Zurück aus dem Traumland

3488082697In Nürnberg verliert man gerne einmal den Realitätsbezug. Auch als FCN-Fan. Da reicht schon eine längere Winterpause um ins Traumland abzudriften. Der Aufstieg ist noch drin, dachte da so mancher. Der eine eher heimlich, der andere ganz offensiv. Clubtrainer Rene Weiler hatte deshalb vor dem Spiel in Frankfurt schon etwas mehr Realitätssinn eingefordert.

Aber, dass es dann so real werden würde, das hatten nicht einmal wir, die wir sonst eher zum Unken neigen, gedacht. Real, das war das sattsam bekannte einfallslose Clubgekicke, das brave, aber vergebliche Bemühen um Struktur, das immer mit dem einen oder anderen Fehler garnierte Abwehrspiel, das eher verzweiflungsgetriebene Anstürmen, wenn der Ball doch einmal in Strafraumnähe kommt… Wir kennen das aus dem letzten und auch aus dem vorletzten Jahr. Dass sich das ändern könnte, weil wir nun 2015 schreiben und der Club in Belek weilte, ja mei: Es war ein Irrtum.

Dabei hatte uns der FCN erst letzte Woche einen weiteren Irrtum aufgezeigt. Wir glaubten nämlich immer, es läuft nur sportlich nicht, dafür seien die Finanzen wenigsten in Ordnung. Falsch gedacht! Es gibt also auch noch Realitäten, die wir gar nicht kennen. Der Club scheint für den Träumer eine Wundertüte zu sein. Allerdings eine, in der vor allem Arschkarten drin sind.

Doch zurück zum Spiel. Bekanntlich gilt der FSV Frankfurt eher als graue Maus in der 2. Liga. Eine biedere Handwerkertruppe, die es dem Gegner zwar schwer macht, aber kaum in der Lage ist, selber Akzente zu setzen oder gar fußballerisch zu brillieren. Eine Billigheimer-Elf, die schauen muss, dass sie die Klasse hält. Mit dieser befand sich der Club in den besseren Momenten des Spiels auf Augenhöhe. Insofern wäre ein Unentschieden vielleicht gerecht gewesen. Allerdings hatte die Billigheimer-Elf aus Frankfurt einemn Vicenzo Grifo in ihren Reihen, der dann auch mal mit einem Weitschuss treffen kann. Es gibt also doch noch Unterschiede zwischen Bornheimer und Billigheimer.

Für letztere muss die Erkenntnis wohl lauten: Klasse halten und im nächsten Jahr und dann mit einem vielleicht zweitligatauglichen Linksverteidiger oben angreifen.