Unglückliche Verletzung, glückliches 0:0

Die Woche:

1. Nur selten erfährt die Öffentlichkeit davon, dass der Club auch einen Aufsichtsratsvorsitzenden hat. Das ist durchaus nicht negativ zu verstehen. Bedeutet es doch meistens: Der Laden läuft. Jetzt hat der Nürnberger Presseclub den FCN-Aufsichtsratschef trotzdem und eigentlich ohne Not ins Rampenlicht gerückt. Und Thomas Grethlein hat auch pflichtschuldig das eine oder andere von sich gegeben, damit die Pressekollegen was zu schreiben haben. Am griffigsten war wohl seine Prognose, der Club werde weiterhin Pendler zwischen erster und zweiter Liga bleiben. Einerseits eine realistische Einschätzung, die belegt, dass man beim FCN nicht abhebt. Andererseits vielleicht das falsche Signal an etwaige Sponsoren heranzuführen und junge Talente zum Bleiben zu ermuntern.

2. Fast drei Jahre ist es her, da wurde ein polnischer Fußballfan durch ein Gummigeschoß der Polizei tödlich verletzt. Fans in ganz Europa erinnerten an den Vorfall. Ein Nürnberger Fan wurde deshalb zunächst zu einer Haftstrafe verurteilt. In der 2. Instanz wurde das Verfahren gegen ihn jetzt eingestellt. Das Gericht konstatierte einen Übersetzungsfehler (demnach entspricht die Abkürzung CHWDT dem englischen ACAB) . Für das Verfahren muss jetzt der Steuerzahler aufkommen.


Das Spiel:

Am Millerntor ließ Trainer Michael Köllner die gleiche Elf auflaufen, die schon gegen Aue Wiedergutmachung betrieb. Wiedergutmachung war nach der unglücklichen Niederlage im Hinspiel auch gegen St.Pauli angesagt. Da hatte der Club zwar Chancen im Überfluß und dominierte das Spiel, kassierte aber ein blödes Gegentor. Diesmal besaß freilich der FC St.Pauli ein deutlichens Chancenplus. Allerdings ohne was daraus zu machen.

Der Club versuchte zunächst über Spielkontrolle nach vorne zu kommen und hatte zumindest die erste Großchance. In der 25. Minute traf Mikael Ishak per Kopf allerdings nur den Pfosten. Beim Nachschuss verletzte er sich leider am Innenband und musste runter. Auf der Clubbank merkte man, für diese Situation gibt es eigentlich keinen Plan B. Joker Teuchert ist bekanntlich bei Schalke. Schließlich wechselte Köllner Tobias Werner ein, der sich zwar gleich mit einer gelben Karte einführte, aber ansonsten nicht viel Torgefahr verbreitete. Bei den weiteren Angriffsbemühungebn war das Fehlen von Ishak deutlich zu spüren. Dafür kam Pauli mehrfach dem 1:0 nahe. Einmal rettete Fabian Bredlow auf Linie, ein zweites Mal Leibold.

Auch in der zweiten Halbzeit hatte St. Pauli die besseren Torgelegenheiten. Die größte in der 78.Minute als Bouhaddouz allein vor Bredlow auftauchte, der aber mit einer Weltklasseparade den Club im Spiel hielt.

Am Ende muss man mit dem Punkt zufrieden sein. Ein Selbstläufer ist der Aufstieg eben nicht, selbst wenn die Konkurrenz schwächelt. Wichtiger als die zwei verlorenen Punkte (wobei das diesmal eher ein Punktgdewinn war) ist ohnehin, dass Ishak bald wieder eingreifen kann.


Ein Letztes:

So schnell kann es gehen. Noch letzte Woche wurde der FC Kaiserslautern mit Häme überschüttet, weil er Martin Bader als Sportvorstand engagiert hatte. Jetzt landete der FCK im ersten Spiel mit Bader einen Sieg gegen Aufstiegskonkurrent Holstein Kiel und schon gibt es Dankadressen:

Verkauft, verzockt, vernagelt

Die Woche:

1. Die Länderspielpause zwang den Glubbfan, sich anderweitig zu beschäftigen. Zum Beispiel mit netten Spielchen auf Kosten des aus Nürnberg im Unfrieden geschiedenen Abdelhamid Sabiri. Unter dem Hashtag #Sabieri haben sich Twitternutzer zusammen getan, um für jedes Tor, das Sabiri für seinen neuen Verein schießt, fünf Euro an die Initiative „Nürnberg gewinnt“ zu zahlen. Wahrscheinlich verkrampft der gute Sabiri jetzt regelmäßig vor dem Kasten und muss irgendwann froh sein, wenn ihn noch ein deutscher Zweitligist haben will…
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Nur 1:1 beim Schlusslicht

366189949Ausgerechnet beim Tabellenletzten St.Pauli riss die kleine Club-Siegesserie. Am Millerntor gab es nur ein 1:1 nach einem Spiel, das durchaus als seltsam bezeichnet werden kann. Denn eigentlich hatte man nie das Gefühl, der Gegner stünde zu Unrecht im Keller. Das war zwar alles bemüht und von viel Einsatz geprägt, was St. Pauli da ablieferte. Aber eben auch sehr limitiert und fehlerbehaftet. Dass die Hamburger dann trotzdem bereits in der 6. Minute in Führung gingen war einerseits einer Fehlentscheidung (Abseits) vom indisponierten Schiri Harm Osmers zu verdanken, andereseits auch einem eklatanten Komminikationsproblem in der neu formierten FCN-Abwehr. Hovland, Sepsi und Kirschbaum waren sich nicht einig, wer den Ball wegschlägt. Sepsi passte dann einfach zu Buchtmann, der sich mit dem 1:0 revanchierte.

Anders als durch eine solche Blödheit, so schien es, hätte dieser Gegner wohl kaum ein Tor erzielt. Das zog sich eigentlich durchs ganze Spiel. Immerhin dauerte es nicht mal eine Viertelstunde ehe Burgstaller (wer sonst?) nach einer Ecke den Ausgleich markierte. Jetzt, so hofften nicht nur wir, setzt der Club seine spielerische, gedankliche und körperliche Überlegenheit um und nagelt das Schlusslicht am Tabellenende fest. Doch aus der gefühlten Überlegenheit resultierte leider nichts. Auch hier half Schiri Osmers wieder ein bisschen mit, als er nach einer halben Stunde ein klares Handspiel von Hedenstad nicht mit einem Elfer ahndete.

Nun ja, es war noch genug Zeit. Der Club legte aber nicht noch einen Zahn zu, auch der Zeugwart reagierte nicht auf die offensichtlich falsche Stollenwahl. Stattdessen passte sich unsere Mannschaft immer mehr dem Gegner an, produzierte selber Fehlpässe am laufenden Band und agierte planlos und mit Einzelaktionen. Als St. Pauli am Ende nicht mehr konnte, zog der Club brav mit und konnte auch nicht mehr. Auch Trainer Alois Schwartz konnte dann irgendwie nicht und schaffte es nicht, rechtzeitig frische Kräfte auf den nassen Rasen zu bringen. Am Ende hatte dann sogar noch St.Pauli die Riesenchance auf den Siegtreffer. Da musste man sogar noch froh sein über den Punkt. Wobei an diesem Montagabend für den Club wesentlich mehr drin gewesen ist.

Am ersten Advent gleich vier Lichtlein angezündet

3855106929Da denkst du erst, oje, das wird heute nichts: Der auswärtschwache Club beim relativ souverän aufspielenden Tabellendritten St. Pauli, am Millerntor, wo der FCN seit 21 Jahren kein Tor mehr erzielt hat. Und dann auch noch ohne den gelbgesperrtemn Guido Burgstaller, der bislang meistens beteiligt war, wenn es mal für den Club was Zählbares gab. Die Erwartungshaltung war also niedrig.

Aber dann machte der Club die Wundertüte auf. Selten haben wir Fans derart relaxt ein Spiel verfolgen können. Spätestens nach 53 Minuten hatte sich auch der FC St.Pauli aufgegeben, so dass es diesmal eine fast schon langweilige Schlussphase zu beobachten gab. Nichts mit Nervenflattern und Bibbern bis zum Schlusspfiff. Im Gegenteil: Eine Minute vor Schluss ließ der jahrelang Torlose dann sogar noch den vierten Treffer folgen.

Doch der Reihe nach: Statt Burgstaller sollte diesmal Niclas Füllkrug vorne wirbeln und das tat er dann auch. Während der FC St.Pauli anfangs permanent auf das Gästetor drängte, nutzte der Club seine erste richtige Chance: Mit dem Knie bugsierte Füllkrug den Ball ins Hamburger Gehäuse. Danach verlagerten die Gäste das Geschehen weiter nach vorne. Bereits im Mittelfeld verpufften die meisten FCSP-Angriffe. Der Club kam sogar zu der einen oder anderen Chance und in der 43. Minute war es erneut Füllkrug, der einen Pass des diesmal gut aufgelegten Alessandro Schöpf mitnahm und dann nicht lang fackelte.

2:0 zur Pause. Wer hätte das gedacht? Aber es kam noch besser. Gerade einmal acht Minuten nach Wiederanpfiff machte dann Leibold, erneut auf Pass von Schöpf, den Deckel drauf. Während die St.Pauli-Fans unermüdlich am Anfeuern waren, hatte sich ihre Mannschaft dann wohl in ihr Schicksal gefügt. Dazu trug sicher auch bei, dass sie nie den Schlüssel fand, um die Clubabwehr zu öffnen. Wenn dann doch einmal ein Ball aufs Tor flog, war Raphael Schäfer auf dem Posten. Der Altersteilzeit-Keeper strahlt da die nötige Ruhe aus, die seinen beiden jungen Kollegen (noch, oder dauerhaft?) fehlt.

Hinten den Zahn ziehen und vorne gnadenlos effizient verwandeln, mit diesem Rezept zündete der Club dann am 1. Advent gleich vier Lichtlein an. Dass der Auswärtssieg gegen eine Mannschaft gelang, die bislang oben rangierte und auch noch als relativ heimstark gilt, lässt auf einmal wieder Aufstiegsträume blühen. Immerhin ist der Club inzwischen bereits auf Platz 6 geklettert und hat sogar die Kräuterkicker dank des besseren Torverhältnisses überholt. Die 2. Liga ist zwar relativ ausgeglichen und viel hängt da an Kleinigkeiten. Dennoch könnte es sein, dass wir mal schreiben: Der 1. Advent war der Knackpunkt, da wurden die Weichen zur Aufholjagd gestellt.

Loblied auf Mintal

„Marek Mintal ist für uns nicht zu ersetzen“, erkannte bereits Ex-Club-Trainer Wolfgang Wolf. Es ist eigentlich schon alles über die Klasse des torgefährlichen Slowaken geschrieben worden. 1979 erschien Eckhard Henscheids „Hymne auf Bum Kun Cha“. Eine Passage dieses Loblieds in der Mintal-Variante.

Flirrend und flackernd – nicht lange fackelnd,
Doch feuernd und feiernd; den fühlenden Herzen
Nürnbergs zur Freude.
Marek Mintal! Freund aus dem Osten! Fremdling bist
Du nicht länger – nicht bitt’res Los ist Exil
Dir! Heimat, die zweite, du fandest sie.

War`s das mit dem sofortigen Wiederaufstieg?

Herber Rückschlag gegen St.Pauli. Allerdings die Siege gegen Augsburg, Freiburg oder Oberhausen haben eigentlich eh noch nicht die richtige Aufstiegseuphorie aufkommen lassen. Insofern war das nicht unbedingt ein Rückschlag. In Pessimismus wollen wir aber dennoch nicht machen. Das überlassen wir unseren Lesern. Daher hier mal ein kleiner Stimmungscheck: Packt es der Club noch mit dem Aufstieg?

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