Viagogo goes gar nicht

Da haben wohl Vorstand und Aufsichtsrat die Stimmungslage etwas falsch eingeschätzt. Bei der Jahresmitgliederversammlung am Dienstag stand jedenfalls plötzlich ein Thema ganz oben, das die Herren gar nicht im Fokus hatten: Viagogo. Dass die Fans über diese Abzocke sauer sind und das nicht bloß in Nürnberg, hätten unsere Cluboberen unter anderem auch hier im Blog lesen können.

Die Antworten wären dann bestimmt fundierter ausgefallen. Aber vielleicht ist da eine gewisse Intransparenz auch Absicht. Wie groß ist eigentlich das Kontingent, das über Viagogo vertickt wird? Wann wird der Vorverkauf eingestellt, damit Viagogo nicht leer ausgeht? Wie lange läuft der Vertrag? Durch was sind 21 Euro Bearbeitungsgebühr gerechtfertigt? Da hätte man gerne Antworten gehabt.

Aber immerhin: Am Dienstag zeigte sich, dass geballte Fanpower auch etwas bewirken kann. Die Zusammenarbeit mit Viagogo wird jetzt überprüft.

Freilich hätte man erwarten können, dass der Vorstand seine Hausaufgaben vor und nicht nach der Mitgliederversammlung macht, dann hätte es auch weniger Gegenstimmen bei der Entlastung gegeben.

Club kooperiert mit obskurem Tickethändler

Es fällt mir schon schwer, die Bayern zu loben und den Club zu tadeln. In diesem Fall ist es leider angebracht.

Weil es für das Freitagabendspiel gegen Frankfurt im Vorverkauf keine Karten mehr gibt, verweist der Club auf seiner Facebookseite die Fans auf Viagogo. Und zwar mit folgendem Text:

„Ihr möchtet den Club beim Spiel gegen den Tabellenzweiten aus Frankfurt unterstützen, aber habt keine Karte mehr bekommen? Kein Problem! Auf viagogo.de, der offiziellen Ticketbörse des 1. FC Nürnberg, gibt es noch Karten für die Begegnung. Sichert euch eure Karte und seid am Freitag live dabei.“

Für Leute, die Viagogo kennen, hört sich diese Aufforderung an, als würde der FCN auf den Schwarzmarkt verweisen. Beim Online-Ticket-Händler Viagogo stellt man seine Karte zu einem beliebigen Preis ein. Der Käufer kann sie nehmen oder nicht. Auf jeden Fall kassiert Viagogo, und zwar zehn Prozent vom Verkäufer und 15 Prozent vom Käufer – je mehr verlangt wird, desto mehr verdient Viagogo. Der Online-Händler wehrt sich freilich gegen den Vorwurf, weiter lesen