Last-Minute-Abstieg war am schlimmsten

Das 2:6 in Aachen hat uns vor Augen geführt, wie schnell der Club doch in der Lage ist, Tiefpunkt an Tiefpunkt zu reihen. Daher haben wir uns (schließlich sollte man für die Zukunft offen sein und daher nicht allzulange Vergangenes nachkarteln) entschlossen, unsere Tiefpunkte-Abstimmung nunmehr auszuwerten. Schließlich können wir sie bei passender Gelegenheit gerne wieder, ergänzt um neues Material (ja auch um den verpassten Aufstieg von 1974 und natürlich den in seiner Folgenhaftigkeit noch nicht richtig einschätzbaren Auslöser der Umfrage, den Abstieg als amtierender Pokalsieger), durchführen.

Nach dem Stand des augenblicklich vorherrschenden Irrtums ergibt sich also folgendes Ergebnis:

Der Oscar für den tiefsten Tiefpunkt geht an den Last-Minute-Abstieg 1999 (er erhielt 30 Prozent der Stimmen). Zur Erinnerungsauffrischung hier noch einmal die legendäre Bundesligakonferenz mit Günther Koch live aus dem Nürnberger Stadion:

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Auf Platz 2 folgt mit 21 Prozent (die Prozentzahlen sind jeweils aufgerundet) die „Mutter aller Abstiege“, der eigentliche Favorit der 3 Clubfreunde, der erstmalige Abschied eines amtierenden Meisters aus dem Fußballoberhaus im Jahr 1969.

Mit 15 Prozent auf Rang 3 landete das Regionalligagastspiel des FCN 1996/97.

Die weiteren Platzierungen:

4. Phantomtor und Abstieg 1994 (11 Prozent)

5. Die Ära Voack (6 Prozent)

6. „etwas anderes“ (4 Prozent) Genannt wurden unter anderem: die Vereinsgründung, das 7:3 gegen die Bayern versäumt, in der gleichen Liga mit Fürth spielen müssen, Schmelzer als Präsident, Luchs statt Club im BR, drohender Konkurs im Dezember 94.

7. Böbels schwarze Kasse (3 Prozent)

8. Retter Hoeneß (2 Prozent)

9./10. Katastrophensaison 83/84 gleichauf mit Pistolero Roth (2 Prozent)

11./12.  Pokalaus gegen Ulm gleichauf mit Geenens Verbalausfall (1 Prozent)

13./14. Spielerrevolte und Turbantor im Pokalfinale 82 (1 Prozent)

15. Kasalos Eigentore kamen nur auf 0 Prozent.

Wir bedanken uns bei allen, die mit abgestimmt haben.

Klatsche für den Club und die Experten

Der 6:2-Niederlage gegen Aachen etwas Positives abzugewinnen, ist zwar nicht einfach, aber es geht. Denn eine Klatsche bringt manchmal mehr Erkenntnisse, als eine knappe Niederlage. Zum Beispiel die, dass nicht nur die Spieler und das Umfeld – um die Skifahrersprache zu bemühen – „verwachst“ hatten, und zwar total.

Auch die Expertenmeinungen wurden konterkariert. Unsere Sportjournalistenkollegen sahen den Club fast unisono wieder auf Aufstiegskurs. Auch andere Fachleute meinten, der FCN habe sich nun an die 2.Liga gewöhnt und sei bislang meistens unter Wert geschlagen worden.

An die Stimmung im Aachener Tivoli hatten sich unsere Spieler allerdings ganz offensichtlich noch nicht gewöhnt. Auch an Schneetreiben und schlechtes Wetter. Doch das gehört auch dazu, wenn man aufsteigen und in der 2.Liga oben mitspielen will.

Im Augenblick sieht die Momentaufnahme jedenfalls so aus: Die Fürther packens (endlich, und vielleicht nur aus Daffke), der Club ganz offensichtlich nicht. Insofern ist der Blick auf die Tabelle für den Club-Fan fast noch peinlicher als der Auftritt in Aachen.

Bevor jetzt jedoch Ärger und Frust hochkochen und eventuell vorschnelle Entscheidungen getroffen werden, verweisen wir auf unsere, noch laufende Tiefpunkte-Abstimmung. Ein Blick in die Geschichte relativiert manches doch ein bisschen.

Tiefpunkte: die Abstimmung

So, ihr habt eure Chance gehabt und nicht genutzt! Das war auch nicht anders zu erwarten. Also legen wir jetzt eben ohne Leserzusätze los mit unserer Tiefpunkt-Umfrage.

Wobei man fast immer auch noch eine zweite Chance bekommt. Hier auch, und so könnt ihr bei der Umfrage auch noch persönliche Tiefpunkte wählen.

Wir werden das Voting so lange offen lassen, bis es nicht mehr in die Landschaft passt. Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn der Club einen Aufstiegsrang erklommen hätte.
Also, stimmt fleißig ab! Und wenn jemandem zu einzelnen Tiefpunkten die Infos fehlen, hier ist noch einmal alles zusammengefasst.

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Tiefpunkte: letzter Aufruf

In den vergangenen Monaten haben wir eine kleine Zeitreise durch die jüngere Club-Geschichte unternommen und einige extrem schwarze Stunden in Erinerung gerufen. Allerdings kann es sein, dass uns die eine oder andere Peinlichkeit durch die Lappen gegangen ist. Vielleicht haben wir so manches finstere Kapitel ja schlicht und einfach verdrängt. Dann sind die Blog-Leser gefordert, unserer Erinnerung auf die Sprünge zu helfen und die Liste zu ergänzen. Bislang bewerben sich diese 14 Kandidaten um den Titel „Ultimativer Tiefpunkt der Club-Geschichte“:
1.) Last-Minute Abstieg 1999
2.) Der Club nur drittklassig: Die Saison 1996/97
3.) 0:34 Auswärtspunkte: Die Katastrophensaison 1983/84
4.) Das Phantomtor und der Abstieg 1994
5.) Pokal-Aus gegen Fünftligist Ulm
6.) Abstieg als Meister 1969
7.) Mehr Bratwurst als Retter: Uli Hoeneß im Club-Trikot
8.) Der J.R. aus Lauf: Die Ära Voack
9.) Edgar Geenens verbaler Amoklauf
10.) Dieter Hoeneß‘ Turban und das verlorene Pokalfinale 1982
11.) Geisterfahrer: Vlado Kasalos mysteriöse Eigentore
12.) Die Spielerrevolution gegen Trainer Heinz Höher
13.) Pistolero Roth droht mit der Schusswaffe
14.) Professor Böbel und die Schwarze Kasse

Geisterfahrer Vlado Kasalo

Eine Million D-Mark kostete Vlado Kasalo (Mitte, mit dem damaligen Clubpräsidenten und jetzigen Immobilienunternehmer Gerd Schmelzer und dem später im Knast gelandeten Schatzmeister Ingo Böbel). Das war eine stattliche Summe in jenen Zeiten.

Man schrieb den Sommer des Jahres 1989, als der Club zur Stärkung seiner Defensive den jugoslawischen Nationalspieler von Dynamo Zagreb an den Valznerweiher lotste.

Den Fans ist Kasalo, mit dem wir unsere Reihe der Tiefpunkte in der FCN-Geschichte fortsetzen, aber weniger als Leistungsträger, sondern eher als Geisterfahrer in Erinnerung geblieben. Mitten im heißen Abstiegskampf der Saison 1990/91 traf der Libero nämlich bei den Spielen gegen Stuttgart (0:1) und in Karlsruhe (0:2) innerhalb einer Woche zweimal ins eigene Netz.

Kasalo geriet in Verdacht: Der Abwehrspieler, der gerne in Spielcasinos verkehrt haben soll, könnte absichtlich auf das falsche Tor gezielt haben, um Wetten zu gewinnen und so seine Schulden abzubauen. Der FCN suspendierte den damals 28-Jährigen und schaffte auch ohne den Abwehrchef knapp die Rettung.

Allerdings konnte Kasalo nie eine Manipulation nachgewiesen werden. Von 1992 bis 1994 spielte er noch in Mainz, damals eine graue Maus in der Zweiten Bundesliga. Dort brachte er es auf 55 Einsätze, zudem traf er fünfmal –  ins richtige Tor wohlgemerkt.

TIEFPUNKT 11

Mit dem Turban gegen den Club

Weil die Berliner Hertha derzeit nach vielen Enttäuschungen endlich mal wieder richtig gut dasteht, war ihr Manager Dieter Hoeneß am Wochenende ein gefragter Interviewpartner. Am Samstag gastierte er zum Beispiel im Aktuellen Sportstudio, wo der frühere Stürmer des FC Bayern München prompt auf sein vielleicht berühmtestes Tor angesprochen wurde. Jenen Kopfballtreffer, den er mit blutdurchtränktem Turban erzielte.
Und wer musste dieses Tor einstecken? Richtig geraten, Leidtragender war wieder mal der unglückliche 1.FC Nürnberg.
26 Jahre ist das nun her. Am 1. Mai 1982 hämmerte Hoeneß den Ball zum 4:2-Endstand gegen den Club ins Netz. Und zwar mit seinem Schädel, mit dem er schon nach 13 Minuten gegen den des FCN-Verteidigers Alois Reinhardt (der Vater des heutigen Club-Außenverteidigers Dominik) gerasselt war, so dass er nur mit einem dicken Kopfverband weiterspielen konnte. Und der verfärbte sich zunehmend rot. Alles vielleicht noch kein Grund, diese Geschichte in unsere Serie der Tiefpunkte einzureihen. Aber immerhin handelte es sich um das Endspiel des DFB-Pokalwettbewerbs!
Und lange sah es so aus, als könnten die vom inzwischen verstorbenen Udo Klug trainierten Nürnberger die Partie für sich entscheiden. Reinhold Hintermaier mit einem herrlichen Schuss aus über 40 Metern und Werner Dreßel hatten dem FCN einen soliden 2:0-Vorsprung verschafft. Die Fans wähnten sich schon als Pokalsieger, doch die ungeliebten Bayern drehten das Spiel noch um. Karl-Heinz Rummenigge verkürzte, Wolfgang Kraus glich aus und ließ sich dann bühnenreif fallen. Paul Breitner verwandelte den Elfmeter zum 3:2 für den Favoriten. Hoeneß, der mit seinem Turban auch die Treffer von Rummenigge und Kraus vorbereitet hatte, setzte den Schlusspunkt.
Das Magazin „Elf Freunde“ hat dieses Spiel im Februar 2007 auf Rang 43 in seine Hitliste der 100 besten Spiele aller Zeiten aufgenommen, und Turban-Hoeneß zierte das Titelbild der entsprechenden Ausgabe. Im Nürnberger Lager dauerte es indes lange, die Enttäuschung zu verkraften. Immerhin hatte man die Bayern am Rande einer Niederlage. Und dass die Münchner damals nicht unschlagbar waren, bewies die Bundesliga-Saison 1981/82, in der sie nur auf Rang drei landeten. Die stärkste deutsche Mannschaft stellte in jener Zeit der Hamburger SV, Meister 1982 und 1983 sowie Europacup-Sieger 1983. Und den HSV hatte der Club im Halbfinale aus dem Wettbewerb befördert. Doch mit dem Pokalsieg wurde es trotzdem nichts. Es sollte weitere 25 Jahre dauern, bis der Club-Anhang endlich mal wieder einen Titel bejubeln durfte…
Das Pokalfinale von 1982 mit dem Turban-Tor des Dieter Hoeneß – unser Kandidat Nummer zehn für die Wahl zum ultimativen Club-Tiefpunkt.

TIEFPUNKT 10

Der verbale Amoklauf des Edgar Geenen

Zwei Siege in Folge, noch dazu einer gegen das unaufsteigbare „Kleeblatt“ – das setzt beim Club-Fan ungewohnte Glücksgefühle frei. Um gleichwohl die Bodenhaftung zu bewahren, sollten wir vielleicht mit unserer Tiefpunkt-Serie weitermachen.

geenen.JPGDie nächste Station auf der kleinen Zeitreise durch die Geschichte der gern verdrängten FCN-Peinlichkeiten führt uns in den Oktober des Jahres 2001. Der Club war im Sommer davor mal wieder in die Bundesliga aufgestiegen, doch die Euphorie hatte sich schnell verflüchtigt. Am 10. Spieltag verliert die Elf um Kapitän Martin Driller mit 1:2 gegen Borussia Mönchengladbach und stürzt von Rang 16 auf 18. Am Valznerweiher leuchtet mal wieder das Rotlicht der Schlusslaterne. Und auch der Manager sieht „Rot“: Edgar Geenen leistet sich einen in der Geschichte der Fußball-Bundesliga wohl einmaligen verbalen Amoklauf und beschimpft sieben als Konsequenz aus der Talfahrt in einen B-Kader verbannte Spieler als „Müll“ und „Abschaum“ . Manche Akteure seien „wie Lepra“, tut Geenen kund, und am liebsten würde er „einigen in die Fresse hauen“.

Das Kuriose: Die betroffenen Spieler Bernd Hobsch, Armin Störzenhofecker, Sven Günther, David Bergner, Adebowale Ogungbure, Stefan Leitl und Pavel David können wohl am wenigsten für die Club-Krise, waren sie doch in den bisherigen zehn Saisonspielen kaum zum Einsatz gekommen. Und Trainer Klaus Augenthaler, in Personalfragen äußerst unflexibel, hatte kurz zuvor Hobsch und Störzenhofecker noch für ihre Trainingsleistungen gelobt, sie dann aber doch nicht oder kaum eingesetzt.

Jetzt aber verteidigt Augenthaler die Ausfälle seines Managers mit der Fußballer-Sprache, die ebenso deftig sei wie die am Bau. Und auch Geenen entschuldigt sich erst auf Druck von außen. Das missglückte Krisenmanagement macht die Sache noch schlimmer.

Und nach der Saison wird der Amoklauf Geenens und die Verbannung der Spieler fatalerweise durch den Manager, Augenthaler und einige Kommentatoren auch noch als in der Wortwahl falsch, in der Sache aber richtig schöngeredet. Immerhin habe sich der Club gerettet. Letztlich aber bleiben die Nürnberger im Jahr 2002 als einer der schlechtesten Nichtabsteiger aller Zeiten nur deshalb in der Bundesliga, weil Köln, Freiburg und St. Pauli noch mieser kickten. Ein Beleg: Zwischen dem 25. und dem 32. Spieltag verlieren die Augenthaler-Schützlinge sieben von acht Spielen und „verteidigen“ dennoch durchgängig den rettenden 15. Rang, da das Trio am Ende ebenso konsequent die Punkte abgibt.

Die vermeintlichen „Seuchenvögel“ sind zu diesem Zeitpunkt längst davongeflattert, ihnen kann niemand mehr die Schuld zuschieben. Hobsch und Günther lösen Ende November 2001 ihre Verträge auf, Leitl, Ogungbure, Bergner und der verdiente Kämpfer Störzenhofecker verabschieden sich in der Winterpause. Einzig David bleibt noch bis 2004 beim Club und hat noch einen Anteil am bislang letzten Wiederaufstieg in die Bundesliga. Zu diesem Zeitpunkt sind Augenthaler und der inzwischen verstorbene Geenen längst nicht mehr am Valznerweiher. Sie werden im Frühjahr 2003 entlassen, als der FCN dann doch wieder der Zweitklassigkeit entgegentrudelt.

Der verbale Amoklauf des Edgar Geenen: Unser Kandidat Nummer neun für die Wahl zum ultimativen Club-Tiefpunkt.

TIEFPUNKT 9

Ein „Retter“ wird Bratwurstkönig

hoeness.JPGIn München überlegt Uli Hoeneß derzeit, ob er nicht noch ein paar Jährchen als Manager dran hängen soll, bevor er im Präsidium nur noch den Grüßaugust gibt. Ein bisschen Grüßaugust war der Uli auch, als er noch für unseren Club kickte. Das war in der Saison 1978/79.

Nach dem Abstieg 1969 durfte der FCN endlich wieder Bundesligaluft schnuppern. doch die vergleichsweise junge Mannschaft war überfordert. Deshalb präsentierte der damalige Präsident Lothar Schmechtig kurz vor der Winterpause einen besonderen Deal, er holte den Münchner Nationalspieler Uli Hoeneß, der nach längerer Verletzung bei den Bayern nicht mehr richtig Tritt fassen konnte, als „Retter“ nach Nürnberg. Doch der „Retter“ hatte nur außerhalb des Spielfelds Erfolg. Er begründete nämlich in Nürnberg seine Karriere als Bratwurstfabrikant (laut EU-Verordnung darf auch ein Münchner an Nürnberger Bratwürsten verdienen, solange die Fabrik in Nürnberg steht). Auf dem Platz hat Hoeneß möglicherweise das Hirn nicht frei und versagte daher kläglich. In elf Spielen traf er nicht ein Mal ins gegnerische Tor. Am Ende der Saison war der Club wieder in der 2. Liga und Hoeneß verkrümelte sich Richtung München, wo bereits der Managerposten auf ihn wartete.

Hoeneß war leider nicht der erste (und auch nicht der letzte), der vor und nach seiner Clubzeit Erfolge feierte, beim FCN aber seine Fähigkeiten nicht zeigen konnte/wollte.

TIEFPUNKT 7