Club schlägt die Bayern

  • Dort, wo die Bayern unterwegs sind, tummeln sich auch die Werbetreibenden. Einen kleinen Eindruck bekommen wir in der Diaspora Lebenden aktuell gerade. Da mottet Magenta Sport Alt-Moderator Fritz von Thurn und Taxis für das Freundschaftsspiel des FCN in Nürnberg aus und bekommt prompt allerorten kostenlose Werbung.
  • Er war fast schon beim FC Barcelona. Doch Uli Hoeneß wollte das Talent nicht ziehen lassen. Dann versuchte sich der FCB-Nachwuchsspieler relativ erfolglos beim Club. Jetzt ist Timothy Tillman bei den Greuthern gelandet. Anders als für uns Fans liegt für die Akteure im bezahlten Fußball Fürth eben nahe bei Nürnberg.
  • Der ehemalige Bild-Reporter Daniel Westgate ist nicht mehr Pressesprecher beim FCN. Man wolle mehr und transparenter mit den Fans kommunizieren, ließ der kaufmännische Vorstand Niels Rossow verlauten. Für Westgate wird jetzt im Verein eine andere Verwendung gesucht, seinen als „Leiter Sportkommunikation“ aufgewerteten Posten übernimmt der 42-jährige Christian Bönig. Zumindest in der Pressestelle ist jedenfalls nichts von einer „Verkleinerung des Kaders“ zu bemerken.
  • Wir Fans fragen uns schon länger, warum beim Club die Leistungskurve vieler Spieler nach unten zeigt. Bei der Ursachenforschung ist mancher bei Instagram fündig geworden. Da hat sich erst eine Spielerfrau beklagt, dass selbst ihr Hund nicht wieder nach Nürnberg will. Am 6. Januar postete dann Mikael Ishak einen Hilferuf, er sitze ohne Klopapier daheim und könne auch keines kaufen, weil alle Läden geschlossen hätten. Vielleicht ist die Stadt schuld; und das bayerische Ladenschlussgesetz.
  • Reizvoller als in Norwich auf der Bank zu sitzen, scheint Nürnberg aber allemal zu sein. Zumal, wenn der Aufenthalt zeitlich befristet ist. Linksverteidiger Philipp Heise, an dem der Club schon länger dran ist, kommt zumindest auf Leihbasis bis zum Saisonende. In den nächsten Tagen will Sportvorstand Palikuca noch eine weitere Abwehrverstärkung präsentieren.

Das Spiel:

Mit „Das Spiel“ haben wir die Begegnung gegen die Bayern wahrscheinlich höher gehängt als alle Beteiligten. Club-Trainer Jens Keller hatte schon vorab beklagt, das Testspiel komme zur Unzeit, weil die Mannschaft müde und platt sei. Das dürfte den Kaufleuten beim FCN nicht allzusehr gefallen haben, zumal der Kartenverkauf ohnehin nicht den Erwartungen entsprach. Andererseits schien genau das Druck von der Mannschaft zu nehmen. Die zeigte, dass sie durchaus mit den Bayern mithalten kann, dass sie sich offenbar sogar leichter tut mit einem Gegner, der selbst das Spiel machen und immer Ballbesitz haben will.

So ging der Club in der 22. Minute sogar durch Frey in Führung (Assist: Behrens) und hatte weitere Möglichkeiten, die Führung auszubauen. Allerdings sah man zwölf Minuten später, dass die Münchner, wenn sie sich gezwungen sehen, immer noch einen Gang hochschalten können und dann gegen eine nicht gerade sattelfeste Abwehr auch zum Erfolg kommen. Diesmal war es Davies, der den Ausgleich machte.

In der Pause wurde komplett durchgewechselt. Lediglich Clubkeeper Dornebusch blieb mangels Alternativen im Spiel. Bei den Bayern standen praktisch nur noch Jugend- und Drittliga-Spieler auf dem Platz. Beim Club wirkte sich die zuletzt beklagte Größe des Kaders hingegen positiv aus. Wohl auch, dass einige ein bisschen Werbung für sich machen wollten. So war es dann der wechselwillige Mikael Ishak der bereits nach wenigen Sekunden den Club erneut in Führung brachte. Beim 3:1 legte Ishak für seinen ebenfalls aufs Abstellgleis geratenen Sturmkollegen Adam Zrelak auf. Das 4:1 hatte Torschütze Schleusener ebenfalls einer Vorlage von Ishak zu verdanken. Danach hatte der Club immer noch nicht genug: Hack erhöhte sogar auf 5:1. Die Bayern konnten hingegen zunächst einen Elfmeter nicht verwerten (Dornebusch hielt) und danach lediglich noch ein bisschen Ergebniskosmetik betreiben.

5:2 gegen die Bayern: Das hört sich super an. Allerdings waren die Voraussetzungen im Nachhinein eher als Aufbauhilfe zu verstehen. Und die älteren unter den Clubfans wissen, FCB-Aufbauhilfe muss nicht immer zum Erfolg führen (Hoeneß!).

Positiv mitnehmen kann der Club immerhin, dass man gegen nicht ganz so motivierte Bayernstars mithalten und dass man gegen Drittliga-Bayern sogar gewinnen kann. Vielleicht passt der Kader also doch, bloß die Liga nicht.

Ein Letztes:

14 fürs Selbstbewusstsein

Die Woche:

  • Mit dem Slowenen Adam Gnezda Cerin präsentierte der Club seinen letzten Neuzugang. Der 20-Jährige ist im offensiven Mittelfeld daheim und erhielt einen Vier-Jahres-Vertrag. Wie hoch die Ablöse war, wurde nicht mitgeteilt.
  • Für den Chefposten am Nachwuchsleitungszentrum hat der Club offenbar einen alten Bekannten an der Angel. Der frühere Clubprofitrainer Michael Wiesinger soll den Job übernehmen. Sein jetziger Verein, der KFC Ürdingen, soll dafür eine Viertelmillion Ablöse erhalten.
  • Demgegenüber hatte der Club noch drei Abgänge zu verzeichnen. Federico Palacios kickt künftig für Jahn Regensburg. Kevin Goden (Eintracht Braunschweig) und Simon Rhein (Würzburger Kickers) sollen als Leihspieler in der dritten Liga Spielpraxis sammeln. Eventuell könnten weiter Abgänge folgen, da in einigen Ländern das Transferfenster noch offen ist.
  • Außer Spesen (in dem Fall vor allem in Sympathiewährung) nichts gewesen: Der Club zog jetzt seinen Einspruch gegen die Wertung des HSV-Spiels zurück. Das Bezirksamt in Hamburg hatte zuvor die Zweifel an Bakery Jattas Identität ausgeräumt. Inzwischen wird Jatta bereits als Nationalspieler gehandelt. Wohl als Wiedergutmachung dafür, dass auch der DFB in dieser Sache eine ziemlich klägliche Figur abgegeben hat.

Das Testspiel:

Um die Länderspielpause zu überbrücken, trat der FCN zu einem Testspiel in Landshut an. Gegen die SpVgg, die sonst in der Landesliga kickt, entwickelte sich naturgemäß eine ziemlich einseitige Partie. Obwohl der Club die Präzision im Abschluss oder beim letzten Pass häufig vermissen ließ, stand es bereits zur Pause 6:0. Dabei zeigte Kapitän Hanno Behrens mit zwei Toren, dass eine schöpferische Pausen durchaus positive Folgen haben können. Eine solche Pause gönnte Trainer Canadi diesmal unserem zuletzt etwas indisponierten Keeper Mathenia sowie Ishak und Sörensen. Handwerker und Hack waren derweil mit den deutschen Junioren unterwegs. So kam dann U21-Spieler Tobias Kraulich in Landshut zu seiner Premiere in der ersten Mannschaft. Später wurden auch noch die Nachwuchsspieler Mario Suver, Robin Heußer, Philipp Harlaß und Tobias Stoßberger eingewechselt.

Gleich fünf Tore gelangen übrigens Neuzugang Felix Lohkemper. Auch Michael Frey traf erstmals für den Club. Am Ende stand es 14:0.

Die ganz großen Erkenntnisse dürfte das Trainerteam zwar nicht gewonnen haben, dafür konnte die Mannschaft was fürs Selbstbewusstsein tun und etliche Spieler nach längerer Durststrecke die Erfahrung machen, wie das ist, wenn man den Ball im Netz unterbringt.

Ein Letztes:

Vergessen ist in dem Fall wohl nicht die schlechteste Idee: