bundesliga-Negativrekord eingestellt, denn mit mehr als sechs Niederlagen am Stück ist noch kein Trainer bei seinem neuen Verein gestartet. Und in der Geschichte der 1963 gegründeten Bundesliga haben dieses Kunststück vor Slomka auch nur fünf Trainer geschafft: Heinz-Ludwig Schmidt (mit Tasmania Berlin in der Saison  1965/66), Janos Bedl (Wuppertaler SV, 1974/75),  Hans Tilkowski (1. FC Saarbrücken, 1977/78), Reinhard Saftig (ebenfalls Hannover, 1988/89) und zuletzt Klaus-Peter Nemet (FC St. Pauli, 1996/97).

Ganz erstaunlich: Ein Negativrekord mal ganz ohne Nürnberger Beteiligung! Die besagten Vereine sind übrigens allesamt abgestiegen, was für Hannover kein gutes Omen ist. Für den Club indes schon, denn dann wäre ein Abstiegsrang schon mal besetzt. Übrigens glaube ich, dass Mirko Slomka trotz seines missglückten Starts in Hannover ein richtig guter Trainer ist. Aber es reicht ja, wenn er sich mit dem Nachweis noch etwas Zeit lässt und das  erst kommende Saison mit 96 in der Zweiten Liga unter Beweis stellt. Das wäre richtig nett von ihm.

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