Planloses Stückwerk

Die Woche:

  • Guten Fußball hat das Noch-Max-Morlock-Stadion schon länger nicht gesehen. Da ist es dann eine nette Geste vom DFB, im März dort das EM-Vorbereitungsspiel gegen Italien auszurichten. So ganz uneigennützig dürfte dies jedoch nicht sein. Bei solchen Testspielen melden sich mittlerweile nicht bloß jene Spieler, die es sich leisten konnten, wegen irgendwelcher Zipperlein krank, auch die Ränge sind meist spärlich gefüllt. Tickets sind offenbar wohl nur dort verkäuflich, wo die Not groß ist. Also in Nürnberg.
  • Irgendwie muss man den Fan ja von früh verfehlten Saisonzielen ablenken. Auf der FCN-Homepage soll dazu ein Adventskalender beitragen, der bis zu Weihnachten „attraktive“ Angebote und Preise alljenen verspricht, die die FCN-Quizfragen richtig beantworten. Blöd nur, wenn man dabei gar nicht gewinnen kann. Bei der Frage nach dem Siegtorschützen beim Pokalfinale 2007 wurde die richtige Antwort (Jan Kristiansen) gar nicht angeboten (siehe unten!). Es standen nur Banovic, Saenko, Mnari und Polak zur Wahl. Wahrscheinlich auch wieder so eine trickreiche Sparmaßnahme. Dass die FCN-Marketingabteilung das nicht weiß und nicht mal ergoogeln kann, können wir uns nämlich echt nicht vorstellen.
  • Daneben gegangen ist ein Versuch, die hiesige Jugend für den Club zu begeistern. Da lud der Club Erstklässler aus der Region ins Stadion ein, damit sie mal live die Begeisterung und Stimmung dort erleben können. Das war bei der 1:5-Klatsche gegen Bielefeld. Nachwuchswerbung war das eher nicht. Also wiederholte man die Einladung. Diesmal ging es schließlich gegen den Tabellenletzten aus Wiesbaden. Leider war die Werbewirkung da ebenfalls gering. Immerhin schön, dass wenigstens Herr Rossow noch optimistisch ist. Wobei, so ganz stimmt das auch nicht.
  • Woran liegt es, dass unsere Mannschaft auch in der 2. Liga so abkackt? Der Trainer allein kann es nicht gewesen sein. Der Sportdirektor wird von manchen inzwischen auch exkulpiert. Dann dürfte es vielleicht an der Mannschaft liegen, die eigentlich keine ist. Deren Kapitän hat offenbar schon Canadi einen Teil des Problems gesehen. Als er Hanno Behrens aber auf die Bank setzte, hatte er sofort die Mehrzahl der Fans gegen sich. Die Mannschaft wiederum scheint wenig darauf zu geben, was „unser Hannoooo“ so von sich gibt. Der hatte Journalisten gegenüber jegliche Stellungnahme verweigert, weil man sich jetzt auf den Abstiegskampf konzentrieren müsse. Prompt sprangen alle möglichen Mannschaftskameraden vor die Mikros und füllten die Lücke. Georg Margreitter brachte dabei gleich einen neuen Schuldigen in die Debatte: die „Traditionsfans“. Selbst wenn da was Wahres dran sein könnte (siehe Behrens und früher Bader), die Pfiffe von den Rängen kamen doch erst, nachdem die Mannschaft von Woche zu Woche trotz 1a-Support einen schlimmeren Stiefel zusammenkickte. Ach so, bevor jetzt noch jemand daher kommt und das Stadion für die Misere verantwortlich macht, fragen wir mal: Wo versteckt sich eigentlich der Aufsichtsrat gerade?

Das Spiel:

Auf dem Platz ist natürlich manches anders. Zumal wenn es gegen einen Gegner geht, der selbst Probleme hat – wenn auch auf anderem Niveau. Ein bisschen war die Konstellation so wie beim letzten Sieg in Hannover. Da ging es auch gegen einen angeblich erstklassig besetzten Bundesligaabsteiger, der nicht so recht in der 2. Liga angekommen ist und der vor heimischen Publikum das Spiel machen muss.

Das praktizierten die Stuttgarter auch und kamen in der ersten Hälfte auf mehr als 70 Prozent Ballbesitz. Der Club wiederum, der zwar mit Frey, Lohkemper und Schleusener drei gelernte Stürmer aufgeboten hatte, versuchte vor allem hinten Beton anzurühren.

Nach vorne lief für den FCN nicht viel. Das lag auch daran, dass kaum ein Pass den eigenen Mann erreichte. Bis auf ein Mal. Das war in der 10. Minute. Da konnte Geis einen Klärungsversuch der Stuttgarter abfangen, zum frei stehenden Frey köpfeln, der den Ball dann volley in den rechten Winkel hämmerte. Das sah dann schon sehr nach Befreiungsschlag aus.

Allerdings ließ der Club gleich wieder den VfB kommen, der nun verbissener aufs Tor drängte. Zwei Mal zappelte der Ball auch im Clubnetz. Beim vermeintlichen 1:1 hatte der Kölner Keller ein Foulspiel von Gomez an Behrens signalisiert. Schiedsrichter Schröder gab den Treffer ebenso nicht, wie sechs Minuten später einen weiteren VfB-Treffer. Da stand Torschütze Mario Gomez hauchdünn im Abseits. So rettete der Club mit viel Glück die Führung in die Pause.

Aber 90 Minuten nur Glück, das haut eben nicht hin. Ein bisschen Können und Spielkultur sollte sich schon noch hinzugesellen. Zunächst kam dem Club, der weiterhin nicht viel zustande brachte, zugute, dass Stuttgart sichtlich das Selbstvertrauen fehlte. So musste erst der Videobeweis helfen. In der 58. Minute erkannte der ein Handspiel von Schleusener. Den Elfmeter versenkte Silas. Eine Minute später klapperte es erneut im Clubkasten, Diesmal war Gomez erfolgreich. Der VAR war diesmal erneut auf Stuttgarter Seite. Zuvor hatte Endo Geis mit einem Kopfstoß außer Gefecht gesetzt. In Köln sah man das nicht als ahndungswürdig an. Wahrscheinlich wollte man auch mal den Stuttgartern was zukommen lassen,

Nichtsdestotrotz war das erschreckend schwach, was die Mannschaft ablieferte. Viel zu viele Fehler im Spielaufbau, kaum Struktur, keine Aggressivität, kein Zug zum Tor… Vorne gab Frey den Alleinunterhalter. Er hatte offenbar schon längst aufgegeben, irgendetwas Verwertbares von seinen Mannschaftskollegen serviert zu bekommen und rannte regelmäßig Torwart Bredlow an, wohl in der Hoffnung, wie in Kaiserslautern nochmal einen Glückstreffer zu landen.

In der 72. Minute machte Förster schließlich noch das 3:1. Da hatte sich der Club dann endgültig aufgegeben. Irgendjemanden, der das Ruder herumreißt und die Ärmel hochkrempelt, sucht man in dieser Mannschaft leider vergeblich. Wobei sich langsam auch die Erkenntnis durchsetzt, dass es nicht nur an der Mentalität hapert, sondern wohl auch an der fußballerischen Qualität.

Völlig verpufft ist jedenfalls der Trainerwechsel (die Auswechslungen von Keller waren diesmal übrigens auch schwer nachzuvollziehen). Genauso verpufft ist offenbar auch Palikucas Brandrede. Der darf in der Winterpause drei neue Spieler kaufen. Hoffentlich hören die besser zu.

Ansonsten bekommt das mit dem Zweijahresplan nämlich eine ganz andere Ausrichtung. Dann muss das Ziel „Wiederaufstieg in die zweite Liga“ lauten.

Ein Letztes:

Was ist der FCN? Rufen Sie an und nennen Sie das Lösungswort „Spitzenclub“!

Das Ufer rückt nicht näher

Die Woche:

  • Wenn Andreas Bornemann bald einen Job findet, könnte das auch die FCN-Kasse entlasten. Gerüchteweise soll er beim abstiegsbedrohten Zweitligisten FC Ingolstadt im Gespräch sein.
  • Was Bornemanns Nachfolger angeht, sollte diese Woche endlich eine Entscheidung fallen. Aufsichtsratschef Grethlein hatte zudem bei der Pressekonferenz nach dem Abgang des Sportvorstand verkündet, es werde keine acht Wochen dauern, bis ein neuer präsentiert wird. Die acht Wochen sind fast um. Aber nichts! Dass es so lange gedauert hat, lag wohl an den Schwierigkeiten, den Wunschkandidaten Markus Krösche von Paderborn loszueisen. Doch der hat inzwischen abgesagt. Er bleibt beim FCP. Wahrscheinlich hat man ihm nachdrücklich bedeutet, dass der FCN halt auch nicht unbedingt ein Karriereschritt nach oben gewesen wäre. Dass die Krösche-Verhandlungen und die Bereitschaft, eine stattliche Ablöse zu zahlen, öffentlich wurden, macht die Position einem „Ersatz“ zu finden – inzwischen wurden auch die Namen Antoine Hey und Olaf Rebbe gehandelt – bestimmt nicht besser. Profis sind im FCN-Aufsichtsrat eben nicht am Werk. Kann aber sein, dass doe dort einfach nur wieder eine Möglichkeit sehen, Geld zu sparen. Schließlich spart man sich so länger das Gehalt für teures Führungspersonal.
  • Alles wieder gut! Nach seinem Aussetzer gegen Düsseldorf hat Matheus Pereira mit dem Tor gegen Augsburg und seinen Entschuldigungsgesten an die Fans mittlerweile Absolution erhalten. Und gegen den VfB hat er dann sogar noch nachgelegt. Über die Saison hinaus bleiben wird er dennoch nicht. Für den Club ist der Leihspieler schlicht zu teuer. Das ist lange bekannt. Weshalb man auch mal die Frage stellen kann, ob man solchen „Verkaufsannoncen“ irgendwelcher Berater überhaupt ein Forum bieten sollte.
  • Dennis Lippert steigt wieder ins Training ein. Die Älteren erinnern sich vielleicht noch an den Linksverteidiger. Der riss sich vor zwei Jahren – damals hieß der Trainer noch Alois Schwarz – das Kreuzband.
  • In der Winterpause wurde lediglich Ivo Ilicevic neu verpflichtet. Er sollte das Defizit an Bundesligaerfahrung im Kader beheben. Gegen Augsburg durfte er erstmals für ein paar Minuten ran. Danach fehlte er wieder. Wegen „muskulärer Probleme“.
  • Die letzte Woche beendete Serie von 20 Spielen ohne Sieg bedeuten in der Bundesligarangliste immerhin Platz 5 für den FCN. Platz 1 nimmt Tasmania Berlin mit 31 Spielen ein. Mit je 21 Spielen stehen Kaiserslautern, Dresden und Blauweiß Berlin auf den folgenden Plätzen. Gibt es eigentlich schon eine Rangliste für die längste Sportvorstandssuche.

Das Spiel:

Wieder ein Schicksalsspiel! Diesmal mit der Chance, das rettende Ufer in Sichtweite zu befördern. Zunächst begann der Club gegen den VfB gut. Ließ nicht viel anbrennen, brachte aber nach vorne nicht viel zuwege. Langsam kamen die Stuttgarter aber besser ins Spiel. Richtig brenzlig wurde es allerdings erst in der 34. Minute als Kempf mit einem Kopfball aus kurzer Distanz nur die Latte trifft. Fünf Minuten später schafft der Club jedoch den Aluminiumausgleich. Einen Schuss von Pereira konnte Zieler noch gegen den Pfosten lenken. Drei Minuten später macht es besagter Pereira aber besser. Zunächst setzte Behrens den Ball nach einer Ecke zwar noch an die Latte, dann war der Leihspieler aus Lissabon aber zu Stelle und drückte den Abpraller über die Linie.

Dass man solche Chancen allerdings auch vergeigen kann, bewies Ex-Nationalspieler Mario Gomez kurz danach. Ihm prallte der Ball am leeren Tor vor den Fuß. Gottseidank stocherte er vorbei.

In der zweiten Hälfte war der Club in der komfortablen Situation, auf Konter lauern zu können. Leider machte er nichts draus. Das lag auch daran, dass der in der erste Hälfte überragende Pereira etwas abbaute und sich der früh für den verletzten Kerk eingewechselte Kubo – wie übrigens auf der anderen Seite Gomez – als Chancentod profilierte. Für Kubo gab es dann kurz vor Schluss sogar noch die Höchstrafe: Er wurde für Petrak wieder ausgewechselt.

Schommers brachte zunächst Misidjan für Ishak und ließ Kubo als hängende Spitze agieren. Doch auch von Misidjan ging nicht viel Zwingendes aus. So war es in der 74. Minute Pereira der noch einmal eine gute Chance für den Club besaß, aber knapp am Tor vorbeizog.

Dann bewahrheitete sich aber leider wieder, dass sich sowas rächt. Eine Minute später nutzte Kabak die Unordnung in der Clubabwehr und erzielte den Ausgleich. Der wurde zwar vom Videoassistenten noch geprüft, da Donis, von dem der Ball zum Torschützen sprang, eventuell im Abseits stand. Aber das Tor wurde gegeben. Leider.

Danach hatte der VfB erstmal Auftrieb. Der Club musste sich erst sammeln. Doch dankenswerterweise vergab Gomez beste Chancen. Auf der anderen Seite ging es Misidjan aber nicht anders.

So blieb es beim 1:1. Ein Punkt, der wohl zu wenig ist, um noch das rettende Ufer zu erreichen. Ärgerlich vor allem, dass wieder mal die Chance verpasst wurde, einen Konkurrenten nach unten zu ziehen. Doch am Freitag kommt Schalke. Vielleicht klappt es da.

Ein Letztes:

Wenigstens am 1. April darf man doch mal erfolgsorientiert denken, oder?

„Nur so können wir uns dauerhaft in der 1. Liga etablieren“: #FCN und #SGF wollen über Fusion und Stadionneubau an der Stadtgrenze verhandeln: https://t.co/OAseH1wMze— Friends Of FCN (@clubfreunde) 1. April 2019