Neuer Satire-Blog: Exil-Nürnberger ist „Der Sportteil“

satireDass ausgerechnet ein Exil-Nürnberger und Clubfan sich einer Fürther Erfolgsstrategie bedient, möchte ich vorneweg direkt galant vom Tisch wischen. Was am Ende zählt, ist das Produkt, und das ist in dem Fall gut bis empfehlenswert. Die Rede ist von „Der Sportteil“, einem neuen Fan-Blog, der am Donnerstag, 5. Juni, plötzlich im Netz auftauchte. Mit seinen satirischen Beiträgen, die im Stile des Kleeblattstadt-Exportschlagers „Der Postillon“ geschrieben sind, sorgte der Blog vor allem unter #FCN-Twitterern wie mir in Windeseile für Aufmerksamkeit. Ich habe mich gefragt: Wer steckt hinter „Der Sportteil?

Die Antwort ist so simpel wie überraschend. „Der Sportteil“, das ist (nur) eine Person, die ich den Lesern hier gerne kurz vorstellen würde: Der Mann heißt Bernd Pfeiffer, ist 23 Jahre alt, waschechter Nürnberger und gerade Student in Coburg. „Ich und ein Kumpel haben im Dezember 2013 eine Facebook-Fanpage für Marcos Antonio gegründet“, sagt er auf Nachfrage. Die Postings hätten sich eigentlich kaum von den heutigen unterschieden – jedoch sei fast alles auf Marcos Antonio gemünzt gewesen, zum Beispiel „Söder fordert Marcos-Antonio-Stadion im Wahlkampf, BDA (Banda Di Antonio) ruft zur Freiheit für Marcos Demo auf“, erklärt der Franke.

Aber Marcos Antonio ging weg. Und die Themen auf der Fanseite bezogen sich nach und nach auf den ganzen Verein. Aus der Situation heraus entstand so die Idee für den „Club-Postillon“. Pfeiffer erzählt: „Eines Tages schrieb jemand auf die Pinnwand, dass wir doch nur ein schlechter Postillon-Abklatsch sind, und überhaupt nicht lustig. Das fand ich gut! Dadurch habe ich überlegt, die ganze Sache größer und unter neuem Namen aufzuziehen.“ So wurde Pfeiffer zum Einmann-„Der Sportteil“. Ein typisches Beispiel: Aus der Pressekonferenz, bei der der 1. FC Nürnberg am Donnerstag seinen neuen Trainer Valerien Ismaël vorstellte, machte „Der Sportteil“ kurzerhand: „1. FC Nürnberg stellt neue Gardine vor.“ Oder: Als Daniel Ginczeks Wechsel zum VfB Stuttgart fix war, verabschiedete der Satire-Blogger eine „Tormaschine“, die der Stürmer auch wegen einer langen Verletzungspause nie war.

„Aktuell, seriös, investigativ“ prangt neben dem – zugegebenermaßen noch verbesserungswürdigen – Logo links oben. Darunter finden sich bis dato drei Beiträge, die den Slogan wieder ad absurdum führen, reinste Satire eben. Satire soll, sagt Wikipedia, Zustände oder Missstände in sprachlich überspitzter und verspottender Form thematisieren und anprangern. Und davon gibt es beim FCN derzeit bekanntlich genug. Ich finde, es hätte keinen besseren Zeitpunkt geben können, um einen „Club-Postillon“ zu launchen. Satire bedeutet auch Um-die-Ecke-denken, und das ist nicht jedermanns Sache. Viele wollen oder können daher den Witz dahinter nicht verstehen – doch schon alleine das kann witzig sein. Wer regelmäßig die Kommentare unter den Posts von „Der Postillon“ verfolgt, weiß, wovon ich spreche.

FCN auf Platz 3 der Blog-Bundesliga

Obwohl der Club in der Bundesligatabelle derzeit gut da steht (Platz 9), im Internet rangiert er sogar noch weiter oben. Beispielsweise, wenn es um die Erwähnung bei Twitter geht. Aber auch bei den Blogs. Bei eBuzzing werden regelmäßig die einflussreichsten Sportblogs präsentiert. Aktuell (März 2012) ist da der Club mit zwei Blogs in den Top 20 vertreten. Auf Platz 13 rangieren die Clubfans-United und auf Platz 20 „die 3 Clubfreunde“ (Juhu!). Wenn man dann noch bedenkt, dass – zum Beispiel auf Platz 1 mit „Trainer Baade“ oder Womansoccer.de auf Platz 7 – auch etliche nicht an Vereinen orientierte Blogs dabei sind, wird die Clubphalanx noch deutlicher.

Gut auf Platz 2 landet das „Königsblog“ (Schalke 04), auf Platz 3 „Der Betze brennt“. Auf 5 ist „Fabulous Sankt Pauli“ zu finden. Wenn man dann auch noch Platz 8 berücksichtigt (St.Pauli News) und 11 (Der Übersteiger), dann müssen wir einräumen, dass St. Pauli blogmäßig noch vor dem FCN liegt. Auch auf Schalke trifft das zu, denn S04 hat noch ein weiteres Blog auf Rang 9 (blogundweiss.de). Der FCN rangiert demnach „nur“ auf Platz 3. Es ist also noch Luft nach oben. Trotzdem: Der Club ist schwer im Kommen, auch was das Internet angeht.

Der negative Eigler

In der BR-Sendung „Blickpunkt Sport“ erinnert man sich manchmal daran, dass auch noch ein anderer Verein im Norden des Sendegebiets in der Bundesliga mitkickt: der FCN. Am Montag war es wieder soweit und Torschütze Christian Eigler durfte als Studiogast Platz nehmen. Und sagen wir es einmal so: Er vermittelte nicht unbedingt den Eindruck, als sei Franken ein Hort von Intelligenzbestien.

Auf die Frage, welche drei Adjektive auf ihn zuträfen, fiel ihm eigentlich nur eines ein (die anderen waren vorgesagt): NEGATIV. Wie? „Negativ! Ja, ich hab ein bisschen eine negative Ausstrahlung.“ Das sagte er wirklich. Kann man sich hier noch einmal ansehen.

Aber wir können den Christian beruhigen. So negativ war der Eindruck am Bildschirm nun auch nicht. Die Begründung für den Platzverweis („Ich war ein bisschen übersäuert am Schluss, vom Kopf her.“) war durchaus originell. Im übrigen wäre ein wirklich Negativer spätestens nach der ersten Frage von Moderatorin Janina Nottensteiner zum FC Bayern aufgestanden, hätte „Scheiß-Bauern!“ gerufen und das Studio verlassen. Eigler sagte hingegen brav, „jeder würde gern mal für die Bayern spielen“. Das wirkt positiv auf die BR-Leute. Da darf er sicher gern mal wiederkommen.

Uns soll´s recht sein, solange solche Tore der Anlass sind:
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Frankenderby: Keep cool!

Am Sonntag steigt wieder einmal ein Frankenderby. Der Club hat es in seiner Blödheit möglich gemacht. Dass er sich dafür so etwas, wie jetzt in einem vor wenigen Tagen hoch geladenen Youtube-Video  ansehen muss, geht allerdings zu weit:

Da würde man gerne dazwischen gehen und deeskalierend wirken. Manche Menschen könnten hier offenbar sogar noch was von den Hühnern lernen:

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Dabei ist der Hass doch völlig unbegründet. Ihr Fürther dürft nicht aufsteigen, wir Nürnberger können nicht aufsteigen, also nehmt doch ein bisschen Luft raus. Man kann sich – wie unsere Kollegen aus der NZ-Sportredaktion beweisen – schließlich auch gepflegt dem Thema nähern.

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Also bitte:  Keep cool!