Club kann sich leider nicht belohnen

Schade, schade, das hatte der Club nicht verdient! Nach streckenweise überzeugenden Spiel unterlag er durch ein Tor in der Nachspielzeit noch Tabellenführer VfB Stuttgart, der nach dem Spiel mit seinen zahlreichen Fans dann schon mal den wichtigen, und fast nicht mehr erwartbaren Schritt zum Aufstieg feierte.

Womit wir bei den Fans wären. Da machten die aus Stuttgart angereisten Gäste, die für ein ausnahmsweise fast gefülltes Nürnberger Stadion sorgten, mehr Betrieb als die Club-Anhänger. Das lag nicht nur an deren Quantität, sondern auch daran, dass den Nürnberger Ultras wieder mal irgendetwas Verstummendes über die Leber gelaufen ist. weiter lesen

Einfach eine Klasse besser

28.11.2016 --- Fussball --- Saison 2016 2017 --- 2. Fussball - Bundesliga --- 14. Spieltag: VfB Stuttgart - 1. FC Nürnberg Nuernberg FCN Club --- Foto: Sport-/Pressefoto Wolfgang Zink / DaMa --- Tor zum 1:0 - Torschütze Simon Terodde (9, VfB Stuttgart ) gegen Laszlo Sepsi (6, 1. FC Nürnberg / FCN )

Das 1:3 (0:2) des 1. FC Nürnberg beim VfB Stuttgart am Montagabend darf getrost unter der Kategorie „erwartbar“ verbucht werden. Es hat sich über weite Strecken das gezeigt, was Experten schon vorher ausgemacht hatten: Dass zwischen den beiden Teams ein Klassenunterschied herrscht. So gesehen, war das Ganze aus Nürnberger Sicht dann doch recht ansehnlich. Denn mitgehalten haben die Rot-Schwarzen ja ganz gut. Für einen Sieg hätte die Leistung dennoch nicht gereicht. Höchstens ein Unentschieden, das wäre mit viel Dusel vielleicht drin gewesen.

Die Sturm- und Drang-Phase des 1. FC Nürnberg währte jeweils nur kurz. Lediglich zur Mitte des ersten Durchgangs, beim Stande von 0:1 aus Club-Sicht, und zum Ende der Partie hin, nach dem 1:2-Anschluss durch Möhwald (80.), sahen die mitgereisten fränkischen Fans ihren FCN zielstrebig nach vorne kombinieren. Zweimal scheiterte der 1. FCN zudem am Innenpfosten: In der 28. Minute hatte Kempe den Ball aus rund 25 Metern auf die Reise geschickt, in der 72. Minute hatte der zuvor für Salli eingewechselte Teuchert Pech, als sein Kopfball vom Elfmeterpunkt ebenfalls ans Aluminium prallte. Darüber hinaus verwehrte Schiedsrichter Drees dem Club einen Treffer, weil Burgstaller eine Sepsi-Hereingabe zwar ins Tor verlängerte, dabei aber knapp im Abseits stand (69.). Als positiv festzuhalten bleibt, dass sich der 1. FC Nürnberg nach der Halbzeitpause aktiver und wacher präsentierte. Eine Trotzreaktion war aber auch das mindeste, was man von der Truppe von Trainer Schwartz erwarten konnte.

Schließlich hatte sie vor allem die ersten Minuten der Partie komplett verpennt. Das 1:0 für den VfB resultierte aus einer mangelhaften Defensivaktion. Terodde setzte Asano mit einem starken Pass durch die Schnittstelle der Nürnberger Abwehr in Szene, der startete durch und legte quer ins Zentrum, wo erneut Terodde bereitstand und die Kugel nur noch einschieben musste (3.). Youngster Kammerbauer und Bulthuis waren dabei nur Statisten. Das 2:0 zerstäubte dann die aufkeimenden Nürnberger Hoffnungen schnell. Erneut war es Terodde, der Club-Keeper Kirschbaum überwand und das 2:0 markierte (33.). Das 3:1 durch Asano kurz vor dem Schlusspfiff war dann letztendlich nur noch Ergebniskosmetik. Denn auch an dem 1:2 wäre wenig zu rütteln gewesen: Eine Chance hatte der FCN nach dem Anschlusstreffer nicht mehr.

Ausrufezeichen im Abstiegskampf!

Luft! Durchatmen! Der 1. FC Nürnberg hat den Kopf im Abstiegskampf erst einmal wieder über die Wasseroberfläche gebracht. Aus eigener Kraft. Unsere Erleichterung war unmittelbar nach Abpfiff unbeschreiblich. Doch mittlerweile sehen wir das Ganze schon realistischer.

Denn das 2:0 (1:0) gegen den VfB Stuttgart war letztlich nur ein kleiner Schritt auf dem langen Weg weg vom Abgrund, der immer noch direkt hinter Gertjan Verbeek und seinen Mannen klafft. Aber es könnte ein entscheidender Schritt nach vorne gewesen sein. Um es drastisch auszudrücken: Der Club hat sich am Mittwochabend die Scheiße, die seit vier Spieltagen zwischen den Stollen geklebt hatte, von den Tretern gespielt, ein Ausrufezeichen gesetzt. „Abputzen und weitermachen“, muss das Motto jetzt vor der nächsten Schicksalspartie in Freiburg lauten.

Doch der Reihe nach. Hinter uns liegen 90 Minuten, in denen Raphael Schäfer und Co. gezeigt haben, dass sie endlich begriffen haben, um was es eigentlich geht. Nämlich ums nackte Überleben. Als Lebensversicherung entpuppte sich einmal mehr Josip Drmic, der gleich doppelt traf und somit den Weg für diesen Schritt überhaupt ebnete. Das Bild in diesem Blogpost zeigt den 21-jährigen Schweizer trotzig, aber auch entschlossen. Genau diese Einstellung war an diesem Abend auch der ganzen Mannschaft anzumerken.

Gewiss tat sich der 1. FC Nürnberg, der untermalt von einer „Feuershow“ der Ultras den Rasen betrat,  anfangs vor 38.188 Zuschauern im Grundig-Stadion schwer. Die zuletzt vier Niederlagen in Folge, also die Scheiße an den Fußsohlen, das alles musste erst einmal abgeschüttelt werden. Und wer schon einmal Scheiße am Fuß hatte, weiß, wie langwierig und auch eklig dieser Prozess sein kann. So ging es hin und her, man merkte förmlich, was für beide Teams auf dem Spiel stand.

Schließlich machte Frontmann Drmic den Unterschied. Seinen ersten Stich setzte er in Minute 43, als er, angespielt von Hiroshi Kiyotake, in unnachahmlicher Weise Fahrt aufnahm, sich durchsetzte und beinahe locker vom rechten Strafraumeck flach abzog und einnetzte. Saisontor Nummer 14. Ausrufezeichen! Dagegen hatte es der Schweizer später in der 54. Minute eher leicht, als er einen Konter, auf Anspiel von rechts durch den starken Markus Feulner, mustergültig abschloss. Drmic lief direkt in die Nordkurve (und auf das obige Bild), posierte selbstbewusst. Seht her: Hier bin ich! Ausrufezeichen! Punkt.

Der Rest ist schnell erzählt. Für seine Verhältnisse relativ locker brachte der Club den Vorsprung über die Zeit, ließ nicht mehr viel anbrennen. Einzig, als Lebensversicherung Drmic nach einem missglückten Tor-Abschluss für etwa fünf Minuten humpelte, hielten alle Clubfans kurz den Atem an. Drmic jetzt auch noch verletzt? Unvorstellbar. Zum Glück schien es dann wieder zu gehen. Natürlich muss an dieser Stelle noch erwähnt werden, dass sich der VfB Stuttgart die ganze Partie über schlichtweg unterirdisch präsentierte und somit ein erstklassiges Bewerbungsschreiben für Liga zwei abgab. Doch auch für die Jungs vom Valznerweiher ist die Gefahr eines Absturzes noch lange nicht gebannt. Aber Verbeek wird schon wissen, wie er diesen Etappenerfolg im Kampf um den Klassenerhalt einzuordnen hat. Als ein Ausrufezeichen. Mehr nicht.

Club holt ein Mobbingopfer

Dass beim VfB Stuttgart eine eher geringe Bereitschaft besteht, fähige Spieler aufzubauen, das hat dem Club in der Vergangenheit schon sehr geholfen (Julian Schieber, Daniel Didavi). Jetzt holt der Club Timo Gebhart von der Stuttgarter Tribüne. Dass er da saß und nicht spielte, muss nicht heißen, dass er ein Schlechter ist. Selbst bei einem Verein, der mit dem Club tabellenmäßig fast auf Augenhöhe ist. Sogar VfB-Fans halten viel von der FCN-Neuverpflichtung. So schreibt Marcel Sprenger im VfB-Blog „Brustring“:

Mobbingopfer von Bruno Labbadia, der hier leider eine Saison verschenkt hat und im Sommer den Verein wohl leider verlassen wird, auch wenn er in meinen Augen der beste Fussballer im Kader ist. Verpasste wegen seiner Sprunggelenkverletzung aus der Vorsaison grosse Teile der Vorbereitung und kam bis Dezember in der Hinserie nie über Kurzeinsätze hinaus. Rutschte in den letzten beiden Hinrundenspielen in die Startaufstellung, nur musste er dort als Aussenverteidiger aushelfen und nachdem er sich nach einer guten Vorbereitung in der Winterpause am Tag vor dem Rückrundenstart verletzte, war de facto auch seine Saison beendet, denn seitdem wird er von Labbadia entweder komplett ignoriert oder maximal zum Zeitschinden eingewechselt, wenn er denn überhaupt mal auf die Bank darf. In meinen Augen DAS Paradebeispiel dafür, dass sich Labbadia leider viel zu häufig den einfachen Weg des geringen Widerstandes sucht, Herausforderungen aus dem Weg geht und jüngere Spieler tlw. komplett ignoriert.

Timo Gebhart hat übrigens ebenfalls ein Blog und beschreibt dort, wie er sich auf den Club freut und dort Vollgas geben will. Das lässt sich also alles gut an.

Bester Absteiger aller Zeiten?

Wenn Mannschaften auch nach einem schlechten Auftritt gewinnen, dann heißt es: Wer so spielt, wird Meister. Im Umkehrschluss müsste man nach dem Stuttgart-Spiel des Club sagen: Wer so spielt, steigt ab. Da hilft es auch nichts, wenn das unverdient ist, wenn der FCN nie wie ein Zweitligist agiert hat, sondern richtig gut dabei war. Aber letztlich kam halt nichts Zählbares heraus. Außer man zählt Ecken (14 Stück) oder Torchancen (hätten locker für ein 5:0 gereicht).

Dabei hatte alles so gut begonnen. Javier Pinola nach langer Pause wieder dabei. Dadurch konnte Adam Hlousek als Außen nach vorne rücken, wo er wesentlich besser aufgehoben ist als in der Abwehr. Prompt hatte er die erste Chance . Doch der Ball ging an den Pfosten. Zwei weitere gute Chancen folgten durch Feulner und Didavi. Die erste Halbzeit gehörte eindeutig dem Club. Stuttgart war nicht wach, nicht richtig im Spiel und offenbar überrascht, wie die Nürnberger auftrumpften. Auf Twitter witzelte VfB-Fan „hirngabel“ zur Halbzeit: „Absolut überragend wie hier der kleine VfB Stuttgart den schier übermächtigen Frankenbrasilianern die Stirn geboten hat.“

Nach der Pause wurde der VfB zwar agiler, kam ebenfalls zu ein paar Chancen. Aber richtig zwingend war das alles nicht. Der Club, der zunächst mit Alexander Esswein als Spitze angetreten war, erspielte sich weitere Möglichkeiten. Aber irgendwie fehlte die Kaltschnäuzigkeit, die Präzision, misslang der letzte Pass oder klärte (zwei Mal Schieber) ein Stuttgarter in letzter Not. Bis zur 78. Minute. Da reichte dem VfB ein erfolgreich abgeschlossener Angriff um den Dreier nach Hause zu bringen.

Beim Club kamen zwar für den verletzten Esswein zunächst Bunjaku und später mit Tomas Pekhart noch ein weiterer, richtiger Stürmer. Aber irgendwie hatte ich heute nie das Gefühl, der Ball würde noch mal im Stuttgarter Kasten zappeln.

Es ist zwar eine Binsenweisheit, aber wer keine Tore schießt, der macht auch keine Punkte – und wer keine Punkte macht, der steigt ab. Für den Club stehen harte Wochen bevor. Gegen die Bayern wird es bestimmt schwerer als heute, etwas zu erreichen und in zwei Wochen in Freiburg voraussichtlich auch. Und dass die Konkurrenz diesmal gepunktet hat, macht die Sache nicht erfreulicher. So kann der Club seiner Absurditätensammlung möglicherweise bald einen neuen Titel hinzufügen: Bester Absteiger aller Zeiten.

Mehr Kopf, weniger Arm

Eigentlich hätte heute der 2. Heimsieg eingefahren und gefeiert werden müssen. Ein ungefährlicherer und schwächerer Gegner wie der VfB Stuttgart wird wohl so schnell nicht mehr im Frankenstadion auftauchen. Dass trotzdem nur ein Punkt herauskam, das macht den Clubfan dann allerdings echt betroffen.

Der Club hatte den VfB voll im Griff. Die Stuttgarter waren praktisch überhaupt nicht im Spiel. Dass sie dann doch zum Ausgleich kamen, hat sie wohl selber am meisten überrascht. Zurück ins Spiel gebracht hat sie Schiedsrichter Markus Wingenbach. Dem scheint offenbar noch niemand gesagt zu haben, dass Fußballer auch Arme haben, die sich nicht in Luft auflösen können. Daran dürfte sich auch nichts ändern, wenn ein Wingenbach seinerseits Kopflosigkeit statt Armlosigkeit demonstriert. Der Elfer war nie und nimmer einer. Doch Wingenbach hatte Glück. Der Mann mit den Armen, Philipp Wollscheid, erzielte nämlich mit jenem Körperteil, mit dem der Schiri so wenig anzufangen wusste, die erneute Führung.

Nach dem Kopfballtreffer machte der Club aber nicht weiter mit dem druckvollen Spiel nach vorne, sondern bettelte geradezu um den Ausgleich. Und so schwach ist der VfB eben auch nicht, dass er Geschenke nicht annimmt. Ob vom Schiedsrichter oder von der wieder nicht ganz sattelfesten Clubabwehr, ist denen da auch egal.

Jetzt geht es gegen die Bayern. Normalerweise dürfte da nichts zu holen sein, zum,al die Verletztenliste nach dem Ausfall von Timm Klose eventuell noch größer werden könnte. Aber vielleicht haben die Bayern auch mal ihren Freigebigen und vielleicht gibt es dort auch einen Schiri, der es mit der Anatomie etwas mehr hat als Herr Wingenbach.

Schade, einen Punkt hätten sie verdient!

Verbessert mich, aber zum ersten Mal hatte ich heute bei einem Clubspiel als Zuschauer das Gefühl: Toll, dass wir in der ersten Liga spielen. Das war eine richtig gute Partie im Frankenstadion. Jederzeit spannend, es ging hin und her, hitzige Zweikämpfe, Engagement, und dabei wurde sogar richtig guter Fußball gespielt, von beiden Mannschaften. Der Club war meistens ebenbürtig, zeitweise sogar überlegen. Dass es trotzdem nicht langte, das lag wohl an der etwas größeren Cleverness der Stuttgarter und der größeren Abgebrühtheit vor dem Tor.

Insofern war die – letztlich unverdiente – Niederlage gleich mehrfach bedauerlich. Denn gerade wenn man Spaß und Freude am Spiel des Clubs in der ersten Liga gewinnt, rückt eine solch unglückliche Heimpleite den Klassenerhalt und die Chance, öfter solche Begegnungen zu sehen, in weitere Ferne. Insofern könnte jetzt der Frust noch tiefer sitzen. Dass dem nicht so ist, liegt daran, dass man einen echten Aufschwung spürt. In der Oenning-Zeit wäre die Mannschaft nach dem 0:1 sicher eingebrochen und hätte sich ihrem Schicksal ergeben. Heute war das dankenswerterweise nicht der Fall. Da merkte man: Die wollen nicht verlieren, die hängen sich mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln rein. Darauf lässt sich aufbauen. Und nachdem Hertha und Hannover auch keine Punkte holten, sind zumindest die Chancen auf Relegationsplatz 16 nicht schlechter geworden.

Trotzdem: Schade, schade, schade, die Mannschaft hätte mindestens einen Punkt verdient gehabt!