Englische Woche mit Sternchen

Die Woche:

1. Am 8. Oktober ist Jahreshauptversammlung. Wahrscheinlich eine vergleichsweise unaufgeregte nach dem Derbysieg. Da geht es dann mal offiziell um die Finanzen und nicht nur indirekt im sportlichen Hintergrund. Inzwischen würde es schon als Erfolg gewertet, wenn der Etat wenigstens ausgeglichen wäre. Ach ja und drei Posten im Aufsichtsrat sind auch zu besetzen.

2. Die Trainerfrage stellt sich beim Club aktuell glücklicherweise nicht. Insofern registrieren wird manches gelassen. Zum Beispiel, dass unser Ex bei seinem Folgeverein auch vor die Tür gesetzt wurde.

3. Letzte Woche habe ich hier die gescheiterte Bewerbung Nürnbergs als Spielort für die EM 2024 erwähnt. Mittlerweile stellt sich raus, dass die Stadt damit – wenn auch unfreiwillig – die Grundrechte schützt.

Die Spiele:

Optimale Ausbeute aus der englischen Woche: Erst das 6:1 in Duisburg. Danach gelang gegen den VfL Bochum Historisches. Bisher waren die unser Angstgegner und in der 2. Liga unbezwingbar. Jetzt schickte der FCN die Bochumer mit einem 3:1 nach Hause. Dabei spielten die durchaus gut mit, waren anfangs gar überlegen. Trotzdem gingen sie auf eher kuriose Weise in Führung. Enrico Valentini stellte sich in den Strafraum und hob die Hand, der VfL-Stürmer nahm das Angebot an, kickte den Ball gegen den unnatürlich ausgestreckten Arm und es gab Elfmeter. Gut, es war aus Valentinis Sicht natürlich anders. Er wollte Abseits reklamieren.

In der zweiten Hälfte machte es der Clubverteidiger besser. Der erneut torgefährliche Eduard Löwen hatte zuvor schon den Ausgleich erzielt, da servierte Valentini Clubkapitän Behrens den Ball vor die Stirn und der machte den Führungstreffer. Später gelang Ishak per Elfmeter noch des 3:1. Der Clubstürmer, der monatelang nur durch Ladehemmung auffiel, spielt jetzt sogar um die Torjägerkanone mit.

Im Derby legte der Schwede nämlich gleich noch nach. Bereits in der 9. Minute schloß er auf Pass des diesmal in die Startelf beorderten Cedric Teuchert erfolgreich ab. Allerdings ließ der Club dann die Fürther kommen und verschaffte so dem, trotz der Genesung von Kirschbaum, wieder als Nummer 1 auflaufenden Fabian Bredlow genügend Chancen, warm zu werden. Besser wurde es erst als Köllner den – trotz guter Leistungen – erstmal auf die Bank verbannten Neuzugang Tobias Werner brachte. Fünf Minuten später war es allerdings der überragende Kapitän Hanno Behrens, der mit tollem Pass Teuchert bediente, der dann den scheinbar beruhigenden und angesichts des Fürther Unvermögens auch verdienten Zwei-Tore-Vorsprung herstellte.

Doch gegen die Kicker aus der Nachbarkommune sollten wir uns nie zu früh freuen. Da ist immer irgendein krummes Ding drin. Das lieferte diesmal Schiedsrichter Zwayer. Der schenkte den Fürthern in der 79. Minute einen Elfmeter. Zuvor hatte Bredlow beim Herauslaufen den Fürther Hofmann irgendwie ein bisschen im Gesicht erwischt. Danach hatten die Hausherrn natürlich Oberwasser und Bredlow jede Menge Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Schließlich schenkte ihnen Zwayer auch noch unerklärliche vier Minuten Nachspielzeit. Die nutzte dann allerdings Behrens um nach einer eigentlich eher auf Zeitgewinn gespielten Ecke den Ball zum dritten Mal im Fürther Tor unterzubringen.

So gibt es endlich mal wieder einen Derbysieg zu feiern.

Ein Letztes:

…und damit Außenstehende halbwegs eine Ahnung davon bekommen, was das bedeutet:

Das Stadion ist schuld

Lasst uns über das Stadion reden. Da ist mehr los. Da bröckelt der Beton. Schon werden wieder Baupläne gewälzt. Große Pläne. Für die EM 2024, aber nicht nur.

Die Realtät auf dem nur wenige Zentimetre über dem Grundwasserspiegel liegenden Rasen sieht leider anders aus. Da bemüht sich die Mannschaft gerade, eher kleine Stadionlösungen zu forcieren. ODer Zuschauerzuspruch wird von Spiel zu Spiel bescheidener. Das liegt allerdings nur bedingt an den manchmal ungünstigen Anstosszeiten. Das liegt bedingt an der mediokren Tabellensituation, wo nicht einmal mehr die Volloptimisten an den Wiederaufstieg glauben. Das liegt aber vor allem an dem uninspirierten Bemühen, wie die Clubmannschaft unter Alois Schwartz ihre Heimspiele gestaltet. Braves Handwerk, sinnbefreites Kilometerfressen, aber kein Plan, wie man eine Abwehr knackt. Selbst an der Bochumer scheitert unser FCN und die kamen mit dem Ruf eines der schlechtesten Auswärtsteams und immer für ein Gegentor gut zu sein nach Nürnberg. Trotzdem: Selbst gegen diesen VfL hätten wir heute noch stundenlang anrennen können. Da wäre nichts passiert. Dafür ist der Club hinten immer für einen Treffer anfällig. So – leider – auch heute.

Die Spielweise des Clubs erinnert inzwischen frappant an die Ausstrahlung ihres Trainers: bieder und blaß. Insofern erkennt man zwar die Handschrift von Alois Schwartz, aber nichts, was irgendwie Hoffnung macht. Selbst da, wo diese bislang aufkeimte, herrscht inzwischen Ödnis. Sabiri zum Beispiel hat sich längst angepasst. Teuchert oder Ishak kommen zu spät, um noch etwas zu reißen und hängen zudem vorne in der Luft, weil aus dem Mittelfeld nichts kommt. Gislason, in München noch der einzige Aktivposten, wirbelte heute nur noch alibimäßig. Torgefahr ging von ihm auch nicht aus.

Eine seltsame Bräsigkeit scheint auf der gesamten Mannschaft zu lasten und die liegt nicht nur am Weggang von Guido Burgstaller oder daran, dass die Mannschaft zu wenig Qualität hat. Jakub Sylvestr, vom Club als untauglich ausgemustert, hat zeitgleich für seinen neuen Verein drei Tore gemacht.

So scheint selbst auf dem anderen Schauplatz, über Spielerverkäufe die Finanzen wieder ins Lot zu bringen, der Wurm drin zu sein. Womit wir wieder bei Stadion wären. Wenn da der Beton bröckelt, dann strahlt das eben auch auf die Mentalität der dort agierenden Beteiligten ab. Einen anderen Grund kann es schließlich nicht geben… Oder fällt euch einer ein?