Last-Minute-Transfer mit Last-Minute-Tor

Die (Doppel-)Woche:

1. Ein bisschen haben mich die Nationalmannschaftsauftritte, die hier das Weekly zu einem 14-Tägly mutieren ließen, an „The Walking Dead“ erinnert. Aber mei, als Clubfan hat man mit jener übersättigten „Mannschaft“ kaum Schnittstellen, außer dass sie für solche Zwangspausen sorgt. Dafür schafft sie Gelegenheiten zu Freundschaftsspielen. Die hat der Club gegen die TSG Roth und gegen Dukla Prag souverän gemeistert. Der Herr Löw war anderweitig beschäftigt und konnte niemanden beobachten. Also: alles gut!

2. Sportvorstand Andreas Bornemann hat sich nachträglich zu den Last-Minute-Neuverpflichtungen geäußert und erzählt, wie man beim Club trotz Zeitdruck, ruhig die Transfers durchgezogen hat. Die, das hat sich auch bei den Freundschaftsspielen angedeutet, keine Verzweiflungseinkäufe gewesen seien.

3. Michael Köllner hatte für die Neuzugänge Deutschkenntnisse zur Bedingung gemacht. Die Neuzugänge haben derweil im Kicker und beim BR inzwischen allerdings Verständigungsprobleme mit dem Trainer beklagt. Man müsse oft mehrfach nachfragen, weil er so stark Dialekt rede.

4. Dementis scheinen beim Club nur sehr temporäre Bedeutung zu genießen. Jetzt verlässt Finanzvorstand Michael Meeske den FCN also doch. Dies war also nur dreijährige Zwischenstation auf dem Weg vom Kultclub (St.Pauli) zum Kapitalclub (VfB Wolfsburg). Das zeigt auch, wo der 1.FCN auf dieser Skala einzuordnen ist. Der hat Meeske dennoch einiges zu verdanken. Zum Abschied kann er endlich mal eine positive Bilanz nach einem abgelaufenen Geschäftsjahr präsentieren und hinterlässt seinem Nachfolger Niels Rossow somit geordnetes Terrain. Angeblich soll der Club auch für Meeske eine, bei solchen „Transfers“ eigentlich unübliche, Ablöse von 300.000 Euro kassiert haben. Pessimisten erinnern sich hingegen an den Jahreswechsel 2012/13, als besagter VW-Verein Trainer Dieter Hecking vom FCN abwarb. Ein Verlust mit Spätfolgen: 2014 gings dann in die 2.Liga.

Das Spiel:

Nicht ganz vollständig lief „Köllners neue Torfabrik“ an der Weser auf. Nur Matheus Pereira war von den beiden Last-Minute-Transfers von Beginn an dabei. Kubo musste daher erneut auf dem Flügel ran. Der Club begann recht gefällig nach vorne zu agieren, ohne allerdings echte Torchancen herauszuspielen. Der SV Werder Bremen, bei dem der ehemalige FCN-Spielmacher Kevin Möhwald (auch das ein Beweis für die anderen personellen Möglichkeiten an der Weser) nur auf der Tribüne saß, kam zwar seltener, meist aber gefährlicher vors Tor. Zwei Mal musste Georg Margreitter in höchster Not klären. Entsprechend angefressen stauchte er danach seine Abwehrkollegen zusammen. Die schafften es aber wieder nicht, die erste halbe Stunde ohne Gegentreffer zu überstehen. Diesxmal bedurfte es aber eines Sonntagnachmittagschusses von Maximilian Eggestein. Der kann ohne angegriffen zu werden aus 18 Meter abziehen und hämmert den Ball ins Dreieck. Schönes Tor, muss man leider zugeben.

In der zweiten Halbzeit beorderte Köllner Neuzugang Pereira nach vorne. Yuya Kubo, der ursprünglich mal Möhwald ersetzen sollte, musste weiterhin über den Flügel kommen, wo seine Qualitäten nicht so ganz zum Tragen kommen. Trotzdem liegt in der 59. Minute der Ball im Werdertor. Petrak hatte ihn reingespitzelt. Jubel beim Club. Jubel bei den Fans. Aber da ist halt noch der Videobeweis. Der entdeckte ein Abseitsposition von Ishak. Nichts war´s mit dem Ausgleich.

Dann wurden Fuchs und Pereira durch Neuzugang Virgil Misidjan und Edu Löwen ersetzt. Doch weiter rannte der Club vergeblich an. Die Bremer spulten die Sache souverän runter. Erst kurz vor Schluss – inzwischen war Knöll für Petrak drin – ging der Club all-in. Und er wurde in der Nachspielzeit belohnt: Virgil Misidjan verwertete in der 92. Minute eine Behrens-Vorlage zum inzwischen verdienten Ausgleich. Danach hatte Kubo nach Ishak-Zuspiel sogar noch die Möglichkeit, den Siegtreffer zu erzielen, schloß aber viel zu schwach ab. Ein Spiel dauert halt meist länger als 90 Minuten. Eine Erkenntnis, die der Club offenbar verinnerlicht hat.

Ein Letztes:

Unsereins verausgabt sich ja eher auf Twitter. Unter eSports fällt das – keine Ahnung warum – trotzdem (noch) nicht. Es gibt aber auch auf diesem Terrain Ereignisse, die der Sportfreund wissen sollte, vor allem dann, wenn sie zwei Stars der Szene betreffen: