Neuer Trainer, altes Ergebnis

Remis in Stuttgart: Dafür hätte man den Trainer nicht wechseln müssen. Unentschieden haben wir schon unter Michael Wiesinger und Armin Reutershahn gespielt. Aber gut: Gertjan Verbeek hatte ja auch nur drei Tage Zeit für Veränderungen.

Ist und bleibt also alles beim Alten? Nein, so ganz stimmt das nicht. Diesmal trat der Club deutlich offensiver auf. Nach vorne wurden wesentlich mehr Chancen rausgespielt. Doch nachdem die erste gleich von Josip Drimic billard-mäßig versenkt wurde, war danach leider tormäßig nichts mehr drin. Das Tor war dann halt auch nur die – richtige – Antwort auf den Stuttgarter Führungstreffer. Der kam durch einen umstrittenen Elfer zustande, der in blödem Verhaltens begründet war. 10 Prozent davon, würde ich sagen, ging auf die Kappe von Niklas Stark und 90 Prozent auf die von Schiri Guido Winkmann.

Durch den Rückstand ließ sich die Mannschaft auch diesmal nicht aus dem Konzept bringen. Im Gegenteil. Das war eher ein Weckruf. Aber halt nur bis das Unentschieden stand. Das wurde diesmal sogar schon in der ersten Hälfte sicher gestellt. In der zweiten, wo der Club sonst meistens zulegte, war diesmal eher weniger Betrieb. Das lag wohl auch an den Stuttgartern. Die waren ziemlich unangenehm zu spielen, zumal bei denen die Ellenbogen irgendwie höher unterwegs sind als üblicherweise.

Ums kurz zu machen: Nicht schlecht gespielt. Aber geplatzt ist der Knoten noch nicht.

Europa, wir kommen nicht!

Der Spielplan meint es gut mit dem Club zurzeit. Letzten Sonntag ging es schon gegen die von der Europa-League scheinbar erschöpften 96er. Diesmal gegen die gleichermaßen müden Stuttgarter. Doch beiden Male langte es nur zu einem Unentschieden. Und beide Male muss man sagen: Es war glücklich.

Gegen Hannover fiel der Ausgleich erst in der Nachspielzeit. In Stuttgart traf Feulner aus dem Nichts und ziemlich überraschend zum 1:1-Endstand. Durch strukturiertes Spiel hatte sich der FCN das jedenfalls nicht verdient. Aber, was soll´s!

Das Spiel war – vor allem in Halbzeit eins – selbst für Fans harte Kost. Dem VfB konnte man zugute halten, dass ihm noch das Spiel gegen Genk zwei Tage zuvor in den Knochen steckte. Doch wovon waren eigentlich die Clubspieler platt? Oder war das Mitgefühl? Solidaritäts-Grottenkicken?

Dann lullten sie sich auch noch selber ein und lagen – wieder einmal unkonzentriert aus der Kabine gekommen – zu Beginn der zweiten Hälfte plötzlich hinten. Nicht unverdient. Korrekterweise hätte es aber kurz danach einen Handelfer für den Club geben müssen. Insofern war der Treffer von Markus Feulner dann doch irgendwie ausgleichende Gerechtigkeit.

Trotzdem festzuhalten bleiben: die Fehlpässe, die Schnitzer hinten (Nilsson), die anhaltende Formschwäche der beiden Außenverteidiger und des für den erstmals seit Beginn spielenden Mu Kanazaki eingewechselten Alexander Esswein. Dazu kommt die Harmlosigkeit des Sturmsolisten (diesmal durfte sich Polter zuerst versuchen und wurde dann durch Pekhart ersetzt)…. Nachdem Timm Klose diesmal verletzt fehlte, war eigentlich nur Raphael Schäfer eine Bank.

Bei den anderen hatten der Zuschauer eher den Eindruck, dass sie dringend eine Pause benötigen. Und dabei sind wir in keinem weiteren Wettbewerb vertreten. Dass das mit der Europa-League wohl nicht klappen wird, ist insofern beruhigend. Immerhin hat sich der Abstand zum Relegationsplatz weiter vergrößert. Gönnen wir uns also den Luxus der Langeweile!

Grottig, grottiger, FCN

Was haben die der Mannschaft eigentlich vor den ersten drei Saisonspielen in den Tee getan? Da haben sie jedenfalls den Eindruck erweckt, als könnten sie in der Biundesliga mithalten und mit etwas Glück sogar oben angreifen. Nun aber zeigt sich das wahre Gesicht des FCN und das ist das Havelse-Gesicht.

Havelse hat sich aber wenigstens reingehängt, war auch fußballerisch gut. Der VfB Stuttgart spielte dagegen im Frankenstadion genauso auf, wie man es von einer Mannschaft am Tabellenende erwarten konnte. Grottig! Aber es geht immer noch grottiger. Es gibt ja noch den Club. Nur der schafft sowas. Nur der kann völlig danieder liegende Mannschaften derart aufbauen. Nur der kann auf dern Vierer-Position aufstellen, wen er will, und er wird immer die Flatter haben. Dass er zuhause das Spiel nicht machen kann und deswegen eigentlich hinten nichts anbrennen lassen dürfte, das ist ohnehin schon seit Jahren bekannt.

Inziwschen fragt man sich, was Trainer Hecking eigentlich in der Saisonvorbereitung gemacht hat. Dass Marcos Antonio den Part von Philipp Wollscheid übernehmen kann, das stellte sich ja schnell als Irrtum heraus. Dann setzte er auf Peer Nilsson. das war dann offensichtlich auch ein Irrtum. Also wieder Marcos Antonio. Den neuerlichen Irrtum durfte Hecking dann gleich nach 30 Sekunden einsehen. Wobei das sowohl bei Antonio als auch bei Nilsson nicht unbedingt mangelndes Können, sondern Defizite im Mentalbereich sind. Sowas kann ein Trainer, der weder von der einen noch von der anderen Lösung überzeugt ist, auch befördern. Sowas kann aber auch ein Mentaltrainer mal beheben.

Wobei man sich, isoliert betrachtet, sowohl beim Auftreten von Nilsson in Hannover als auch von Marcos Antonio gegen Stuttgart ein bisschen an Vlado Kasalo erinnert fühlte. Wenn nach dem Patzer zum 0:1 eingeblendet worden wäre: „dieses Tor wurde ihnen präsentiert von bwin“, dann wäre jeder für diese relativ plausible Erklärung dankbar gewesen.

So plan- und drucklos wie der Club dann aber den Ausgleich angestrebt hat, könnte man auch meinen, die drei Punkte waren vielleicht Teil des Gebhart-Deals. Aber wie gesagt, nur wenn man den Club der ersten drei Spieltage zugrunde gelegt hätte. Da das offensichtlich nicht der wahre Club ist, sehen wir leider inzwischen ziemlich schwarz.

Zu allererst muss jetzt die Abwehr stabilisiert werden. Notfalls halt noch über den Transfermarkt. Andernfalls müssen wir hoffen, dass Augsburg und Fürth nicht über sechs Punkte hinauskommen. Aber das wird wahrscheinlich nicht so kommen. Denn selbst für die grottigsten Mannschaften gibt es einen noch grottigeren Aufbaugegner.

Schieber, bleib hier!

Einfach nur geil! Wie der Club den VfB Stuttgart zerlegte, das war Spitzenklasse und wenn uns das noch vor ein paar Wochen jemand prohezeit hätte, hätten wir ihn als Träumer ausgelacht. So kann es gehen. Und wenn so etwas geht, geht vielleicht auch noch anderes.

Zum Beispiel, dass wir dem Julian Schieber dazu verhelfen, weiterhin dort zu kicken, wo er hingehört: erstklassig. Schon aus Mitleid mit Schieber müsste der Club alles unternehmen, um zu verhindern, dass er in der nächsten Saison gegen Paderborn, Osnabrück oder Fürth kicken muss. Der Julian war, das twitterten sogar die Stuttgarter Nachrichten, der „beste Stuttgarter“ auf dem Platz. Wobei die Frage müßig ist, ob das auch der Fall gewesen wäre, wenn ihn die VfB-Bosse nicht an den Club verliehen hätten. Im Nürnberger Tor steht auch einer, der weiß, dass man in Stuttgart leicht Blei an den Füßen und Kacke an den Handschuhen haben kann, dass dort manches nicht läuft, was woanders wunderbar geht. Vielleicht kann der Raphael Schäfer noch etwas aus seinem Erfahrungsschatz einbringen.

Freilich: Nicht bloß Schieber spielte Klasse. Auch die anderen waren wirklich gut, selbst über den einen Aussetzer, den es offenbar immer gibt, kann man gnädig hinwegblicken, wenns vorne viermal klappert. Wobei, aber wir wollen ja nicht unbescheiden werden, der Sieg durchaus höher hätte ausfallen können. Aber dann wären in Nürnberg wohl die ersten wieder völlig abgehoben. Wir vielleicht auch.

Also: Am Boden bleiben und berücksichtigen, dass der VfB auch ein echt schwacher Gegner war!

Heimsieg, ole, ole, ole!

Klasse, Jungs! Mit 10 Mann noch zurückkommen und den ersten Heimsieg einfahren. Das ist umso klassiger, weil wir es vom Club so überhaupt nicht gewohnt sind. In der Vergangenheit ist der doch jedesmal nach Gegentoren eingebrochen.

Wobei, ohne Andi Wolf, das ist nicht wirklich eine Riesenschwächung. Da fehlt hinten nicht bloß ein Mann, sondern auch eine gewisse Unsicherheitskomponente. Aber egal: Jetzt jubeln wir erst mal!
20100922 Pinola jubelt mit Judt und Simons nach Tor zum 2:1

Und weil´s so schön ist, kann man sich hier den Spielbericht noch einmal anschauen.

Einfach nicht mehr müssen müssen

Wenden wir uns mal zur Ablenkung den Mitbewerbern um den Abstieg zu. Zu denen gehört überraschenderweise auch der VfB Stuttgart. Dessen Torwart Jens Lehmann scheint mittlerweile so sehr von Interviews, Training, Autogramme schreiben etc. gestresst, dass er nicht mehr dazu kommt, vor dem Spiel Pipi zu machen. Vielleicht, er ist ja schon etwas älter, muss er aber auch einfach häufiger.

Für den Club haben wir jedenfalls einen Gratistipp fürs nächste Spiel gegen den VfB parat (Obacht: Taktik, Fremdwort!): Erst das Spiel verzögern und wenn der Lehmann dann austreten muss, den Ball reinhämmern.

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