Das Ufer rückt nicht näher

Die Woche:

  • Wenn Andreas Bornemann bald einen Job findet, könnte das auch die FCN-Kasse entlasten. Gerüchteweise soll er beim abstiegsbedrohten Zweitligisten FC Ingolstadt im Gespräch sein.
  • Was Bornemanns Nachfolger angeht, sollte diese Woche endlich eine Entscheidung fallen. Aufsichtsratschef Grethlein hatte zudem bei der Pressekonferenz nach dem Abgang des Sportvorstand verkündet, es werde keine acht Wochen dauern, bis ein neuer präsentiert wird. Die acht Wochen sind fast um. Aber nichts! Dass es so lange gedauert hat, lag wohl an den Schwierigkeiten, den Wunschkandidaten Markus Krösche von Paderborn loszueisen. Doch der hat inzwischen abgesagt. Er bleibt beim FCP. Wahrscheinlich hat man ihm nachdrücklich bedeutet, dass der FCN halt auch nicht unbedingt ein Karriereschritt nach oben gewesen wäre. Dass die Krösche-Verhandlungen und die Bereitschaft, eine stattliche Ablöse zu zahlen, öffentlich wurden, macht die Position einem „Ersatz“ zu finden – inzwischen wurden auch die Namen Antoine Hey und Olaf Rebbe gehandelt – bestimmt nicht besser. Profis sind im FCN-Aufsichtsrat eben nicht am Werk. Kann aber sein, dass doe dort einfach nur wieder eine Möglichkeit sehen, Geld zu sparen. Schließlich spart man sich so länger das Gehalt für teures Führungspersonal.
  • Alles wieder gut! Nach seinem Aussetzer gegen Düsseldorf hat Matheus Pereira mit dem Tor gegen Augsburg und seinen Entschuldigungsgesten an die Fans mittlerweile Absolution erhalten. Und gegen den VfB hat er dann sogar noch nachgelegt. Über die Saison hinaus bleiben wird er dennoch nicht. Für den Club ist der Leihspieler schlicht zu teuer. Das ist lange bekannt. Weshalb man auch mal die Frage stellen kann, ob man solchen „Verkaufsannoncen“ irgendwelcher Berater überhaupt ein Forum bieten sollte.
  • Dennis Lippert steigt wieder ins Training ein. Die Älteren erinnern sich vielleicht noch an den Linksverteidiger. Der riss sich vor zwei Jahren – damals hieß der Trainer noch Alois Schwarz – das Kreuzband.
  • In der Winterpause wurde lediglich Ivo Ilicevic neu verpflichtet. Er sollte das Defizit an Bundesligaerfahrung im Kader beheben. Gegen Augsburg durfte er erstmals für ein paar Minuten ran. Danach fehlte er wieder. Wegen „muskulärer Probleme“.
  • Die letzte Woche beendete Serie von 20 Spielen ohne Sieg bedeuten in der Bundesligarangliste immerhin Platz 5 für den FCN. Platz 1 nimmt Tasmania Berlin mit 31 Spielen ein. Mit je 21 Spielen stehen Kaiserslautern, Dresden und Blauweiß Berlin auf den folgenden Plätzen. Gibt es eigentlich schon eine Rangliste für die längste Sportvorstandssuche.

Das Spiel:

Wieder ein Schicksalsspiel! Diesmal mit der Chance, das rettende Ufer in Sichtweite zu befördern. Zunächst begann der Club gegen den VfB gut. Ließ nicht viel anbrennen, brachte aber nach vorne nicht viel zuwege. Langsam kamen die Stuttgarter aber besser ins Spiel. Richtig brenzlig wurde es allerdings erst in der 34. Minute als Kempf mit einem Kopfball aus kurzer Distanz nur die Latte trifft. Fünf Minuten später schafft der Club jedoch den Aluminiumausgleich. Einen Schuss von Pereira konnte Zieler noch gegen den Pfosten lenken. Drei Minuten später macht es besagter Pereira aber besser. Zunächst setzte Behrens den Ball nach einer Ecke zwar noch an die Latte, dann war der Leihspieler aus Lissabon aber zu Stelle und drückte den Abpraller über die Linie.

Dass man solche Chancen allerdings auch vergeigen kann, bewies Ex-Nationalspieler Mario Gomez kurz danach. Ihm prallte der Ball am leeren Tor vor den Fuß. Gottseidank stocherte er vorbei.

In der zweiten Hälfte war der Club in der komfortablen Situation, auf Konter lauern zu können. Leider machte er nichts draus. Das lag auch daran, dass der in der erste Hälfte überragende Pereira etwas abbaute und sich der früh für den verletzten Kerk eingewechselte Kubo – wie übrigens auf der anderen Seite Gomez – als Chancentod profilierte. Für Kubo gab es dann kurz vor Schluss sogar noch die Höchstrafe: Er wurde für Petrak wieder ausgewechselt.

Schommers brachte zunächst Misidjan für Ishak und ließ Kubo als hängende Spitze agieren. Doch auch von Misidjan ging nicht viel Zwingendes aus. So war es in der 74. Minute Pereira der noch einmal eine gute Chance für den Club besaß, aber knapp am Tor vorbeizog.

Dann bewahrheitete sich aber leider wieder, dass sich sowas rächt. Eine Minute später nutzte Kabak die Unordnung in der Clubabwehr und erzielte den Ausgleich. Der wurde zwar vom Videoassistenten noch geprüft, da Donis, von dem der Ball zum Torschützen sprang, eventuell im Abseits stand. Aber das Tor wurde gegeben. Leider.

Danach hatte der VfB erstmal Auftrieb. Der Club musste sich erst sammeln. Doch dankenswerterweise vergab Gomez beste Chancen. Auf der anderen Seite ging es Misidjan aber nicht anders.

So blieb es beim 1:1. Ein Punkt, der wohl zu wenig ist, um noch das rettende Ufer zu erreichen. Ärgerlich vor allem, dass wieder mal die Chance verpasst wurde, einen Konkurrenten nach unten zu ziehen. Doch am Freitag kommt Schalke. Vielleicht klappt es da.

Ein Letztes:

Wenigstens am 1. April darf man doch mal erfolgsorientiert denken, oder?

„Nur so können wir uns dauerhaft in der 1. Liga etablieren“: #FCN und #SGF wollen über Fusion und Stadionneubau an der Stadtgrenze verhandeln: https://t.co/OAseH1wMze— Friends Of FCN (@clubfreunde) 1. April 2019

Neuer Trainer, altes Ergebnis

Remis in Stuttgart: Dafür hätte man den Trainer nicht wechseln müssen. Unentschieden haben wir schon unter Michael Wiesinger und Armin Reutershahn gespielt. Aber gut: Gertjan Verbeek hatte ja auch nur drei Tage Zeit für Veränderungen.

Ist und bleibt also alles beim Alten? Nein, so ganz stimmt das nicht. Diesmal trat der Club deutlich offensiver auf. Nach vorne wurden wesentlich mehr Chancen rausgespielt. Doch nachdem die erste gleich von Josip Drimic billard-mäßig versenkt wurde, war danach leider tormäßig nichts mehr drin. Das Tor war dann halt auch nur die – richtige – Antwort auf den Stuttgarter Führungstreffer. Der kam durch einen umstrittenen Elfer zustande, der in blödem Verhaltens begründet war. 10 Prozent davon, würde ich sagen, ging auf die Kappe von Niklas Stark und 90 Prozent auf die von Schiri Guido Winkmann.

Durch den Rückstand ließ sich die Mannschaft auch diesmal nicht aus dem Konzept bringen. Im Gegenteil. Das war eher ein Weckruf. Aber halt nur bis das Unentschieden stand. Das wurde diesmal sogar schon in der ersten Hälfte sicher gestellt. In der zweiten, wo der Club sonst meistens zulegte, war diesmal eher weniger Betrieb. Das lag wohl auch an den Stuttgartern. Die waren ziemlich unangenehm zu spielen, zumal bei denen die Ellenbogen irgendwie höher unterwegs sind als üblicherweise.

Ums kurz zu machen: Nicht schlecht gespielt. Aber geplatzt ist der Knoten noch nicht.

Europa, wir kommen nicht!

Der Spielplan meint es gut mit dem Club zurzeit. Letzten Sonntag ging es schon gegen die von der Europa-League scheinbar erschöpften 96er. Diesmal gegen die gleichermaßen müden Stuttgarter. Doch beiden Male langte es nur zu einem Unentschieden. Und beide Male muss man sagen: Es war glücklich.

Gegen Hannover fiel der Ausgleich erst in der Nachspielzeit. In Stuttgart traf Feulner aus dem Nichts und ziemlich überraschend zum 1:1-Endstand. Durch strukturiertes Spiel hatte sich der FCN das jedenfalls nicht verdient. Aber, was soll´s!

Das Spiel war – vor allem in Halbzeit eins – selbst für Fans harte Kost. Dem VfB konnte man zugute halten, dass ihm noch das Spiel gegen Genk zwei Tage zuvor in den Knochen steckte. Doch wovon waren eigentlich die Clubspieler platt? Oder war das Mitgefühl? Solidaritäts-Grottenkicken?

Dann lullten sie sich auch noch selber ein und lagen – wieder einmal unkonzentriert aus der Kabine gekommen – zu Beginn der zweiten Hälfte plötzlich hinten. Nicht unverdient. Korrekterweise hätte es aber kurz danach einen Handelfer für den Club geben müssen. Insofern war der Treffer von Markus Feulner dann doch irgendwie ausgleichende Gerechtigkeit.

Trotzdem festzuhalten bleiben: die Fehlpässe, die Schnitzer hinten (Nilsson), die anhaltende Formschwäche der beiden Außenverteidiger und des für den erstmals seit Beginn spielenden Mu Kanazaki eingewechselten Alexander Esswein. Dazu kommt die Harmlosigkeit des Sturmsolisten (diesmal durfte sich Polter zuerst versuchen und wurde dann durch Pekhart ersetzt)…. Nachdem Timm Klose diesmal verletzt fehlte, war eigentlich nur Raphael Schäfer eine Bank.

Bei den anderen hatten der Zuschauer eher den Eindruck, dass sie dringend eine Pause benötigen. Und dabei sind wir in keinem weiteren Wettbewerb vertreten. Dass das mit der Europa-League wohl nicht klappen wird, ist insofern beruhigend. Immerhin hat sich der Abstand zum Relegationsplatz weiter vergrößert. Gönnen wir uns also den Luxus der Langeweile!

Grottig, grottiger, FCN

Was haben die der Mannschaft eigentlich vor den ersten drei Saisonspielen in den Tee getan? Da haben sie jedenfalls den Eindruck erweckt, als könnten sie in der Biundesliga mithalten und mit etwas Glück sogar oben angreifen. Nun aber zeigt sich das wahre Gesicht des FCN und das ist das Havelse-Gesicht.

Havelse hat sich aber wenigstens reingehängt, war auch fußballerisch gut. Der VfB Stuttgart spielte dagegen im Frankenstadion genauso auf, wie man es von einer Mannschaft am Tabellenende erwarten konnte. Grottig! Aber es geht immer noch grottiger. Es gibt ja noch den Club. Nur der schafft sowas. Nur der kann völlig danieder liegende Mannschaften derart aufbauen. Nur der kann auf dern Vierer-Position aufstellen, wen er will, und er wird immer die Flatter haben. Dass er zuhause das Spiel nicht machen kann und deswegen eigentlich hinten nichts anbrennen lassen dürfte, das ist ohnehin schon seit Jahren bekannt.

Inziwschen fragt man sich, was Trainer Hecking eigentlich in der Saisonvorbereitung gemacht hat. Dass Marcos Antonio den Part von Philipp Wollscheid übernehmen kann, das stellte sich ja schnell als Irrtum heraus. Dann setzte er auf Peer Nilsson. das war dann offensichtlich auch ein Irrtum. Also wieder Marcos Antonio. Den neuerlichen Irrtum durfte Hecking dann gleich nach 30 Sekunden einsehen. Wobei das sowohl bei Antonio als auch bei Nilsson nicht unbedingt mangelndes Können, sondern Defizite im Mentalbereich sind. Sowas kann ein Trainer, der weder von der einen noch von der anderen Lösung überzeugt ist, auch befördern. Sowas kann aber auch ein Mentaltrainer mal beheben.

Wobei man sich, isoliert betrachtet, sowohl beim Auftreten von Nilsson in Hannover als auch von Marcos Antonio gegen Stuttgart ein bisschen an Vlado Kasalo erinnert fühlte. Wenn nach dem Patzer zum 0:1 eingeblendet worden wäre: „dieses Tor wurde ihnen präsentiert von bwin“, dann wäre jeder für diese relativ plausible Erklärung dankbar gewesen.

So plan- und drucklos wie der Club dann aber den Ausgleich angestrebt hat, könnte man auch meinen, die drei Punkte waren vielleicht Teil des Gebhart-Deals. Aber wie gesagt, nur wenn man den Club der ersten drei Spieltage zugrunde gelegt hätte. Da das offensichtlich nicht der wahre Club ist, sehen wir leider inzwischen ziemlich schwarz.

Zu allererst muss jetzt die Abwehr stabilisiert werden. Notfalls halt noch über den Transfermarkt. Andernfalls müssen wir hoffen, dass Augsburg und Fürth nicht über sechs Punkte hinauskommen. Aber das wird wahrscheinlich nicht so kommen. Denn selbst für die grottigsten Mannschaften gibt es einen noch grottigeren Aufbaugegner.

Schieber, bleib hier!

Einfach nur geil! Wie der Club den VfB Stuttgart zerlegte, das war Spitzenklasse und wenn uns das noch vor ein paar Wochen jemand prohezeit hätte, hätten wir ihn als Träumer ausgelacht. So kann es gehen. Und wenn so etwas geht, geht vielleicht auch noch anderes.

Zum Beispiel, dass wir dem Julian Schieber dazu verhelfen, weiterhin dort zu kicken, wo er hingehört: erstklassig. Schon aus Mitleid mit Schieber müsste der Club alles unternehmen, um zu verhindern, dass er in der nächsten Saison gegen Paderborn, Osnabrück oder Fürth kicken muss. Der Julian war, das twitterten sogar die Stuttgarter Nachrichten, der „beste Stuttgarter“ auf dem Platz. Wobei die Frage müßig ist, ob das auch der Fall gewesen wäre, wenn ihn die VfB-Bosse nicht an den Club verliehen hätten. Im Nürnberger Tor steht auch einer, der weiß, dass man in Stuttgart leicht Blei an den Füßen und Kacke an den Handschuhen haben kann, dass dort manches nicht läuft, was woanders wunderbar geht. Vielleicht kann der Raphael Schäfer noch etwas aus seinem Erfahrungsschatz einbringen.

Freilich: Nicht bloß Schieber spielte Klasse. Auch die anderen waren wirklich gut, selbst über den einen Aussetzer, den es offenbar immer gibt, kann man gnädig hinwegblicken, wenns vorne viermal klappert. Wobei, aber wir wollen ja nicht unbescheiden werden, der Sieg durchaus höher hätte ausfallen können. Aber dann wären in Nürnberg wohl die ersten wieder völlig abgehoben. Wir vielleicht auch.

Also: Am Boden bleiben und berücksichtigen, dass der VfB auch ein echt schwacher Gegner war!

Heimsieg, ole, ole, ole!

Klasse, Jungs! Mit 10 Mann noch zurückkommen und den ersten Heimsieg einfahren. Das ist umso klassiger, weil wir es vom Club so überhaupt nicht gewohnt sind. In der Vergangenheit ist der doch jedesmal nach Gegentoren eingebrochen.

Wobei, ohne Andi Wolf, das ist nicht wirklich eine Riesenschwächung. Da fehlt hinten nicht bloß ein Mann, sondern auch eine gewisse Unsicherheitskomponente. Aber egal: Jetzt jubeln wir erst mal!
20100922 Pinola jubelt mit Judt und Simons nach Tor zum 2:1

Und weil´s so schön ist, kann man sich hier den Spielbericht noch einmal anschauen.

Einfach nicht mehr müssen müssen

Wenden wir uns mal zur Ablenkung den Mitbewerbern um den Abstieg zu. Zu denen gehört überraschenderweise auch der VfB Stuttgart. Dessen Torwart Jens Lehmann scheint mittlerweile so sehr von Interviews, Training, Autogramme schreiben etc. gestresst, dass er nicht mehr dazu kommt, vor dem Spiel Pipi zu machen. Vielleicht, er ist ja schon etwas älter, muss er aber auch einfach häufiger.

Für den Club haben wir jedenfalls einen Gratistipp fürs nächste Spiel gegen den VfB parat (Obacht: Taktik, Fremdwort!): Erst das Spiel verzögern und wenn der Lehmann dann austreten muss, den Ball reinhämmern.

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