Warnung: Sky kann dein Sexualleben ruinieren

Dass wir uns richtig verstehen: Wir sind Fußballfans (und das sind wir vielleicht noch ein bisschen mehr als Clubfans). Insofern haben wir nichts dagegen, wenn wir außerhalb nerviger Sommer- oder Winterpausen Fußball satt präsentiert bekommen. Deswegen sitzen wir – schließlich schauen auch wir die meisten Spiele nicht live sonden im Fernsehen an – eigentlich in einem Boot mit jenen Sendern, die die Spiele möglichst breit über die Woche streuen, um so möglichst viel Sendezeit ausfüllen und Werbeplätze zur Verfügung stellen zu können.
Der neue Bundesliga-Spielplan geht jetzt hier noch einen Schritt weiter. Neben dem Freitagspiel und den Sonntagspielen, wird auch noch eine besonders attraktive Paarung auf den Samstagabend gelegt. Wer Sky (vormals Premiere) hat, braucht also keine Familie mehr. Und wenn man´s so betrachtet sind die 32,90 monatlich für das Sky-Bundesliga-Paket vergleichsweise billig. Eine Familie kostet auf jeden Fall mehr.
Nachdem die nicht so fußballbegeisterte (dafür aber meist besser aussehende) Hälfte dieser Welt wahrscheinlich noch gar nicht weiß, was die – sich sonst gern familienfreundlich gebenden – Spielplan-Verantwortlichen da ausgeheckt haben, wollen wir die mal informieren – damit es im August kein unsanftes Erwachen, massenhaft schiefe Haussegen und in der Folge Scheidungen, Beischlafverweigerungen und rapide Bevölkerungsrückgänge gibt. Daran ist uns nämlich nicht gelegen (schließlich sind wir auch noch Menschen – und das noch ein bisschen mehr als Fußballfans).

Also sollten irgendwelche Partner von Fußballfans das hier zufällig lesen: Lasst Gnade walten und beschwert Euch lieber bei denen, die die Schuld an diesem geldgierigen Gschmarri tragen: bei der DFL.

Was uns angeht, hätten wir nämlich lieber die Spannung der Gleichzeitigkeit, die etwa eine Sendung wie „Heute im Stadion“ zum Kult gemacht hat.

Vergangen, vorbei, up, up in the SKY

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(….da fliegt nämlich der Robin hin, wenn er das dauernd glotzt)

Wer Karten will, muss leiden

Es gibt im Fußball wohl kaum eine Odelgrube, in der unser Ruhmreicher nicht schon mal schwimmen war. Klar, dass er nun auch der erste sein musste, der die neue (gut, in grauer Vorzeit gabs die auch schon mal) Relegationsspielregelung durchexerziert. Genauso klar, dass er – obwohl das schon etliche Zeit irgendwie absehbar war – da nun völlig planlos reinschlittert. Und erst recht klar, dass er mal wieder die Chance nutzt, es seinen (blöden) Fans zu zeigen. Die sind schließlich an allem schuld. Ohne die könnte der Club am Valznerweiher in der Bezirksoberliga kicken und bräuchte sich nicht mit dem ganzen Profistress rumplagen – und müsste auch noch (das Allerletzte!) Stadionmiete zahlen.

Aber nun sind sie halt da die Fans. Noch dazu sind sie ziemlich anhänglich. Erwerben sogar für teures Geld eine Dauerkarte und löhnen dann trotzdem noch fürs Relegationsspiel. Aber nicht bloß das. Nein, nachdem die Clubverantwortlichen wissen, dass die Dauerkartenbesitzer immer kommen, kann man sie auch gleich am Sonntag im Stadion die Karten kaufen lassen. Am besten während des Spiels, dann sind sie noch nicht daheim.

Und weil die Clubfans so ziemlich die abgebrühtesten Fans sind, die es in Fußballdeutschland gibt, nehmen sie auch sowas in Kauf. Sie verzichten also darauf, den Club gegen 1860 München siegen zu sehen und stellen sich lieber am Kartenhäuschen an. Dass die Häuschen nur unzureichend besetzt waren, überschreitet dann bei einigen aber wohl doch die Abbrühungsgrenze.

Nun gut, kann man sich ja noch am nächsten Tag vor den Fanshop stellen. Dort ist auch nicht mehr Personal. Internet, modernes Ticketing, schon mal davon gehört? Das was der Club angeboten hat, soll gestern jedenfalls nicht, oder nur eingeschränkt, funktioniert haben. Ein Fan, der dann bei uns angerufen hat, war angeblich sogar vier Stunden in der Warteschleife (14 Cent/Minute).

Okay, okay! Wir wollen jetzt nicht allzusehr auf den Clubverantwortlichen herumtrampeln. Wenn die Liga Relegationsspiele einführt, dann sollte sie sich nicht nur darüber Gedanken machen, wie man die so terminiert, dass Spieler und Funktionäre auf ihre acht Wochen Urlaub kommen, sondern auch darüber, wie man dann den Ticketverkauf organisiert. Insofern war der Club halt auch Versuchskaninchen. Oder um im obigen Bild zu bleiben: Wenn der Club wo reinspringt, ist oft noch Odel drin. Später wird dann Wasser oder – spätestens, wenn die Bayern dran sind – Champagner nachgefüllt.

Der Club ist selber schuld

Heute hat uns Christian (auch ein großer Clubfreund) einen Gastbeitrag geschrieben:

Es wäre mal wieder eine Geschichte, wie sie nur der Club schreiben kann: Noch vor nicht allzu langer Zeit, der Club war gerade Pokalsieger geworden und hegte (aufs neue) Ambitionen, sich als eine „feste Größe“ in der Bundesliga zu etablieren, da kam im deutschen Profifußball die Idee auf, die vor langer Zeit abgeschafften Relegationsspiele wieder einzuführen.

Die gab es bereits von 1975 bis 1991. Und nutzten natürlich vor allem den Mannschaften aus der ersten Liga. So hatte man auch nach einer schlechten Saison immer noch die Möglichkeit, einen letzten Strohhalm zu greifen. Als größter Befürworter erwießen sich in der folgenden Debatte also die Erstligaklubs mit schlechten Erfahrungen im Abstiegskampf. Allen voran: Der Club mit seinem damaligen Trainer Hans Meyer (Bild). Könnte ja sein, dass man von der neuen Regel eines Tages nochmal würde profitieren können…

Der Abstieg des 1. FCN allerdings kam dann viel schneller als die Mühlen des Bundesligareglements mahlen können. Und so könnte es jetzt sein, dass der Club die letzte Mannschaft ist, die vor Einführung der Relegationsregel als Drittletzter abgestiegen ist – und die erste, die nach Wiedereinführung an ihr scheitert (womöglich sogar noch gegen den Trainer, unter dem sie damals für die Regel gestimmt hat, denn das Szenario, gegen Hans Meyers Gladbacher in die Relegation zu müssen, ist gar nicht so unwahrscheinlich).

Ballkünstlerpech nennt man sowas dann wohl – oder hierzulande auch einfach der Club is a…

P.S.: Relegationsspiele gab es übrigens bis 1991. In sieben von zehn Fällen hatte dabei der Bundesligist die Nase vorn. Rekordteilnehmer sind bislang der FC Saarbrücken (dreimal um den Aufstieg, davon zweimal gescheitert), der St. Pauli (zweimal um den Aufstieg, gescheitert) und Eintracht Frankfurt (zweimal um den Klassenerhalt, gerettet, natürlch, die Dussler).

Der Club musste lediglich einmal nach der alten Relegationsregel ran (als es noch zwei Zweite Bundesligen gab). In der Version Dritter der Zweiten Liga gegen den Drittletzten der Ersten hatte er noch nicht das Vergnügen. Vielleicht ein neuer Rekord an dem er feilen könnte: Rekord-Relegationsteilnehmer