…sowas hat man lange nicht gesehen

Dass ich das noch erleben darf! So schön! Noch nie haben Fans „sowas hat man lange nicht gesehen“ mit mehr Berechtigung gesungen als heute. 17 Spiele ohne Sieg. Und endlich hat die verdammte Serie ein Ende! Das ist wie nach Wochen in der Wüste einen Getränkeautomaten entdecken und auch noch passende Münzen in der Hose haben.

Dass der Sieg wichtig war, darüber brauchen wir wohl kein Wort verlieren. Hoffenheim zu Hause, dann noch die Euphorie aus dem Trainingslager… Wann sollte es sonst klappen mit dem ersten Dreier? Gar nicht auszudenken, wenn es heute wieder nichts geworden wäre!

Doch zum Spiel. Die ersten fünf Minuten legte der Club los wie die Feuerwehr. Aber wie so oft kam nichts dabei rum. Dann versackte das Spiel etwas, ehe ausgerechnet Timothy Chandler mit einem abgefälschten Schüsschen das erste Törchen machte. Auch als Drmic noch vor der Pause eines nachlegte, zitterten wir weiter. In Hannover wurde schließlich noch eine 3:0-Führung verspielt. Aber inzwischen hat sich einiges getan beim Club. Verbeek hat wie seinerzeit Hans Meyer den Pino wach geküsst. Der war nicht nur wegen der neuen Position als Innenverteidiger und der neuen Frisur kaum wiederzuerkennen. Jedenfalls war den Hoffenheimern bald klar, dass sie hier wohl nicht viel holen. Zahn gezogen, nennt man sowas.

Und dann klappt es halt auch vorne. Nochmal Drmic und Ginczek erhöhten auf 4:0.

Oh, wie ist das schön! Jetzt halt nicht nachlassen! Aber immerhin: Der Fluch ist bezwungen, die Saison kann beginnen!

Aufbauhilfe in Sinsheim

Die Fans hatten nach der Derbyniederlage zum Boykott aufgerufen und hielten sich in Sinsheim deswegen zurück. Der Grund für die desolate Leistung der Mannschaft liegt dennoch wohl woanders. Gegen die auf einem Abstiegsplatz stehenden Hoffenheim ließen sie sich schwindelig spielen. In der neu formierten Abwehr ging so ziemlich alles durcheinander. Im Mittelfeld wurde fast jeder Ball versiebt und vorne stand ein Sebastian Polter, der wohl Angst hatte, sein Deo könnte versagen.

Was der Club in Sinsheim ablieferte war nie und nimmer bundesligareif (der Anschlusstreffer durch ein Elfmetergeschenk, kann da auch nicht hinwegtäuschen). Höchstens vielleicht von der legeren und fast schon arroganten Haltung her. Da dachten manche, sie könnten mal ein bisschen den Schongang einlegen. Das war schon gegen Fürth so. Null Aufbäumen, null Engagement, null Kampf! Wozu auch? Schließlich will eh keiner nach Europa und nach unten hat man ein sicheres Polster. Allerdings: Noch ist der Relegationsplatz drin, nachdem Augsburg gewonnen hat.

Jetzt könnte einer mit Recht fragen: Warum strengt ihr euch nicht mal für uns Fans an? Uns reicht es nämlich nicht, wenn mit Ach und Krach die Klasse gehalten wird. Wir sind nämlich sauer, wenn das Derby gegen die jetzt abgestiegenen Nachbarstädter einfach so verloren wird und wenn so offensichtlich Aufbauhilfe für einen Retortenverein wie die TSG betrieben wird.

Aber wir Fans stehen mittlerweile nicht nur beim Club im Abseits. Deutsches Championsleague-Finale, aber drunter bröckelts gewaltig. Leider auch beim Club.

Jetzt ist sogar noch Europa drin

Von wegen Sommerfussball! Von wegen locker auslaufen lassen! Der Club hängte sich in Sinsheim richtig rein und holte sich verdient die drei Punkte ab. Dabei ging es für die SAPler noch um was. Die hätten sich nämlich noch für einen Europaleague-Platz qualifizieren können.

Ging es nur für die Hoffenheimer um was? Nein! Theoretisch könnte sich jetzt sogar der Club noch für Europa qualifizieren. Hannover auf Platz 7 liegt nur noch drei Punkte vor dem Club. Allerdings spielen die am letzten Spieltag zuhause gegen den Tabellenletzten aus Kaiserslautern. Der Club muss gegen Leverkusen ran. Aber trotzdem: Es ist noch was drin. Wer hätte das gedacht?

Unabh#ängig davon gibt es freilich genügend Gründe, lieber nicht in der Europaleague mitzuspielen und sich lieber nur ein paar Fernsehgelder mehr durch einen guten Mittelfeldplatz abzuholen. Vielleicht war das auch die Motivation, die den Club gegen Hoffenheim zum Sieg verholfen hat.

Nicht zu vergessen auch, abermals!, Daniel Didavi, der wieder einmal den Unterschied ausmachte. Er brachte auch Tomas Pekhart so ins Spiel, dass der seine Torjägerqualitäten wieder fand. Gute Leistung verbunden mit Altruismus, das macht große Spieler aus!

Bezeichnend jedenfalls, dass die Partie in Hoffenheim an diesem kompletten Spieltag wohl anfangs als das belangloseste eingestuft wurde. Am Ende war sie aber trotz der Hitze eine der besten. Und das war bestimmt nicht den Hoffenheimern geschuldet.

Die Null steht – dank Schäfer & Glück

NOR_20100307_cb012.JPGVorne das sattsam bekannte Unvermögen, hinten das seit ein paar Wochen bekannte Glück – gibt zusammen ein 0:0. Gegen die SAP-Mannschaft Hoffenheim ist das immerhin ein gutes Ergebnis. Gegen die gab es zuletzt nämlich nichts zu holen.

Mal abgesehen davon, dass man bei solchen Spielen als Zuschauer eigentlich das Eintrittsgeld zurückerstattet bekommen sollte., gab es immerhin eine breite Palette an Darstellern zu begutachten. Während Club-Torjäger Bunjaku verletzt auf der Tribüne saß, durften sich statt seiner Choupo-Moting, Charisteas, Mintal und sogar noch Boakye versuchen. Bloß, wenn man praktisch nie in den Strafraum kommt, dann ist das eigentlich egal, wer da vorne den Statisten gibt. Dass der Club eigentlich nur mit Weitschüssen seine Vorwärtsbemühungen abschloss, hatte fast schon was von Verzweiflung.

Positiv bleibt also nur festzuhalten, dass Raphael Schäfer, die Latte, eine etwas stabilere Abwehr und das Glück hinten die Null sicherten. Ob der Punkt weiterhilft, wird sich weisen. Zumindest Freiburg hat einen Sieg eingefahren und Boden gut gemacht.

Ansonsten gilt: Schwamm drüber! An dieses Spiel wird sich später jedenfalls niemand mehr erinnern; umsomehr dagegen an den Last-Minute-Sieg der Frankfurter Eintracht gegen den FC Bayern (womit hier noch für einen versöhnlichen Abschluss gesorgt wäre).

Hopp gegen Hoeneß

Nö, ich schreibe jetzt nicht auch noch was über die Unterschiede zwischen den beiden Vereinen, über alte und neue Welt, über Hoeneß und Hopp, über Klinsmann und Rangnick, über Geld und Verstand. All das (letzteres am allerwenigsten) hat nichts mit dem Club zu tun, und der spielt halt erst am Montag.

Lediglich den Hinweis auf diese schöne Maussendung zur Frage „Hoffenheim, was ist das?“ kann ich mir nicht verkneifen:

YouTube Preview Image

via